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FICHTE

Johann Gottlieb Fichte

1763-1814
- großer subjektiver Idealist mit starker persönlicher Wirkung
- anfangs für die Französische Revolution, da sie die Denkfreiheit von den Fürsten Europas, die sie bisher unterdrückten, zurückfordert
Kern: Welche Philosophie man wählt hängt davon ab, was für ein Mensch man ist.
- in Berlin wurde er von Metternich gehört

Atheismusstreit

- nahm seinen Anfang, nachdem Fichte 1798 im Philosophischen Journal den Beitrag Über die Entwicklung des Begriffs der Religion 1798 publiziert hatte und führte zur Vertreibung Fichtes aus Jena

Bestimmung des Menschen

Johann Gottlieb Fichte- in drei Bücher eingeteilt

  • Zweifel

- Erkenntnis ist niemals bloß ein theoretischer Akt
- durch logische Schlüsse und unsere Kraft des Argumentierens können wir niemals hoffen, an die Realität und die Wahrheit heranzukommen, geschweige denn, in ihr Wesen einzudringen
- die materielle Welt ist eine Schattenwelt, ein Produkt des Ich, das das Nicht-Ich setzt

- es gibt einen Weg aus dem Zweifel → die Realität unseres moralischen Lebens, d.i. die Gewißheit des Sittengesetzes, wovon ausgehend alle andere Erkenntnis erfolgen kann
- nicht durch den Verstand erfassen wir Realität, sondern durch unseren Willen → Die Realität, die du schon erblickt zu haben glaubtest, eine unabhängig von dir vorhandene Sinnenwelt (Solipsismus)… entsteht nur durch das Wissen, und ist selbst unser Wissen; aber Wissen ist nicht Realität, eben darum, weil es Wissen ist… Nun suchst du doch etwas, außer dem bloßen Bilde liegendes Reelles… Aber du würdest dich vergebens bemühen, sie durch dein Wissen aus deinem Wissen zu erschaffen, und mit deiner Erkenntnis zu umfassen. Hast du kein anderes Organ, sie zu ergreifen, so wirst du sie nimmer finden. Aber du hast ein solches Organ… Nicht bloßes Wissen, sondern nach deinem Wissen Tun ist deine Bestimmung… Dein Handeln bestimmt deinen WERT!

  • Glaube

- der Mensch handelt im moralischen Sinne nicht nur interindividuell, d.h. sein Handeln ist nicht nur im Verhältnis zu anderen Menschen zu begreifen, sondern auch überindividuell, weil er als Teil eines Ganzen gegenüber anderen handelt → hier geht Fichte über Kant hinaus, der die Nation als Handlungsrahmen nicht mitdachte: der Mensch glaubt sein moralisches Handeln aus sich heraus zu begreifen

Der geschlossene Handelsstaat

1800
Prämisse: der vernunftgemäße Staat erfüllt die Wünsche ALLER seiner Bürger, was materialiter jedem den Anspruch auf den gleichen Teil des im Staat erzeugten Gesamtwertes der Güter bedeutet: der Staat wird nicht zum Bewahrer, sondern dazu bestimmt, Eigentum gerecht zu verteilen
- Anhang zur Rechtslehre als Probe einer künftig zu liefernden Politik
- differenziert in Methode und Darstellung nicht zwischen Sozialutopie und Naturrecht
- verlegt durchdachte Verfassung jedoch in abgeschlossenen Staat - eine Art von Insel, die sich gegen das Ausland abschottet, nachdem er anfangs expansiv sein müsse, dann seine natürlichen Grenzen erreicht habe und fortan saturiert nicht mehr bekriegt und nicht bekriegt wird
- Rechtsanspruch apriori nicht nur auf Würde, sondern auch auf Glück
- „leben und leben lassen“ nicht individualistisch, sondern sozial, denn der wirtschaftliche Individualismus bedroht den ethischen, deshalb in einem dem Rechtsgesetze gemäßen Staate die drei Hauptstände der Nation gegeneinander berechnet und jeder auf eine bestimmte Anzahl an allen Produkten und Fabrikaten des Landes gegen seine ihm anzumutende Arbeit […] zugesichert [werden}; daß zu diesem Behufe der Wert aller Dinge gegeneinander und ihr Preis gegen Geld festgesetzt […] werden müsse

Staatsaufbau

- statisches Ordnungsgefüge aus drei gleichberechtigten Ständen

Rezeption

- Fichte weist in seinem Entwurf Unkenntnis in der volkswirtschaftlichen Literatur und Weltfremdheit in nationalökonomischen Dingen nach (Adam Müller)
- ein Plädoyer für einen auf öffentlichem Eigentum und umfassendem Zunftzwang aufgebauten, nach außen sich abschottenden Staat, der, um seine wirtschaftliche Unabhängigkeit zu sichern, sich auch mit kriegerischen Mitteln bis zu seinen natürlichen Grenzen ausdehnen durfte (Winkler)

Die Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters

1804/5
Prämisse: die Menschheit richte alle ihre Verhältnisse mit Freiheit nach der Vernunft (besteht darin, sich als Individuum zugunsten der Gesamtheit zurückzunehmen, die Person soll sich zungunsten der Gattung vergessen) ein, d.i. eine Entscheidung aus freiem Willen und damit vor aller Erfahrung

Grundepochen der Menschheit

  1. die Herrschaft der Vernunft durch den Instinkt → das Zeitalter der Unschuld des Menschengeschlechts
  2. der Vernunftinstinkt ist einer zwingenden Autorität anverwandelt → das Zeitalter positiver Lehr- und Lebenssysteme, die nicht bis auf die letzten Gründe zurückgeht, also der Stand der anhebenden Sünde
  3. Befreiung von der gebietenden Autorität und mittelbar von der Botmäßigkeit des Vernunftinstinkts → das Zeitalter der absoluten Gleichgültigkeit gegen alle Wahrheit und der völligen Ungebundenheit, das Zeitalter ohne Leitfaden; Stand der vollendeten Sündhaftigkeit
  4. Vernunftwissenschaft gilt → das Zeitalter der Wahrheit, anhebende Rechtfertigung des Menschengeschlechts
  5. Vernunftkunst → Zeitalter des Aufbaus eines Abdrucks der Vernunft durch die Menschen; vollendete Rechtfertigung und Heiligung

Ziel: der Stand einer vollendeten Rechtfertigung und Heilung, zu dem sich die Menschheit mit Freiheit nach der Vernunft einrichte

Naturrecht

- für Fichte existiert im Naturrecht keine Freiheit - die Existenz in Tier- und Urmenschengesellschaft ist nicht arkadisch, sondern zwanghaft und despotisch -, erst soziales Leben sich ihres Verstandes bedienender aufgeklärter Menschen macht es möglich, Freiheit zu denken

Reden an die deutsche Nation

1813
Prämisse: die Deutschen sind das Urvolk, das Volk schlechthin, Deutsche; die deutsche Sprache ist gegenüber den toten neulateinischen Sprachen überlegen: die Sprache dieses Volkes ist notwendig so, wie sie ist, und nicht eigentlich dieses Volk spricht seine Erkenntnis aus, sondern seine Erkenntnisse selbst spricht sich aus aus demselben

DEUTSCHLANDAUSLAND
- die Geistesbildung greift ins Leben- geistiges Leben und Leben gehen einander fremde Wege
- Ernsthaftigkeit der Geistesbildung, die ins Leben eingreifen soll- genialisches Spiel des Geistes ohne weitergehende Absichten
- redlicher Fleiß und Ernst in allen Dingen; mühsam- man läßt sich im Geleite der glücklichen Natur gehen
- das Volk ist bildsam; die Bildner erproben ihre Bilder am Volke mit Rückwirkung- Scheidung des Geistes vom Volke, wobei die Bildner das Volk als blindes Werkzeug ihrer Pläne benutzen

Ziel: das Deutsche bzw. die Deutschen steht bzw. stehen für eine Mission, die anschlußfähig bleibt an den Kosmopolitismus der Freiheit und Gleichheit aller Menschen/Völker

Urrechte des Menschen

  • Verfügung des Individuums über seinen Leib
  • Verfügung des Individuums über sein Eigentum

- nicht als Sache, sondern als Handlung, z.B. der Bodenbebauung, Zunftrechte etc. → Pflicht des Staates zur gerechten Verteilung: Wenn einer nicht so viel hat, um leben zu können, so hat er nicht, was er zu haben berechtigt ist; er hat das Seinige nicht. Im Vernunftstaat erhält er es; in der Teilung, welche vor dem Erwachen und der Herrschaft der Vernunft durch Zufall und Gewalt gemacht ist, hat es wohl nicht jeder erhalten, indem andere mehr an sich zogen, als auf ihren Teil kam.

- damit alle Menschen leben können, muß die Freiheit des einzelnen verendlicht werden, aber nur durch Freiheiten und um der Freiheit willen
- trat für Autarkie ein - Außenhandel in Händen des Staates
- behauptete, in den Deutschen sei der Keim zur menschlichen Vervollkommnung am entschiedensten angelegt

Verhältnis zu Spinoza

- Fichte nahm irrtümlich an, daß Spanheim 1673 Spinoza die Heidelberger Professur vorschlug; tatsächlich beauftragte Churfürst Karl Ludwig von der Pfalz Fabritius mit diesem Vorschlag.
- Die Notwendigkeit Gottes kommt darin zum Ausdruck, daß zwischen ihm und seiner Äußerung das Verhältnis der Folgerung besteht. → der Begriff der Folgerung ist spinozistisch
Im menschlichen Tun hat sich - durch den göttlichen Weltplan → notwendiges Gesetz; Entwickelung beziehungsweise Auswicklung - jetzt das Göttliche greifbar materialisiert; so daß dieses Tun als unentbehrliches Glied im göttlichen Weltzusammenhang gedeutet werden darf; es ist ein Teil von Gott geworden. (Barth)

Wissenschaftslehre

Das weltsetzende Ich wird aufgehoben in ein metaphysisches Absolutes (Verschiebung der Begrifflichkeit) → jenes unzugängliche letzte Faktum des göttlichen Lebens, in welchem der Urquell alles gestalteten Seins zu erkennen ist… An die Stelle der Aktivität tritt ein kontemplatives, mystisches Grundelement; in intellektueller Anschauung läßt der Mensch das göttliche Grundleben in sich einströmen und genießt es in Liebe und Seligkeit. Nur durch die Sehnsucht zum Ewigen wird die Erscheinung im Dasein erhalten. ABER nicht in der Aufforderung zur Tugend besteht die Anweisung zum seligen Leben; dieses Leben erwacht in der Zurückziehung unserer erkennenden Liebe aus dem Mannigfaltigen in das Eine. (Barth)
- faßte wie Kant den Willen in seiner Reinheit als ein dem egoistischen Triebs entgegenwirkendes Prinzip aus dem Reich der Freiheit (Rosenberg)
- suchte den letzten Rest des theologischen Dogmatismus in Kants Gottesbegriff - das Sittengesetz wird von Kant als völlig autonom gesetzt, bedarf aber eines persönlichen Gesetzgebers, nämlich Gottes - zu tilgen
- Fichte versucht, dieses Dilemma zu lösen, indem er die völlige Einheit von Moral und Religion (Identität von sittlicher Weltordnung mit der Gottheit) proklamiert (Wundt)

Zurückforderung der Denkfreiheit von den Fürsten Europens, die sie bisher unterdrückten

- Forderung nach der Freiheit der Presse, da alleine die Denkfreiheit die Einsicht in soziale Mißstände und deren beseitigung ermögliche
- Freiheits- und Persönlichkeitsrechte sind unveräußerliche Menschenrechte, die den Staat begründen, der seinerseits nichts anderes als der freiwillige Vertragsschluß seiner freien Bürger sein könne

Wertung

- erste Referenz war Kant → der Begriff der Natur und das Wissen von ihrer Notwendigkeit durfte nicht mehr in einem bedrückenden Schicksalsbewußtsein vom Menschen und von seiner Seele Besitz ergreifen, nachdem durch die Geistestat der Vernunftkritik der Bann des toten objektiven Seins gebrochen und das vernünftige Subjekt zum Wissen um seine Autonomie, seine fundamentale Naturüberlegenheit aufgerufen war.
- es war Fichte, der das in der Erkenntnis tätige Ich als den Ursprung und Quellpunkt allen Seins und Strebens begriff → die ethische Grundhaltung gewinnt die erste Präferenz vor dem theoretischen Denken (Barth)
- entfernte Kants an sich aus dem transzendentalen Idealismus → deshalb wird seine Philosophie auch subjektiv idealistisch
- mutmaßt hinter dem Schleier der Maja keinen christlichen Gott, sondern eine Dialektik des Erkennens, die er aus Ich-Nichtich ableitet (Lukacs)
- hat durch die Wissenschaftslehre den Spinozismus widerlegt (Schelling)
- Entdecker der menschlichen Subjektivität (Stiehler)
- kein Deutscher hat so klar im Konzept der auserwählten Nation die partikulare Nation mit einer universalen weltgeschichtlichen Sendung betreut (Voegelin)

 
fichte.txt (1262 views) · Zuletzt geändert: 2016/06/17 17:35 von aerolith
 
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