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LENIN

Wladimir Iljitsch Uljanow

genannt Lenin - nach mancher MEINUNG nach dem Fluß Lena, von dessen Ufern er stammen soll, tatsächlich jedoch stammt er aus Simbirsk an der Wolga
1870-1924
russischer POLITIKER und PHILOSOPH
- floh während der „Julitage“ vor der Diffamierung, ein deutscher SPION zu sein
- das nationale DENKEN sollte benutzt werden, um das PROLETARIAT zu entwickeln
- erhielt 1917 vor seiner Eisenbahnwaggon-Fahrt durch DEUTSCHLAND durch Paul Warburg, Federal Reserve Board, USA, 6 Mill. $ (nach heutigem GELD etwa 2,2 Mrd. €) zur Unterstützung seiner politischen Pläne → wurden ihm über HELPHAND alias Parvus zur Verfügung gestellt
- nach seinem TOD stellte der Pathologe Vogt, Kaiser-Wilhelm-Institut Berlin, fest, daß sich Lenins außerordentliche Fähigkeiten auf eine besondere ENTWICKLUNG der dritten Zellschicht der Hirnrinde zurückführen ließen;
- besonders fremd war ihm ein Wohlwollen zu den Revolutionären, welche in vorhergehenden Perioden [vor der Julitagen und den damit verbundenen Vorwürfen, Lenin sei ein Verräter an Rußland] außerhalb der Reihen der bolschewistischen Partei getanden hatten (TROTZKI) → Trotzki gehörte zu den MESCHRAJONZE und war kein Bolschewik, dennoch bescheinigte ihm Lenin, im Sinne der Bolschewiki zu agieren und in den schweren Julitagen seinen MANN gestanden zu haben

Aprilthesen

- im APRIL 1917 nach Analyse der Situation im Frühjahr 1917 in Rußland erstellt

  1. In unserer Stellung zum Krieg, der von seiten Rußlands auch unter der neuen Regierung Lwow (war bis zur Ablösung durch Kerenski der erste Ministerpräsident der Provosorischen Regierung) und Co. - infolge des kapitalistischen Charakters dieser Regierung - unbedingt ein räuberischer imperialistischer Krieg bleibt, sind auch die geringsten Zugeständnisse an die „revolutionäre Vaterlandsverteidigung“ unzulässig. [..] In Anbetracht dessen, daß breite Schichten der revolutionären Vaterlandsverteidiger aus der Masse es zweifellos ehrlich meinen und den Krieg nur anerkennen in dem GLAUBEN, daß er aus Notwendigkeit und nicht um Eroberungen geführt werde, in Anbetracht dessen, daß sie von der Bourgeoisie betrogen sind, muß man sie besonders gründlich, beharrlich und geduldig über ihren IRRTUM über den untrennbaren Zusammenhang von Kapital und imperialistischen Krieg aufklären, muß man den Nachweis führen, daß es ohne den Sturz des Kapitals unmöglich ist, den Krieg durch einen wahrhaft demokratischen Frieden und nicht durch einen Gewaltfrieden zu beenden. Organisierung der allerbreitesten PROPAGANDA dieser Auffassung unter den Fronttruppen. Verbrüderung.
  2. Die Eigenart der gegenwärtigen Lage in Rußland besteht im Übergang von der ersten Etappe der Revolution, die infolge des ungenügend entwickelten Klassenbewußtseins und der ungenügenden Organisiertheit des Proletariats der Bourgeoisie die Macht gab, zur zweiten Etappe der Revolution, die die Macht in die Hände des Proletariats und der ärmsten Schichten der Bauernschaft legen muß. [..]
  3. Keinerlei Unterstützung der Provisorischen Regierung, Aufdeckung der ganzen Verlogenheit aller ihrer Versprechungen, insbesondere hinsichtlich des Verzichts auf Annexionen. Entlarvung der Provisorischen Regierung statt der unzulässigen, Illusionen erweckenden „Forderung“, diese Regierung, die Regierung der Kapitalisten, solle aufhören, imperialistisch zu sein.
  4. Anerkennung der Tatsache, daß unsere Partei in den meisten Sowjets der Arbeiterdeputierten in der Minderheit, vorläufig sogar in einer schwachen Minderheit ist gegenüber dem Block aller kleinbürgerlichen opportunistischen Elemente, die dem Einfluß der BOURGEOISIE erlegen sind und diesen Einfluß in das PROLETARIAT hineintragen. [..] Solange wir in der Minderheit sind, besteht unsere ARBEIT in der KRITIK und Klarstellung der Fehler, wobei wir gleichzeitig die Notwendigkeit des Übergangs der gesamten Staatsmacht an die Sowjets der Arbeiterdeputierten propagieren, damit die Massen sich durch die ERFAHRUNG von ihren Irrtümern befreien.
  5. Keine parlamentarische Republik - von den Sowjets der Arbeiterdeputierten zu dieser zurückzukehren wäre ein Schritt rückwärts sondern eine Republik der Sowjets der Arbeiter-, Landarbeiter- und Bauerndeputierten im ganzen Lande, von unten bis oben Abschaffung der Polizei, der Armee, der Beamtenschaft. Entlohnung aller Beamten, die durchweg wählbar und jederzeit absetzbar sein müssen, nicht über den Durchschnittslohn eines guten Arbeiters hinaus.
  6. Im Agrarprogramm Verlegung des Schwergewichts auf die Sowjets der Landarbeiterdeputierten. Konfiskation aller Gutsbesitzerländereien. Nationalisierung des gesamten Bodens im Lande; die Verfügungsgewalt über den Boden liegt in den Händen der örtlichen Sowjets der Landarbeiter- und Bauerndeputierten. [..]
  7. Nicht „Einführung“ des Sozialismus als unsere unmittelbare Aufgabe, sondern augenblicklich nur zur Kontrolle über gesellschaftlichen Produktion und die Verteilung der Erzeugnisse durch den Sowjet der Arbeiterdeputierten.

Lenins Rolle in der GSOR

Große Sozialistische Oktoberrevolution = Große Sozialistische Oktoberrevolution
1917: Im Spätwinter 1916/17 hatte die Not eine Höhepunkt erreicht: Teuerung, Kälte, ungewisse politische Zustände, gut organisierte Staatsfeinde, die für alle Seiten wenig erfreuliche Arbeit der Geheimdienste, ein schwacher Zar: eine revolutionäre Situation. Aber nicht die Deutschen machten sie sich zunutze, sondern die westeuropäischen Demokratien. Sie glaubten, daß die Zeit in Rußland für einen demokratischen Umsturz bereit wäre und unterstützten diejenigen, die ihnen dies umzusetzen am ehesten fähig wären. Der Ort: die DUMA, das russische PARLAMENT. Anfangs appellierten die Parlamentarier an den Zaren, wünschten sich dies und jenes, v.a. Maßnahmen gegen Auswüchse der Mißwirtschaft und KORRUPTION oder gegen unfähige Generale. Als nichts geschah, wurden die Appelle zu Forderungen, dann stellte man das System in Frage. Der Zar sollte abdanken und Platz schaffen für eine Demokratie nach westlichem Vorbild. Der Zar unterzeichnete ein Dekret zur Auflösung der Duma, die Duma erklärte sich in die Permanenz. Parallel tobte der Kampf auf den Straßen: Plünderungen, Straßenschlachten, MG-Feuer. Die rote Fahne wehte auf den Barrikaden, auf eroberten öffentlichen Gebäuden, auf Gefängnissen.
Der Zar dankte am 2./15. März 1917 ab.
Die Provisorische Regierung unter FÜRST Lwow, der im Juli durch sozialdemokratischen FREIMAURER KERENSKI ersetzt wurde, verkündete nicht den Frieden, sondern die Entschlossenheit, an der Seite Britanniens und Frankreich gegen das Reich weiterzukämpfen. Enttäuschung im weiten Land. Neben der Regierung bildeten sich auf anarchischer Grundlage Sowjets (Räte) in den einzelnen Kommunen und übten vor Ort die MACHT aus, d.h., sie kontrollierten die von der Provisorischen Regierung angeordneten Maßnahmen als eigentliche Exekutive. Diese Räte wurden durch die Bolschewiken systematisch unterwandert und allmählich beherrscht. Sie standen für sofortigen Frieden und die entschädigungsfreie Enteignung des Großgrundbesitzes resp. der Großbetriebe. Der Kampf um die MACHT tobte an vier Fronten:

  • die äußere Front im Westen Rußlands, wo im Juni 1917 eine neue Offensive die Kriegsentscheidung bringen sollte → wurde durch den deutschen Widerstand unterbunden;
  • ein Putschversuch General Kornilows nach der mißglückten Offensive an der Front im August 1917 wurde von Provisorischer Regierung und Sowjets unterbunden;
  • die Provisorische Regierung wollte die Sowjets zurückdrängen, die gegen bürgerliche Ordnungsvorstellungen auftraten, während die Sowjets ihrerseits zur Macht drängten und
  • innerhalb der Sowjets kämpften Menschewiki und Bolschewiki um die Macht.

Die Bolschewiki konnten als unverbrauchte politische Kraft zwei Totschlagargumente in den politischen Diskurs bringen:

  1. Frieden und
  2. Land für alle Ausgebeuteten.

Frieden konnten die Bolschewiken versprechen, weil das REICH ihnen in dieser Argumentation half und man den führenden Köpfen, Lenin und Trotzki , mehr vertraute als dem wortbrüchigen Kerenski, dessen historische Aufgabe darin bestehen sollte, den LIBERALISMUS in Rußland politisch zu verbrauchen - wozu ihn die taktisch kluge Arbeit der Bolschewiken verbrachte.
Mit den Argumenten der Bolschewiken korrelierte ihre Forderung nach alleiniger Macht der Räte. Das leuchtete allen ein, denen das Sprichwort von den vielen Köchen, die den Brei verdürben, bekannt war. Macht ist unteilbar. Die Vorbereitung für den bewaffneten Aufstand begann, organisiert von TROTZKI, während Lenin seine Bolschewiken auf Kurs brachte und nach der Erringung der Macht in den Sowjets von Petrograd und Moskau, das Signal zum bewaffneten Aufstand gab, der am 25. Oktober/7. November 1917 ausbrach.
Die russische Propaganda rief die Freiheit der Völker aus, das SELBSTBESTIMMUNGSRECHT, rief einen Frieden frei von Annektion aus, frei von Kontribution und dergleichen imperialem Gehabe mehr. Das klang gut in den Ohren der meisten Menschen. Das Reich konnte sich diesem Ruf nach weltweiter Gerechtigkeit nicht verschließen und ging auf die Friedensvorschläge ein. Es gab einen separaten Friedensschluß, in dem sich auf Reichsseite die auf Sicherheit und Wiedergutmachung orientierten Kräfte durchsetzten. Der Frieden von Brest-Litowsk brachte dem Reich (vorübergehend) große Gebietsgewinne, von denen fraglich war, ob sie sich als Gewinn fürs Reich würden zeigen können; den Bolschewiken aber brachte dieser Frieden den Vorteil, sich jetzt auf die Festigung ihrer Macht konzentrieren zu können und zudem im Reich selbst die Arbeiterklasse in ihrem Sinne zu politisieren, denn das Reich hatte hier keinen status quo ante bellum-Frieden geschlossen, also seine aggressive Seite gezeigt. Der Frieden hing zu sehr an der Person Lenins, dessen Friedenswille ehrlich war, nicht aber an dem der Bolschewiken, in deren Kreisen die fata der Weltrevolution (Trotzki) stark vertreten war, anteilig weitaus stärker als die imperialen Phantasien der Alldeutschen auf Reichsseite. Im Frieden von Brest-Litowsk hatten sich jeweils die Minderheiten durchgesetzt und dementsprechend ein ephemeres Werk geschaffen, ein substanzloses, weil es nicht der wirklichen Mehrheits- und Machtverhältnissen entsprach. Der politischen Führung des Reiches muß hier ein Tadel ausgesprochen werden, eben dies nicht erkannt zu haben und sich des Spatzes in der Hand (Landgewinne mit wenig deutscher Bevölkerung) statt der Taube auf dem Dach (dauerhafte Friedenslösung im Osten) zu versichern und diesbezüglich zu handeln.
So wurde im Frühjahr 1918 ein Korridor von Finnland bis zur Ukraine gezogen. Österreich-Ungarn brauchte diesen Brotfrieden für seine hungernde Bevölkerung, das Reich nicht weniger. Nur das Baltikum wollten die Bolschewiken behalten, aber genau dieses beherbergte die meisten Deutschen, also brachen die Mittelmächte die Verhandlungen ab und besetzten das Baltikum, von den Einwohnern dort jubelnd empfangen. Die Bolschewiken sahen Petrograd (so hieß St. Petersburg zwischen 1914 und 24) bedroht, aber die deutschen Truppen wurden im Westen benötigt und griffen die russische Hauptstadt nicht an. Rußland stimmte unter diesen Umständen den Gebietsforderungen des Reiches zu.
Nebengeräusche: Polen wollte Gebiete um Cholm (Nordwestrußland), die Ukrainer eine eigene Republik. Beide Völker lebten durcheinander, also nicht in klar definierbaren Siedlungsgebieten. Die Schwierigkeit eines Selbstbestimmungsrechtes der Völker zeigte sich schon in den Anfängen. Jedes Völkchen wollte ein möglichst großes Gebiet zur Staatsgründung, auch gegen Minderheiten, die ihrerseits Selbstbestimmungsrechte geltend machten. Die territorialen Fragen bezüglich Rumäniens faßte der Frieden von Bukarest im Mai 1918. Bulgarien und das Osmanische Reich sahen sich hierin um den Lohn ihrer Mühen gebracht, denn die von beiden geforderte Dobrudscha (Trans-Danubien) blieb bei Rumänien, womit Rumänien Anrainer des Schwarzen Meeres blieb.

Exkurs: Die Reise im plombierten Waggon (Hans B. v. Sothen)

Die Russische Oktoberrevolution im Jahre 1917 blieb in Deutschland zunächst ohne größere Wirkung. Rußland – das war für den deutschen Arbeiter weit weg. Und Rußland, das galt dem durchschnittlichen Sozialdemokraten als ein zutiefst rückschrittliches Land, dem sich auch der einfache deutsche Arbeiter überlegen fühlte. Doch das wenige, was seit November 1917 aus dem neuen Rußland herausdrang, klang geheimnisvoll und faszinierend. Erstmals hatte es eine sozialistische Partei, die sich die Revolution – und damit den gewaltsamen Umsturz aller bestehenden Verhältnisse – auf die Fahnen geschrieben hatte, geschafft, in einem Land die Macht zu übernehmen.
Zwar stand man mit diesem Land noch im Krieg. Doch hatte nicht die kaiserliche deutsche Regierung diesem Lenin, dem Anführer jener Revolution, in einem verschlossenen Wagen die Durchreise aus dem Schweizer Exil durch das Deutsche Reich nach Schweden und Petersburg erlaubt? (Der REVOLUTIONÄR Radek wird später vom „plombierten Waggon“ erzählen). Die Gründe für Deutschland schienen klar auf der Hand zu liegen. War Lenins Partei doch die einzige russische Gruppierung, die klipp und klar gesagt hatte, daß sie, wenn sie an die Macht käme, sofort in Friedensverhandlungen mit den Mittelmächten eintreten würde. Warum es also nicht einmal mit Lenin versuchen? Selbst wenn er es nicht schaffen sollte, so würde er doch jedenfalls schon allein durch sein einfaches Auftauchen die innere Unruhe in Rußland vergrößern.
Eine merkwürdige Koalition zur Befreiung Lenins hatte sich da gefunden. Der deutsche Botschafter in Kopenhagen, Graf Brockdorff-Rantzau, eine aristokratische Erscheinung par excellence, hatte sich zusammengetan mit einem etwas mysteriösen russischen Juden aus Odessa, Alexander Helphand, der sich selbst „Parvus“ nannte. Parvus war ein langjähriger Freund des russischen Revolutionärs Trotzki und galt als Erfinder des Begriffs „permanente Revolution“. Er haßte das russische Zarenregime, hatte aber andererseits eine verborgene Schwäche für alles Deutsche. Während des Krieges gab er eine Zeitschrift namens „Die Glocke“ in Kopenhagen heraus, die offen die Sozialisten aller Länder für die gerechte Sache Deutschlands in diesem Krieg einnehmen sollte.
Parvus war schon vorher auf etwas undurchsichtige Weise zu märchenhaftem Reichtum gelangt. Im Auftrag der Reichsregierung sollte er nun seine Fähigkeiten dazu verwenden, während des Ersten Weltkriegs in Kopenhagen als Geschäftsmann tätig zu werden und vom neutralen Dänemark aus finanzielle Transaktionen vorzunehmen und solche der Alliierten in Skandinavien zu beobachten.
Wenige Wochen seit seiner Ankunft im Frühling 1915 hatten genügt, da war er schon stolzer Besitzer einer einträglichen Werbefirma in Kopenhagen, die die meisten Litfaßsäulen in der dänischen Hauptstadt kontrollierte. Im Spätsommer des Jahres 1915 gründete er die „Handels- og Eksportkompagniet A/S“, ein Import- und Exportgeschäft, das als Tarnorganisation für die Revolutionierung Rußlands gedacht war. Die Verbindungen dieser Firma reichten schon bald von Schweden, England und den Niederlanden bis nach Rußland und den USA. Das Geschäft war auf den Rußlandhandel spezialisiert, in dem es sogar zeitweilig eine gewisse Monopolstellung erreichte.
Als kaufmännischen Direktor seiner Firma hatte er den Stockholmer Bankier und gebürtigen Polen Jakob Fürstenberg, bekannter unter seinem bolschewistischen Parteinamen „Hanecki“, gewonnen. Nicht ganz zufällig war dieser Hanecki wiederum ein enger Vertrauter Lenins, der sich noch immer als Exilant in Zürich aufhielt. Hanecki hatte nach seinen Studienjahren in Berlin, Heidelberg und Zürich sein ganzes Leben der bolschewistischen Partei gewidmet. Er hatte 1912 bis 1914 zusammen mit Lenin in der Nähe von Krakau gelebt, danach taucht er 1914 in Zürich auf, um 1915 im Geschäft von Parvus in Kopenhagen einzusteigen. Seine enge persönliche Bindung zu Lenin machte ihn für Parvus unentbehrlich.
Im April 1916 teilte Parvus seinen Geschäftsanteil an der Kopenhagener Firma mit einem Berliner Kaufmann namens Georg Sklarz, der seine ausgezeichneten Beziehungen zum deutschen Generalstab mit in das Geschäft einbrachte. Er stand wenigstens seit Beginn der Mobilisierung 1914 im Dienst des Geheimdienstes des Deutschen Admiralstabes Alfred v. Tirpitz’. Auf Anweisung dieser Dienststellen trat er 1916 in das Geschäft von Parvus ein. Zwei seiner Brüder, Waldemar und Heinrich Sklarz, arbeiteten ebenfalls für deutsche Interessen in Skandinavien: Waldemar als Parvus’ Sekretär in Stockholm und Heinrich, der Ende 1915 im Auftrag des deutschen Generalstabs nach Kopenhagen entsandt worden war, beobachtete im Auftrag der Wirtschaftsspionage den Einfluß der ENTENTE auf das dänische Wirtschaftsleben.
In eigenartigem Gegensatz zu seinem geschäftlichen Engagement steht Parvus’ Tätigkeit als Herausgeber der Zeitschrift „Glocke“. Diese setzte sich für Deutschland und einen revolutionären Umsturz in Rußland ein. Doch der Zusammenhang zu Deutschland war zu offensichtlich, als daß dieses Organ dauerhaft eine übergreifende Wirkung hätte haben können. Immerhin fand sie international Beachtung. Rosa Luxemburg etwa fand einige der Thesen diskussionswürdig. Lenin in Zürich allerdings nannte im November 1915 die Zeitung des „Herrn Parvus“ „rundum eine Kloake des deutschen Chauvinismus“. Natürlich waren ihm die Verbindungen Parvus’ zu deutschen Regierungsstellen nicht verborgen geblieben. Er selbst hatte ja davon profitiert.
Doch war Parvus durchaus nicht lediglich ein Befehlsempfänger. Durch seine häufigeren Besprechungen mit dem deutschen Botschafter in Kopenhagen, Graf Brockdorff-Rantzau, flossen seine Überlegungen auch in die deutsche Regierungspolitik ein. Ein wichtiges Gespräch der beiden über Rußland fand am 7. September 1915 statt. Parvus versicherte Rantzau, daß die Gärung in Rußland, „und zwar auch in der Armee“, soweit fortgeschritten sei, „daß sie zur Katastrophe führen muß“. Sollte Deutschland in der Lage sein, seine militärische Position an der russischen Front zu halten, so werde seiner Meinung nach die Entwicklung „von selbst zur offenen Revolution treiben“. In einem freilich irrte Parvus. Er setzte den Termin der Revolution Ende Januar 1916 an. Sie sollte erst ein gutes Jahr später stattfinden. In Berlin hatte man verstanden.
So sollte nun zunächst Parvus als Mittelsmann der deutschen Regierung diesen merkwürdigen Lenin in Zürich finanziell unterstützen – mit deutschem Geld selbstredend. Und dieser sollte damit gefälligst in Rußland eine Revolution anzetteln und, wie er versprochen hatte, umgehend mit den Deutschen einen Sonderfrieden aushandeln. So ungefähr hatte man sich das in Berlin vorgestellt. An die Konsequenzen, die eine Revolution Lenins über kurz oder lang auch in Deutschland haben könnte, hatte man nicht gedacht.
Lenin wiederum roch den Braten. Zwar brauchte er wie immer GELD. Aber keins, das ihn so offen diskreditiert hätte. So schaltete er seinen alten Freund Hanecki in Stockholm dazwischen. Namhafte Geldbeträge von der deutschen Reichsregierung gingen nun vom Berliner Auswärtigen Amt an Brockdorff-Rantzau; der holsteinische Aristokrat leitete es weiter an Parvus in Kopenhagen. Von dort an Hanecki in Stockholm – und von diesem schließlich an Lenin. So konnte Lenin jederzeit nach außen den Schein wahren, er habe nichts von der Herkunft des Geldes gewußt.
Nur wenige Leute im Ausland kannten diesen Lenin überhaupt oder wußten genau, was er wollte. Auf internationalen sozialistischen Treffen spielte die Richtung Lenins kaum eine Rolle. Zu übermächtig waren vor Ausbruch des Weltkrieges Persönlichkeiten wie August BEBEL oder Jean JAURES gewesen. Vielleicht hielt man Lenin für radikal und auch etwas absonderlich, für bedeutend hielt man ihn nicht.
Das sollte sich schlagartig ändern, als es den russischen Bolschewisten unter Lenin schließlich im zweiten Anlauf am 8. November 1917 westlicher Zeitrechnung gelang, die Macht in Rußland durch einen Putsch an sich zu reißen. Man hatte über diesen Lenin und seine etwas krausen IDEEN gelächelt. Jetzt stand er an der Spitze der ersten erfolgreichen kommunistischen Revolution. Jetzt lächelte niemand mehr.
Deutschland schloß tatsächlich einen Separatfrieden mit Rußland ab. Das hätte vielleicht im Ersten Weltkrieg die entscheidende militärische und politische Wende zugunsten Deutschlands und der Mittelmächte herbeiführen können, wenn nicht einige Monate zuvor, am 6. April 1917, die Vereinigten Staaten von Amerika auf seiten der Alliierten in den Krieg gegen die Mittelmächte eingetreten wären.
Trotzdem: der Separatfrieden mit der Sowjetunion brachte Deutschland einen ungeheuren strategischen Vorteil. Der Zweifrontenkrieg war beendet. Aber Lenin war noch nicht fertig. Er wollte die Revolution nicht nur in Rußland, sondern er wollte die Weltrevolution. Deutschland galt ihm als das fortgeschrittenste Land. Brach dort die Revolution aus, dann mußte die Umwälzung in allen anderen Ländern unweigerlich folgen. Und daß sich die Welt in einem Krieg befand – das begriff Lenin –, konnte einer solchen Entwicklung nur förderlich sein.
Es war Lenin, der bereits kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs in seiner Schrift „Sozialismus und Krieg“ offen eine Politik des Defätismus propagierte: „Die Sozialisten müssen den Massen klar machen, daß es für sie kein HEIL ohne die revolutionäre Niederwerfung der ,eigenen‘ Regierungen gibt und daß ihre Kriegsverlegenheiten eben zu diesem Zwecke ausgenützt werden müssen.“ Im Klartext: Revolutionäre Sozialisten müssen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die ein langer Krieg mit sich bringt, stets dazu ausnützen, im jeweils eigenen Land eine Revolution gegen die eigene Regierung anzuzetteln.
Die deutsche Sozialdemokratie hatte mit einer solchen Denkweise so ihre Schwierigkeiten. Schließlich waren sie nicht wie die russischen Sozialisten in Untergrund und Illegalität verbannt, sondern saßen seit Jahrzehnten als inzwischen recht reputierliche PARTEI im REICHSTAG. Ja, man war vor dem Krieg sogar stärkste Parlamentsfraktion geworden. Man war vom Organisationsgrad her die stärkste sozialistische Partei der Welt. Das gab innere Kraft und Selbstvertrauen.
Die russischen Sozialisten dagegen waren schwach, verfolgt und dazu auch noch tief gespalten. Lenins Defätismus sprach dort vielen aus der Seele. Das war in Deutschland anders. Die SPD hatte am 4. August 1914 im Reichstag fast einstimmig für die Kriegskredite gestimmt. Pazifisten oder solche Leute, die ihre Waffen lieber gegen die Machtelite im eigenen Land gerichtet hätten, wie Karl Marx dies wollte, gab es in Deutschland zu Beginn des Krieges kaum. Das war auch in FRANKREICH oder ENGLAND nicht anders. Die Sozialisten, die noch wenige Wochen vor dem Ausbruch des Weltkrieges flammende Friedensappelle an die ganze Welt gerichtet hatten, reihten sich nun in ihre nationalen Armeen ein, um, wie sie alle meinten, der gerechten Sache ihres jeweils eigenen Volkes zu dienen.
Lenin hatte für diesen Gesinnungsschwenk der europäischen Sozialisten nur tiefe Verachtung übrig. Er wollte keinen nationalen KRIEG, er wollte aber auch keinen PAZIFISMUS – er wollte Klassenkampf und REVOLUTION. Hatte nicht bereits Friedrich ENGELS gesagt, daß die Revolution nicht mit friedlichen Mitteln erreicht werden könne, sondern die gewaltsamste Sache der Welt sei? Lenin machte ernst damit.
In den ersten Wochen nach ihrer Machtergreifung lagen die Bolschewisten noch wirtschaftlich und militärisch am Boden. Doch die Siegesgewißheit der Gruppe um Lenin, Trotzki und SINOWJEW war so groß, daß sie damit rechnete, daß an jedem Tag in den Ländern West- und Mitteleuropas und in den USA die Weltrevolution ausbräche. Und in der Tat: War nicht der Berliner Generalstreik in den Tagen vom Januar zum Februar 1918 ein sicheres Indiz dafür, daß es mit den „alten“ Staaten rapide bergab ging?

Der Fehler des Textes liegt nur darin, daß es kein deutsches Geld war, mit dem Lenin ausgestattet wurde, sondern jüdisches. 6 Millionen von WARBURG, Chef der Federal Reserve Board. Er hatte einen Bruder in der OHL, was diesbezügliche Fehler in der Überlieferung erklärt, der das dann mit Hilfe Helphands vermittelte. 20 Millionen gab es von einem der Morgan-Bank nahestehenden Konsortium, das Trotzki von Jakob Schiff, USA, erhielt. Sonst gibt obiger Artikel gute Ansätze wieder.

zweite wichtige Information: 1913 unterzeichneten Rußland, Britannien und Frankreich während der Vertragsverhandlungen zum Balkankrieg von 1912 in London ein Geheimabkommen über die Aufteilung Deutschlands, Österreich-Ungarns und der Türkei für die Zeit nach dem nächsten Krieg. Das Abkommen wurde 1917 ratifiziert, nachdem Kerenski (mit vornehmlich englischem Geld) in Rußland den kriegsmüden Zaren abgelöst hatte. Kerenski ratifizierte das Geheimabkommen, was wiederum die Amerikaner ins Spiel brachte, die Angst um ihre künftigen Geschäfte hatten und Lenin in Rußland stabilisierten, woran die Deutschen auch Interesse hatten, was dann zur zweiten Revolution in Rußland führte, den Deutschen den Ost-Frieden brachte, General Electric aber einen gigantischen Auftrag (1927) über 600 Millionen Dollar (27 Mrd. €) zwecks Bereitstellung von Elektrowaren (Kabel, Schächte…) zur Elektrifizierung der Sowjetunion, die diesen mit dem Gold der russischen Zarenfamilie bezahlte, die zuvor umgebracht worden war. Da hatte sich der Einsatz des Geldes von 1917 schon mit 3000% Gewinn amortisiert.

Staat und Revolution

- Anfangspunkt der Entfaltung des sozialistischen REALISMUS, internationaler revolutionärer Bewegungen

Was tun?

1902
- Auseinandersetzung mit dem Bauernsozialismus, der These, daß man in RUßLAND den KAPITALISMUS überspringen könne, wie die NARODNIKI dies glaubten, mit Revisionismus und ÖKONOMISMUS
- die russische Arbeiterklasse besitzt die historische Aufgabe, das mächtigste Bollwerk der europäischen und asiatischen Reaktion, die russischen Bojaren, zu zerstören und sich so zur AVANTGARDE des internationalen revolutionären Proletariats zu machen, was unter Leitung einer straff geführten SOZIALDEMOKRATIE mit verschwörerisch arbeitenden Berufsrevolutionären, und nur so!, möglich wäre

lenin.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:16 (Externe Bearbeitung)