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magdeburg

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magdeburg [2019/03/29 23:02]
Robert-Christian Knorr
magdeburg [2020/03/01 15:13] (aktuell)
Robert-Christian Knorr
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 - wichtiger Umschlagplatz mit dem Osten\\ - wichtiger Umschlagplatz mit dem Osten\\
 - Otto I. wollte Magdeburg zum Ausgangspunkt der Bekehrung des Ostens machen → Errichtung eines Erzbistums 968 gegen den Widerstand von Mainz und Halberstadt\\ - Otto I. wollte Magdeburg zum Ausgangspunkt der Bekehrung des Ostens machen → Errichtung eines Erzbistums 968 gegen den Widerstand von Mainz und Halberstadt\\
-- als der [[Papst]] die Errichtung des Erzbistums 962 bestätigte,​ erneuerte Otto I. die Pippinische Schenkung, die weltliche [[Herrschaft]] des Papstes im Kirchenstaat;\\+- als der [[Papst]] die Errichtung des Erzbistums 962 bestätigte,​ erneuerte Otto I. die Pippinische Schenkung, die weltliche [[Herrschaft]] des Papstes im Kirchenstaat\\ 
 +- 1524 wurde die erste humanistisch-orientierte Schule protestantischer Prägung eröffnet;​ 
 + 
 - Das Gesicht der Stadt Magdeburg kann ich nicht erkennen. Sie trägt eine Maske aus gelbem Backstein. So blickt ein Beamter, der niemals [[Mensch]] ist. ([[Lessing#​Theodor Lessing]]) - Das Gesicht der Stadt Magdeburg kann ich nicht erkennen. Sie trägt eine Maske aus gelbem Backstein. So blickt ein Beamter, der niemals [[Mensch]] ist. ([[Lessing#​Theodor Lessing]])
  
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 Am Beginn des 16. Jahrhunderts zählte Magdeburg mit Köln und Augsburg zu den drei bedeutendsten und reichsten Städten des Reiches und wurde zur ersten und wirtschaftlich wichtigsten Hochburg des Protestantismus. \\ Am Beginn des 16. Jahrhunderts zählte Magdeburg mit Köln und Augsburg zu den drei bedeutendsten und reichsten Städten des Reiches und wurde zur ersten und wirtschaftlich wichtigsten Hochburg des Protestantismus. \\
 Erst die Vernichtung Magdeburgs 1631 durch den Generallieutenant der katholischen Liga, [[Tilly]], machte Schluß mit der magdeburger Herrlichkeit. Das Gemetzel des katholischen Feld-herrn unter den protestantischen Pfeffersäcken Magdeburgs überlebten nur die 3000 im Dome Versammelten,​ die auch nur deshalb verschont wurden, weil sie später gegen ein hohes Lösegeld ausgelöst werden sollten. (Otto von Guericke war einer dieser Eingeschlossenen,​ behaupten die einen; andere meinen, er sei im Hause des kaisertreuen Ratsherren Ahlemann gewesen.) Aber gehen wir der Reihe nach: Erstmals war //​Magadaburg//​ (die mächtige Burg) um 805 im 7. [[Kapitel]] des //​Diedenhofener Kapitulars//​ als kaiserliche Handels- und Militärplatz an der östlichen Grenze des Reiches erwähnt worden. Es muß damals bereits ein bedeutender Platz für den Handel mit den slawischen Nachbarvölkern gewesen sein, denn Karl verbot einen Export des prunkvollen fränkischen Schwertes (Spatha) an seine Feinde östlich und nördlich der Elbe von Magdeburg aus. Eine frühere Gründung durch Römer oder [[Germanen]] ist anzunehmen. Anlaß boten der Name Magadaburg und seine Varianten, wie //​Mägdeburg//​ oder //​Maideburg//,​ die auf einen Kultplatz für eine altrömische oder germanische Göttin hinweisen könnten.\\ Erst die Vernichtung Magdeburgs 1631 durch den Generallieutenant der katholischen Liga, [[Tilly]], machte Schluß mit der magdeburger Herrlichkeit. Das Gemetzel des katholischen Feld-herrn unter den protestantischen Pfeffersäcken Magdeburgs überlebten nur die 3000 im Dome Versammelten,​ die auch nur deshalb verschont wurden, weil sie später gegen ein hohes Lösegeld ausgelöst werden sollten. (Otto von Guericke war einer dieser Eingeschlossenen,​ behaupten die einen; andere meinen, er sei im Hause des kaisertreuen Ratsherren Ahlemann gewesen.) Aber gehen wir der Reihe nach: Erstmals war //​Magadaburg//​ (die mächtige Burg) um 805 im 7. [[Kapitel]] des //​Diedenhofener Kapitulars//​ als kaiserliche Handels- und Militärplatz an der östlichen Grenze des Reiches erwähnt worden. Es muß damals bereits ein bedeutender Platz für den Handel mit den slawischen Nachbarvölkern gewesen sein, denn Karl verbot einen Export des prunkvollen fränkischen Schwertes (Spatha) an seine Feinde östlich und nördlich der Elbe von Magdeburg aus. Eine frühere Gründung durch Römer oder [[Germanen]] ist anzunehmen. Anlaß boten der Name Magadaburg und seine Varianten, wie //​Mägdeburg//​ oder //​Maideburg//,​ die auf einen Kultplatz für eine altrömische oder germanische Göttin hinweisen könnten.\\
-Im 10. Jahrhundert erhob der deutsche [[König]] und spätere römische Kaiser Otto I. Magdeburg zu einem dritten Rom, zumindest im [[Urteil]] vieler Zeitgenossen. Der Ort war für die deutsche Expansion nach Osten bestens geeignet, lag er doch auf einer Höhe am westlichen Elbufer gegenüber dem slawischen Siedlungsgebiet,​ auf dem heute so genannten Domfelsen. Am 21. September 937 gründete der eben erst gekrönte Otto das Mauritiuskloster auf der magdeburger Burg. Das Mauritiuskloster erhielt Vorrechte gegenüber anderen vergleichbaren Klöstern: Königsschutz,​ königliche Immunität und die besonders einträglichen Zoll- und Münzprivilegien. Otto selbst also, der großmächtige Herr, der älteste und beste der Brüder, war vor allem ausgezeichnet durch Frömmigkeit,​ in seinen Unternehmungen unter allen Sterblichen der Beständigste,​ abgesehen von dem Schrecken der königlichen Strafgewalt immer freundlich, im Schenken freigebig, im Schlafen mäßig, während des Schlafes redete er immer, so daß es den Anschein hatte, als ob er stets wache. [...] Auf die Jagd ging er häufig, liebte das Brettspiel, übte zuweilen die Anmut des Reiterspiels mit königlichem Anstand. Hierzu kam noch der gewaltige Körperbau, der die volle königliche [[Würde]] zeigte, das Haupt mit dem ergrauenden Haar bedeckt, die Augen funkelnd und wie ein Blitz durch plötzlich treffenden Blick einen eigenen Glanz ausstrahlend,​ das Gesicht rötlich und der Bart reichlich niederwallend,​ und zwar gegen den alten Brauch. Die Brust war mit einer Löwenmähne bedeckt, der Bauch nicht zu voll, der Schritt einst rasch, jetzt gemessener [...]. ([[Widukind]])\\+Im 10. Jahrhundert erhob der deutsche [[König]] und spätere römische Kaiser Otto I. Magdeburg zu einem dritten Rom, zumindest im [[Urteil]] vieler Zeitgenossen. Der Ort war für die deutsche Expansion nach Osten bestens geeignet, lag er doch auf einer Höhe am westlichen Elbufer gegenüber dem slawischen Siedlungsgebiet,​ auf dem heute so genannten Domfelsen. Am 21. September 937 gründete der eben erst gekrönte Otto das Mauritiuskloster auf der magdeburger Burg. Das Mauritiuskloster erhielt Vorrechte gegenüber anderen vergleichbaren Klöstern: Königsschutz,​ königliche Immunität und die besonders einträglichen Zoll- und Münzprivilegien. Otto selbst also, der großmächtige Herr, der älteste und beste der Brüder, war vor allem ausgezeichnet durch Frömmigkeit,​ in seinen Unternehmungen unter allen Sterblichen der Beständigste,​ abgesehen von dem Schrecken der königlichen Strafgewalt immer freundlich, im Schenken freigebig, im Schlafen mäßig, während des Schlafes redete er immer, so daß es den Anschein hatte, als ob er stets wache. [...] Auf die Jagd ging er häufig, liebte das Brettspiel, übte zuweilen die Anmut des Reiterspiels mit königlichem Anstand. Hierzu kam noch der gewaltige Körperbau, der die volle königliche [[Würde]] zeigte, das Haupt mit dem ergrauenden Haar bedeckt, die Augen funkelnd und wie ein Blitz durch plötzlich treffenden Blick einen eigenen ​[[Glanz]] ausstrahlend,​ das Gesicht rötlich und der Bart reichlich niederwallend,​ und zwar gegen den alten Brauch. Die Brust war mit einer Löwenmähne bedeckt, der Bauch nicht zu voll, der Schritt einst rasch, jetzt gemessener [...]. ([[Widukind]])\\
 Magdeburg war sein Hauptsitz und seine erklärte Lieblingsstadt und bildete den Ausgangspunkt seiner Osterweiterungen. Otto wußte die Leistungsfähigkeit dieser Stadt zu stärken, indem er [[Juden]] und Kaufleute der gerichtlichen Gewalt der Kirche unterwarf . Er stützte seine [[Macht]] auf die [[Kirche]], ganz im Gegensatz zu seinem Vater Heinrich I., der Krönung und Salbung der Kirche ablehnte und sich ausschließlich auf die Herzöge berief. Für Otto stand die Verbreitung des Christentums und die Missionierung der Ostgebiete im Vordergrund. So setzte er für die militärische Unterstützung die Markgrafen Hermann Billung und Gero ein, doch mit der Einsetzung der beiden Markgrafen war ein Teil des sächsischen Adels nicht einverstanden,​ also gab es Unruhen. In den 940ern konnte [[Otto]] sich zwar mit Erfolg gegen den aufständischen Adel durchsetzen,​ jedoch nicht dessen Vertrauen ge-winnen. Und so setzte Otto seine Familie in den Herzogtümern ein, und schließlich waren alle Herzogtümer im Besitz der Familie.\\ Magdeburg war sein Hauptsitz und seine erklärte Lieblingsstadt und bildete den Ausgangspunkt seiner Osterweiterungen. Otto wußte die Leistungsfähigkeit dieser Stadt zu stärken, indem er [[Juden]] und Kaufleute der gerichtlichen Gewalt der Kirche unterwarf . Er stützte seine [[Macht]] auf die [[Kirche]], ganz im Gegensatz zu seinem Vater Heinrich I., der Krönung und Salbung der Kirche ablehnte und sich ausschließlich auf die Herzöge berief. Für Otto stand die Verbreitung des Christentums und die Missionierung der Ostgebiete im Vordergrund. So setzte er für die militärische Unterstützung die Markgrafen Hermann Billung und Gero ein, doch mit der Einsetzung der beiden Markgrafen war ein Teil des sächsischen Adels nicht einverstanden,​ also gab es Unruhen. In den 940ern konnte [[Otto]] sich zwar mit Erfolg gegen den aufständischen Adel durchsetzen,​ jedoch nicht dessen Vertrauen ge-winnen. Und so setzte Otto seine Familie in den Herzogtümern ein, und schließlich waren alle Herzogtümer im Besitz der Familie.\\
 Bruder Brun wird 953 Erzbischof von Köln und gleichzeitig Herzog von Lothringen. Damit konstituiert Otto das Reichskirchensystem:​ Die Kirchen erhielten Königsschutz und Immunität zugesprochen. Die engere Bindung der Kirchen an die Krone bildete die Anfänge des ottonisch-salischen Reichskirchensystems. Vorbild dafür waren die Karolinger, die die Kirchen mit Gütern ausgestattet hatten und dafür militärische und ökonomische Leistungen in Anspruch nah-men. Bruder Brun wird 953 Erzbischof von Köln und gleichzeitig Herzog von Lothringen. Damit konstituiert Otto das Reichskirchensystem:​ Die Kirchen erhielten Königsschutz und Immunität zugesprochen. Die engere Bindung der Kirchen an die Krone bildete die Anfänge des ottonisch-salischen Reichskirchensystems. Vorbild dafür waren die Karolinger, die die Kirchen mit Gütern ausgestattet hatten und dafür militärische und ökonomische Leistungen in Anspruch nah-men.
magdeburg.1553896968.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/07/28 14:01 (Externe Bearbeitung)