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ADORNO

Theodor Adorno

um 1945
jüdischer Soziologe
- gehörte zur Frankfurter Schule

Lehre

- Das Instrument, mit dem das Bürgertum zur Macht gekommen war, Entfesselung aller Kräfte, allgemeine Freiheit, Selbstbestimmung, kurz, die Aufklärung, wandte sich gegen das Bürgertum, sobald es als System der Herrschaft zur Unterdrückung gezwungen war.

Dialektik der Aufklärung

- die Schwäche dieses Buches ist, daß es den Mythos in der Moderne überall und damit zugleich nirgends sieht, im Positivismus nicht weniger als in den antipositivistischen Strömungen, im asketischen Wissenschaftsbetrieb nicht weniger als im kulturindustriellen Amüsement, in den rationalen Handlungen des homo oeconomicus nicht weniger als in den kollektiven Rauschzuständen paranoiden Antisemitismus
- entwickelte keine Methode, um Begriffe tatsächlich voneinander scheiden zu können
- betrachtete den Mythos als VOR der Religion Liegendes und positionierte sich damit gegen Wilamowitz
- entfaltet den zentralen Gedanken, daß die abendländische Vernunft von Anfang an einem Prozeß der Selbstzerstörung ausgeliefert war: Aufklärung ist in den Mythos zurückgeschlagen, weil in ihr das Prinzip der blinden Herrschaft obsiegte, das die einzelnen in Zucht nimmt, ohne sie mit dem Ganzen zu versöhnen: die Vernunft versprach Freiheit und zwingt am Ende alle in ein (vernünftiges) System, das durch die Kulturindustrie gelenkte Kollektiv, dem man nur Herr werden könne, wenn man diese Zwanghaftigkeit des historischen Prozesses als das entkleidet, was sie ist: Schein

Adorno zwischen den Welten - eine Groteske

(8. Mai 1968. 22.32 Uhr. Vernehmungszimmer irgend eines Geheimdienstes. Huber und Breithaupt werden von Vernehmungslampen angestrahlt.)

Vernehmer 1: (klein, dick, glatzköpfig, schweißnaß) Wir sind gezwungen, Sie zu ersuchen, besagten Liedtext nicht mehr in Ihrem Programm zu verwenden.

Breithaupt: Vergessen Sie´s!

Huber: Es ist wenig vernünftig, das Land in nur eine Richtung zu drängen. Uns fehlt die andere Hälfte, und die können wir nur im Dialog mit dieser wieder gewinnen. Das heißt auch, die anderen integrieren mit ihren Ideen und Träumen. Nur zusammen sind wir Deutschland.

Vernehmer 2: (groß, breitschultrig, trocken und glatt) Bestätigen Sie unsere Vermutungen, mit dem Osten zu sympathisieren?

Breithaupt: Sympathisieren Sie mit Ihrem linken Arm, Herr Beamter? - Wir sind hier am Ende, Mann! Fühlen Sie sich wohl mit Notstandsgesetzen? .

Vernehmer 2: (hart) Wollen Sie den Anschluß an den Osten?

Huber: Wenn es helfen würde, ja!

Vernehmer 1: (schleimig) Wozu helfen? Daß der Kommunismus hier seine Zelte aufschlägt?

Vernehmer 2: (hart) Mensch, Huber, treten Sie doch nicht jeden Scheißhaufen der Roten breit! Ich denke, Sie haben studiert!

Huber: (betont sachlich) Ich seh das so: Es sind nur zwei Varianten für den Westen möglich: Erstens, den Osten wirtschaftlich kaputtdrücken und dann kaufen. Zweitens, die Bundesrepublik intensiv wandeln, das heißt. Pluralismus der Meinungen, Dualismus des Rechtes und Monotheismus des Geldes.

Breithaupt: Ich geb diesem Scheißstaat vielleicht noch zwei Jahrzehnte.

Vernehmer 1: Herr Breithaupt, wollen Sie sich zum Visionär hochschwingen?

Breithaupt: Aber wer will das? Man will dabeisein, mitverdienen, mitleben…- Zumindestens wollen sie, daß man das will.

Vernehmer 2: (trocken) Nun, so so. Facit: Ihr Liedtext ist ab heute verboten. Sollten Sie sich nicht daran halten, werden wir dieses Gespräch fortsetzen müssen.

Breithaupt: Das Lied können Sie einsacken. Kurzzeitig. Wollen Sie die Bühne stürmen, wenn ich´s singe? Wollen Sie mich einbuchten, damit ich mein Maul halte?

Vernehmer 1: Bitte unterschreiben Sie das Vernehmungsprotokoll!

(Beide unterschreiben und werden in ihre Zelle geführt, Bühne dreht sich, karge U-Haft Zelle / Huber sitzt auf seiner Pritsche und baut eine Zigarette, beide legen sich hin, schauen an die Decke und rauchen, das Kraut wird hin und hergereicht, sie geraten in die Vision.)

Chor der Verfassungen: Ihr habt gesündigt gegen die Regeln der Demokratie! Euer Ruf nach Freiheit des Landes verhallt ungehört. Gesteht die Macht der Illusion! Nicht Fisch, nicht Fleisch taumelt ihr von APO zu Kommune, Adorno zu Marx, Schopenhauer zu Bloch. Verteidigt euch!

Huber: Das Recht der Jugend ist unsere Verteidigung.

Breithaupt: Die Pflicht zur Wahrheit.

Chor der Verfassungen: Wahrheit, Recht, Jugend, Pflicht. Definiert euch und stützt die Ermittlung.

Huber: Wir haben das Recht zu schweigen.

Chor der Verfassungen: Und ich die Pflicht, euch zur Sprache zu bringen.

Breithaupt: Gebt uns Gelegenheit zur Diskussion!

Chor der Verfassungen: Abgelehnt. Ihr habt den Totpunkt überschritten. Laßt ab vom Gieren nach Wahrheit! Laßt eurer Sucht in den zugestandenen Revolutionen Raum.

Breithaupt: Genug ist nicht genug. Wir hoffen auf unsere Tradition.

Chor der Verfassungen: Traditionen sind irrelevant. Entscheidend ist das Wachstum. Wachse zum Firmament, Kelch der Vernunft. Nimm sie auf, in den Streben Seelen zu verweben.

Huber: Der Chor erstaunt mich, da ist doch Gefühl.

Breithaupt: Mit dieser Poesie wollen sie uns weichkneten.

Chor der Verfassungen: Nehmt unsere Hand, wir zeigen euch das gelobte Land.

Huber: Was habt ihr denn zu bieten außer langsamem Sterben in der Gier nach Erfolg? Versucht nicht, uns die Erfüllung zu nehmen.

Chor der Verfassungen: Das ist der Grund unseres Tages. Ihr seid auf den falschen Weg. Hier und heute das zu glauben, wurdet ihr hergeladen.

Breithaupt: Warum sollen wir weichen?

Chor der Verfassungen: Hier ist der letzte Ort der freundlichen Ermahnung. Die Phantasie zu erkennen, was hernach kommen wird, ersparen wir euch. Überleben kann das kein gesunder Geist. Findet die gerechte Form und erblüht zu unseren Patrioten.

Huber: Patrioten der Angst.

Chor der Verfassungen: Patrioten der Liebe zum Wachstum.

Breithaupt: Sozialmarktwirtschaftlicher Schwachsinn, niemals.

Chor der Verfassungen: Willst du es heute beenden. Danach ist es leichter zu sterben, denn du wirst es sein. Wir nehmen dir dein inneres Licht. Du wirst es nie wieder entzünden können, und dumpf durch die Jamben taumeln. Du wirst die Karikatur des Künstlers sein. Und dein Schicksal lautet: Vergessenheit.

Huber: Gebt uns eine Chance!

Chor der Verfassungen: Denk an deine Familie. Wir zerstören dich. Die Strafe ist übel, erfolgreich zu sein und doch schwach im Gewissen. Nimm es mit in dein Leben, Verräter der Zukunft.

(Die Bühne verdunkelt sich. Ein Spot wirft ein Licht auf Breithaupt, der sich müde erhebt und singt.)

 
adorno.txt (699 views) · Zuletzt geändert: 2016/10/31 21:01 von aerolith
 
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