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HEIDEGGER

Martin Heidegger

1889-1976
Philosoph

Lehre

- die grundsätzlich gestellte Frage nach dem SEIN → Denk­weg führte ihn über das Studium der Theorie, die er immer als Vorhang betrachtete, in einem Befreiungsakt in die Diltheysche Lebensphilosophie, aus der heraus er über die Religion die Sphäre der Praxis zu erreichen hoffte → Heidegger attestierte der Welt, daß ihr technologischer Ausdruck seine Grenzen finden würde; der Mensch solle jedoch dichterisch in der Welt wohnen bleiben.
- gehört bedingt zur Existenzialphilosophie, denn er will Strukturen, die existenziale Verfassung des Menschen erhellen, d.h. Fundamentalontologie betreiben, wobei er den Menschen voransetzt
- die wirklichen Dinge bestimmen sich als Zeug und Mittel zur Selbstwerdung des Daseins → existenziale Hermeneutik des Daseins - Angst, Sorge, Schuld, Tod -, die im Gegensatz dazu bei den Existenzphilosophen ursprüngliche Erfahrungen sind

Martin Heidegger in seinem Arbeitszimmer

Erkenntnistheorie

Prämissen

  1. Reflexion der absoluten Gegebenheit des Daseins
  2. Dezentrierung des menschlichen Subjekts aus imaginärer Dominanzposition
  3. die menschliche Existenz ist ein Dialog mit der Welt
  4. der Mensch wird durch die Zeit konstituiert beziehungsweise geworfen (Eagleton)

Schlußfolgerungen

  1. wir erkennen die Welt als ein System miteinander verbundener Dinge
  2. die Welt ist nicht kontemplativ
  3. die erkannten Dinge sind Teil eines praktischen Vorhabens
  4. wenn bekannte Dinge ihren bekannten Sinn verlieren - Stichwort: der zerbrochene Hammer -, dann verlieren sie ihre Vertrautheit und offenbaren uns ihr authentisches Sein

→ wir müssen uns der Welt, dem Text passiv öffnen; zulassen, daß wir von ihm befragt werden

Ethik

- der in den Mitteln andersartige Terror der Sieger (der Weltkriege) läßt das Weltalter der Weltnacht anbrechen, wogegen nur die Deutschen zum Wohle der Menschheit Widerstand leisten könnten, ABER: christliche Phrasen und demokratische Tiraden stehen dagegen und verstärkten den Unwillen zur Rückkehr in unser Wesen

Ästhetik

- Heidegger lehnt induktive, empirisch, und deduktive, transzental, Interpretationsmechanismen in der Kunst ab

Logik

- bedarf der Leere, um zu funktionieren
- Leitfaden des Vorstellens vom Sein → nicht im Sein, sondern außen

Metaphysik

- Leitfrage der Metaphysik: Was ist das Seiende?
ontologische Differenz: Grund ist dunkel, was in aller Metaphysik beschlossen liegt
- aus dem Kontinuum mit dem Technischen entstanden als Seinsvergessenheit (Kernbegriff Heideggerschen Forschen)
- irgendwo sich selbst überlassen und in diesem Topf garge­kocht
- das Sein als Seiendes entbergen - Erfahrung des Sichentbergens
- wurde durch Technik ersetzt
- Erinnerung an das bisherige Denken - letzter Gott
- Flucht vor dem Sein
- versucht, das Sein seiend zu machen, hängt Kultur ans Sein → nötigt das Sein zur Flucht, Versagung
- die Überwindung der Metaphysik bedeutet die Freigabe des Vorrangs der Frage nach der Wahrheit des Seins vor jeder idealen, kausalen, transzendentalen und dialektischen Erklärung des Seienden

Sein und Zeit

1927

- Seinsbezug des in das Sein geworfenen Menschen, sein Dasein, transzendental-horizon­tal
Kehre 1930: Seinsbezug nicht mehr vom Dasein, sondern vom Sein selbst her zu bestimmen: geschichtliche Wandlung des Seins im Sein über Ereignisse → Kehre

Wertung

- sein Da-Sein ist primär an der Zeitlichkeit orientiert, währenddessen die Befindlichkeiten der Räumlichkeit dabei etwas zu weit aus dem Fokus des nachdenklichen Sprechens weggerückt wurden (Dugin)
- der frühe Heidegger steht gegenstandsmäßig der Existenzphilosophie nahe, unterscheidet sich von ihr aber durch seine Intention der neutralen phänomenologischen Analyse
- der späte Heidegger entfernt sich themenmäßig von der Existenzphilosophie, steht ihr jedoch themenmäßig näher, insofern er die Forderung nach Besinnung und eigentlichem Denken erhebt
- Adorno hielt ihm vor, er wolle in ein vortechnisches Sein zurück
- kommt nie zu einer befriedigenden Antwort, verdüstert sich eher immer mehr;

- quietistische Abart des religiösen Atheismus (Lukacs)
- erzielt seine Wirkung durch das tragisch-prätentiöse Philistertum
- will Ontologie, eine abstrakt-mythisierende anthropologische Beschreibung des menschlichen Daseins, und Anthropologie, Grundtendenz der heutigen Stellung des Menschen zu sich selbst und zum Ganzen des Seienden, trennen
- bringt Beschreibung der Ängste und Hermeneutik enger als Scheler oder Dilthey zusammen: “Der methodische Sinn der phänomenologischen Deskription ist Auslegung.” → seine Beschreibungen gelten ausnahmslos den seelischen Reflexen der ökonomisch-sozialen Wirklichkeit
- sucht den dritten Weg und findet ihn in der Bestimmung des Seins → Seiendes ist unabhängig von Erfahrung, Kenntnis und Erfassen, wodurch es erschlossen, entdeckt, bestimmt wird. Sein ist im Verstehen des Seienden, zu dessen Sein so etwas wie Seinsverständnis gehört. → Prätention aufs Objekt, trotzdem ist seine Ontologie eigentlich bloß eine objektivistisch maskierte lebensphilosophische Anthropologie, die Aufgabe der Ontologie besteht darin, das Seiende, das Eigentlichste des Menschen, was zugleich das ihm selbst Fernste ist, der Alltäglichkeit und Vergessenheit zu entreißen
- betont die Möglichkeit vs. Wirklichkeit: Das Verständnis der Phänomenologie liegt einzig im Ergreifen ihrer als Möglichkeit. → Heidegger ist verzweifelt, denn er sieht für das Individuum keinen befreiten Raum mehr zu einer erlösten ästhetischen und religiösen Kontemplation wie noch bei Schopenhauer
- die Sorge trägt den Menschen, denn keine Zeit ist der Mensch so fragwürdig geworden wie der unserigen → die Sorge gründet das Gewissen, welches zum Handeln treibt - Schuldigsein
- die gesellschaftliche Existenz des Menschen zieht die anonyme Herrschaft des MAN nach sich: Das Wer ist nicht dieser und nicht jener, nicht man selbst und nicht einige und nicht die Summe aller. Das ‘Wer’ ist das Neutrum, das Man. In dieser Unauffälligkeit und Nichtfeststellbarkeit entfaltet das Man seine eigentliche Diktatur. Wir genießen und vergnügen uns, wie man genießt; wir lesen, sehen und urteilen über Literatur und Kunst, wie man sieht und urteilt; wir ziehen uns aber auch vom großen Haufen zurück, wie man sich zurückzieht; wir finden empörend, was man empörend findet…
- will eine theologische Geschichtsphilosophie für den religiösen Atheismus schaffen
uneigentliche Geschichte: Dasein, Äußeres
eigentliche Geschichte: Sorge ums Dasein, Inneres (Lukacs)

Antisemitismus-Vorwurf

- kritisch gegenüber dem Weltjudentum bedeutet nicht, Antisemit zu sein → es gibt keinen seinsgeschichtlichen Antisemitismus bei Heidegger
- die Seinsvergessenheit (zugunsten einer Technik- und Ökonomiegläubigkeit) der Gegenwart gibt es bei Juden, Amerikanern, Bolschewiken und Deutschen: ein Problem der Postmoderne, kein spezielles der Juden
- weist den Juden ihren Anteil an der Verfallenheit in das Man zu, aber das beträfe die Juden nicht allein, sondern trifft auch auf Germanen und Romanen zu

 
heidegger.txt (1115 views) · Zuletzt geändert: 2015/10/29 08:50 von aerolith
 
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