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LEIBNIZ

Gottfried Wilhelm Leibniz

- in Leipzig als Sohn eines Moralphilosophen geboren
- 1672 Paris, um Ludwig XIV. vom Überfall Deutschlands abzubringen → statt dessen sollte sich Ludwig um Ägypten bemühen
- 1675/6 Infinitesimalrechnung, siehe auch Newton 1687
- Einflüsse von Gassendi, Descartes, Malebranche, Arnauld, Spinoza
- seit 1673 Dienstmann Hannovers
- starb in Vergessenheit, da er sich mit Newton um die Urheberrechte der Infinitesimalrechnung stritt, was den Hannoveranern mißfiel → seine Denkschriften vermoderten in den Archiven
Eigenschaften: fleißig, sparsam, mäßig

Grundgedanke

- die Einheit des Seins ist als unaufhebbare Forderung philosophischen Denkens zu setzen → d.i. die Urgründung des deutschen Idealismus (Wundt)
- das Wesen der Welt entfaltet sich im Geist
- der Versuch um eine ausgleichende Philosophie des Zusammenbringens → Versöhnung zwischen Glauben und Wissen - naturwissenschaftliche Erkenntnis -, wobei der Wissenschaft die Aufgabe zuteil wurde, den ewigen Frieden herbeizuführen
- prangert das tagediebische Vanitas-Lebensgefühl an und kritisiert das Fehlen eines öffentlichen Bewußtseins
- die Wiedergeburt des Realismus
- der Versuch, die bloße mechanische Erklärung der Welt in einer der Dynamik eher verpflichteten Grund­bestimmung aufzulösen

Erkenntnistheorie

- an Stelle der schäumenden Goldküche der Renaissance, zum Beispiel wie bei Paracelsus, tritt eine kontinuierliche Intensitätsfolge der Lichtvermehrung, die Welt als Erhellungsprozeß → Leibniz leugnet das Dunkle, wie noch Böhme es erkannte; wird erst wieder durch Schelling aufgenommen

  • alles Sein besteht aus psychischen Kraftpunkten
  • jeder von ihnen führt ein völlig inneres Leben, das keine Fenster hat, doch alles Außen in sich findet, weil es dies spiegelt
  • diesen Monaden eignet im Spiegeln ein appetitus - die Tendenz dazu -, ins Helle zu streben
  • die Gegenwart geht mit der Zukunft schwanger - die Sprengkraft der Zukunft in der Monade, ihre Entwicklung zum Besseren
  • die Monade kann ohne Zweckbeziehung nicht gedacht werden - Unterschied zu Spinoza und Bacon, auch Hobbes, die alle die Zweckkategorie verwarfen
  • die Möglichkeit liegt in der Anlage jeder Monade zu ihrer Entfaltung, das virtuelle Enthaltensein der Prädikate im Subjekt, omne possibile exigit existere

→ so wird die sub specie aeternitas durch die Lehre der sub specie perfectionis ersetzt, statt Prädestination eine pluralistisch-dynamische Aufgabe
→ statt Spinozas Ruhe wird die Welt dynamisch und als Aufgabe gesehen
- Leibniz kritisiert die mechanische Philoso­phie, da sie keine Antwort auf das Bewegungsprinzip zu geben imstande ist, denn

  1. Die Welt baut sich aus lebendig wirkenden atomistischen Kräften auf, den Monaden. - Gegenentwurf zu Locke und Hobbes
  2. Jede Monade ist auf sich selbst bezogen, ein Spiegel der Unendlichkeit.
  3. In allem ist alles. Alles ist beseelt.
  4. Der Grad des Parallelismus zwischen Leib und Seele ist durch die prästabilierte Harmonie bestimmt, der von Gott vor­bestimmten Weltenordnung. Die Monaden wirken nur durch Gott aufeinander ein. Und jetzt kommt das große Aber: das alles ist Hypothese; jedoch die einzig vernunftgemäße → Diese Einschränkung, die eigentlich alles auf den Kopf stellt, ist die Bürgschaft für menschliche Freiheit und Unster­blichkeit.

Logik

- schließt sich an Bacons Induktion - das Folgern allgemeiner Wahrheiten aus einzelnen sinnlichen Beobachtungen durch eine Kombination des Verstandes - an und stellt sich somit gegen die scholastische deduktive Methode

1. ontologisches Prinzip

Prinzip des zureichenden Grundes: Nichts geschieht ohne Grund!

2. widersprechendes Prinzip

Satz vom ausgeschlossenen Dritten → alles, was den Widerspruch mit einschließt

3. Prinzip von der Identität des Ununterscheidbaren, principium identitatis indiscernibilium

Hervorhebung der qualitativen Seite der Erscheinung → alle metaphysischen Unterschiede sind von substanzieller Natur in Raum und Zeit - Unterscheidung von Newton

4. Prinzip der Kontinuität

Monaden sind veränderungsfähig → zielt auf moralische Vollkommenheit des Menschen im Reiche Gottes

5. Kausalitätsprinzip

Alles bedarf irgend einer Sache, die dazu dienen kann, den Grund anzugeben, warum dies ist existierend mehr als in irgend einer anderen Weise. → a parte priori - aus den Gründen; vorkantische Interpretation des Begriffes

Ethik

Leibnizens Schrift über die Beste aller möglichen Welten und den Ursprung des Bösen in der Welt- Vorsorge tragen fürs Vaterland → trat für die Souveränität des Reichs ein, in dessen Schatten er die deutsche Libertät definierte (Gegensatz zur Politik der Stände)
- niemals die Hände in den Schoß legen
- Vorsehung wird Übeltäter bestrafen
- die Welt als Theodizee betrachtend, liegt es an der Vorsorge und am Engagement des einzelnen, ob sie als Jammertal oder Paradies gestaltet werden kann → abgerechnet wird am Jüngsten Tag

Unvorgreifliche Gedanken, betreffend die Ausübung und Verbesserung der deutschen Sprache

1697
- Sprachforschung dient Geschichtsforschung
- differenziert sich von Locke, denn Leibniz sieht zwischen dem Laut und dem Wort einen Sinnzusammenhang, onoma pictura, während Locke Wörter als bloß willkürliche Zeichen der Begriffe betrachtete

Leibniz fordert:

  • Lexikon für allgemeingebräuchliche Wörter
  • Sprachschatz für Kunstwörter
  • glossarium etymologicum, das Ursprung alter und Landwörter erforschen soll

Monadologie

1716
§§ 1-37: Monade (hierüber auch eine umfängliche Begriffsbestimmung der Monade)
§§ 38-48: Monaden und Gott
§§ 49-90: Monaden, Gott und die Welt

§ 2: Es müssen dergleichen einfache Substanzen sein, weil composita vorhanden sind: denn das Zusammengesetzte ist nichts anderes als eine Menge oder ein Aggregat von einfachen Substanzen.
→ Leibniz verkennt hier die dynamischen Prozesse, das Umschlagen von Quantität in Qualität
- in § 5 behauptet er, daß immer schon alles dagewesen – man kann keine Art und Weise begreifen, wie eine einfache Substanz natürlicher Weise einen Anfang nehmen könne -, um in § 6 eine Schöpfung zu postulieren – sie können nicht entstehen als durch die Schöpfung und nicht untergehen als durch die völlige Zernichtung
- In Gott sind alle Eigenschaften versammelt, schlechterdings unendlich und vollkommen, in den erschaffenen Monaden oder Entelechien oder perfectibilis, wie Hermolaus Barbarus sie nennt, findet man nur eine Nachahmung nach Proportion und nach dem Grad der Vollkommenheit, die sie besitzen, aber sie sind niemals vollkommen. § 49 der Monadologie, Leibniz
- soll den neuen Idealismus gegen Descartes, Spinoza und Locke begründen
- strenge Logik des Gedankenaufbaus verbindet sich mit mystischer Kontemplation (Wundt)
- Beweisstil: apriori
- die Körper bleiben im Zustand der Phänomenalität, da man sich nicht vorstellen kann, wie sich ein Körper aus unausdehnbaren Punkten zusammensetzen solle

Wertung/Rezeption

- strebte danach, das freie Denken zur Quelle unabhängiger Wahrheit zu machen → im Gegensatz zur ausländischen Philosophie (Fichte)
- hat ein Modell, wovon er ausgeht
- hat keine Möglichkeit, das Innesein des anschauenden Ich mit der Auslegung in rationalen Zusammenhängen zu verbinden und macht die Anschauung nicht zur sinnlich empfindenden → kennt nur die anschauende Substanz und kein entwerfendes Ich-Subjekt
- Leibniz' Idealitätsbegriff steht in einem gewissen Gegensatz zur Realität und ist somit eine Art von empirischer Idealismus, der Raum ist aber ideal und real zugleich, sozusagen transzendental ideal (Kant)
- will verbinden, was Spinoza nie trennte (Lessing)
- stellte Kunst als inadäquate Erscheinungsform der richtigen Widerspiegelung der Wirklichkeit auf (Lukacs)
- Leibniz versuchte nie, einen Bruch mit der Philosophiegeschichte zu vollziehen, sondern versuchte stets, die scheinbar unversöhnlichsten Richtungen zusammenzudenken: Platon und den Platonismus, Neuplatonismus, Aristoteles, den scholastischen Aristotelismus, Descartes und Gassendi → sein Verfahren ist eklektisch (Till)

 
leibniz.txt (1509 views) · Zuletzt geändert: 2014/11/14 05:43 von aerolith
 
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