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gorgias

GORGIAS

Gorgias aus Leonti

485-380 v. Chr.
- neben PROTAGORAS Hauptvertreter der SOPHISTIK; bereits 440 v.Chr. widmete er sich ausschließlich der RHETORIK, das war einträglicher
- kam 427 v.Chr. als Gesandter seiner Vaterstadt nach ATHEN, um Hilfe gegen SYRACUS zu erbitten

Theorie der Rhetorik

- diese THEORIE hat entscheidend zur ENTWICKLUNG der rhetorischen Kunstprosa beigetragen, indem er, um die psychologische WIRKUNG der REDE zu erhöhen, auch für die Prosa eine poetische AUSDRUCKsweise forderte und die bewußte Anwendung stilistischer Schmuckmittel verlangte:

  • inhaltlich und formal gleichgebaute, im Umfang einander genau entsprechende parallele Satzglieder, Isokolie, die nach Möglichkeit in gegensätzlicher Beziehung zueinander stehen, Antithese, und den gleichen Lautausklang haben, omoiwtelon
  • rhythmisch gestaltete Satzschlüsse, Klauseln

- nimmt das, was als WESEN gilt, auf und zeigt ohne Bewußtsein vorauszusetzen Nichtigkeit auf
- unterscheidet subjektive Seite und SEIN: Sein und NICHTSEIN können nicht zugleich sein

Erkenntnistheorie

- polemisiert gegen den absoluten REALISMUS, von welchem er sagt, daß er, indem er vorstellt, glaubt die Sache SELBST zu haben, aber doch nur ein Relatives hat, dennoch setzt er den gesunden Menschenverstand hoch an, denn dieser enthalte die Maximen der ZEIT
- der skeptische STANDPUNKT des Gorgias zeigt sich in einem erkenntnistheoretischen WERK über das Nichtseiende, in welchem Gorgias den SATZ zu beweisen suchte: Es ist nichts. Wenn etwas wäre, wäre es nicht erkennbar; wäre es erkennbar, so wäre es nicht mitteilbar. Aber auch Sein und Nichtsein können nicht zugleich sein. Das sinnlich Unendliche ist ein JENSEITS des Seins, es ist nicht; es ist eine Verschiedenheit, die vom Sein immer verschieden gesetzt wird. → d.i. der auf die Spitze getriebene relative Subjektivismus, der auf der Erkenntnis beruht, daß ZEICHEN und Bezeichnetes verschieden seien, d.i. rin Vorgriff auf die SCHOLASTIK, die zu eben jenem Ergebnis kommen wird
- betont die BEDEUTUNG des Hörens gegenüber dem SEHEN, aber ist das HÖREN dem Hörbaren nachgeordnet
- RECHTSCHAFFENHEIT und ZUCHT sind unentbehrliche Normen des Zusammenlebens
- Gorgias' DIALEKTIK ist unüberwindbar, sofern man das SEIENDE als Realität behauptet

Ethik

- benutzte wie ARISTOTELES den Begriff des prepon als die vom SCHICKSAL geschaffenen Umstände, in die sich der EINZELNE gekonnt einfügen müsse → die eigene Bemühung um eine alles umfassende, unveränderliche ARETE

gorgias.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:11 (Externe Bearbeitung)