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SELBST

- der identische, zweckgerichtete, männliche Charakter des Menschen
- sollte (für die Aufklärer) nach der methodischen Ausmerzung aller natürlichen Spuren als mythologisches weder Körper noch Blut noch Seele oder sogar natürliches Ich mehr sein; es bildete statt dessen, zum transzendentalen oder logischen Subjekt sublimiert, den Bezugspunkt der Vernunft, der gesetzgebenden Instanz des Handelns
- das Selbst macht nicht den starren Gegensatz zum Abenteuer aus, sondern formt in seiner Starrheit sich erst durch diesen Gegensatz, Einheit bloß in der Mannigfaltigkeit dessen, was jene Einheit verneint (Adorno)
- die sittliche Persönlichkeit in uns (Reitzenstein)
- kann Gesetze schaffen (Rosenberg)
- Was man selber ist, kann man nur am Fremden lernen. (Troeltsch)

fehlendes Selbst

Beispieltext für ein Wesen mit fehlendem Selbst, das erst in der Ferne dieses findet
Es war einmal ein alter knorriger Baum mit einer riesigen Krone. In seinem Geäst tummelten sich große und kleine Vögel. Da sah man Spatzen und Finken ebenso wie den Kuckuck und einen Pelikan. Der hatte sich wohl verirrt. Hoch oben im Wipfel, über allen anderen Vögeln, wohnte ein schöner großer Adler. Die Vögel nannten den Adler Hyle, und das taten sie ehrfurchtsvoll, denn Hyle war nicht nur sehr stark, sondern ebenso hilfsbereit. Warum man ihn so nannte, wußten nicht einmal die ältesten Baumbewohner. Er hieß immer schon so, behaupteten sie, und dabei blieb es. Näherte sich ein Feind den Bauminsassen, so riefen diese nach Hyle, und schon kam der große Adler und verjagte den Angreifer. Hyle wohnte allein in seinem Horst. Darüber war er sehr traurig, und manchen Tag jammerte er: „Ach, wenn ich doch nur eine Adlerin bei mir hätte… es wäre so schön!“
Nun könnten wir den Adler bedauern, doch das wollen wir nicht tun. Der Adler konnte nämlich zwei wundervolle kleine Wesen zu seinen Freunden zählen: die Spinne Agatha und die Schlange Nuse.
Nuse lebte an dem kleinen Teich, den man nur einen Steinwurf entfernt vom großen Baum durch die Büsche und Bäume funkelte. Agatha aber hatte sich in den Wurzeln des alten Baumes eine kleine Wohnung eingerichtet, in der sie zusammen mit ihrer zanksüchtigen Schwester Eristine lebte. Doch will ich nun endlich erzählen, was unseren Freunden alles geschah.
Es begann an einem heißen Sommertag. Fast alle suchten Schatten. Nur Nuse sonnte sich am Teich auf einem Stein. Wenn es ihr doch zu heiß wurde, was selten geschah, denn Nuse liebte die Sonne, konnte sie so schnell das erfrischende Naß des Teiches erreichen. Manchmal verließ sie ihren heißen Stein und schlängelte zu Agatha, um ein Pläuschchen zu halten. Manchmal saß sie bei der kleinen Spinne und sah nur zu, was die so machte. Das Zuschauen war überhaupt Nuses Lieblingsbeschäftigung. Sie konnte das stundenlang tun. Agatha war auch nicht sehr behende, sie war zuweilen sogar recht faul, wie Eristine behauptete, aber im Gegensatz zu Nuse mußte sie sich immer mit irgend etwas beschäftigen und sei es auch nur das Warten auf ihre Freundin.
Heute war es so heiß, daß selbst Nuse beschloß, der Hitze zu entfliehen. So sagte sie sich, daß ein kalter Schoppen Nektar jetzt genau das Richtige wäre. Den gab's bei Agatha, mit ein wenig Glück; also machte sie sich auf den Weg.
Bei Agatha zu Hause - Rumpelkammer Bei Agatha herrschte das Chaos. Ich weiß nicht, wie ich den großen Wühlkasten nennen soll, den Agatha dennoch als ihr Zuhause betrachtete. Da lagen Papierschnipsel und kaputte Holzfiguren einträchtig neben zerlesenen Büchern und dem Essen von vergangener Woche. Doch Agatha fühlte sich wohl in diesem Unrat. Schließlich war es ihre Wohnung, und wer will da schon richten und etwas Schlechtes sagen?
Heute kramte Agatha in einer Kiste auf der Suche nach irgendwas. Sie schien dabei ziemlich aufgebracht zu sein. Was es wohl sein mag? Schauen wir einmal vorbei:
„Sie hat unrecht“, wetterte Agatha, „ich bin auf diesem Foto zu sehen. Von wegen Unordnung! Hier ist es doch!“ Agatha war noch wütend auf ihre Schwester, die immer behauptete, daß man in ihrer Wohnung nirgends das fände, was man gerade suchte. Dann aber schmunzelte sie, schaute auf das gefundene Foto und war sehr zufrieden mit sich.
Agatha war sehr oft mit sich zufrieden.
In diesem Augenblick kam Nuse zur Tür herein.
„Oh, was ist denn hier passiert?“ begrüßte Nuse ihre Freundin. Agatha hielt das gefundene Foto in die Höhe und strahlte über das ganze Gesicht: „Also, wenn du mich fragst, dann denke ich, daß hier jemand was gesucht hat. Da, schau, ich hab's auch gefunden.“
„Oh, das alte Foto. Aber was willst du damit?“
„Eristine zeigen. Die behauptet, ich hätte alle Fotos von uns und unseren Eltern weggeschmissen. Hab ich aber nicht. Die wird platzen.“ Agatha war mit einem Male sehr wohlwollend und schaute Nuse liebevoll an. Nuse mußte schmunzeln, dann besann sie sich jedoch, weil ihr auf dem Wege zu Agatha etwas aufgefallen war: „Agatha, hast du heute schon zu Hyle hinaufgeschaut?“
„Nein, wieso?“ fragte Agatha zurück.
„Er sitzt heute wieder so traurig in seinem Horst und bläst Trübsinn.“
„Wenn du mich fragst, ich glaube, er wünscht sich Nachwuchs, schließlich ist er nicht mehr der Jüngste.“ Agatha kicherte albern in sich hinein. „Möchtest du etwas trinken, Nuse?“ fragte sie ihre Freundin und lief in ihre Vorratskammer. Agatha wußte, daß Nuse immer großen Durst mitbrachte. Nuse kroch währenddessen zur Eingangstür und rief in den Wipfel des Baumes:
„He, Hyle, sei nicht so traurig und komm zu uns herunter!“ Hyle zuckte mit seinen prachtvollen Schultern, kam dann aber doch heruntergesegelt. Agatha brachte frischen Nektar in glänzenden Schalen und für jeden ein andersfarbiges Trinkröhrchen. Manchmal war sie schon erstaunlich beflissen. „Wie wäre es, wenn du losflögest und dir eine schöne Adlerin suchst?“ fragte Nuse.
„Ach, du machst mir Spaß. Jeder im Wald weiß, daß ich der einzige Adler weit und breit bin.“ Hyle war verzweifelt. „Du hast nur nicht richtig gesucht“, meinte Nuse. „Wie wäre es, wenn du dir Proviant für ein paar Tage einsteckst und einfach mal losfliegst? Wenn du keinen Erfolg hast, kommst du halt wieder zurück.“
„Ach, das geht doch nicht. Ich habe Angst vor dem Zauberer des Waldes.“ Hyle flüsterte fast. „Du weißt doch, Äschron hat es nicht gerne, wenn wir herumspionieren.“
„Oh! Du hast Angst?“ staunte Nuse. „So ein großer und starker Adler, wie du einer bist, hat Angst vor jemandem, den er noch nie gesehen hat?“ Alle versanken in Schweigen. „Du könntest mir auch ein wenig beistehen, Agatha!“ Agatha schaute zuerst zu Hyle, dann zu Nuse und senkte den Blick:
„Wenn ihr mich fragt, dann denke ich, daß wir Hyle nicht ins Ungewisse schicken können. Hier sind wir doch glücklich und genug zu essen gibt es auch. Da“, sie zeigte in die Ferne“, lebt irgendwo der böse Äschron. Dem möchte ich nicht zwischen die Zähne geraten, und Hyle wünsche ich das auch nicht. Er hat doch uns!“ „So ein Quatsch.“ Nuse war sichtlich empört über Agathas Rede: „Ich muß mich sehr über dich wundern, Agatha. Wie kann Hyle hier glücklich sein, wenn sein größter Wunsch niemals hier erfüllt werden kann? Aber vielleicht anderswo, oder? Er sollte es wenigstens versuchen. Wenn es zu gefährlich wird, kehrt er einfach um und kommt zu uns zurück.“ Hyle schaute auf:
„Genau! Ich muß es wenigstens versucht haben. Vielleicht habe ich auch einmal Glück?“
„Bravo, Hyle!“ Nuse war stolz auf sich. Sie schlängelte sich um Agatha und tat sehr vertrauensvoll: „Du machst ihm doch aus deiner wundervollen Küche einen Ränzel mit Proviant zurecht?“ Agatha träumte. Außerdem war sie an solcherlei Schmeichelei gewöhnt.
„Wie erfahren wir, wie es dir geht?“ fragte sie Hyle.
„Ich komme schon wieder.“ Hyle war jetzt zuversichtlich. Seine Aussichten waren zwar nicht gerade prächtig, aber ohne ein Risiko einzugehen, hätte er überhaupt keine Aussicht auf Erfolg haben können.
„Wir werden dich suchen gehen, wenn du bis zum nächsten Vollmond nicht zurückgekehrt bist“, sagte Agatha und verschwand in ihrer Küche, Hyle ein Ränzel Proviant zu machen.

identisches Selbst

- die das Gebiet der Ratio konstituierende Wurzel, radix, die alle Vorstellungen begleitet
- ein Zwittergebilde zwischen Begriff und Urteil (Cusanus)
- unity of being: die mystische Idealisierung der Persönlichkeit, in der das Gleichgewicht von Körperlichem und Seelischem erreicht wird; die vollkommene Durchdringung von Mythos und Tatsachen (Yeats)

 
selbst.txt (1480 views) · Zuletzt geändert: 2016/08/05 16:10 von aerolith
 
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