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HAMANN

Johann Georg Hamann

1730-88
DICHTER und PHILOSOPH

Allgemeines

- wirkte auf den jugendlichen GOETHE - siehe 12. Buch von „Dichtung und Wahrheit“
- Gegner der abstrakten VERSTANDESPHILOSOPHIE der AUFKLÄRUNG, d.h., er wendet sich gegen die insbesondere von KANT vertretene reine aufklärerische Verstandeslehre und tadelt die SCHEIDUNG der SINNLICHKEIT vom Verstande → betont das GEFÜHL und den GLAUBEN als höhere auf die GANZHEIT gerichtete Erkenntnisquelle
- pietistische ERZIEHUNG → sieht die Erziehung als mitunter teuflisch an, da von Menschen gemacht; sie bleibe aber im übrigen eine Angelegenheit der KIRCHE!
- SOPHIST seiner ungezügelten Leidenschaftlichkeit, Verlumptheit → Stürmer nahmen ihn tendenziell auf, auch Goethe fand in ihm seinerzeit die Aufregung der Vielseitigkeit: Kor. 8.2: Alles Vereinzelte ist verwerflich.
- dämmernde EMPFINDUNGen
- plebejisch bis zum ZYNISMUS: Wahrheiten, Grundsätzen, Systemen bin ich nicht gewachsen. Brocken, Fragmente, Einfälle.
- ERWECKUNG tieferen religiösen Lebens → Anschluß an OFFENBARUNG
- das Lebendige läßt sich nicht durch Begriffe erschöpfen, alles Geistige ist nur aus dem Ganzen der lebendigen Menschennatur zu verstehen

Philosophie

- Gefühlsphilosoph mit dunkel-mystizider TENDENZ → er wendet sich gegen die Trennungen der REFLEXION
- die POESIE bewahrt von der WAHRHEIT das meiste, die PHILOSOPHIE das wenigste, denn die Poesie ist NACHAHMUNG der NATUR, die Philosophie Zerstörung durch die WILLKÜR des eigenen Wollens → Natur wird durch ABSTRAKTION zerstört
- in WOLFF suchte er die FORM und stieß mit dem leeren Inhalt eines fehlenden Wahren zusammen
- setzte das principium coincidentiae als einzig zureichenden GRUND aller Widersprüche und als wahren PROZEß ihrer Auflösung und Schlichtung

Golgatha und Scheblimini

- Tendenzschrift gegen M. Mendelssohn
- Scheblimini ist der Lutherische Schutzname für die REFORMATION
- faßt das CHRISTENTUM als Ausführung göttlicher Taten
- Dogmatik und Kirchenrecht gehören zur ÖFFENTLICHKEIT, nicht davon getrennt

Sokratische Denkwürdigkeiten

1759 anonym in Königsberg (obgleich im Titel Amsterdam angegeben ward) erschienen: zween gewidmet (Kant und Berens) und von vornherein auf eine kleine Leserschar begrenzt
- vertritt einen mystischen, bisweilen schon theosophischen Standpunkt (Deter)

Rezeption

- Alles, was Hamann wollte, mußte aus sämtlichen vereinigten Kräften entspringen, alles Ver­einzelte ist verwerflich. (Goethe)
- das VORHANDENE, das gilt nur, insofern es vom Geist erfaßt und zu Geistigem geschaffen wird
- aller Anfang ist das Feste
- der denkende Geist hat seine Unabhängigkeit in der Schulphilosophie erwiesen und geht in die WIRKLICHKEIT, die er zu VINDIZIEREN hofft
- er mußte die gewußte Entfaltung der Wahrheit übersehen, weil seine orthodoxe Konzentration auf das WESEN des Christentums, nämlich duldend zu VERZEIHEN, bei der subjektiven Einheit festblieb, in dem negativen Resultate…, alle weitere Entfaltung von sittlichen Geboten und rechtlichen Pflichten abhängig zu machen
- ein nordostdeutschen Konzentrat, das in tiefer Partikularität seinen christlichen Glauben zentral versubjektivierte und das WISSEN darunter subsumierte (HEGEL)
- man erkennt das GENIE in Hamanns Schriften, aber vermißt Geschmack (Mendelssohn)

Johann Georg Hamann der Ältere

1697-1733
SCHRIFTSTELLER
- ONKEL des bekannten Philosophen gleichen Namens
- arbeitete an GOTTSCHEDs Tadlerinnen mit
- schrieb geistliche Lieder, die von Telemann und HÄNDEL vertont wurden
- schrieb einen ROMAN namens „Die asiatische Banise“ und verfaßte ein poetisches LEXIKON

hamann.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:12 (Externe Bearbeitung)