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augustin

AUGUSTIN

Augustin

auch Augustinus
354-430
- die PHILOSOPHIE ist ihm, die BASIS für alle pädagogischen Aufstellungen, aber auch selbst Zielpunkt der ERZIEHUNG, letztlich Erziehung zur Philosophie → die neuplatonisch-mystische Richtung der augustinischen Philosophie folgt diesem Ansatz zur Philosophie: die FÜHRUNG der Menschenseele zur Einigung mit dem Göttlichen

- es gilt, zwei Fragen zu stellen

  1. die Frage nach GOTT
  2. die Frage nach der SEELE

→ die Antwort(en) führt zur WEISHEIT und Lösung der Philosophie

Leben

Augustinus Kirchenvater aus der ZEIT Julian Apostatas
- Bischof von Hippo
- die erste deutlich erschienene FAUST- und Wissensseele - Itinerarien zu Gott (Bloch)
- bestimmte die THEOLOGIE der KIRCHE bis zur REFORMATION
- war zuerst Manichäer
- Birnensünde der Jugend beschäftigte Augustinus zeitlebens - er nahm sie aus purer Bosheit, nicht weil er sie gebraucht hätte → das GEFÜHL der Sündhaftigkeit führt zur FRÖMMIGKEIT und bewahrt den eigenen WERT bei allen widrigen äußeren Umständen - die SÜNDE verliert ihren politischen CHARAKTER und tritt in die VERANTWORTLICHKEIT des einzelnen
- entwickelte die IDEE von den guten Taten, die um ihrer selbst willen aus LIEBE geschehen: Non faciunt bonus mores boni amores. → Ist das die NEIGUNG zur PFLICHT, die KANT ablehnte/beim Menschen nicht glauben konnte? - siehe NEIGUNG vs. PFLICHT
→ bei Augustinus stehen Kirche und EINZELNER gleichberechtigt nebeneinander - VERANTWORTUNG gegenüber der Sünde -, weswegen die Jansenisten später als Wiederaufnehmer Augustinischer GEDANKEn verteufelt wurden
- der größte Entdecker der objektiven Zeitfunktion bis LEIBNIZ:

  • corruptio defectus der Fall ins Vergängliche
  • augmentatio, profectus der Fortgang des Rettenden

Erkenntnistheorie

- das HEIL ist SEIN ohne Zeit → Beachte die Änderungen der Dinge, so findest du erit und fuit; denke Gott, so findest du est, worin fuit und erit nicht sein kann - GEGENSATZ zum PANTHEISMUS -, d.i. das NUNC STANS aeternitas: das ewige Ruhekristall, die transzendente Tiefe, das Urlicht, das nach vollendeter geschichtlich-historischer Erhellung durchbricht
- will gegenüber der akademischen SKEPSIS die MÖGLICHKEIT eines Philosophierens sichern, d.h.: Was ist immer gewiß? Woran kann nicht gezweifelt werden? → das WISSEN um die Existenz des Ich, das zweifelt
→ davon ausgehend findet der suchende Geist weitere Sicherheiten:

ABER: der MENSCH kann nicht der SCHÖPFER moralischer Gesetze sein, er kann nicht die Gesetze der LOGIK, MATHEMATIK, ETHIK etc. nicht schöpfen → d.i. der Verweis auf Gott

Metaphysik

- unmittelbares Wissen gründet auf innerer ERFAHRUNG → Sein, Wissen und WILLE bilden in unlöslicher EINHEIT die SUBSTANZ der Seele selbst und gewähren eine analogische Vorstellung vom GEHEIMNIS der TRINITÄT
- die höchste BEDEUTUNG bei der Gottsuche kommt dem Willen zu, weil er die größte Aktivität entfaltet
- der Wille wird jedoch eingeschränkt durch den AKT der GNADE Gottes, der erst dem Menschen die Erkenntnis von Vernunftwahrheiten ermöglicht → es gibt also keine FREIHEIT des Willens, d.i. die Möglichkeit, sich unbedingt von Bewußtseinsgründen entscheiden zu können
- die WILLENSFREIHEIT wird ersetzt Augustinus durch die Prädestinationslehre, nach der nur ADAM frei war, diese jedoch verwirkte und nun müssen die Menschen der ERLÖSUNG und der Gnadenmittel der Kirche bedürfen, um wieder frei zu werden, doch da alles GUTE von Gott rührt, kann nur Gott selbst die MACHT der ERBSÜNDE brechen
- GESCHICHTE hat Ziel, das Eschaton, die ENDZEIT mit Jüngstem Gericht, der SIEG der Kinder des Lichts → die Geschichte ist einmalig, denn es gibt ein Ziel
- verwirft die antike Vorstellung des Kreislaufes, Zyklus, als gottlos

Ethik

- in Gott ist die Garantie der Übereinstimmung unseres Denkens mit den Dingen, die nach seinen Gedanken gestaltet sind und das Ziel unseres Lebens ausmachen/geben → Deum et animam scire cupio. Nihil ne plus? Nihil omni no!

de civitate Dei

entstand 412-17 als Erweiterung einer Streitschrift gegen diejenigen, die im Fall Roms 410 einen Sieg der nichtchristlichen GÖTTER sahen
- die GEMEINSCHAFT der Auserwählten
- eine Arche, dessen OFFENBARUNG (die Augustin als GLEICHNIS versteht) erst am Ende der Geschichte erfolgt → weshalb sogar die Kirche sich nicht deckt mit der civitas Deicorpus umfaßt Anzahl der Erwählten, doch ist die Kirche auch ein corpus permixtum aus Sündern und Erwählten
- Antwort auf das heidnische ARGUMENT, ROM wäre 410 nicht von den GOTEN zerstört worden, hätte man nicht das CHRISTENTUM zur Staatsreligion gemacht
- Augustinus entwickelte ein christliches Geschichtsschema, das VERGANGENHEIT, Gegenwart und ZUKUNFT darstellte

grundlegender Gegensatz:
STAAT → von dieser Welt; Gottesstaat, d.i. Gemeinschaft der Auserwählten → nicht von dieser Welt

  • die Goten respektierten die Kirche als Heilstatt, was vielen Römern das Leben sicherte - anders bei heidnischen Plünderungen
  • die Vergewaltigungen beflecken die Vergewaltigten nicht „Fremde Lust befleckt nicht!“ Keuschheit ist eine TUGEND des Herzens - zu Lukretia: SELBSTMORD ist immer eine Sünde
  • die Auserwählten sind nicht berührt; wir wissen nicht, wer auserwählt sein wird
  • seit dem Raub der Sabinerinnen war Rom verdorben - Sündhaftigkeit des römischen IMPERIALISMUS
  • der stoische Begriff des Fatums ist falsch, was das verschiedene SCHICKSAL von das gleiche Horoskop habenden Zwillingen beweist - ENGEL und Menschen haben einen freien Willen
  • ZORN und MITLEID sind Leidenschaften, die den Christen auf die Probe stellen, nach seinen Beweggründen - PROZEß der Menschwerdung

gegen Origenes

- die Körper sind keine Strafen der Seelen, denn nicht die schlechtesten Seelen haben auch die schlechtesten Körper
- während ORIGENES die WILLENSFREIHEIT damit begründete, daß Wissen seinen Gegenstand nicht von sich abhängig mache, sondern selbst davon abhänge, akzentuiert Augustin, daß FREIHEIT nicht mehr die unentschiedene Möglichkeit als GEGENSATZ zu jedem Muß zu verstehen sei, sondern nur auf das Gegenteil von dem Muß, das dem handelnden Menschen wider seine Zustimmung und seinen Willen von einem fremden WILLEN auferlegt werde, bezogen werden könne

Teleologie

- Die Geschichte wiederholt sich nicht, „denn daß Er gestorben ist, das ist er der Sünde gestorben zu einem Mal.“
Platoniker wie Manichäer irren, wenn sie die Sünde als dem Fleische zugehörig betrachten → die MENSCHHEIT für Adams Sünde zu bestrafen war GERECHT, denn so wurde der Mensch, der geistig im Fleische hätte sein können, fleischlich im Geiste → deshalb ist die Lust die Strafe für Adams Sünde, ohne sie hätte das Geschlecht von der Lust getrennt werden können, d.i. die sexuelle Aufgabe des Geschlechtslebens! - gab der neuen christlichen Erde als einem JENSEITS auf Erden den kraftvollsten, den freilich auch Kirche bildenden utopischen Ausdruck
- die irdischen Wünsche sind die schlechten, denn der Wille, der sie machte, ist SCHLECHT → also muß er umgekehrt werden: Zielpunkt der Umkehr ist JESUS CHRISTUS - deswegen gibt es keine Heilungsgeschichte, nur HEILSGESCHICHTE → also sind letztlich alle weltlichen Staaten Feinde Christi, Reiche des Teufels
Geschichte ist Heilsgeschichte zum REICH hin!
- die ewige WIEDERKEHR des Kreislaufs wird durch die Haßpotenz gesprengt, aber Jesus Christus ist die nicht mehr zerstörbare lux aeterna → zu diesem Ende soll die Geschichte gehen
- er stellt eine positive Entwicklung fest - keine SEHNSUCHT nach dem Goldenen Zeitalter -, weswegen der gegenwärtige Staat, das Römische Reich, nicht der schlechteste ist, anarchische sind schlechter
grundsätzlich gilt: remota igitur iustitia - da sich die GERECHTIGKEIT [Rechtfertigung durch Ergebung in Gottes Heilswillen und Einklang mit ihm] zurückzog - quid sunt regna nisi - sind die Königreiche nichts anderes als magna latrocinia, große Pißhallen, Räuberhöhlen [aus dem IV. Buch]

I. Buch 1-10

- KRITIK des polytheistischen Heidentums; böse GEISTER, die die Verdammten beherrschen

II. Buch 11-19

- der antithetische Heilsprozeß der HISTORIE
- Stufen des Menschseins

  • von Adam bis Noah - KINDHEIT
  • von Noah bis Abraham - Knabenalter
  • von Abraham bis David - Jünglingszeit
  • von David bis zur babylonischen Gefangenschaft - Mannesalter
  • von der babylonischen Gefangenschaft bis zur Geburt Christi - reifes Mannesalter
  • von der GEBURT Christi bis zum Jüngsten Gericht - Greisenalter

ABER: der siebente Tag werden wir Menschen selber sein, dies septimus etiam nos ipsi erimus

confessiones

- erzählt aus seiner „sündigen“ JUGEND - Nachahmer TOLSTOI und ROUSSEAU
- bemängelte als Jugendlicher das Fehlen ciceronianischer WÜRDE in der BIBEL → wurde Manichäer
- übte später Kritik an Manichäern über die astronomische Schiene: die astronomischen Kenndaten werden von den Manichäern nur geglaubt, sind nicht errechnet - das Falsche ist noch kein Glaubenshindernis, erst wenn es als göttliche INSPIRATION bezeichnet wird; AMBROSIUS bekehrt ihn in Mailand zum Christentum ca. 385
- hielt das BÖSE nach wie vor für etwas Substantielles, bis er in Mailand Ambrosius traf, der ihn das Böse in den menschlichen Willen legen half - Verderbtheit des Willens
- fand bei den Platonikern die metaphysische Logoslehre: „Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort. Alles ist durch dies geschaffen worden, was geschaffen ist. Und das Licht leuchtet in der FINSTERNIS und die Finsternisse haben's nicht begriffen. Und des Menschen Seele gibt ZEUGNIS vom Licht. Und Er kam zu den Seinen, wurde aber nicht erkannt, doch gab er ihnen die KRAFT, Gotteskinder zu werden und aufgenommen zu werden.“ Confessiones, Buch 8, Kap. 9, nicht aber die DOKTRIN von der Menschwerdung und die daraus folgende Erlösungstheorie → keine ORPHIK bei Augustinus!
- tolle, lege! (Nimm und lies!), VIII, 29 - Die Aufnahme des Gotteswortes ist Lesen mit dem Herzen und führt zur Bekehrung.

Philosophie: Durchdringung von PLATONISMUS und Christentum, XI. BUCH der Confessiones
PROBLEM: wenn es eine SCHÖPFUNG gab, dann muß sie so früh wie MÖGLICH erfolgt sein - wenn Platon, ARISTOTELES von der Schöpfung SPRECHEN, so denken sie an den Urstoff, dem Gott die FORM gab; die Form entstammt dem Willen Gottes
→ die Welt ist aus dem NICHTS erschaffen; Gott schuf auch den Urstoff

de doctrina christiana

426
Lehrbuch, in der die Wiederaufnahme von Ciceros Formel der Verbindung von sapienta (WEISHEIT im Sinne Apollos als göttlich-schöne GEWIßHEIT) und eloquentia (Beredsamkeit im Sinne HERMES') im christlichen Kontext gefordert wird
- die KRAFT der persuasio (Überredungskunst) soll in den Dienst der Wahrheit, d.i. die Verkündigung, treten
- der didaktische STIL dient der propter caritatem discipulorum (Liebe der Jünger), d.i. die Verbindung des Formalen mit dem Inhaltlichen: Harmonisierung von artes-Wissen und biblischer Offenbarungsgewißheit im GLAUBEN

Enarrationes in psalmos

Christologie
- Jesus Christus ist als Redner und Angeredeter SUBJEKT der Mehrzahl der Psalmen
- diente Notker labeo als DOGMATIK

Wertung

- die vorbereitende Aktivierung der feudal-klerikalen GESELLSCHAFT und viel mehr zugleich (Bloch)
- der erste Geschichtsphilosoph; die Entdeckung der Geschichtlichkeit des Menschen
- Augustinus steht im Gegensatz zu DESCARTES, weil Augustinus vermittels Zurückgezogenheit, unbedingte INNERLICHKEIT, auf Gott als Erkenntnisobjekt hofft
- Descartes macht einen ähnlichen Schritt; er geht von der SELBSTGEWIßHEIT zu der GEWIßHEIT von Gott als Daseinsobjekt: Ich habe von den Ideen Gewißheit, nicht von den Dingen selbst, so ist rein ideell kein IRRTUM möglich. (Descartes)
- es bleibt eine Kluft, die die beiden Formen der ZEIT und der ORDNUNG trennt, eine unüberwindbare zwischen Zeit und EWIGKEIT (HEGEL)
- seine Leistung bestand darin, daß er die großen antiken Ordnungen der Weltkultur mit christlichem Geist erfaßte, aus der Welterklkärung von der Welt her eine Welterklärung von Gott her schuf und somit den Spalt zwischen Gott und den Menschen hinsichtlich der Welterkenntnis schloß (Steffes)

augustin.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:06 (Externe Bearbeitung)