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ARISTOTELES

Leben

384 und 322 v.Chr.
- Lehrer von Alexander der Große zwischen 342 und 334
- kehrte nach Athen zurück und gründete ein Gymnasium, den Peripatos, d.s. Wandelhallen des Apollo Lykeios

Erkenntnistheorie

- weil Aristoteles das Seiende überhaupt erkennen wollte, wurde ihm die Erkenntnis des Grundes des Seienden zur Gotterkenntnis, qeion

Naturlehre

Aristoteles definiert vier je zwei komplementär zusammengehörige Ursachen:

  1. die Stoff- und Formursache - verhalten sich zueinander wie das Bestimmbare und das Bestimmende
  2. die Bewegungs- und Zweckursache - beziehen sich auf Anfang und Ziel jeder Bewegung.

- der Stoff, ylh, ist unerkennbar und von unbestimmter potentieller Natur
Gans bezeichnete Aristoteles' Stellung in der Philosophie als sollende leere Mitte

Ethik

Aristoteles (Büste)- Hans von Arnim erbrachte 1924 den Nachweis, daß die Aristoteles zugeschriebenen Ethiken auch von ihm stammen
- in seinen Jugendschriften schwankt er zwischen der Ideenlehre Platons und einer vorsokratischen Kosmosverehrung, die eher Kontemplation als höchstes Lebensziel auspreist als das Tun in der menschlichen Gesellschaft
- stellt Formen und Bedingungen moralischen Verhaltens dar und untersucht die Frage nach dem höchsten Gut für den Menschen → Entstehung des Namens Ethik
- stellt Regeln auf, keine Gesetze, denn das Gute existiert nicht schlechthin, sondern in so vielfacher Hinsicht wie das Sein (1096e) → deshalb gibt es keinen absoluten Maßstab für das sittliche Handeln, sondern nur Regeln für das Verhalten in bestimmbaren Situationen (prepon), ABER: Aristoteles kann über das bloße Beschreiben, die empirisch-phänomenologische Auffassung der Ethik durch die Fixierung seiner Prinzipien in der Mesotes-Lehre hinausgehen
- will die Arete erlangen, nicht wissen, was sie ist, um so zu hoffen, daß Wissen = Tatbestand ist → die zweckfreie Erkenntnis ist höchste Lebenserfüllung
- die doxa ist die Bedingung richtigen Handelns, nicht das Wissen (1140b)
- setzt auf die Bedeutung der Erziehung, d.i. die Formung irrationaler Seelenkräfte (1103a), um durch Gewöhnung zu ihr zu gelangen: Die seelischen Vorzüge entstehen in uns weder von Natur noch wider die Natur, sondern dadurch, daß wir von der Natur die Fähigkeit haben, sie anzunehmen, und durch Gewöhnung ihnen zur Vollendung zu helfen.

Mesotes-Lehre

Definition: die richtige Mitte zwischen Zügellosigkeit und Gefühllosigkeit, das gute Maß und gemeinsame Merkmal der einzelnen Tugenden, meson, ein fruchtbares heuristisches Prinzip
Motiv für Mesotes: KalonStreben nach Schönheit
- für die Lehre unwichtig sind Umstände wie Krankheit und Vermögen o.a., weil sie keinen Gegenstand der Tapferkeit abgeben können
- Aristoteles weicht von Platon dahingehend ab, daß er die drei Lebensformen (Soldat, Philosoph, Bauer) als sich gegenseitig ausschließende Möglichkeiten konfrontiert, während Platon das Ideal eines von philosophischer Einsicht gelenkten Lebens der Tat aufstellt → Rückkehr zum vorsokratischen Gedanken einer airesiz bion (Wehrli)

Gerechtigkeitslehre

  • Übereinstimmung mit dem Nomos
  • zwischen dem Zuviel und Zuwenig an Recht:

- jeder soll das Seine erhalten
- verantwortlich für richtiges Verhältnis der Seelenteile → gehört somit zur ganzen Seele
- im engeren Sinne: Einzeltugend, die jedoch die höchste darstellt, da sie jede einzelne Tugend in sich enthält
- Tugend des sozialen Verhaltens
- ein fremdes Gut – allotria - als einzige unter allen Tugenden; seinsmäßig von der Tugend geschieden, ethisch ihr zugehörig
- nicht accidentiell, sondern substantiell → darin die Dynamis der Gerechtigkeit
- Bindung an eine Kodifikation beeinträchtigt wahre Gerechtigkeit → also muß der Herrscher herrschen können, um gerecht zu sein
- der Mensch besitzt eine natürliche Ablehnung gegenüber dem Unbekannten, dem Fremden, das er als Bedrohung empfindet (Xenophobie; Fremdenfeindlichkeit) → Gerechtigkeit entsteht für ihn dann, wenn jeder das ihm Gemäße erhält

Logik

- Methodenlehre des Beweises → untersucht die Formen und Gesetze der wissenschaftlichen Beweisführung
- jedes Urteil ist entweder bejahende oder verneinende Aussage
- aus der Verknüpfung zweier Urteile ergibt sich der Schluß, Syllogismus, wenn die Urteile einen gemeinsamen Begriff tragen

Beweisführung

  1. Ableitung des einzelnen aus dem Allgemeinen - Deduktion
  2. Hinführung vom einzelnen zum Allgemeinen - Induktion → Erfahrungswerte sammeln durch Experimente oder andere Erfahrungen

- die Theologie ist deduktiv, weil Gott nur durch Gott erkannt werden kann

axiomatischste Urteile der Logik:

  1. contra dictionis: welche sind die allerallgemeinsten Urteile?
  2. identitalis: A bleibt A, es wird nicht B
  3. exclusii tercii: das ausgeschlossene Dritte → II. kann auch nicht durch ein Drittes vermittelt werden
  4. causalitatis: es muß ein zureichender Grund angegeben werden

- die intuitive Bejahung ist nicht zu beweisen: Es ist nicht möglich, denselben dasselbe in demselben Sinn zugleich zuzuordnen und nicht zuzuordnen. → Syllogistik (Kernstück der Aristotelischen Logik)

  1. A ã B, zu lesen: A kommt allen B zu
  2. A ê B, zu lesen: A kommt keinem B zu
  3. A î B, zu lesen A kommt einigen, mindestens einem, B zu
  4. A õ B, zu lesen A kommt einigen, mindestens einem, B nicht zu

- die Syllogistik hat zu untersuchen, in welchen Fällen aus zwei Sätzen der Formen 1-4 über Prädikate A,B,C die ein Prädikat [B] gemeinsam haben, ein Satz der Form A*C logisch folgt, wobei * eine Variable für ã, ê, î, õ ist

Metaphysik

zwei plus zwei Prinzipien sind in der Welt:

  1. die Materie – das Mögliche
  2. die Form – wesengebende Kraft
  • causa efficiens – bewirkende Ursache
  • causa finalis – das Ziel, auf das alles hinwirkt

- die Natur ist eine bewegte, eine immerwährende kinesiz → quantitative und qualitative Veränderung der Dinge
- das einzelne Ding entsteht durch den Widerstand der Materie gegenüber der Formgestaltung
- die Wirklichkeit entsteht durch das Wirken der Prinzipien; eine den Dingen zugrundeliegende Potenz verwirklicht sich im Akt
- die Welt ist eine Entelechie, die zu einem Telos will
- über die Betrachtung der Natur zu erreichen → Suche nach dem Dahinterliegenden, d.i. die Analyse des Lebendigen selbst in seine Bewegungsurgründe
- das metaphysische Denken setzt beim Einzelding an, aber dieses Einzelding interessiert nicht wirklich, nur das Dahinterliegende: die Substanz ist das Wesen der Dinge, denn Erkenntnis geht auf das Wesen der Dinge
- will die Phänomene als Wesensmerkmale des Seienden retten: das Wesen liegt in den Dingen selbst, es gibt KEINE Ideenwelt: Aristoteles sucht den platonischen Dualismus zwischen Sinnen- und übersinnlicher Welt zu überwinden
- das Wesen ist nicht statisch, da die Welt bewegt ist
- findet das intelligible Reich in der Seele
Paradoxie: die Welt besteht ewig, mußte aber durch den unbewegten Beweger in Bewegung gesetzt werden

Poetik

Alle Menschen unterscheiden sich, was ihren Charakter betrifft, durch Schlechtigkeit und Güte. Aufgrund dieses Unterschiedesweicht die Tragödie von der Komödie ab: die Komödie sucht schlechtere, die Tragödie bessere Menschen nachzuahmen, als sie in der Wirklichkeit vorkommen. Die Tragödie ist dramatisch, d.h. eine Nachahmung sich Betätigender ist aufgeschrieben. Die Komödie ahmt schlechtere Menschen nach, insofern das Häßliche Anteil am Lächerlichen hat: das Lächerliche ist nämlich ein mit Häßlichkeit verbundener Fehler.
Die Tragödie enthält sechs Teile:

  1. Mythos – Zusammenfügung von Geschehnissen
  2. Charaktere
  3. SpracheVerständigung durch Worte → gliedert sich in die Elemente Buchstabe, Silbe, Konjunktion, Artikel, Nomen, Verb, Kasus, Satz
  4. Erkenntnisfähigkeit – Vermögen, das Sachgemäße und Angemessene auszusprechen (Stimmigkeit des Charakters)
  5. Inszenierung
  6. Melodik – ein Teil der Katharsis

Die Epik und die Tragödie verhalten sich folgendermaßen zueinander: Die Tragödie ist Nachahmung einer guten, in sich geschlossenen Handlung. Was die Epik (Handlungsvielheit) enthält, das ist auch in der Tragik enthalten, nicht dergleichen umgekehrt. Man darf kein episches Handlungsgefüge zu einer Tragödie machen. In der Tragödie kann man nicht mehrere Teile der Handlung, die gleichzeitig stattfinden, nachahmen, sondern nur den Teil, der auf der Bühne stattfindet. Im Epos ist das möglich; zum Epos paßt das Ungereimte, die Hauptquelle des Wunderbaren, besser, weil man die Handelnden in ihrer eventuellen Lächerlichkeit nicht vor Augen hat.
Die Schönheit der Tragödie beruht auf der Größe und Anordnung. Der Erwartungshaltung des Zuschauers wird im Epos Rechnung getragen. Im Drama ist der Ausgang jedoch oftmals der Erwartungshaltung entgegengesetzt. Es ist im dramatischen Sinn sehr wahrscheinlich, daß sich vieles gegen die Wahrscheinlichkeit abspielt.
Der Dichter hält sich zumeist an bereits gelebte Personen. Jede Tragödie besteht aus Verknüpfung und Lösung. Die Verknüpfung umfaßt die Vorgeschichte und einen Teil der Bühnenhandlung bis zu dem Augenblick, da die Wende geschieht; die Lösung beinhaltet den Rest. Die Tragödie besteht formal aus:

  • Prolog: Teil der Tragödie vor dem Einzug des Chores
  • Episode: Teile zwischen den Chorliedern
  • Exodus: Teil nach dem letzten Chorlied.

Die Nachahmung des Reellen ist der Mythos.
Die Fabel des Stücks hat mit der Einheitlichkeit der Handlungsweise des Haupthelden nichts zu tun. Die Fabel benötigt eine einheitliche Handlung, einen Faden. Die Lösung der Handlung, das Ergebnis der Peripetie (Wendepunkt des Dramas) muß daraus selbst herausgehen.
Dabei gibt es eine einfache und eine komplizierte Handlung. Eine Handlung ist einfach, deren Wende sich ohne Wendepunkt oder Wiedererkennung vollzieht; andernfalls ist sie kompliziert. Die Katharsis bewirkt die Rettung, auch beim Zuschauer, denn sie soll die reinigende Wirkung abgeben, die der Zuschauer erfährt, wenn er dem Faden folgen kann.

Staatslehre

Prämisse: die Frage nach der Bedeutung der Vernunft (der auf Tugend aufgebauten Klugheit) für die Ordnung der Gesellschaft → es ist also diejenige Gesellschaftsordnung die beste, in der die Vernunft am meisten wirkt bzw. sich am besten entwickeln kann
stellt drei Syteme gegenüber

- bei allem Für und Wider scheint er die Politie zu befürworten

Rezeption

- mit ihm verbindet Lessing den Grundgedanken, daß nur eine mittlere Person, also eine mit Fehlern behaftete, den Zuschauer zu Leidenschaften bewegt, doch verwirft Lessing Aristoteles' Gedanken, über die Furcht zur Besserung beizutragen

 
aristoteles.txt (1731 views) · Zuletzt geändert: 2014/12/21 11:22 von aerolith
 
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