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nibelungenlied

„Nibelungenlied“

1. Geschichtlichkeit

- ursprünglich rheinfränkischer Sagenstoff, der zwei historische Geschehnisse miteinander verknüpfte
Untergang des Burgunderreiches - um 406 wurde WORMS zerstört
Attilas Erscheinen - um 436 zerstörte er Mainz → 6. Jahrhundert entstanden, aber mündlich tradierte Wanderung nach Norden, um dann erst im 11./12. Jahrhundert im Östreichischen in eine schriftliche FORM gebracht zu werden, wobei hier wichtig ist, daß in ÖSTERREICH die alte deutsche ÄSTHETIK vorherrschte, nicht die im Rheinischen bereits Fuß fassende französisierte

2. literarische Vorstufen

- „Atli-Lied“ aus dem 9. Jahrhundert
- Sigurdlied, darin Brünhildsage
- Waltharilied
- Thidrekssaga
- Burgundensage
- Gedicht von Rüdiger, der als Bote Attilas als Vater aller Tugenden gilt
- Iweins BAHRPROBE
- Einflüsse Rußlands → das russische Brautwerbermärchen
- um 1160 erscheint erstmals die Ältere NOT

3. Der Nibelunge Not

- um 1204
- alle Lieder werden kompiliert und in einem Gesamttext verarbeitet → wahrscheinlich in der Salzburger Gegend

Aufbau

- ein einheitlicher Plan durchzieht das EPOS, beweisbar durch den PARALLELISMUS im Aufbau der Teile
- der Tod Siegfrieds entspricht dem Untergang der Burgunden, diesem geht die heitere Jagdszene voran, jenem die freundlichen Tage von Bechlarn

Charaktere

Hagen

- in ihm äußert sich der Widerspruch zwischen hohen charakterlichen Werten (z.B. TREUE, Uneigennützigkeit) und vollständiger Befangenheit in den ethischen Normen einer inhumanen Welt (für die Mord ein MITTEL zum ZWECK ist)
- begeht den Mord nicht aus persönlicher Mißgunst, sondern mit der loyalen Absicht, seinen König vor Schande und Machtverlust zu bewahren, ein politischer AKT, keine schicksalsträchtige NOTWENDIGKEIT (FÜHMANN)

Kriemhild

- Treue und RACHE gehen eine merkwürdige Verbindung ein → d.i. der Zwiespalt von Christen- und HEIDENTUM, nach dem KIRCHGANG ist der Rache kein Schloß vorgehängt, der Rachegedanke ist fundamental
- Warum kann sie mit ihrem Falken nicht glücklich werden? Bezeichnet sie Siegfrieds verwundbaren Punkt aus SORGE oder gekränkter EITELKEIT?
- ergreift Siegfrieds Hand und setzt sich damit über die Einhaltung der höfischen SITTE, wie sie unverheirateten Töchtern zukommt, hinweg
- will nicht auf ihre burgundische Mitgift vferzichten, obwohl sie den Hort besitzt, was aber kein ZEICHEN von GIER ist, sondern von einem ausgeprägten Gerechtigkeitsempfinden
- provoziert den Streit mit Brünhilde vor dem MÜNSTER, weil sie Nachordnung nicht ertragen kann;
- Kriemhild tritt schon im ersten Teil als eine Königstochter auf, die genau weiß, was ein KÖNIGTUM ist, was ein Staat ist, was ein Erbteil ist, was burgundische Vasallen wert sind, kurzum, was konkrete MACHT ist. Sie weiß von Anfang an, was sie will, und sie handelt danach. (FÜHMANN)

Rüdiger

- eine der edelsten Gestalten des Werkes
- durch EID Etzel und Kriemhild verpflichtet, doch durch BLUT und Geleite den Burgunden nicht minder zugetan
- Rüdiger beruft sich auf seiner SEELE SELIGKEIT, als ihn Kriemhild an seine Eidespflicht gemahnt → soll Mord an SIEGFRIED sühnen
- sucht im Kampf den TOD, nicht den SIEG → Dem GEWISSEN konnte keine normative Leitung zugeordnet werden.

nibelungenlied.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:18 (Externe Bearbeitung)