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In dieser Zeit hatte bereits ein gewisser Niedergang der Magdeburger Wirtschaftskraft begonnen, da der Ost-West-Handel Leipzig zu bevorzugen begann, Hamburg zum übermächtigen Konkurrenten im Getreide- und Seehandel aufgestiegen war und die kostspieligen Rüstungen gegen Kaiser, Erzbischof und andere Feinde die Stadt übermäßig beanspruchten.  \\ In dieser Zeit hatte bereits ein gewisser Niedergang der Magdeburger Wirtschaftskraft begonnen, da der Ost-West-Handel Leipzig zu bevorzugen begann, Hamburg zum übermächtigen Konkurrenten im Getreide- und Seehandel aufgestiegen war und die kostspieligen Rüstungen gegen Kaiser, Erzbischof und andere Feinde die Stadt übermäßig beanspruchten.  \\
63 Jahre nach dem Abschluß des Augsburger Religionsfriedens eröffneten die Habsburger den Kampf um die Schaffung eines katholischen Großreiches deutscher Nation, was für Magdeburg mit einer Stunde Null enden sollte: Im Sommer 1630 war der Schwedenkönig Gustav Adolf II. als selbsternannter Schirmherr aller Protestanten in der Odermündung gelandet. Am 30. März 1631 begann der kaiserliche Feldherr Graf Johann Tilly die Belagerung Magdeburgs. Die Magdeburger hofften verzweifelt auf Entsatz durch Gustav Adolfs Truppen, mit dem sie sich sofort verbündet hatten, um ihre eben erst errungene Unabhängigkeit gegen den Kaiser zu verteidigen. Aber der schwedische König vertrödelte die Zeit mit Verhandlungen und dem Ausbau seiner Herrschaft in Norddeutschland. Magdeburgs Stadtkommandant von Falkenberg hatte zu wenige Soldaten zur Verfügung. Am 10. Mai glückte der Sturm der Kaiserlichen, als General Pappenheim eine Lücke in der nordöstlichen Stadtbefestigung entdecken konnte. Die siegestrunkenen Truppen richteten in der eroberten Festung ein Blutbad an, etwa zwanzigtausend Magdeburger starben. Domprediger Bake konnte durch einen Kniefall (und finanzielle Versprechungen) vor Tilly das Leben der viertausend im Dom eingeschlossenen Magdeburger aus zumeist reichen Familien sichern. Ein ausbrechender Großbrand vernichtete fast die gesamte Stadt bis auf den gewaltigen Dom. Durch die sogenannte Magdeburger Hochzeit gingen Tilly die Früchte des Sieges wieder verloren. Schleunigst mußte der kaiserliche General unter Ausdruck seines persönlichen Bedauerns für das befohlene Gemetzel die verwüstete Stadt verlassen. \\ 63 Jahre nach dem Abschluß des Augsburger Religionsfriedens eröffneten die Habsburger den Kampf um die Schaffung eines katholischen Großreiches deutscher Nation, was für Magdeburg mit einer Stunde Null enden sollte: Im Sommer 1630 war der Schwedenkönig Gustav Adolf II. als selbsternannter Schirmherr aller Protestanten in der Odermündung gelandet. Am 30. März 1631 begann der kaiserliche Feldherr Graf Johann Tilly die Belagerung Magdeburgs. Die Magdeburger hofften verzweifelt auf Entsatz durch Gustav Adolfs Truppen, mit dem sie sich sofort verbündet hatten, um ihre eben erst errungene Unabhängigkeit gegen den Kaiser zu verteidigen. Aber der schwedische König vertrödelte die Zeit mit Verhandlungen und dem Ausbau seiner Herrschaft in Norddeutschland. Magdeburgs Stadtkommandant von Falkenberg hatte zu wenige Soldaten zur Verfügung. Am 10. Mai glückte der Sturm der Kaiserlichen, als General Pappenheim eine Lücke in der nordöstlichen Stadtbefestigung entdecken konnte. Die siegestrunkenen Truppen richteten in der eroberten Festung ein Blutbad an, etwa zwanzigtausend Magdeburger starben. Domprediger Bake konnte durch einen Kniefall (und finanzielle Versprechungen) vor Tilly das Leben der viertausend im Dom eingeschlossenen Magdeburger aus zumeist reichen Familien sichern. Ein ausbrechender Großbrand vernichtete fast die gesamte Stadt bis auf den gewaltigen Dom. Durch die sogenannte Magdeburger Hochzeit gingen Tilly die Früchte des Sieges wieder verloren. Schleunigst mußte der kaiserliche General unter Ausdruck seines persönlichen Bedauerns für das befohlene Gemetzel die verwüstete Stadt verlassen. \\
-Von dieser Zerstörung sollte sich Magdeburg kaum jemals erholen. Zwar schritt der Wiederaufbau unter dem berühmten Physiker und tat-kräftigen Bürgermeister Otto von Guericke rasch fort, die neue Stadtanlage erhielt ein heute noch modernes Konzept mit großen Karees und breiten Straßen. Aber die jetzige Wehrlosigkeit ließ Magdeburg zu einer leichten Beute für den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. werden, der im Westfälischen Frieden die Anwartschaft auf das Erzbistum Magdeburg erhalten hatte. Bereits 1666 besetzten brandenburgische Truppen gegen den Protest der Magdeburger die Stadt. 1701 wurde Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, der alte Dessauer, Gouver-neur der neuen preußischen Festung, welcher nebenbei den Gleichschritt beim Militär einführte und dafür verantwortlich zeichnet, daß neue Häuser in Magdeburg seit 1720 mit einem gelblich-weißen Anstrich zu versehen sind. Er baute Magdeburg in seiner bis 1747 dauernden Ägide zur stärksten preußischen Festung aus. - Der Status einer [[Festung]] verhinderten Handel, Kultur und Bildung. \\ +Von dieser Zerstörung sollte sich Magdeburg kaum jemals erholen. Zwar schritt der Wiederaufbau unter dem berühmten Physiker und tat-kräftigen Bürgermeister Otto von Guericke rasch fort, die neue Stadtanlage erhielt ein heute noch modernes Konzept mit großen Karees und breiten Straßen. Aber die jetzige Wehrlosigkeit ließ Magdeburg zu einer leichten Beute für den brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm I. werden, der im Westfälischen Frieden die Anwartschaft auf das Erzbistum Magdeburg erhalten hatte. Bereits 1666 besetzten brandenburgische Truppen gegen den Protest der Magdeburger die Stadt. 1701 wurde Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, der alte Dessauer, Gouverneur der neuen preußischen Festung, welcher nebenbei den Gleichschritt beim Militär einführte und dafür verantwortlich zeichnet, daß neue Häuser in Magdeburg seit 1720 mit einem gelblich-weißen Anstrich zu versehen sind. Er baute Magdeburg in seiner bis 1747 dauernden Ägide zur stärksten preußischen Festung aus. - Der Status einer Festung verhinderten Handel, Kultur und Bildung. \\ 
-Im Oktober 1806 hatte Kaiser Napoleon I. bei Jena die preußische Armee empfindlich geschlagen, und in den nächsten Wochen kapitulierten fast alle preußischen Festungen, oft nur vor wenigen französischen Soldaten. So ergab sich am 8. November 1806 die mächtigste preußische Festung Magdeburg mit über zwanzigtausend Mann Besatzung kaum siebentausend Franzo-sen. Keine Kampfmoral? Eine späte Rache der zumeist in Magdeburg beheimateten Soldaten wegen der ungewollten Besetzung durch Brandenburg 1666? \\+Im Oktober 1806 hatte Kaiser Napoleon I. bei Jena die preußische Armee empfindlich geschlagen, und in den nächsten Wochen kapitulierten fast alle preußischen Festungen, oft nur vor wenigen französischen Soldaten. So ergab sich am 8. November 1806 die mächtigste preußische Festung Magdeburg mit über zwanzigtausend Mann Besatzung kaum siebentausend Franzosen. Keine Kampfmoral? \\
Magdeburg wurde die östliche Grenzstadt des eigens für Napoleons Bruder Jérôme errichteten Königreiches Westphalen und Hauptstadt seines Elb-Departements. Von dort aus rückten 1813 etliche Truppen der Rheinbundstaaten aus, um gegen die Patrioten zu ziehen. Bis zum Mai 1814 blieb Magdeburg von Napoleons Soldaten besetzt, welche die Bewohner ausplünderten und in der Stadt zahllose Verwüstungen hinterließen.\\ Magdeburg wurde die östliche Grenzstadt des eigens für Napoleons Bruder Jérôme errichteten Königreiches Westphalen und Hauptstadt seines Elb-Departements. Von dort aus rückten 1813 etliche Truppen der Rheinbundstaaten aus, um gegen die Patrioten zu ziehen. Bis zum Mai 1814 blieb Magdeburg von Napoleons Soldaten besetzt, welche die Bewohner ausplünderten und in der Stadt zahllose Verwüstungen hinterließen.\\
Der Wiener Friedenskongreß von 1815 sprach dem wiedergeborenen Preußen den Großteil seiner Gebietsverluste von 1807 wieder zu, auch Magdeburg wurde wieder preußisch. Preußen liebäugelte mit dem Gewinn ganz Sachsens, aber Österreich, Frankreich und England wollten das nicht hinnehmen – das mit Preußen auf Gedeih und Verderb verbündete Rußland riskierte deswegen keinen Krieg, also gab es Kompromisse. Unter Einschluß bisher sächsischer Gebiete entstand die preußische Provinz Sachsen, die Vorläuferin des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Magdeburg wurde der Sitz des Oberpräsidenten. Aber die Stadt blieb preußische Festung, erst 1912 wurde der Festungsstatus aufgehoben. Bis dahin nahm Magdeburgs Industrie einen gewaltigen Aufschwung. Der Wiener Friedenskongreß von 1815 sprach dem wiedergeborenen Preußen den Großteil seiner Gebietsverluste von 1807 wieder zu, auch Magdeburg wurde wieder preußisch. Preußen liebäugelte mit dem Gewinn ganz Sachsens, aber Österreich, Frankreich und England wollten das nicht hinnehmen – das mit Preußen auf Gedeih und Verderb verbündete Rußland riskierte deswegen keinen Krieg, also gab es Kompromisse. Unter Einschluß bisher sächsischer Gebiete entstand die preußische Provinz Sachsen, die Vorläuferin des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Magdeburg wurde der Sitz des Oberpräsidenten. Aber die Stadt blieb preußische Festung, erst 1912 wurde der Festungsstatus aufgehoben. Bis dahin nahm Magdeburgs Industrie einen gewaltigen Aufschwung.
-Von 1817 bis 1848 regierte ein großer Bürger-meister, August Wilhelm Francke, welcher u. a. mit dem berühmten Gärtner Peter Joseph Lenné die großen Parkanlagen im Herrenkrug, im Vogelsang und im Klosterberge-Garten schuf. Bereits 1838 erreichte die Eisenbahn die Stadt, als Verlängerung der ersten deutschen Fernbahn von Dresden nach Leipzig. Durch die Weiterführung nach Berlin, Hannover und Hamburg entstand ein großes Eisenbahnkreuz in der Mitte Deutschlands. \\ +Von 1817 bis 1848 regierte ein großer Bürgermeister, August Wilhelm Francke, welcher u. a. mit dem berühmten Gärtner Peter Joseph Lenné die großen Parkanlagen im Herrenkrug, im Vogelsang und im Klosterberge-Garten schuf. Bereits 1838 erreichte die Eisenbahn die Stadt, als Verlängerung der ersten deutschen Fernbahn von Dresden nach Leipzig. Durch die Weiterführung nach Berlin, Hannover und Hamburg entstand ein großes Eisenbahnkreuz in der Mitte Deutschlands. \\ 
-Elbschiffahrt und Eisenbahnkreuz wurden zu Impulsen für den industriellen Aufschwung. Nach 1840 entstanden in Magdeburg zahlreiche Unternehmen vom Maschinenbau bis zur Che-mieindustrie. Im Jahr 1855 gründete Hermann Gruson in Magdeburg eine Maschinenfabrik, welche im Zuge der Vereinigung  mit den Magdeburger Krupp-Werken 1886 zum größten In-dustrieunternehmen Mitteldeutschlands aufstieg. Im Jahr 1862 wurde die erste eiserne Elbbrücke errichtet. +Elbschiffahrt und Eisenbahnkreuz wurden zu Impulsen für den industriellen Aufschwung. Nach 1840 entstanden in Magdeburg zahlreiche Unternehmen vom Maschinenbau bis zur Chemieindustrie. Im Jahr 1855 gründete Hermann Gruson in Magdeburg eine Maschinenfabrik, welche im Zuge der Vereinigung  mit den Magdeburger Krupp-Werken 1886 zum größten Industrieunternehmen Mitteldeutschlands aufstieg. Im Jahr 1862 wurde die erste eiserne Elbbrücke errichtet.
Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 verlor die Stadt endgültig militärstrategische Aufgaben. Magdeburg lag nunmehr mitten im neuen zweiten Reich und mußte keinen Angriff befürchten. Und so konnte die Stadt wachsen und sich neu orientieren: Wirtschaft und Handel wurden wichtiger und wichtiger. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 verlor die Stadt endgültig militärstrategische Aufgaben. Magdeburg lag nunmehr mitten im neuen zweiten Reich und mußte keinen Angriff befürchten. Und so konnte die Stadt wachsen und sich neu orientieren: Wirtschaft und Handel wurden wichtiger und wichtiger.
Bis 1886 entstand auf der Rotehorn-Insel einer der größten Landschaftsparks Deutschlands. Magdeburg war zu einer Industrie- und Verwaltungsmetropole Mitteldeutschlands mit über  100000 Einwohnern geworden, aber auch zu einer gepflegten Stadt mit großen Parks und vielen Erholungsstätten. Mit der [[Aufhebung]] des Festungsstatus im Jahr 1912 bekam die Stadt Freiraum für die jetzt bereits über 280000 Einwohner. Allerdings prägen die Folgen der Festungszeit die Domstadt bis heute. Das Bildungsbürgertum blieb ihr fern, eine Universität aller Wissenschaften konnte erst 1993 gegründet werden.\\ Bis 1886 entstand auf der Rotehorn-Insel einer der größten Landschaftsparks Deutschlands. Magdeburg war zu einer Industrie- und Verwaltungsmetropole Mitteldeutschlands mit über  100000 Einwohnern geworden, aber auch zu einer gepflegten Stadt mit großen Parks und vielen Erholungsstätten. Mit der [[Aufhebung]] des Festungsstatus im Jahr 1912 bekam die Stadt Freiraum für die jetzt bereits über 280000 Einwohner. Allerdings prägen die Folgen der Festungszeit die Domstadt bis heute. Das Bildungsbürgertum blieb ihr fern, eine Universität aller Wissenschaften konnte erst 1993 gegründet werden.\\
 
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