Navigation Unsere Assoziations-Datenbank; nicht nur zum Lösen von Schreibblockaden Zurück zur Startseite Hier finden Sie den richtigen Ansprechpartner Die Verantwortlichen und AGBs Aktuelle Informationen Unseren aktuellen und geplanten Projekte Nachhilfeunterricht Unsere kreative Textwerkstatt mit Literaturforum Unsere Publikationen Wir stellen uns vor
 

HERAKLIT

540-480 v. Chr.
griechischer Philosoph
- legte seine philosophischen Arbeiten im Tempel der Artemis nieder (Bremmer)
- wandte sich voller Ekel von der sozialen und politischen Praxis der herrschenden Königreiche und Stadtbürgerschaften ab und zog sich in seine Eremitage zurück, um dort mit Hilfe der theoria, des Blicks auf das Wesentliche, das wahre Sein freizulegen (Pankraz)
- lebte im Zwist mit seinen Mitbürgern in Ephesos
- legte seinen Text über die Natur vor dem Tempel in Ephesos nieder und im Altertum der o skoteinoz genannt
- gewann durch den in ihm glücklichen Dämon (Wilamowitz)

Lehre

Kerngedanke, zugleich der Durchbruch im philosophischen Denken der Griechen: Weise sei! Nicht ihn [Gott], sondern den Logos [das zum Wort gewordene Denken] zu hören und zu bekennen, daß eins [Gott] alles wisse!

- ein Philosoph, der zum ersten Mal den Begriff des Ich als Rechtsanspruch anmeldet → seine Philosophie spricht uns an in ihrer Steigerung des philosophischen Denkens, das auf Meditation, Selbstbesinnung und allgemeine Weltanschauung rekurriert: Die Weltordnung hat kein Gott und kein Mensch geschaffen, sondern sie war immerdar und ist und wird sein ewig lebendiges Feuer; sein Erglimmen und sein Verlöschen sind ihre Masse. Gott ist Tag, Nacht, Winter, Sommer, Krieg, Frieden, Überfluß und Hunger. Er wandelte sich aber wie das Feuer, das, wenn es mit Räucherwerk vermengt wird, nach eines jeglichen Wohlgefallen so oder so beannt wird. Es ist aber immer ein und dasselbe, was in uns wohnt: Lebendes und Totes und das Wache und das Schlafende und Jung und Alt. Wenn es umschlägt, ist dieses jenes und jenes wiederum, wenn es umschlägt, dieses. panta rei
- bezeichnete die Eigenart oder den Charakter des einzelnen als dessen Schicksal, nicht den blinden Glauben an die Überirdischen
- Sein und Nichtsein als Einheit waren ihm Schicksal
- verwirft ebensowenig wie Xenophon die Religion als solche, nur an ihrer Form nimmt er Anstoß
- Schüler Anaximanders, d.h., er begreift die Gegensätze als Darstellungsformen des Lebens, um den Grund des Lebens zu finden → deshalb ein entschiedener Gegner Xenophons
- im weiteren positioniert sich Heraklit gegen die Eleaten, weil diese den Glauben an die Wahrhaftigkeit endlicher Verhältnisse vernichteten → Heraklit faßt das Wirkliche als Prozeß mit absolutem Kern, d.h. ein kreisen um den Kreis, somit ein Wahrhaftiges
- Wesen der Welt → Bewegung, d.h., die Entfaltung und die Wiedervereinigung bewirken ständige Veränderung, den Strom des Werdens
- faßt das Absolute als Prozeß, als Dialektik selbst
- die Menschenwürde weicht nicht der Götterhöhe;
- im Werden ist das Wesen des Seins
- Psyche ist ein Feuer, die Seele des Werdens, der Logos
- Wertabstufung der Elemente: Feuer – ErdeWasser (Rohde)

Heraklit unterscheidet in

  • äußerliche Dialektik: räsonniert hin und her, nicht die Seele des Dinges auflösend
  • immanente Dialektik: fallend in die Betrachtung des Subjekts

Objekt: die Dialektik selbst als Prinzip auffassend
- Daraus folgt ihm: Alles ist Eins! Sein und Nichtsein ist Eins, das Wesen ist die Veränderung. Das Absolute ist die Einheit von Sein und Nichtsein.

Naturphilosophie

- Heraklit ist der letzte der ionischen Naturphilosophen: Vernünftige Einsichten zu haben, ist die größte Tugend und Weisheit ist es, Wahres zu reden und gemäß der Natur zu handeln, indem man auf sie hört.
- Im Gegensatz zu den ersten Naturphilosophen, die nach einem bleibenden Urstoff suchten, erkannte Heraklit nur den Wechsel um das absolute Eine an. Das Feuer war für ihn kein Urstoff, sondern die Inkarnation der Verwandlung selbst, der Logos: Ordnung, Zweckmäßigkeit und Notwendigkeit. Diese Eigenschaften lassen auf Vernunft schließen, also erklärte Heraklit sie zum Ur-Stoff. Deshalb nennt man Heraklits Weltanschauung auch pantheistisch; sie schaut in allem das eine, das Vernunft und Feuer zugleich ist: Die Natur war immer und wird immer sein. Das Universum hat kein Gott und kein Mensch gemacht. Es ist ein lebendes Feuer, das sich nach seinem Gesetz, Metron, entzündet und verlischt.
Heraklit erkennt das Allgemeine des Wesens nur auf naturphilosophische Weise an, als allgemeinen Naturprozeß: Alle materiellen Dinge sind im Fluß, sie sind allesamt Prozesse. Auch das Universum als Ganzes ist ein Prozeß.
- durch seine Bewegung aus sich läßt der Logos die mannigfaltige Wirklichkeit werden und zwar auf dem absteigenden Wege, odoz katw, indem in fortschreitender Verdichtung aus Feuer zunächst Wasser und weiter Erde wird → da aber die Ur-Sache ewig lebendig, will sagen, in steter Bewegung ist, gilt dies auch für einen Weg nach oben, odoz anw
- beide Wege bilden einen Kreislauf aus, der keinen Ausweg kennt und in diesem ewigen Kreislauf lebt sich das Feuer als Ur-Sache der Welt aus

Heraklits Gottesbegriff

- es stellen sich die Fragen, wie der Logos in das Bewußtsein gekommen ist und wie er sich zur individuellen Seele verhält
- Pythagoras gab den Dingen die Zahl, um sie zu bestimmen und sicherlich auch festzuhalten, Heraklit deutete seine Festen nur an: Das Wesen liebt es, sich zu verbergen.
- Heraklit weiß, daß die Wahrheit in der Tiefe liegt; weder die sinnliche Wahrnehmung, wenn sie gleich unentbehrlich ist, noch Fülle des Wissens reicht aus, um sie zu ergründen: Der Seele Grenzen kannst du nicht abschreiten, nicht ausfindig machen, auch wenn du jeden Weg begehst: zu tief ist der Sinn, der sie erklärt, logos. Es ist der Tod für die Seele, Wasser zu werden.
- Glaube und Hoffnung verleihen die starken Schwingen, die ins Reich der Erkenntnis erheben.
- Der Zweifel der Wahrheit der Wahrnehmung führt zu der bedeutsamen Unterscheidung von Sein und Schein, von Wahrheit und Wahrnehmung → Heraklit bricht den Bann seiner Vorgänger, bei denen Wahrnehmung und Wahrheit noch eins war und stellt das Denken der vernünftigen Seele über das Wahrnehmen, das Prüfen des Sich-Verhaltens über die Meinung
- Der Verstand ist die Auslegung der Anordnung des Alls: sich dem Ersten und Nächstbesten in jeglicher Hinsicht hinzugeben, stieß bei Heraklit auf barsche Ablehnung. In diesem Sinne muß auch seine antidemokratische Grundhaltung verstanden werden, die da liegen satt wie Vieh…
- Die Meinung selbst war ihm nicht mehr, als daß Spiel von Kindern.

Wesen seiner Dialektik

- Kampf der Gegensätze: Man muß wissen, daß der Kampf das Gemeinsame ist und das Recht der Streit, und das alles Geschehen vermittels des Streites und der Notwendigkeit erfolgt. Kampf ist der Vater von allem; die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.
Einheit der Gegensätze: So führt die Natur das Männliche mit dem Weiblichen zusammen und knüpft so den allerersten Bund durch die entgegengesetzten Naturen.
Ineinanderübergehen der Gegensätze: Das Kalte wird warm, Warmes kalt, Feuchtes trocken, Trockenes feucht. Es lebt das Feuer der Erde Tod und die Luft lebt des Feuers Tod, das Wasser lebt der Luft tod, die Erde den des Wassers.

Identität der Gegensätze

Sie begreifen nicht, daß es [das All-Eine], auseinanderstrebend, mit sich selber übereinstimmt: widerstrebende Harmonie wie bei Bogen und Leier.
- leugnet keineswegs die konkrete Bedeutung der abstrakten Identität: wenn Tag ist, dann ist keine Nacht
- geht über die abstrakte Identität hinaus: die Gegensätze schließen einander nicht nur aus, sie bedingen einander → weil sie dies tun, gehen sie ineinander über und das ist das Wesen des Prozesses
- Gegensätze sind Bedingungen und Elemente des Prozesses → als solche sind sie identisch
- Der durch den Kampf der Gegensätze vorangetriebene Weltprozess, das Werden, in dem alles aus einem und eines aus allem wird, ist das einzig Absolute.

Ideen des staunenden Geists

  • die Einheit der Welt;
  • das ewige Werden;
  • die unverbrüchliche Gesetzmäßigkeit alles Geschehens

→ Es sind dies jene großartigen Gedanken, die der Weltanschauung Heraklits ihre Konsequenz und Geschlossenheit geben. Die Frage allerdings, wie denn der Logos erkennbar sei, bleibt noch offen.
- Heraklit deutet die Beantwortung an: Alle Menschen haben die Fähigkeit, sich selbst zu erkennen und vernünftig zu denken.

Rezeption

Griechen während einer Schlachtpause beim Brettspiel- kam es zu einer vollkommenen Relativierung der Begriffe, Kratylos, welches eigentlich erst durch die deutsche Klassik maßvoll fortgesetzt wurde
- Heraklit bleibt in seiner Grundaussage einzigartig für den Fortgang der Geschichte vieler Jahrhunderte
- Lehre ist auf Selbstbesinnung, Meditation und allgemeine Weltanschauung gerichtet: Die Vereinigung von Vergänglichem und Stetigem ist mir das Ganze. Dies geschieht durch Gott.
- eine Ethik hat Heraklit nicht entwickelt; wenn Gott alles ist und der Mensch nichts, kann es keine imperativistische Ethik geben → Heraklit macht so die Physik zur Theologie
- seine Beseitigung des Seinsbegriffes leistete der Skepsis der Sophisten wesentlichen Vorschub
- das Geheimnis allen Erkennens: das Identische berührt sich
- Heraklit hat seinen Logos-Begriff weniger aus der Beobachtung der Natur als vielmehr der denkenden Betrachtung des politischen Lebens seiner Gesellschaft gewonnen und ihn auf die Natur übertragen. → Für diese Annahme spricht der Bericht des Diogenes L., wonach Heraklit die Gesetzesproblematik dort behandelt, wo er über den Staat spricht.
- Streiten der Gegensätze schafft Dinge (Heidegger)

 
heraklit.txt (1509 views) · Zuletzt geändert: 2015/05/01 23:46 von aerolith
 
Recent changes RSS feed Creative Commons License Donate Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki



Herzlich willkommen! Salve!

Die Benutzung ist kostenlos. Finanzielle Unterstützung für das wiki philosophica bitte per paypal an robert@vonwolkenstein.de schicken.

Viel Erfolg beim Suchen und viel Spaß!