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KANT

Hermann Kant

um 1980
Schriftsteller
- seine Sache ist nicht das Konturieren von Landschaften und Gesichtern, Jahreszeiten und Tageszeiten
- Atmosphärisches tritt nicht ins Bild: Alles lebt von spröde-ironischer Rede und Gegenrede. Gestalten werden sichtbar im Duktus der Sprache, zuweilen in der Sprachmarotte. (Hermlin)

Immanuel Kant

Leben

geboren am 22. April 1724 in Königsberg, gestorben daselbst 12. Februar 1804
- Seine Mutter vermittelte ihm pietistische Tiefe (Frage nach der Ergriffenheit von Gott), was an dem sozialen Engagement gemessen wird, am Dienst für den Nächsten; sie ist der eigentliche spiritus rector von Kants geistigen Anlagen. Sie pflanzte und nährte den ersten Keim des Guten in mir, sie öffnete mein Herz den Eindrücken der Natur; sie weckte und erweiterte meine Begriffe, und ihre Lehren haben einen immerwährenden heilsamen Einfluß auf mein Leben gehabt.- Sein Vater, ein Sattlermeister, ist für politische Geradlinigkeit, Kants werterhaltende Weltanschauung, verantwortlich zu machen. Der Vater stammte aus dem Kurischen, nicht aus Schottland, wie Kant jr. annahm.
- Kant prüfte Leibniz, Wolff, Crusius und Hume nach naturwissenschaftlichen Methoden
- John Lockes Conduct of human understanding übte einen ungeheuren Eindruck auf Kant aus; nicht zuletzt deshalb, weil Locke ewigmenschliche Probleme anpackt, zum Beispiel die Unfähigkeit des Menschen, eine andersartig sich ausdrückende grundsätzliche Lebensauffassung zu verstehen, an anderen Positionen zu wachsen. Locke gab Kant methodische Klarheit. So wird der konfrontative Aspekt des Kantverständnisses beschrieben als das Problem des Königsbergers, der der pietistischen theologia polemica eines Schultz mit dem weltbürgerlichen Toleranzverständnis eines Locke vergleicht und sich windend eigentlich nicht entscheidet.

Kant knapp zusammengefaßt

  1. Was ist möglich?
  2. Was ist Bedingung, wo ist die Grenze menschlichen Erkennens?
  3. Was kann ich wissen ? - Metaphysik
  4. Was soll ich tun ? - Moral
  5. Was darf ich hoffen ? - Religion
  6. Was ist der Mensch ? - Anthropologie

Ergebnisse von Kants Arbeit

- Die Vereinigung von Metaphysik und Physik zum Vorteil und Nutzen beider strebt er sein ganzes Leben lang an: Ziel ist der selbständig denkende Mensch, der sich seiner Handlungen bewußt ist.
- Er bricht die bis dato stagnierende Ethik auf, indem er das Sittengesetz in den Menschen verlagert, wobei er eine strikte Trennung von Ethik und Staat fordert. Der Staat dient demnach nur noch als Übereinkunft von Individuen, die sich aus pragmatischen Gründen zusammengeschlossen haben. Die Sitte dagegen ist kein Gesetz der Klugheit und des berechnenden Kalküls, sondern ein unbedingtes Gebot der Vernunft. → Ethik/Sitte steht über dem Staat, und der Staat hat nicht das Recht, den Einzelnen zu seinem Zwecke zu opfern
- ist eigentlich Popularphilosoph und doch beginnt durch Kant das Zeitalter der kritischen Philosophie → beschränkt sich darauf, die Gültigkeitsbedingungen der empirischen Wissenschaften zu erkunden

Freiheitsbegriff - die Lösung

Freiheitssequenz (sich steigernd): Freisein von Kausalität (der freie Wille gibt sich einen in sich liegenden Antrieb, er will etwas) - Selbstursächlichkeit (Kausalität aus Freiheit, das Setzen eines Anfangs, dem der Kausalnexus folgt, aber nur, weil das freie Ich es will) - Willensfreiheit - Selbstgesetzgebung (höchster Grad der Freiheit)

Kants kopernikanische Tat

- vom Rationalismus ausgehend, durch den Empirismus sich durchringend, hatte er vor dem Humeschen Skeptizismus haltgemacht und den Urgrund aller Erkenntnismöglichkeit von der Natur in die Vernunft verlegt und deren Gesetze als notwendige Voraussetzung für die Erkenntnis jener nachgewiesen
- Freiheit ist demnach nur dem Willen möglich, der sich aus reiner Achtung vor dem Sittengesetz dazu bekennt/bestimmt, denn in der Kausalität des Naturzusammenhangs ist keine Freiheit zu finden, somit jedes Streben nach Eudämonie unvernünftig, denn man müsse sich der Kausalität seiner körperlichen Neigungen unterordnen, wäre demnach unfrei;
- seine kopernikanische Tat: durch ihn kommt der Mensch zum Bewußtsein über sein eigenes Mythenbilden (Chamberlain)

Grundthema

Die Bekämpfung der reinen Verstandeserkenntnis, des apriori.

Nach Kant gibt es drei Phasen der Philosophie:

  1. dogmatische Philosophie, d.i. die Lehrsatzphilosophie
  2. skeptische Philosophie, d.i. die Philosophie des genauen Hinsehens des zu Glaubenden
  3. kritische Philosophie, d.i. die prüfende Philosophie, Prüfung der Lehrmeinung

Kant entwickelt die Theorie der Vorstellungen, die unmittelbar auf Wolff, mittelbar aber bis auf Leibniz und Descartes zurückgehen. Kants letzte Lebensjahre sind von Alterserscheinungen überschattet. So gelangt das letzte von Kant in Angriff genommene Werk, das sogenannte opus postumum, nicht mehr zum Abschluß und am Ende behält nicht der System-, sondern der Prozeßdenker, der sich mit grundsätzlichen Entwicklungen des Menschengeschlechts befaßt, das letzte Wort.
Testament: Der Gang der Entwicklung ist ein kontinuierlich fortschreitendes Werk der Gesittung mit dem Ziel, daß sich der Mensch nicht dem Genuß überlasse, sondern daß er sich in der Gemeinschaft kultiviere. Der Weg ist dornig und führt über die Zwietracht und bedarf der Erziehung, Verfassung und Religion. Der Staatsbürger ist verpflichtet, der gesetzgebenden Gewalt zu gehorchen.

Hauptakzent

Ob und wie ist die menschliche Vernunft in der Lage, ihrem in der Neuzeit erhobenen Anspruch auf maß- und gesetzgebende Autonomie gerecht zu werden?, anders gefragt: Wie sind Erfahrung und Vernunft zusammenzubringen?
- diese Frage richtet sich gegen Descartes und dessen dogmatischen Rationalismus, für den das denkende Ich das unerschütterliche Fundament der Wahrheit abgibt
- diese Frage richtet sich gegen Hume und dessen dogmatischen Empirismus, der zwar die Erfahrung als objektiv verkaufen will, was aber doch bloß subjektiven und in der Gewohnheit bestätigten Projektionen entspricht

Kants Methodik

- Quellenstudien führen zu den wahren Machtverhältnissen in der Philosophie, denn der Mensch ist erkenntnisfähig
- ab 1762, nach Jahren als der galante Magister im Siebenjährigen Krieg, als Königsberg russisch besetzt war, will Kant Philosophie analytisch betrieben
- Kant benutzt für seine Vorlesungen das Kompendium von Alexander Baumgarten
- Beweismethoden, die positive Anwendung in einer Wissenschaft erfuhren, sind kein Indiz für Allgemeingültigkeit
- nach 1774 entwickelte Kant eine eigene Terminologie, aber B 368: …neue Wörter zu schmieden ist Anmaßung → er verwendet abgelegte Begriffe und definiert sie neu

Kant als Vorleser

- beginnt mit psychologia empirica, setzt fort mit cosmologia, schließlich ontologia - verbunden mit psychologia rationalis - , um mit der theologia naturalis zu endigen → Kant begründet diese Verfahrensweise mit seiner Analysistheorie, er lehnt hier eine Synthesis ab

Politik

Kant schwebt die Staatsform Republik als die am ehesten geeignetste, dem Rechtsbegriffe am meisten angemessene, vor.

translatio iurisrichtige Begriffe, Erfahrung und guter Wille führen zur Staatsbildung
Hobbes, Grotius, Spinoza, RousseauKant

Erkenntnistheorie

  • die unmittelbaren Wahrnehmungsobjekte sind teils äußeren Dingen, teils unserem eigenen Wahrnehmungsvermögen zuzuschreiben
  • die primären Eigenschaften sind wie die sekundären Subjekt empfundene - Gegensatz zu Locke
  • die Ursachen unserer Empfindungen sind die Dinge an sich oder noumena
  • Wahrnehmungen, Phänomene, bestehen aus zwei Teilen:
  1. was zum Objekt gehört, Empfindung
  2. was unserem subjektiven Vermögen zuzuschreiben ist: Form des Phänomens → unabhängig von der Erfahrung; apriori

I. metaphysischer Beweis

- der Raum ist kein empirischer Begriff, denn Raum wird vorausgesetzt, damit empirische Erfahrung überhaupt möglich ist → Beziehbarkeit auf ein Äußeres
- der Raum ist eine notwendige Vorstellung apriori, die allen äußeren Anschauungen zugrunde liegt
- der Raum ist kein diskursiver, allgemeiner, Begriff von Verhältnissen der Dinge überhaupt, denn es gibt nur einen Raum!
- der Raum ist eine unendlich gegebene Größe

II. epistemologischer Beweis - transzendentale Erörterung → von der Geometrie abgeleitet

- die euklidische Geometrie wird apriori gewußt, obwohl sie synthetisch nicht von der Logik deduzierbar sei: Beweise sind durch Erfahrungen nicht belegbar
- zum Zählen bedürfe es der Zeit

Allgemeine Naturgeschichte

1755
- der Bau der Welt vollzog sich aus mechanischen Kräften, aus Attraktion, Anziehung, und Repulsion, Abstoßung → wie bei Newton: Gebt mir nur Materie, ich will euch eine Welt daraus bauen.
- Da die Materie, die der Urstoff aller Dinge ist, sich einer höchst weisen Absicht unterworfen befindet, so muß sie notwendig in solche übereinstimmende Verhältnisse durch eine über sie herrschende erste Ursache versetzt worden sein. Es ist ein Gott eben deswegen, weil die Natur auch im Chaos nicht anders als regelmäßig und geordnet verfahren kann. (Baumgarten)
- Kants Geschichtsperspektive ist prospektiv → der Blick auf das Ziel gibt dem Vergangenen den Sinn, somit ist Kant ein Chiliast

Das Conziliationsprogramm - das eirenische Lösungsmodell

1754 bis 1756
- Kant wird von den großen Gegensätzen seines Zeitalters bewegt; die Unterschiedlichkeit der Auffassungen warf ihm grundsätzliche Fragen auf, z.B. wodurch?
- die eigentlich zwangsläufige Haltung der Skepsis war ihm keine befriedigende Antwort; eher spitzte er zu:
entweder
der Mensch als frei handelndes Wesen ODER der Mensch als Maschine
→ man muß einen Mittelsatz annehmen
- beide Meinungen haben das Existenzrecht
- Kant ist bemüht, zwischen den befeindeten „Parteien“ - Naturalismus vs. Christentum; Leibnizianismus vs. Newtonianismus; Wolffianismus vs. Crusianismus - zu vermitteln, die partielle, durch gemeinsame Irrtümer nur verdeckte Wahrheit der verschiedenen Positionen ans Licht zu bringen und so gewissermaßen die Ehre der menschlichen Vernunft zu verteidigen
Kant sieht zwei Probleme:

  1. Bagatellenbewußtsein
  2. Schiedsrichtersyndrom

- die Lösung besteht darin, daß die Konzilianzidee mit der Vorurteilsidee verbunden wird, um zwei eigentlich sich ausschließende Lehrmeinungen zu verbinden: beide Seiten gehen beym Streite von einem Vorurtheil aus

zwei Beispiele sollen Kants neue Methode darstellen

  • der Streit zwischen den Meinungen, Gott als Weltbaumeister oder aber als Schöpfer zu sehen

- nach Kant ist Gott nicht notwendig, die Existenz der Dinge zu erklären, ABER Gott ist notwendig, die Welt zu erklären

  • der Streit zwischen Leibnizianern und Newtonianern um die Teilbarkeit des Raumes

- nach Kant ist, wenn man teilt, nicht das Kraftzentrum so geteilt, wie dies vielleicht erscheinen möge: es ist eine Frage vom Verhältnis Kraftzentrum - Feldzentrum

Der einzig mögliche Grund von einer Beweisform zum Dasein Gottes

1763
- eine Arbeit im apriorischen Sinne gehalten: Gott ist der Realgrund, weil die Möglichkeit der Dinge als Folge nur diesen als Ursache, eben Realgrund haben kann
- Die Aufhebung dieses Wirklichen selbst würde alle innere Möglichkeit aufheben. Das aber, dessen Aufhebung alle Möglichkeiten aufhebt, ist schlechterdings notwendig… es existiert ein absolut notwendiges Wesen, das den letzten Realgrund der Möglichkeit enthält.
→ Kant kritisiert den kosmologischen Beweis der Wolffschen Schule in dem Sinne, als daß dieser nur auf den ontologischen hinauslaufe, der Erklärung Gottes aus reinen Begriffen. Den teleologischen Beweis kritisiert er in der Hinsicht, als daß dieser der mathematischen Gewißheit und Genauigkeit unfähig wäre. So bleibt ihm nur der psychologische Beweis, den er als vollbracht ansieht.
- Es ist durchaus nötig, daß man sich vom Dasein Gottes überzeuge, es ist aber nicht nötig, daß man es demonstriere.

Gedanken von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte

1747
- seine Erstlingsschrift ist der zwischen Leibniz und Descartes strittigen Frage gewidmet, ob das Äquivalent der Kraft - der potentiellen Energie, wie wir heute sagen würden - der Impuls oder dessen Quadrat - die lebendige Kraft oder die kinetische Energie - sei
- Descartes hatte sich für ersteres, Leibniz für letzteres entschieden → Kant schlug sich auf die Seite Descartes'
Argument: beim inelastischen Stoß zweier Körper ist die Impulssumme vor und nach dem Stoß dieselbe, nicht aber die Summe der kinetischen Energien
- Kant entwickelt seine „fen“ (Hinske) Ideen

1. Aufklärungspathos

- der menschliche Verstand hat sich der Fesseln entschlagen, die Unwissenheit ist beseitigt, keine Autoritätsgläubigkeit, praeiudicium auctoritatis, ABER man kann auch ohne Prüfung des vorig Gesagten eine eigene Meinung haben, praeiudicium praecigitantiae → d.i. Kants Gegensatzdenken im Aufklärungszeitalter
- Ziel wahrer Aufklärung: innere Reife für neue Gesellschaft erringen, die Freiheit des menschlichen Verstandes

2. Vernunftsidee

- das Grundproblem der Kantschen Philosophie
- die lebendigen Kräfte werden in die Philosophie aufgenommen, nachdem sie aus der Physik verwiesen worden sind → aber: Sind Wandlungsprozesse in der Gesellschaft durch Naturwissenschaften Fortschritt?
- Kant formuliert ein Pathos: die Ehre der menschlichen Vernunft will beschlossen sein → die Vernunft ist die bestimmende Lebenskraft, die eigentliche Orientierungsinstanz des Menschen zur Bestimmung des Fortschritts in der Gesellschaft
- die Vernunftidee ist durchführbar, wenn die Gesellschaft daran teilhat, denn NIEMAND KANN GÄNZLICH IRREN; IN ALLEM IST WAHRHEIT! → Lösung eventueller Konflikte durch Konzilianz - von innen her
- Kant setzt den Zwiespalt der Vernunft mit sich selbst in das Bild der Antinomie, scepticismus problematicus et dogmaticus. Der Begriff des dogmatischen Skeptizismus entsteht. Er besagt, es gibt keinen endgültigen Satz; der Zweifel regiert den Zweifel, was aber nicht durchhaltbar ist. So ist der Schritt zum problematischen Skeptizismus unausweichlich, der besagt, das auch das Gegenteil des soeben bewiesenen Satzes bewiesen werden muß.

3. Zweifel der Metaphysik

- mit der Metaphysik sieht es 1747 schlecht aus; Kant fragt sich, woran es liegt
Befund: Unsicherheit der Metaphysik

  1. das Vorurteil ist die größte Stärke des metaphysischen Beweises - die eigentliche Stütze der Metaphysik → deshalb: Analyse der Ursachen der Unsicherheit der Metaphysik
  2. Neigung des Menschen zum Beifall: eine anthropologische Grundkonstante → dies führt zu windigen Theorien
  3. fataler anthropologischer Hang: Standpunkt! → Kant dagegen interessiert die Sache, nicht der Standpunkt

- Kant stellt sich die Frage, wie die Wissenschaft, die einen Nutzen für alle erbringen soll, dies erreichen kann.
→ die transzendentale Dialektik vollzieht die Grenzbestimmung der Metaphysik
- die Wissenschaft allerdings selbst ist nicht in der Lage, dem Menschen die letzten Lebensfragen zu beantworten, denn Wissenschaft ist erfahrungsbedürftig

4. Methodenprogramm

- nachdrückliche Prüfung - wir müssen die Kunst besitzen, zu prüfen, ob ein Beweis hinreichende Gründe enthält; einen Fehler, der wahrscheinlich ist, müssen wir suchen, denn wir haben hinlängliche Gründe, ihn zu vermuten - der Tragfähigkeit der Prämissen → daraus entwickelte Kant die Methode der Kritik der reinen Vernunft
- Bedeutung des Methodenprogramms: methodus antevertit omnes scientiam
- wenn zwischen scheinbar unverträglichen Philosophien Zwiespalt herrscht, muß man eine Methode finden, die eint

Grundlegung zur Metaphysik der Sitten

1786
Die Metaphysik der Sitten kann nicht aus der Erfahrung entwickelt werden, sie bedarf einer Untersuchung, in der ihre Prinzipien eingeführt und überzeugend gemacht werden können. (Henrich)
- Freiheit muß vorausgesetzt werden, wenn Moralität möglich sein soll, denn jene meint Unabhängigkeit von bestimmenden Ursachen der Sinnenwelt

Vorrede

- gegenwärtige Grundlegung ist nichts mehr als die Aufsuchung und Festsetzung des obersten Prinzips der Moralität und soll die Idee und die Prinzipien eines möglichen reinen Wil­lens untersuchen und nicht die Handlungen und Bedingungen des mensch­lichen Wollens überhaupt, welche größtenteils aus der Psychologie geschöpft werden

  • I. Abschnitt: Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen

- es ist überall nichts in der Welt, ja überhaupt auch außer derselben zu denken möglich, was ohne Einschränkung für gut gehalten werden als allein ein GUTER Wille
- wäre nun an einem Wesen, das Vernunft und einen Willen hat, seine Erhaltung, sein Wohlergehen, mit einem Worte seine Glückseligkeit, der eigentliche Zweck der Natur, so hätte sie ihre Veranstaltung dazu sehr schlecht getroffen, sich die Vernunft des Geschöpfs zur Ausrichterin dieser ihrer Absicht zu ersehen
- da die Vernunft nicht tauglich genug ist, den Willen der Befriedigung der Bedürfnisse sicher zu leiten, als zu welchem Zwecke ein eingepflanzter Naturinstinkt viel gewisser geführt haben würde: so muß die wahre Bestimmung derselben sein, einen nicht etwa in anderer Absicht als Mittel, sondern an sich selbst guten Willen hervorzubringen… dieser Wille darf zwar nicht das ganze, aber er muß doch das höchste Gut sein, in welchem Falle es sich mit der Weisheit der Natur gar wohl vereinen läßt

  • II. Abschnitt: Übergang von der populären sittlichen Weltweisheit zur Metaphysik der Sitten

- Frage des praktischen Bezugs von Pflicht: Wenngleich manches dem, was Pflicht gebietet, dieser gemäß geschehen mag, ist es dennoch immer noch zweifelhaft, ob es eigentlich aus Pflicht geschieht und also einen moralischen Wert hat. Ich will einräumen, daß die meisten unserer Handlungen pflichtmäßig sind; sieht man aber ihr dichten und trachten näher an, so stößt man allenthalben auf das liebe Selbst.
- Kant fragt, woher wir den Begriff „Gott“ als dem höchsten Gut haben → lediglich aus der Idee, die die Vernunft apriori von sittlicher Vollkommenheit entwirft und mit dem Begriff eines freien Willens unzertrennlich verknüpft

  • III. Abschnitt: Übergang von der Metaphysik der Sitten zur Kritik der reinen und praktischen Vernunft

- der Wille ist eine Art von Kausalität lebender Wesen, sofern sie vernünftig sind, und Freiheit würde diejenige Eigenschaft dieser Kausalität sein, da sie unabhängig von fremden sie bestimmenden Ursachen wirkend sein kann: so wie Naturnotwendigkeit die Eigenschaft der Kausalität aller vernunftlosen Wesen, durch den Einfluß fremder Ursachen zur Tätigkeit bestimmt zu werden
- was kann die Freiheit des Willens sonst sein als Autonomie, d.i. die Eigenschaft des Willens, sich selbst ein Gesetz zu sein?
→ ein freier Wille und ein Wille unter sittlichem Gesetz ist einerlei

Idee zu einer allgemeinen Geschichte in weltbürgerlicher Absicht

1784

  • 1. Satz

- alle Naturanlagen eines Geschöpfes sind bestimmt, sich einmal vollständig und zweckmäßig auszuwickeln → falls dem nicht, so wäre der Begriff von der Natur als einem trostlosen Ungefähr zur Ersetzung des Vernunftbegriffes überfällig

  • 2. Satz

- am Menschen sollten sich diejenigen Naturanlagen, die auf den Gebrauch seiner Vernunft abgezielt sind, nur in der Gattung, nicht im Individuum vollständig entwickeln → der einzelne würde unverhältnismäßig lange leben müssen, um zu lernen, wie er von allen seinen Naturanlagen einen vollständigen Gebrauch machen solle; Entwicklung wäre ohne teleologischen Hintergrund ein kindisches Spiel; eine Aufhebung der praktischen Prinzipien

  • 3. Satz

- die Natur hat gewollt, daß der Mensch alles, was über die mechanische Anordnung seines tierischen Daseins geht, gänzlich aus sich selbst herausbringe und keiner anderen Glückseligkeit oder Vollkommenheit teilhaftig werde, als die er sich frei von Instinkt, durch eigene Vernunft verschafft hat
- die Boshaftigkeit ist keine irreparable Grundbefindlichkeit seines Wesens, sie schließt die Möglichkeit, die Gutartigkeit des Willens eigenhändig zu schaffen, nicht aus
→ Kant wendet sich gegen den Abderismus, zyklisches Geschichtsdenken

  • 4. Satz

- das Mittel der Natur, die Entwicklung aller ihrer Anlagen zustande zu bringen, ist der Antagonismus derselben in der Gesellschaft, sofern dieser doch am Ende die Ursache einer gesetzmäßigen Ordnung derselben wird
- Gedanke des „ewigen Friedens“ - durch die Zwietracht des Menschen, schon mit sich selbst, erwächst Eintracht wider Willen, d.i. keine Dialektik in einem fortschreitenden Sinne, weil der Widerspruch nicht aufgehoben wird → der Widerspruch als solcher ist jedoch auflösbar: in der intelligiblen Welt
- Einsamkeit kann nicht dem Zwecke der Auswickelung dienlich sein: sie würde die Leere der Schöpfung in Ansehung ihres Zweckes nicht ausfüllen

  • 5. Satz

- das größte Problem für die Menschengattung, zu dessen Auflösung die Natur ihn zwingt, ist die Erreichung einer allgemein das Recht verwaltenden bürgerlichen Gesellschaft: weil die Natur nur vermittels der Auflösung und Vollziehung derselben ihre übrigen Absichten mit uns vollziehen kann
Ziel: gerechte bürgerliche Verfassung → die Verfassung darf Gehege sein, in dem sich die antagonistischen Neigungen des einzelnen zu einer geordneten Staatsform vorantreiben

  • 6. Satz

- das höchste Oberhaupt soll gerecht für sich selbst und doch ein Mensch sein → Annäherung an dieses Problem ist uns auferlegt\\ - Kant pflegt ein patriarchalisches Staatsdenken, aber: Idee, der sich der Staatslenker pflichtgemäß nähern muß, d.i. die Distinktion zum aufgeklärten Absolutismus, der sich alsbald einer bürgerlichen Verfaßtheit annähert
- durch Weltläufe geübte Erfahrenheit, richtige Begriffe und guter Wille führen zur Staatsbildung

  • 7. Satz

- das Problem der Errichtung einer vollkommnen bürgerlichen Verfassung ist von dem Problem eines gesetzmäßigen äußeren Staatenverhältnisses abhängig und kann ohne das letztere nicht aufgelöst werden
deshalb: Völkerbund, foedus amphictyonum, soll äußeren Frieden sichern
- das Problem ist nicht der Stand der Zivilisation, sondern jener der Moralität
- die ständige Erhöhung der Moralität wird die Staaten zwingen, ihre Beziehungen ständig zu prüfen

  • 8. Satz

- man kann die Geschichte der Menschengattung im großen als die Vollziehung eines verborgenen Planes der Natur ansehen
- durch unsre Vernunft können wir diesen erfreulichen Zeitpunkt für unsere Nachkommen schneller herbeiführen
- nach manchen Revolutionen der Umbildung wird die Absicht der Natur, der weltbürgerliche Zustand, als ein Schoß, woraus alle weiteren Anlagen der Menschengattung liegen, entwickelt werden

  • 9. Satz

- ein philosophischer Versuch, die allgemeine Weltgeschichte nach einem Plane der Natur, der auf die vollkommene bürgerliche Vereinigung in der Menschengattung abziele, zu bearbeiten, muß als möglich und selbst für diese Naturabsicht beförderlich angesehen werden
- die Unvollkommenheit des eigenen Systems macht das Prinzip, die Idee nicht schlecht und dürfte uns doch zum Leitfaden dienen
- nach eingehender Prüfung wird sich doch ein Leitfaden finden, der nicht nur zur Erklärung des so verworrenen Spiels menschlicher Dinge dienen kann, sondern es wird eine tröstende Aussicht eröffnet werden

Inauguraldissertation De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis

Königsberger Universität (Hauptgebäude) vor der Zerstörung im letzten Weltkrieg 1770
deutsch: Von den Formen der Vernunfts- und Verstandeswelt und den Gründen dieser Formen
- separierender Metaphysikentwurf
- Unterscheidung der Welt in Verstandes-, noumena, und Sinnenwelt, phaenomena → in der dato vorherrschenden Wolffschen Tradition wäre dies der Ausdruck eines logischen Problems, für Kant jedoch ist dies ein inhaltliches Problem, denn die Form der Welt ist absolute Totalität!
- das Konstituierende der Welt sind Raum und Zeit, die durch Verknüpfung erfahrbar sind, d.i. die sensitive Seite, und alles ist von Gott geschaffen und hängt deshalb aneinander, d.i. die intelligible Seite
- der Verstand ist nicht imstande, die Dinge an sich zu erkennen, seine apriorischen Begriffe gewinnen ihre Geltung allein aus ihrer Notwendigkeit für die Konstitution der Erfahrungswelt, des mundus sensibilis
- apriorische Begriffe sind nötig, um die Vielfalt der sinnlichen Eindrücke zu einer geordneten Welt der Erfahrungen zu verbinden und so die empirische Einheit des Bewußtseins herzustellen, aber eben deshalb auch nur für diese gültig
- der mundus intelligibilis, die wahre, unverschleierte Wirklichkeit, ist dem Menschen - genauer: dem theoretischen Erkennen des Menschen - unabänderlich verschlossen
ABER: der Mensch kann die Verstandeswelt erkennen → dies ist Kants Auffassung 1770, 1781 glaubt er das nicht mehr, nur in der Situation des eigenen Handelns wird uns das Reich Gottes offenbar

Zusammenfassung

Kants wissenschaftliches Ziel in der Inauguraldisseration war die Neubegründung der Metaphysik durch eine so benannte Propädeutik → will Sinnes- und Verstandeserkenntnis trennen; falls diese Trennung nicht vollzogen wird, entsteht transzendente Phänomenologie. Formale Absicht ist die Klärung der für die Metaphysik charakteristischen Methoden. Das ist der Gedanke des Entwurfs einer Wissenschaftstheorie mit dem Ziel einer Aufarbeitung des mundus sensibilis. Schließlich: Der Mensch ist nicht allein ein Wesen der Sinnenwelt!

Kritik der praktischen Vernunft

Begehrungsvermögen; Sittenlehre Kants
- nicht Euphemismus, sondern Glückwürdigkeit; kein rastloses Schwanken, sondern feste unwandelbare Norm, die erfüllt werden muß → kategorischer Imperativ
Postulat der praktischen Vernunft: GOtt → muß methodisch genau definiert werden, um das Zentrum bilden zu können
Schlußwort: es gibt zwei Unendlichkeiten

  1. den Kosmos
  2. das Sittengesetz in uns

- vollsittlich bin ich, wenn ich autonom handle
- was in mir drin steckt, muß ich als sittlich begreifen: sapere aude! Die sittlichen Gesetze haben imperativen Charakter: Du kannst, wenn du sollst!

Kritik der reinen Vernunft

1781
- man muß, um dem Begriff Gott z.b. Existenz geben zu können, aus diesem herausgehen → so entstand die erste Kritik (Lempp)
- kritische Beurteilung des Schönen unter Vernunftprinzipien, d.i. die Ästhetikintention Baumgartens; unmöglich, weil die gedachten Regeln und Gesetze empirisch sind, somit niemals apriorisch sein können, wonach sich unser Geschmack dann richten müßte → B 35
Kritik der theoretischen reinen Vernunft: Kritik richtet sich auf sich selber, die Kritik der eigenen Vernunft ist von der der anderen verschieden
Zergliederung des menschlichen Erkenntnisvermögens in einem Satz: Gegenstände der Sinne können wir nie anders erkennen als bloß wie sie uns erscheinen, nicht nach dem, wie sie an sich selbst sind; imgleichen: übersinnliche Gegenstände sind für uns keine Gegenstände unserer theoretischen Erkenntnis. → Trotzdem kann Erkenntnis z.T. apriori bestehen und ist nicht induktiv von der Erfahrung abgeleitet.

Hauptsätze

- durch Sinnlichkeit existieren Gegenstände, die Anschauungen liefern
- alles Denken muß sich unmittelbar oder mittelbar auf Anschauungen beziehen
- durch den Verstand werden diese Anschauungen begriffen
- der Verstand ist mit seinen apriorischen Grundsätzen immer nur auf einen rein erfahrungsmäßigen, empirischen Gebrauch angewiesen
- der Verstand kann die Schranken der Sinnlichkeit niemals überschreiten
- es gibt keine Trennung von Realem und Gedachtem, Ontologie

Bewertung

- ist ein Organon zur Verhütung von Irrtümern, Kants Idealismus steht im Gegensatz zur Agnostik seiner idealistischen Vorgänger, für ihn sind alle Erkenntnisse durch Sinne und Erfahrung mehr als leerer Schein, Kant ringt jedoch um die Niederreißung der Grenzpfähle der Anschauung:

  • Wenn Wissen nur durch Anschauung möglich ist und all unser Wissen nur auf der Anschauung basiert, wie soll ein Wissen des Übersinnlichen möglich sein?

Kant erwartet die Lösung unserer Probleme durch diese Übersinnlichkeiten, die er doch annimmt. Der Name ist Vernunft.

  1. das Ding an sich ist von der erkannten Vernunft unabhängig: das den Erscheinungen Zugrundeliegende, die aber selbst keine Relation auf dieses Zugrundeliegende besitzen
  2. die Welt ist kein Ding an sich, sondern, ihre Struktur stammt aus der erkannten Vernunft selber, deshalb können wir erkennen, d.h. Urteile abgeben
  3. Urteile dürfen den Anspruch haben, für alle Erfahrungen Gültigkeit zu besitzen
  4. aus dem bloßen gedachten Begriff, meinethalben Gott, folgt noch kein Dasein, aus dem Dasein dagegen folgt der Begriff und das an sich: in diese Kausalität ordnet sich das Ich ein

Dialektik: die Antinomien

  • 1.Paralogismus - Psychologie

- Fehlschluß, weil ein Begriff mehrere Bedeutungen hat
- alles, was die Seele betrifft, ist auf dem besten Wege, ein Fehlschluß zu werden

  • 2.metaphysische Dialektik oder auch transzendentaler Idealismus - Theologie
  • 3.Antinomien - Kosmologie

- Inbegriff der positiven Eigenschaften überhaupt
- die 3. Antinomie: entstanden, weil Kant mit der Problemlösung bei der Inauguralarbeit 1770 unzufrieden war → Kant arbeitete an einem Widerspruch zweier Sätze, die anscheinend gleich streng bewiesen sind
Lösung: „Wenn das Bedingte gegeben ist, so ist auch die ganze Summe der Bedingungen, mithin das schlechthin Unbedingte gegeben, wodurch jenes allein möglich war.“ (Lempp)
Unterschied zur Inauguraldissertation von 1770: der Mensch kann die Dinge nicht erkennen; nur in der Situation des eigenen Handelns wird uns das Reich Gottes offenbar

die vier Antinomien

- diese Antinomien rissen Kant aus dem dogmatischen Schlummer:

  1. Die Welt hat einen Anfang in Raum und Zeit – die Welt hat keinen Anfang und ist unendlich in Raum und Zeit
  2. Eine jede zusammengesetzte Substanz in der Welt besteht aus einfachen Teilen, und es existiert überall nichts als das Einfache oder das, was aus diesem zusammengesetzt ist. - Kein zusammengesetztes Ding in der Welt besteht aus einfachen Teilen, und es existiert überall nichts Einfaches in derselben.
  3. Die Kausalität nach Gesetzen der Natur ist nicht die einzige, aus welcher die Erscheinungen der Welt insgesamt abgeleitet werden können. Es ist noch eine Kausalität durch Freiheit zur Erklärung derselben anzunehmen notwendig. - Es ist keine Freiheit, sondern alles in der Welt geschieht lediglich nach Gesetzen der Natur.
  4. Zu der Welt gehört etwas, das, entweder als ihr Teil oder ihre Ursache, ein schlechthin notwendiges Wesen ist. - Es existiert überall kein schlechthin notwendiges Wesen, weder in der Welt, noch außer der Welt, als ihre Ursache.

Kritik der Urteilskraft

1791

Exposition

- Achtung vor dem moralischen Gesetz muß die Triebfeder, das Motiv des Wollens sein [Erklärungsprinzip der Geschichte im Menschen: Freiheit]
- Endzweck des Menschen ist nicht Glückseligkeit auf Erden, da sie ihn unfähig macht, sich selbst einen Endzweck zu setzen
- Ziel ist die Ausarbeitung des in ihm liegenden durch Gott gesetzten Endzwecks, die Versittlichung durch seine Vernunft

Inhalt

- die Analyse der apriorischen Bestimmungsgründe des Gemütsvermögens, der Lust und der Unlust, die sich selbst korrelativ zu der Zweckmäßigkeit des Gegenstandes verhalten durch den sie erregt werden → die Ästhetik wird selbständig, da das Prinzip eines allgemeinen Wohlgefallens, das in einem Geschmacksurteil gedacht wird, eine Notwendigkeit ist → so ist schön all das, was ohne Begriff gefällt
- das Schöne dient nicht mehr übergeordneten Zwecken, sondern es ist das Produkt des Genies, welchem die Natur Regeln gibt

  • objektiv: durch die sogenannte teleologische Urteilskraft, die Naturbetrachtung
  • subjektiv: durch die ästhetische Urteilskraft, den Geschmack

Wertung

- Versuch, die Probleme des Lebens philosophisch zu fassen
- Darstellung der Dialektik von Wirklichkeit und Möglichkeit, des Ganzen und des Teils, des Allgemeinen und des Besonderen
- Möglichkeit des Hinausgehens über mechanisch-metaphysisches Denken aus dem 17./18. Jahrhundert durch Dialektik (Lukacs)
- sie ist wie Kants Geschichtsphilosophie zwischen theoretischer und praktischer Philosophie anzusiedeln, denn sie besitzt im Gegensatz zur dogmatischen Geschichtsphilosophie des 18. Jahrhunderts einen regulativen Charakter mit einer weltbürgerlichen Gesellschaft als Leitbild (Weyand)

Mutmaßlicher Anfang des Menschengeschlechts

- die Geschichte der Natur fängt beim Guten an, denn sie ist das Werk Gottes; die des Menschen beziehungsweise der Freiheit vom Bösen, denn sie ist Menschenwerk → Kant bemüht den Ursündenfall, entmythologisiert
- Gott kann nicht die Schuld an den vom Menschen in Freiheit gesetzten und sich in der Geschichte aktualisierenden bösen Taten zugeschoben werden
- Schuld trägt der Mensch durch seine Unvollkommenheit
- die Geschichte beginnt in dem Augenblick, in dem der Mensch sich seiner nicht naturgegebenen, sondern selbstgegebenen Freiheit bewußt wird und erkennt, daß er der eigentliche Zweck der Natur ist, wobei Geschichte verstanden werden muß als Geschichte von Freiheit
- Freiheit ist kein Ausstattungsstück des Menschen, nichts Fertiges, sondern, sie ist gegeben in einem Akt des Menschen, durch den er sich von der Naturinstinktbindung löst

Nova Dilucidatio

1755
- Verknüpfung von Natur- und Menschengeschichte
- damit der Mensch nicht verzweifelt, zeigt Gott in allen Übeln seine Weisheit
- das Werk thematisiert die Auseinandersetzung zwischen Leibniz und Newton in der Begrifflichkeit der Kraftmomente und zwischen Wolff und Crusius in der Frage der Freiheit

Geometrie und Physik

  • Leibnizianer → Metaphysiker, die die Kraftmomente in den Monaden denken

- sehen Teilen als das Auseinandernehmen einer zufälligen Zusammensetzung → wenn ich diesen Prozeß unendlich oft betreiben könnte, müßte ich die Zusammensetzung auch wegdenken können und alles besteht aus nichts

  • Newtonianer → Geometrie ist Ausgangspunkt der Betrachtung - Ausdehnung ist ein ins Unendliche teilbares Kontinuum

Ethik

  • Freiheit durch Spontanität - innerer Grund für vorangegangene Handlung
  • auch die freie Handlung hat ihren zureichenden Grund: ich handle, weil…

- philosophiegeschichtlich ist das der Streit zwischen Wolff und Crusius über den Begriff „gut“ und über die Frage: Wie ist eigentlich Materielles beschaffen?

  • Wolff → was mir von meinem Standpunkt aus als gut erscheint und mich bewegt: der Mensch macht automatisch das Gute
  • Crusius → Man muß den Menschen zum moralisch Guten zwingen: er muß sich dazu aufraffen

Rezension von Herders „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit“ , Teil 1.2.

1784
- Herder geht von der Erfahrungswirklichkeit aus, daraus bildet er den Analogiebegriff vom Menschen in seinem determinativen Verhältnis zur Natur → die Natur in ihrer fortschreitenden Organisation läßt den Menschen nur als Glied der Kette erscheinen, nach dem sich ein höheres Wesen, als er selbst es zur Zeit ist, bilden wird
- Herder fordert einen Glauben an den Kreislaufgedanken der Seele der alten Griechen, Palingenesia, d.i. die postmortale Fortexistenz der Seele
- Kant lehnt diesen Kreislaufgedanken ab, denn er verhindere das Fortschreiten der Natur zu ihrer letzten Bestimmung
- Kant betrachtet Geschichte als Anreiz zum moralischen Handeln → Hoffnung muß sein, sonst ist Handeln sinnlos
- der Mensch kann seine Ideen in die Geschichte tragen, aber nicht sein Handeln

Rezension von Moscatis Schrift „Von dem körperlichen wesentlichen Unterschiede zwischen der Structur der Thiere und Menschen“

1771
- im Menschen ist Keim von Vernunft, welche ihn zur Gesellschaft befähigt
- die Soziabilität ist die Folge der Vernunftsentwicklung; man setzt sich Zwecke durch Freiheit
- im Tierreich herrscht eine instinktgebundene Zweckverwirklichung vor

Theorie des realen Verstandesgebrauchs

- logischer Verstandesgebrauch: angewiesen auf Inhalte, weil er diese nicht aus sich selbst gewinnt
- der Verstand benötigt Daten, um zu wirken und ist aus eigener Kraft nicht in der Lage, zum mundus intelligibilis vorzustoßen intelligibilis: Begriffe haben wir apriori, denn Erfahrung kann nur zeigen, daß es so ist, nicht warum
- Erfahrung wertet Geschehenes
- Ideen haben bloße Ordnungsfunktion
→ Metaphysik ist die Wissenschaft von dem praktischen, nicht dem theoretischen Gebrauch der Vernunft

Von den verschiedenen Racen der Menschen

1775
- die Vermengung von Gut und Böse weckt Kräfte, die den Menschen der Bestimmung langsam näher bringen → allgemeine Meinung um 1775 war die stete Entwicklung, die chiliastisch abgeschlossen wurde; das Böse existierte dieser Meinung nach außerhalb des Menschen

Was ist Aufklärung?

1784
Kant lebe in einem Zeitalter der Aufklärung, nicht in einem aufgeklärten!
- Aufklärung ist ein kulturpolitisches Problem, denn können alle die Früchte der Aufklärung ernten? Nein!
- Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude!

Zum ewigen Frieden

1794

I. Abschnitt, welcher die Präliminarartikel zum ewigen Frieden unter Staaten enthält

- sechs Präliminarartikel, Einleitungsartikel, geben die Bedingungen für wirklichen Friedensvertrag an: Unterscheidung in Friedensvertrag und Waffenstillstand

  1. Friedensschluß muß aus wirklichem Friedenswillen entstehen
  2. ein Staat - moralische Person = Staat - darf nicht verkauft werden, da er zu einer Sache erniedrigt würde
  3. Verurteilung des stehenden Heeres - wenn schon, dann Heer der Freiwilligen
  4. keine Staatsschulden für Kriegsführung
  5. kriegerische Intervention in die internen Angelegenheiten anderer Staaten ist zu verbieten
  6. Verwerfung der ehrlosen Stratagemen wie Anstiftung zu Plünderungen, Verschleppungen, Vertreibungen

II. Abschnitt, welcher die Definitivartikel zum ewigen Frieden unter Staaten enthält

- Frieden muß gestiftet werden

  • die bürgerliche Verfassung in jedem Staate soll republikanisch sein
  • das Völkerrecht soll auf einen Föderalismus freier Staaten gegründet sein

i.der Friedensvertrag endigt einen, nicht alle Kriege
ii.durch den militärischen Sieg wird über das Rechtsverständnis nicht entschieden; es gewährt keinen ewigen Frieden

  • das Weltbürgerrecht soll auf Bedingungen der allgemeinen Hospitalität, Wirtbarkeit, eingeschränkt sein → das Weltbürgerrecht ist eine notwendige Ergänzung des ungeschriebenen Kodex
1. Zusatz: von der Garantie des ewigen Friedens

- durch Zwietracht Eintracht wider Willen emporkommen lassen
- der Krieg scheint auf die menschliche Natur gepfropft zu sein, und sogar als etwas Edles zu gelten, die Natur aber will unwiderstehlich, daß das Recht zuletzt die Obergewalt behalte
- ein seelenloser Despotismus verfällt zuletzt doch der Anarchie

Anhang

  • I.über die Mißhelligkeit zwischen der Moral und der Politik, in Absicht auf den ewigen Frieden

- alle Moralbegriffe haben ihren Ursprung (ihr apriori) in der Vernunft, d.h., sie dürfen mit keiner Nützlichkeitslehre etc. vermischt werden → wenn dieses moralische Handeln nicht möglich ist, fällt der Begriff weg
- Streit zwischen Moral und Politik ist eigentlich nicht möglich, es sei denn, man behandelt die Moral als Klugheitslehre, d.h. die berechnende Absicht tauglichster Mittel; dann gibt es überhaupt keine Moral
- Ehrlichkeit ist besser denn alle Politik, letztlich immer erhaben und die Bedingung von Politik
- der Grenzgott der Moral weicht nicht dem Grenzgott der Gewalt - Iuppiter -, denn dieser steht noch unter dem Schicksal, d.i. die Vernunft, welche selbst nicht erleuchtet genug ist aus dem Tun und Lassen der Menschen nach dem Mechanismus der Natur mit Sicherheit vorher verkündigen zu können
- der Rechtsbegriff wird zum sachleeren Gedanken, wenn es keine Freiheit gibt und lediglich Naturmechanismus herrscht
- das moralische Prinzip im Menschen erlischt nie, es wächst durch die innere fortschreitende Kultur

  • II.von der Einhelligkeit der Politik mit der Moral nach dem transzendentalen Begriffe des öffentlichen Rechts

- eine Maxime, die verheimlicht werden muß, wenn sie gelingen soll, kann ihren Gestus nur aus dem Gedanken der Ungerechtigkeit haben, womit sie jedermann bedroht
- das Unrecht des Aufruhrs leuchtet dadurch ein, daß die Maxime desselben dadurch, daß man sich öffentlich dazu bekennt, seine eigene Absicht unmöglich machen würde → man müßte sie also notwendig verheimlichen

Zusammenfassung

Die Gründung einer Republik ist Frevel, weil zumeist mit Krieg verbunden, wenn sie nun aber schon entstanden ist, ist es noch größerer Frevel, gegen sie vorzugehen. Der Bürger hat ein Mitspracherecht in der Frage Krieg oder Frieden. Es ist ein Völkerbund dem Völkerstaat vorzuziehen, da Staaten potentialiter im Streit liegen.
Der Krieg ist der Antagonismus zwischen Staaten, ein Maschinenwesen der Vorsehung, ein notwendiges Mittel der Entwicklung. Kant geht es hier nicht um die Beförderung von Sittlichkeit, sondern einzig um die Beförderung derer, um den Krieg zu verbannen. Ewiger Friede entsteht, wenn die Differenzen der Staatslenker oder auch der Völker selbst, nicht mehr blutig beglichen werden, sondern durch den Schiedsspruch international anerkannter Richter an einem allgemein gebilligten Gericht mit einem für alle Staaten gleich geltenden Recht entschieden werden.
Kant setzt die Bezugselemente weltbürgerlicher Zustand - ewiger Friede und entbirgt daraus die Maxime politischen Handelns: die Auflösung der Vereinzelung!

Kant-Rezeption

- die kritisch-reflektierte Schritt von der Erfahrungswelt zur Vernunftwelt macht aus der Welt ein Problem → Kants Lösung: die Vernunft reflektiert auf sich selbst, die Welt der Erscheinung wird transzendiert (Löwith)

Fichte Schelling Hegel

  • II. Phase

Marburger Neukantianer: Cohen Natorp

  • III. Phase

metaphysisch-ontologisches Symposium 1924: Heimsoeth, Heidegger - als subjektiven Idealisten interessiert ihn das isolierte, produzierende oder rezeptive Individuum → die gesellschaftliche Rolle der Kunst verschwindet
- das Schöne wird vom Subjekt produziert, nicht von der Natur
- bestimmt den ästhetischen Gegenstand formal und leugnet die inhaltlichen Aspekte, nennt sie ein anderes Feld (Lukacs)
- stellte die Frage nach der unbedingten Objektivität des Philosophen bei seiner Suche nach dem Urteil
- stellte diejenigen Prädikate des Schönen in den Vordergrund, welche die Ehre der Erkenntnis ausmachen: Unpersönlichkeit und Allgemeingültigkeit
- hat nur von Zuschauerposition aus die Kunst betrachtet, nicht als Produzent (Nietzsche)
- Freiheit und Determination → Kant hatte die Verkehrtheit zurechtzuweisen. Je härter der Abstrich war, desto mehr konnte er hoffen, Nachdenken darüber zu erregen. Er erinnerte die Deutschen an die Strenge des unverbrüchlichen Pflichtbegriffs. (Schiller)
- Analogon zu Aristoteles – das Gewordene (Spengler)

Literaturempfehlungen

  • Kuno Fischer: Immanuel Kant und seine Lehre; 1928 6. Auflage
  • Alfred Bäumler: Kants Kritik der Urteilskraft, ihre Geschichte und Systematik; 1923
  • Max Wundt: Kant als Metaphysiker; 1924
  • J.D. Metzger: Äußerungen über Kants Charakter und seine Meinungen; 1804
  • K. Stavenhagen: Kant und Königsberg; 1949
  • O. Schöndoerffer: Der elegante Magister; In: Reichls philosophischer Almanach auf dem Jahre 1924, Immanuel Kant zum Gedächtnis. Hrsg. von P. Feldkeller, 1924; S.65-83.
  • K.H. Glasen: Kantbildnisse; 1924

 
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