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leberschau

LEBERSCHAU

disciplina etrusca, haruspicina
- von haruspex

Gemäß altorientalischer VORSTELLUNG konnte man mit Hilfe verschiedener Divinationstechniken die Absichten der allmächtigen GÖTTER erfahren. Dabei kam der Leberschau die größte BEDEUTUNG zu. Wegen ihrer Größe und hochdifferenzierten TOPOGRAPHIE eignete sie sich vorzüglich für das ORAKEL. Dazu wurde die Oberfläche nach FORM, FARBE und vorhandenen Anomalien untersucht. Diese UNTERSUCHUNG wurde von professionellen Wahrsagern vorgenommen. Vorzugsweise wurde dazu ein Schaf geschlachtet. Die GOTTHEITen wurden gebeten in die entnommene Leber einzutreten und bestimmte Fragen zu beantworten. Generell kamen bestimmten Regionen der Leber bestimmte Bedeutungen zu. Traten dort Anomalien auf, wurden diese aufgrund fixierter Erfahrungen gedeutet.
Allein daß sich dieser GLAUBE über beinahe drei Jahrtausende hielt vermag seine Bedeutung nicht hoch genug zu veranschlagen.

etruskische Leberschau Bild: Bronzeleber, manifestiertes Anschauungsobjekt zur Ausbildung der Haruspizen

genauer: Der rechte Leberlappen ist dort, wo das pyramidenförmige Teil hochsteht. Der linke Lappen die eher unauffällige Besetzung. Der untere Einschnitt, der die Lappenhälften markiert, ist das Palasttor oder Stadttor - bab ekalli, incisura umbelicalis -, so von den Babyloniern und Assyrern genannt. Die GRIECHEN nannten es Pyle, Tor, und verbanden damit HERMES, der als Torwächter galt. Hier ist auch die Verbindung zur Darmschau, da Hermes der PLANET ist, der vorläuft, stillsteht und zurückläuft, wie die Darmspiralen auf, dann drehen, dann abwärts, GOTT: Humwawa. Manchmal ist dort ein weiteres Augenlid, eine senkrechte Spalte zu SEHEN. Sie heißt padanu, babylonisch Pfad.

Der linke Leberlappen kann weitere Augenlider aufweisen, so eine lange, senkrechte Einkerbung: mazzazu, naplastu, kigub= babylonisch Platz, Stelle - vom VERB: naplusum: darauf blicken. Eine weitere waagrecht verlaufende Kerbe: dananu= babylonisch Stärke.
Der rechte Lappen trägt die drei charakteristischen Teile, die sich auf der Bronze erheben:
Der wichtigste ist die PYRAMIDE rechts oben: processus pyramidalis, der Kopf = caput, Lappen LOBOS, griechisch, finger ubanu, babylonisch; manch jüdisch-orthodoxem Metzger so. Dieses Teil muß aufgestützt werden, sonst schwingt es hin und her. Eigentlich ist's nicht vierseitig pyramidenförmig, sondern dreiseitig. Pyramidenzuschreibung wohl von Pythagoräern, die glaubten, alles FEUER setze sich aus vierflächigen Teilchen zusammen.
War dieser Teil beschädigt beim heraustrennen oder fehlte er ganz, so war das schlimmstes Vorzeichen. Es gab kein schlimmeres - vor der Ermordung Julius Caesars. Stand auch für TOD eines nahen Verwandten, für ungünstigen Ausgang einer großen Schlacht etc. Also rechte Seite trug hier schlechteste Vorzeichen.

Das auffälligste Teil ist die wurstförmig herabhängende Gallenblase: martu babylonisch, die vorn an der Leber schwebend aufgehängt ist. War die herausgerissen oder beschädigt: das bedeutet Feindschaft! KRIEG! Unter ihr versteckt ein weiteres Augenlid waagerecht: padan sumél marti, Pfad zur linken Seite der Gallenblase oder auch: mihis pan umman nakri, Schlag gegen die Front des feindlichen Heeres. Augenlid gibt’s auch zur Rechten: kurzer senkrechter Spalt: sulmu, Wohlbehagen oder padan immitti marti, Pfad zur rechten Seite der Gallenblase.

Die dritte Erhebung oberhalb der Gallenblase: processus papillaris: sibtu, Zuwachs oder niru, JOCH.
- in ETRURIEN wurden in jeder bedeutenden STADT fünf PRINCIPES von Kindesbeinen an in dieser KUNST unterrichtet → ordo haruspicum, der unter der Führung des summas haruspex stand (Torelli)

leberschau.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:15 (Externe Bearbeitung)