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schopenhauer

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schopenhauer [2010/01/06 13:23]
Robert-Christian Knorr angelegt
schopenhauer [2019/10/06 17:04] (aktuell)
Robert-Christian Knorr [Ästhetik]
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 ==== Ästhetik ==== ==== Ästhetik ====
 - die Objektivationsstufen des Willens objektivieren ihn → dazu sind die platonischen Ideen von Nutzen, die zugleich das [[Objekt]] der [[Kunst]] sind, während die Kunst selbst als unabhängig vom Satz des zureichenden Grundes betrachtet\\ - die Objektivationsstufen des Willens objektivieren ihn → dazu sind die platonischen Ideen von Nutzen, die zugleich das [[Objekt]] der [[Kunst]] sind, während die Kunst selbst als unabhängig vom Satz des zureichenden Grundes betrachtet\\
-- in der künstlerischen Betrachtung - [[Erkenntnis]] der allgemeinen [[Idee]] - reißt sich das [[Subjekt]] der Erkenntnis vom [[Dienst#​Dienste]] des Willens los und gewinnt es in der Produktion als Seligkeit zurück, d.i. Erlösung von den [[Leiden]] der [[Welt]]+- in der künstlerischen Betrachtung - [[Erkenntnis]] der allgemeinen [[Idee]] - reißt sich das [[Subjekt]] der Erkenntnis vom [[Dienst#​Dienste]] des Willens los und gewinnt es in der Produktion als Seligkeit zurück, d.i. Erlösung von den [[Leiden]] der [[Welt]]\\ 
 +- die Musik ist als [[Ausdruck]] des Willens allen anderen Künsten vorzuziehen;​ es ist als Komponist darauf zu achten, daß die Musik ihre übergeordnete Stellung gegenüber der [[Dichtung]] nicht verliere
  
  
 ==== Erkenntnislehre ==== ==== Erkenntnislehre ====
-- die Welt ist die Selbsterkenntnis des Willens: der [[Wille]] kennt wie Kants [[Ding an sich]] weder [[Raum]] noch [[Zeit]] und bildet das Weltprinzip und den [[Grund]] des Lebens\\+- die Welt ist die [[Selbsterkenntnis]] des Willens: der [[Wille]] kennt wie Kants [[Ding an sich]] weder [[Raum]] noch [[Zeit]] und bildet das Weltprinzip und den [[Grund]] des Lebens\\
 - die positive [[Wissenschaft]] ist an die phänomenale Welt gebunden und sucht Gesetze, die die [[Kraft#​Kräfte]] beherrschen,​ d.h. auflösen ABER zum [[Wesen]] der Kräfte dringen diese Gesetze nicht vor\\ - die positive [[Wissenschaft]] ist an die phänomenale Welt gebunden und sucht Gesetze, die die [[Kraft#​Kräfte]] beherrschen,​ d.h. auflösen ABER zum [[Wesen]] der Kräfte dringen diese Gesetze nicht vor\\
 - der [[Mensch]] besitzt aber die Fähigkeit, durch seinen Willen zum Wesen vorzudringen → der Wille dringt in die [[Realität]] und wird so offenbar als - der [[Mensch]] besitzt aber die Fähigkeit, durch seinen Willen zum Wesen vorzudringen → der Wille dringt in die [[Realität]] und wird so offenbar als
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 - man beginne mit der Kritik Kants, denn Kants Kategorienlehre fußt auf einer falschen Ansicht, der von der Struktur unseres Vorstellungsvermögens - man beginne mit der Kritik Kants, denn Kants Kategorienlehre fußt auf einer falschen Ansicht, der von der Struktur unseres Vorstellungsvermögens
 → Schopenhauer betont, daß es nur eine [[Kategorie]] gebe, die den Satz vom zureichenden Grunde ausspricht\\ → Schopenhauer betont, daß es nur eine [[Kategorie]] gebe, die den Satz vom zureichenden Grunde ausspricht\\
-- neben dieser Kategorie existiert die willenlose Betrachtung der Wirklichkeit - [[Anschauung]] → alles Urdenken vollzieht sich in Bildern, die mit der Wirklichkeit in Beziehung gesetzt werden und Wertungen nach sich ziehen, die als Reflexion auf unsere Erlebnisse den [[Sinn]] des Ganzen deuten wollen\\+- neben dieser Kategorie existiert die willenlose Betrachtung der Wirklichkeit - [[Anschauung]] → alles Urdenken vollzieht sich in Bildern, die mit der [[Wirklichkeit]] in Beziehung gesetzt werden und Wertungen nach sich ziehen, die als Reflexion auf unsere Erlebnisse den [[Sinn]] des Ganzen deuten wollen\\
 → die Wirklichkeit wird so zum Gehirnphänomen → die Wirklichkeit wird so zum Gehirnphänomen
  
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 - es gibt keine Vielheit, kein Entstehen und Vergehen: jedes ist EINES\\ - es gibt keine Vielheit, kein Entstehen und Vergehen: jedes ist EINES\\
 - das Wesen der Welt ist das //nunc stans//\\ - das Wesen der Welt ist das //nunc stans//\\
-- der Wechsel der Erscheinungen und Begebenheiten ist eine bloße Folge unserer Auffassungen derselben in den Anschauungsformen der Zeit\\ +- der [[Wechsel]] der Erscheinungen und Begebenheiten ist eine bloße Folge unserer Auffassungen derselben in den Anschauungsformen der Zeit\\ 
-- das stehende Jetzt steht hinter aller Individuation,​ VORHER und NACHHER, d.i. der metaphysische [[Trost]] gegenüber der eigenen Vergänglichkeit+- das stehende Jetzt steht hinter aller [[Individuation]], VORHER und NACHHER, d.i. der metaphysische [[Trost]] gegenüber der eigenen Vergänglichkeit
  
    
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 ==== Ethik ==== ==== Ethik ====
 - die Kunst erlöst nur für Augenblicke und vermag die Leiden nicht zu mildern, welche mit dem Leben unauflöslich verknüpft sind, denn Leben heißt leiden → keine [[Lust]] stillt den Mangel\\ - die Kunst erlöst nur für Augenblicke und vermag die Leiden nicht zu mildern, welche mit dem Leben unauflöslich verknüpft sind, denn Leben heißt leiden → keine [[Lust]] stillt den Mangel\\
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 ==== Wertung ==== ==== Wertung ====
-- sein System erklärt sich nur, wenn man Schopenhauer nicht als Philosophen,​ sondern als [[Künstler]] betrachtet, dessen Pessimismus künstlerische Anschauung ist → Schopenhauer ist Zuschauer, nicht der [[Held]] der Lebenstragödie (Fischer)\\+<​html><​img src="​http://​www.vonwolkenstein.de/​images/​schopenhauer.jpg"​ width="​220"​ height="​366"​ border="​4"​ align="​left"​ style="​margin-right:​5mm"​ alt="​Wolkenstein"></​html>​- sein [[System]] erklärt sich nur, wenn man Schopenhauer nicht als Philosophen,​ sondern als [[Künstler]] betrachtet, dessen Pessimismus künstlerische Anschauung ist → Schopenhauer ist [[Zuschauer]], nicht der [[Held]] der Lebenstragödie (Fischer)\\ 
 +- Als Hauptvertreter einer [[Voluntarismus#​voluntaristischen]] Metaphysik hat er seine pessimistische Mitleid-[[Ethik]] mit einer raffinierten [[Machiavelli#​machiavellistischen]] Alltagsmoral zu verbinden gewußt. ([[Hudal]])\\
 - man kann Schopenhauer auch als Verfechter eines sittlichen Ideals betrachten, das sich gegen die im Menschen ausgebildeten Anlagen durch seinen Schöpfer entwickelte → dann wird Schopenhauer zum Moralisten (Lehmann)\\ - man kann Schopenhauer auch als Verfechter eines sittlichen Ideals betrachten, das sich gegen die im Menschen ausgebildeten Anlagen durch seinen Schöpfer entwickelte → dann wird Schopenhauer zum Moralisten (Lehmann)\\
 - bauscht das Individuum zum absoluten Selbstzweck auf → eine doch nur dekadent gesteigerte Abart des normalen kapitalistischen [[Egoismus]] - bauscht das Individuum zum absoluten Selbstzweck auf → eine doch nur dekadent gesteigerte Abart des normalen kapitalistischen [[Egoismus]]
 - die indirekte Apologetik des Kapitalismus:​ Schopenhauer geht von den Widersprüchen aus und gibt ihrer Existenz eine Bedeutung, die letztlich vorteilhaft für diese Widersprüche ist → Kampf ist sinnlos, denn sie bedeuteten Selbstaufhebung des menschlichen Wesens, d.i. Pessimismus\\ - die indirekte Apologetik des Kapitalismus:​ Schopenhauer geht von den Widersprüchen aus und gibt ihrer Existenz eine Bedeutung, die letztlich vorteilhaft für diese Widersprüche ist → Kampf ist sinnlos, denn sie bedeuteten Selbstaufhebung des menschlichen Wesens, d.i. Pessimismus\\
 - steht im Gegensatz zu den Romantikern der [[Aufklärung]] aufgeschlossen gegenüber; er sucht eine Stütze für die These des Aufsichgestelltseins des Individuums\\ - steht im Gegensatz zu den Romantikern der [[Aufklärung]] aufgeschlossen gegenüber; er sucht eine Stütze für die These des Aufsichgestelltseins des Individuums\\
-- seine Philosophie ist ein Schutz für jede bestehende Gesellschaftsordnung,​ die das Privateigentum wirksam zu verteidigen imstande ist\\+- seine Philosophie ist ein Schutz für jede bestehende Gesellschaftsordnung,​ die das [[Privateigentum]] wirksam zu verteidigen imstande ist\\
 - Subjekt/​Objekt:​ mit dem Objekt ist zugleich auch das Subjekt gesetzt, da sonst dies und jenes keine [[Bedeutung]] hat; ebenso ist mit einem auf irgend eine Weise bestimmten Objekt sofort auch das Subjekt als auf eben solche Weise erkennend gesetzt - geht auf [[Berkeley]] zurück → Identität von Erscheinungswelt und Vorstellung,​ //esse est percipi// \\ - Subjekt/​Objekt:​ mit dem Objekt ist zugleich auch das Subjekt gesetzt, da sonst dies und jenes keine [[Bedeutung]] hat; ebenso ist mit einem auf irgend eine Weise bestimmten Objekt sofort auch das Subjekt als auf eben solche Weise erkennend gesetzt - geht auf [[Berkeley]] zurück → Identität von Erscheinungswelt und Vorstellung,​ //esse est percipi// \\
 - die Außenwelt hat keine vom [[Bewußtsein]] unabhängige Wirklichkeit - Objektivität\\ - die Außenwelt hat keine vom [[Bewußtsein]] unabhängige Wirklichkeit - Objektivität\\
 - die Vielheit ist [[Erscheinung]] und die äußeren Vorgänge sind bloße Konfigurationen der Erscheinungswelt,​ haben daher unmittelbar weder Realität noch Bedeutung, sondern erst mittelbar durch ihre Beziehung auf den Willen der EINZELNEN\\ - die Vielheit ist [[Erscheinung]] und die äußeren Vorgänge sind bloße Konfigurationen der Erscheinungswelt,​ haben daher unmittelbar weder Realität noch Bedeutung, sondern erst mittelbar durch ihre Beziehung auf den Willen der EINZELNEN\\
 - die Kunst ist die Betrachtungsart der Dinge unabhängig vom Satz des Grundes - Gegensatz zur [[Klassik]],​ die in der schönen Erscheinung gerade das Wesen des Grundes manifestiert sah\\ - die Kunst ist die Betrachtungsart der Dinge unabhängig vom Satz des Grundes - Gegensatz zur [[Klassik]],​ die in der schönen Erscheinung gerade das Wesen des Grundes manifestiert sah\\
-- Schopenhauer betont die Flucht als Zentralproblem der [[Ästhetik]] → die spätere Dekadenz nahm dies auf und verzerrte den Menschen\\ 
-- er propagiert die innige Verbindung zwischen Pathologie und künstlerischer Genialität \\ 
 - seine Skurrilität erscheint als mit der Entwicklung des [[Kapitalismus]] als in steigendem Maße typisch\\ - seine Skurrilität erscheint als mit der Entwicklung des [[Kapitalismus]] als in steigendem Maße typisch\\
 - erster Vorläufer des dekadenten Kosmopolitismus ([[Lukacs]])\\ - erster Vorläufer des dekadenten Kosmopolitismus ([[Lukacs]])\\
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 - der [[Instinkt]] sagt NEIN zum altruistischen Ansatz der Erklärung des Herkommens von [[Gut]] und [[Böse]], den Quellen der [[Moral]]\\ - der [[Instinkt]] sagt NEIN zum altruistischen Ansatz der Erklärung des Herkommens von [[Gut]] und [[Böse]], den Quellen der [[Moral]]\\
 - der altruistische Ansatz führt zur Gefahr für die [[Menschheit]],​ weil er sich der Willen gegen das Leben wendet → Mitleid und [[Nihilismus]]\\ - der altruistische Ansatz führt zur Gefahr für die [[Menschheit]],​ weil er sich der Willen gegen das Leben wendet → Mitleid und [[Nihilismus]]\\
-- seine Theorie vom Aufgehobensein der Sinnlichkeit im ästhetischen Zustand ist falsch, denn die Sinnlichkeit ist dann nur transfiguriert und bloß kein Geschlechtsreiz mehr ([[Nietzsche]])\\ +- seine [[Theorie]] vom Aufgehobensein der Sinnlichkeit im ästhetischen ​[[Zustand]] ist falsch, denn die Sinnlichkeit ist dann nur transfiguriert und bloß kein Geschlechtsreiz mehr ([[Nietzsche]])\\ 
-- zerschlägt mit Nietzsche zusammen das Dogma von der Vernunft als dem tiefsten Wesensgrunde des Menschen ([[Simmel]])+- zerschlägt mit Nietzsche zusammen das Dogma von der [[Vernunft]] als dem tiefsten Wesensgrunde des Menschen ([[Simmel]])
schopenhauer.1262780634.txt.gz · Zuletzt geändert: 2019/07/28 14:26 (Externe Bearbeitung)