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EMPEDOKLES

aus Agrigent
490-430 v. Chr.
Schüler der Pythagoräer
- war allseits anerkannt und schlug die ihm angebotene Herrschaft aus, um seinerseits die Einführung der Demokratie anzubieten, was in seinem Zeitalter in Unteritalien unbeliebt war, so daß er wahrscheinlich durch einen Sprung in den Ätna seinen politischen Gegnern einer Steinigung zuvorkam → vielleicht aber auch ist er freiwillig gestorben

Vergleich mit Pythagoräern

Trankopfer bei den Ioniern - Der Ursprung seiner Geisteshaltung entspricht der pythagoräischen Orphik. Es ist dies die höchst merkwürdige Verquickung von ionischer Physik und orphisch-pythagoräischer Mystik. Die Seele, um die es fast nur noch in einem düsteren Gewand geht, soll durch Sühnemittel mancher Art gereinigt werden. vgl. sein Buch kaqapmoi weiß wie sie von seiner früheren Herkunft, von seinem Gebanntsein in einen Menschenleib und in eine menschliche Existenz → betrachtet die Seelen der Menschen als verbannte Dämonen, d.s. die Erinnerungen an die göttliche Existenz

siehe auch: Pythagoras

Verbindung zu anderen Philosophen

- sucht den Gegensatz, in dem Eleaten und Herakliteer zueinander stehen, dadurch zu überwinden, daß er der Welt sowohl die Bestimmung der Unveränderlichkeit als auch die der Veränderlichkeit zuweist, und der Welt sowohl Sein als auch Werden, sowohl Unvergänglichkeit als auch Vergänglichkeit festzuhalten sucht
→ mit seiner auf Ausgleich bedachten Philosophie erreicht Empedokles einen Qualitätssprung; es ist dies in der griechischen Philosophiegeschichte erfolgte Sprung vom Denken von einer Idealität des Sinnlichen zu einer Idealität des bestimmten Allgemeinen, der von der Benennung eines speziellen Ursächlichen zum allgemeinen Ursächlichen
- Wie bei Heraklit enthält für Empedokles das Werden das Sein → so ist auch der Mensch ein Teil des Kosmosleibes und als solcher befähigt zu denken.
- ist sich der Beschränktheit menschlicher Erkenntnis bewußt, sein Ja zur Philosophie entspricht dem trotzigen Ja der älteren Griechen; er verschließt sich nicht dem vollen Einsatz eben jener ungenügenden Sinnenkräfte, um Erkenntnisse zu erringen
- die Schwierigkeit, aus einer Sache der Wahrnehmungswelt, bei ihm das Feuer, die Ur-Sache abzuleiten, versucht er durch die Nennung einer Vielzahl von Ur-Sachen zu begegnen

Lehre

- unterscheidet sinnliche Wahrnehmung (Berührung des Gleichen mit dem Gleichen) von Denkkraft, Sitz im Herzblut, dem Ort der stärksten Mischungsform alles Elementaren → die Denkkraft liegt im Blut, und die Erkenntnisfähigkeit ist abhängig von den wechselnden Dispositionen des Körpers: In den Fluten des Blutes, das entgegenspringt, ist die Denkkraft ernährt, wo gerade das Denken nach Meinung der Menschen seinen Sitz hat. Denn daß das Herz umströmende Blut ist dem Menschen die Denkkraft.
- die Seele verrichtet körpereigene Tätigkeiten des Wollens, Denkens → hat Forderungen sittlich-religiöser Art, Gewissen: die Seele soll durchs Befolgen von Regeln sich selbst erlösen
- da die Welt im Prozeß der Liebe sich findet, werden die Seelen auch Gott genießen dürfen, ABER: erst der Weltuntergang und die Schaffung einer neuen Welt wird auch die Seelen neues individuelles Sonderdasein verschaffen
- zu den bis dato anerkannten drei Prinzipien Feuer, Wasser und Luft kommt als viertes die Erde: Diese sind es, die immer bleiben und nicht werden, sondern nur nach dem mehr oder weniger vereinigt und geschieden, in eins zusammengehen und aus einem kommen.
- Wissen ist kein Selbstzweck, sondern das letzte Ziel der Naturerkenntnis ist die Naturbeherrschung und das letzte Ziel des Denkens die Einsicht in den Sinn und die Gewinnung einer Norm des Lebens

vier Gottheiten

  • Zeus, der Schimmernde → Feuer;
  • Hera, die Lebenspendende → Wasser;
  • Hades, das zerstörende Element → Luft
  • Nestis, die durch Tränen irdischen Springquell fließen läßt → Erde.

- Werden und Vergehen ist nichts als ein Austausch dieser Grundstoffe, die Summe des Weltganzen bleibt konstant, denn am Beginn der Weltentstehung herrschte Eintracht und Harmonie, war der kuglige Sphäros von allen Seiten gleich und überall ohne Ende und froh der ringsum herrschenden Einsamkeit. → der im Sphairos aufgestiegene Streit beendete die Harmonie und erschütterte das Weltganze und gebar eine Unzahl sterblicher Geschöpfe aus den Untiefen des Sphairos, die sich lieben und hassen, vergehen und entstehen → Bewegung entsteht durch Liebe und Haß
- die Welt der Erscheinungen existiert durch die Verbindung und Trennung der Elementarteilchen, die ewig sind und Polarität antizipieren
- Materie und Energie existieren nicht getrennt voneinander, was nichts anderes heißt, als daß sowohl die Stoffe als auch die Seele unvergänglich sind. Die vollständige Mischung aller Dinge entspricht der Alleinherrschaft der Liebe, die völlige Trennung der des Hasses.
- alle Sinneswahrnehmungen sind ein Akt, der durch Berührung leiblich-geistiger Art entsteht
- war den Pythagoräern die Zahl das innere Band des Erkenntnissubjektes und –objektes, so ist für Empedokles in altionischer Weise die Kongruenz des beseelten Stoffes Meßmittel: Gleiches wird nur durch Gleiches erkannt: Wär’ das Aug’ nicht sonnenhaft, wie könnt die Sonne es erkennen!
- hielt seine spekulativen Ergebnisse fest

Ethik

- jede Begierde und jede Lust beruht auf der Zusammensetzung von Subjekt und Objekt, alle Ablehnung auf Verschiedenheit
- zerschlägt das eleatische Sein und gebiert eine Vielzahl von unvergänglichen Masseteilchen; daher auch sein Bekenntnis zur Demokratie

Empedokles und die Behandlung des Stoffs - Warum sich Hölderlin für Empedokles interessierte

Poesie ist Darstellung und Vermittlung von Bilderwelten. Vermittelt werden Welten, Dichterwelten, deren Stoffe der Wirklichkeit entstammen, nicht einer abstrakten, sondern der konkreten des Empfindens, nicht nur von sinnlich Wahrgenommenem, auch Traum, Ahnung, Hoffnung, eben alle Wirklichkeitsbestandteile. Zur Wahrnehmung tritt die Intuition , das ist bewußtes Erleben geistiger Inhalte. Dieses bewußte Erleben kann Stoffe hervorbringen, aber auch Voraussetzung zur Formung der Stoffe sein. Intuition wirkt in uns Menschen, bestimmt Handeln und Unterlassen.
Wir verlassen mit dieser Poetik den alten Begriff des ideologischen Realismus und sagen: Real ist der Mensch, real, was außer ihm, real, was in ihm wirkt und somit Dasein beeinflußt. Reales und Abgründiges gehören zusammen. Streit ist Bildung des Charakters, Suche nach dem Eigenen in der Auseinandersetzung mit dem Fremden. Streit ist keine Ausflucht, keine Ausgrenzung, sondern Prägung der eigenen Wortwelt in unmittelbarer Auseinandersetzung mit dem konkret faßbaren Du. Ganz im Geiste der paraphierten Streitkultur Lessings . Wir sind in diesem Sinne in der Lage, der Menschen Meinungen aufzunehmen und zur Sprache zu bringen. Nichts wird verfemt, denn jedes Wort hat seinen Ursprung in der Empfindung - die dem tiefsten Anschauungsgrund entspringt, der Intuition - und mündet in einer Überlegung, die sich mitteilen will, verständlich machen, also angehört und aufgenommen werden will vom jeweiligen Kommunikationspartner. Was der Mensch im Politischen als einzelner nicht vermag, Probleme lösen, das kann er hier im Reiche der Poesie, der Phantasie, der ihm eingegebenen und in sich ausgeprägten Sprachwelt. Jedes Wort zählt, jedes wird gewogen und geprüft, von jedem, der lesen und hören kann!
Ideologie hat, sollte sie jemals einen berechtigten Platz innerhalb künstlerischer Tätigkeit besessen haben, ausgespielt. Der Mensch in seinem Hoffen, Bangen, Lieben allein ist das Maß aller Dinge. Um ihn muß sich alle sprachliche Bewegung drehen. Es ist die Liebe zu den Lebenden, die uns eine eigene Sprache zu geben vermag, die wir in ihr nur wirklich wir selbst sind; sie ist der Ursprung unserer Poetik. Geht die Liebe verloren, wird kein Wort mehr wesentlich, die Sprache verliert sich in Nichtigkeit, wird zu einem Niemandsland, unbewohnbar, abstrakter Hermetik zugänglich, Verweigerung des Poetischen, Ödnis.
Drum schweigt, Freunde, ist euch die Liebe verloren gegangen. Schweigt, Unrettbare!

Rezeption

- Nietzsche macht gegen Ende des 19.Jahrhunderts einen Paradigmenwechsel aus: der Empedokles des Hölderlin statt Faust von Goethe, Hyperion statt Werther;
- Entwicklung eines voll hylozoistischen Systems, das den dualistischen Keim treibender Mächte aufnahm → Ist durch dieses System die Verschwisterung mit dem ausschweifenden Spiritualismus der Pythagoräer gescheitert? (Rohde)
- der Philosoph allein, sofern er seinen Verstand rein und unverdunkelt von der Bosheit hält, kann mit dem Gott in sich außer sich begreifen (Schelling) → Schelling sieht es anders!

 
empedokles.txt (756 views) · Zuletzt geändert: 2015/03/07 11:29 von aerolith
 
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