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CANETTI

Elias Canetti

1905-96
jüdischer Schriftsteller
- greift auf vorindustrielle Vorstellungen zurück und vergleicht sie mit modernen → stellt fest, daß der moderne Mensch den Tod ausgegrenzt hat
- fragt, wie man mit der Massenbewegung umgehen soll
- verbindet Masse und Macht und nennt die Macht unzertrennlich mit dem Tod verbunden
- der einzelne ist am Schnittpunkt von Innen und Außen, muß alles selbst erlernen/erfahren, um zu glauben und zu wissen → der Kampf des Menschen ist der gegen den Tod

Die Befristeten

- thematisiert den Tod als Spekulatives, weil unberechenbar und unausweichlich
- durch den Tod gibt es die Heiligkeit des Lebens → der Moment des Überlebens ist der Augenblick der Macht

Masse und Geschichte

- wesentlicher Fehler, das Nationale zu fassen: Definition für das Nationale schlechthin, denn es existiert nur als Glaube → man sollte Nationen als Religionen begreifen
- veränderliche (d.i. die Hoffnung auf Besserwerden der Menschheit) Massensymbole stellen eine Beziehung zwischen Individuum und Nation her → werden im Krieg akut

England

- stabilstes Nationalgefühl der Welt
Symbol: Meer → das Meer wird beherrscht, dort ist Verwandlung, Abwechslung, Veränderung, dort liegen die Toten, zum Meer setzt sich das Sichere, England, in Beziehung → dort in England muß alles beim alten bleiben, auf dem Meer erfährt der Engländer die Immanenz der Metamorphose und weiß sie auch zu nutzen

Holland

Symbol: Deich → das Meer beherrscht ihn, aber er wehrt sich; wird der Deich zerstört, geht die Kraft des Deiches auf die Männer über, die ihn verteidigten beziehungsweise wieder errichten
- der Holländer begreift sich so im Gegensatz zum Engländer → was er tut, tut er rivalisierend oder gemeinsam mit ihm, immer als stammverwandter Bruder, dem Gott ein niedrig liegendes Land verlieh, dem er das andere unterordnete

Deutschland

Symbol: Wald

Frankreich

Symbol: Revolution → ein Symbol ohne Nährendes, Wald, oder Flüssiges, Meer, aber ein dynamisches, eines der Bewegung
- Massenerregung auf Stichtag, Leben im Impuls der Zeit
- sie spielen den Tag nach, danach herrscht wieder Tristesse

Schweiz

Symbol: die Berge → die nicht errichteten Deiche, die unerrichtet und immer präsent sind; sie sind unerschütterlich
- die Berge sind ein Leib → der Schweizer könnte des Flachlands und der Industrie entbehren, nicht jedoch seiner Berge

Spanien

Symbol: Matador, d.i. das Prinzip der Bewunderung, Beherrschung, Beherrschtheit, Bewegung, Berufung und Berechnung → der Spanier ist der Ritter, der das Ungetüm bändigt, der Masse und des Schauspiels zuliebe, der im Jubel aufgeht, die in einem geschlossenen Ring ihn bändigt und führt, wie er selbst bändigt und führt

Italien

Symbol: Rom
- man lebt von der Erinnerung mehrerer großer Städte, die sich zwar einem Organismus zugehörig fühlen, auch immer in striktem Gegensatz standen, doch sich gegen eindringende Fremde - Deutsche, Griechen, Karthager… - in einer Gegenbewegung verbanden
- der Feind kam immer als Heuschreckenplage, wollte bleiben und säte Partikularismus
- andererseits stand dem das klassische Rom gegenüber, ein aufs christliche Weltreich erweiterte Rom → lähmte jedoch auch das Nationalgefühl

Juden

Symbol: der Auszug aus Ägypten
- am schwierigsten zu bestimmen, weil das Stammland verloren wurde und das Volk nun wandert
- wer 40 Jahre durch Sand wandert und sich aller äußeren und inneren Gefahren entledigt, kann sich in alle Zeiten dehnen
- die Botschaft Gottes empfingen sie im Zustand der höchsten Dichte, doch die Bestrafungen waren die Folge ihrer vielen Verbote, an die sich kein Volk immer halten kann → aus diesem Widerspruch, Erwähltheit und Verbote, erklärt sich das Prinzip der Juden, den größten Schurken stehen die weisesten Philanthropen gegenüber

Aspekte der Macht

1. Das Stehen

- Stolz, der Freiheit atmet
- stark, starr, stoisch, selbständig, d.s. Synonyme des Stehens
- man kann auch entgegenkommen
- bezeugt Raschheit, Regsamkeit und Lebendigkeit

2. Das Sitzen

- entscheidend ist die Würdezumessung, denn die Schwere des eigenen Körpers beherrscht in dunkler Ahnung den weichen Tierleib: man denke ans Reiten
- bezeugt Stetigkeit, Respekt, Dauer: eineindeutig?

3. Vom Liegen

- Entwaffnung des Menschen
- freiwillig
- Parallelhandlung zum Einschlafen, die Ablegung des Tages, des Erlebten, der Kleider… und des Geistes
- der Liegende löst sich von seiner Welt und will in sich verschwinden
- unfreiwillig
- erinnert an das erlegte Tier, an Krankheit, Tod
- ein Makel

4. Das Hocken

- drückt Bedürfnislosigkeit aus, eine passive Bewegungssituation
- der Hockende ruht in sich, die Diener kommen und packen ein
- Indifferenz gegenüber Besitz
- eine stoische Kontemplationshaltung, die bedürfnislos Gott erwartet und Ruhe in die Welt trägt

5. Das Knieen

- aktive Gebärde des Gnadenerwiesens, ein Vorspiel des letzten Augenblicks
- die Gewährung von Huld entscheidet über die Wehrhaftigkeit und Würde des Knieenden → das Sichselbstaussetzen vor dem Mächtigeren bindet den eigenen Wert an dessen Entscheidung

6. Ruhm

- hängt an der Nennung des Namens
- sucht sich aus der Masse kommend in der Masse wiederzufinden
- Charakteristikum des Sammlers: Geld, Macht, Berühmte sammeln Lobliedsinger

Die Ordnung der Zeit

- Zeit darf der Herrschaft nicht vergehn → die Mächtigen drängen darauf, sich die Attribute der Zeit einzuverleiben: Monate, Jahre…
- ein Mittel, eine Zivilisation zu umgrenzen, eine Orientierung auf die Ordnung selbst → Macht benötigt Ordnung

 
canetti.txt (977 views) · Zuletzt geändert: 2014/01/02 21:26 von aerolith
 
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