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HERDER

Johann Gottfried Herder

25. August 1744 Mohrungen in Ostpreußen bis 1804 Weimar
- gedrückte Jugend, findet Rousseau und begeistert sich an ihm → überträgt Rousseau auf die Forderung des dichterischen Empfindens und Schaffens, denn das religiös-persönliche Lebensgefühl will nicht in sich verbleiben, sondern schöpferisch tätig sein
- vertieft sich in die spinozische Philosophie
- theoretischer Führer des Sturm und Drang; der entscheidende Wendepunkt in der deutschen Literaturentwicklung zu einer fordernden, imperativen Kunstform, die im Leben stehen will → er kämpft als Philologe gegen den aufklärerischen Zeitgeist, dem nichts heilig ist und der deshalb oft zum platten Materialismus entartet
- steht, wie Lessing und Klopstock, in der Bewußtseinsreihe für die eigene Vergangenheit, die Kontinuität der eigenen Überlieferung
- nimmt Lebensfragen auf, die in gedanklicher wie in ästhetischer Hinsicht von Dauer sind
- prägt den Begriff des Volkes, nicht den der Nation, und bezeichnet das völkische Denken als jenseits der Schichten des bloß rational stattfindenden Prozesses → in diesem Zusammenhang wird als seine Leistung die Erweckung der geistigen Kräfte hin zur Volkspoesie betrachtet

Lehre

- bei aller Hochachtung des Nationalen, das er gegen den herrschenden Kosmopolitismus seiner Zeit betont, stellt er als Ziel der Menschheit die Humanität auf, worunter er die vollendete Menschlichkeit im Menschen und die harmonische Vereinigung aller Menschen verstand
- will die Natur erkennen wie sie ist und nicht, den Aufklärern gleich, betrachten → die Natur ist ihm kein Mittel zum Zweck; sie ist der Gang Gottes → der Mensch wird zu einem Stadium der Entwicklungsgeschichte - einer Raupe gleich → Kritik von Kant -, der erste Freigelassene der Natur: seine Sinne sind offen, seine Organisation ist unspezialisiert → irgendwo zwischen Deismus und Spinozismus
- wendet sich gegen Teleologie und bricht mit den pietistischen Schwärmern: Gott wird in der Natur gesucht, also im Menschen, der als Teil des Ganzen zum Teil Gottes wird → kommt so zu einem schwärmerischen Enthusiasmus a la Shaftesbury: So birgt diese Begeisterung die Gefahr der Konstruktion erwünsch­ter Tatsachen, z.B. stufenweiser Aufstieg der Formen und Kräfte=Wertabstufung. Diese Konstruktionsmanie brachte ihm den Vorwurf ein, sich auf Kosten der Tiefe auszubreiten. Jean Paul kritisierte diesbezüglich einen „physisch kränkelnden Ehrgeiz“.
- betrachtet den Genius der Sprache als Genius der Literatur einer Nation → Nation ist an Sprache gebunden
- die Sprache besitzt Entwicklungsstufen: das höchste Zeitalter ist jenes, wo Sprache nicht von Schönheit, wohl aber von Richtigkeit weiß
- um 1770 weist er den göttlichen Ursprung der Sprache zurück; sie ist nicht nur ein bloßes Instrument von Zeichen, die als Ideenträger auf etwas Vorgegebenes weisen, wie die Aufklärer glaubten, sondern sie ist ein Medium des Denkens selbst, in dem sich das menschliche Wesen zum Ausdruck bringt und sein Selbstbewußtsein in einem Wechselspiel zwischen Natur, Gott und seinem Lebensumfeld entwickelt
- die Nation bildet sich als naturgegebenes Phänomen aus der organischen Entwicklung des Volksgeistes, jede Nation (als Volskkörper des Ganzen zu verstehen, nicht auf eine Klasse/Stand zu beschränken) für sich und gleichwertig gegenüber anderen, denen sie mit Respekt als Entäußerung Gottes begegnet

Credo

Lasset uns idiotische (im Sinne von eigentümliche, mundartliche) Schriftsteller sein, eigentümlich für unser Volk - ob wir klassisch sind, mag die Nachwelt entscheiden.

Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

1784/91
- aus einem (erkenntnistheoretisch) monistischen Ansatz hervorgegangen: der Mensch wird natur- und gesellschaftsgeschichtlich zugleich begriffen
- Ursprungsort des Paradieses, der Menschheit, ist Indien
- verbindet den Eigenwert einer jeden Kultur mit der Vorstellung vom Gang der Geschichte als letztlich notwendigem Fortgang zu Vernunft und Billigkeit → d.i. die Humanitätsidee! ABER: wir durchlaufen ein Labyrinth, in welchem unser Leben nur eine Spanne abschneidet, daher es uns fast gleichgültig sein kann, ob der Irrweg Entwurf und Ausgang habe
- stellt eine stufenweise Aufwärtsentwicklung fest, die zu vollkommenen Organismen führen wird
- vermeidet Zivilisationskritik der Stürmer und nähert sich wieder dem Aufklärungsoptimismus
- im Gegensatz zu Kant formuliert Herder das Wohl der Gemeinschaft über den Weg des Individualwohls, nicht umgekehrt → übergreifend: in der Individualität der Völker vollzieht sich das Werden der Menschheit

Gesetze der Schöpfung

  1. lebendige Menschenkräfte sind die Triebfeder der Menschengeschichte
  2. entscheidend für die Entwicklung ist die Frage, in welcher Zeit und in welche Gegend die Entstehung eines Reiches fiel, aus welchen Teilen es bestand, und welche äußeren Umstände es umgaben
  3. Menschenwerk ist hinfällig; drückend wird auch die beste Einrichtung innerhalb weniger Geschlechter/Generationen

Vom neueren Gebrauch der Mythologie

1767
Grundfrage: Welche Funktion hatte die Mythologie bei den Griechen?

Wahrheit hat Geschichte; was den Alten wahr war, erscheint uns heute lächerlich
- deshalb muß man historisches Bewußtsein entwickeln und für die eigene Zeit benutzen

Rezeption

- in ihm streiten sich kritische Distanz zu seiner rationalistisch-mechanistischen Gegenwart der Aufklärung mit einem unverzagten Glauben an den Fortschritt, d.i. der Gang Gottes im Menschen → er sucht die Ganzheit, auch gegen Kant, dem er eine Überbetonung des Rationalen vorwirft, die Totalität in der Erfassung der Wirklichkeit vollzieht sich auch über die Sinne
- eigentlicher Begründer des Historismus, denn Herder war ein Gegner des Pathos' von der eigenen Generation;
- erster Mythologe, denn er bezeichnete das Alte Testament nicht als Zeitregister, sondern als prähistorisch (Bäumler)
- homo genialis: mehr Genie als Talent, das war sein Problem (Chamberlain)

 
herder.txt (1088 views) · Zuletzt geändert: 2016/06/29 14:26 von aerolith
 
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