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BURSCHENSCHAFT

- Es ist gewiß ein PARADOXON, daß diese erzkonservativen, anachronistischen, rauf- und sauflustigen Burschenschaften psychologisch gesünder waren als jede ANDERE, das geschlossene GEMEINSCHAFT oder Clique, der ich seither begegnet bin. Blicke ich heute als ein Veteran zahlloser Fehden und Fraktionskämpfe in den Ghettos der Zeitungsredaktionen, der kommunistischen Zellen und Schriftstellerkongresse auf jene ZEIT zurück, scheint es fast unglaublich, daß ich, ein höchst neurotischer junger MENSCH, drei jahre im täglichen engsten Kontakt mit einer Gruppe von jungen Intellektuellen - noch dazu jüdischen - verbracht habe, ohne einen einzigen STREIT miterlebt zu haben oder gar in einen solchen verwickelt worden zu sein. Vielleicht war das einzig in jener einmaligen Wiener Atmosphäre des Lebenlassens und der erotischen Toleranz, gepaart mit traditioneller DISZIPLIN und höflichem Zeremoniell möglich. In den meisten anderen Burschenschaften, ob alldeutsch, liberal oder zionistisch, herrschte die gleiche HARMONIE. Dagegen gab es in den sozialistischen Studentenvereinigungen ständig Krach und Streit, obwohl sie uns als Bandaffen, Barbaren und Erzreaktionäre verschrien. (KOESTLER)

burschenschaft.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:07 (Externe Bearbeitung)