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SHAKESPEARE

William Shakespeare

englischer Dichter
1564-1616
- in ein katholisches Elternhaus geboren, besuchte er ab 1571 die Lateinschule bei einem Lehrer namens Simon Hunt, der ab 1575 (in England verboten) Jesuit wurde
- der zweite Lehrer namens John Cotton war ebenfalls Jesuit, wurde aufgegriffen und gefoltert, schließlich hingerichtet
- heiratete 1582 die acht Jahre ältere Anne Hathaway, die ein Kind (hieß Susanne) von ihm erwartete
- erwirbt sein Vermögen nicht als Dramatiker, sondern als Theateraktionär
- starb an einem Karzinom, das sich unterhalb seines Auges gebildet hatte und wahrscheinlich Metastasen im ganzen Körper bildete

Lesart II: Etliche behaupten, es habe den Dichter Shakespeare nie gegeben. Er sei ein Synonym für einen nicht genannt sein wollenden hohen Adligen, denn: kein aus einfachen Verhältnissen stammender Schauspieler sei in der Lage, Stücke dieser Komplexität zu schreiben.

Weltanschauung

- in jungen Jahren Optimist, der sich mit den gegebenen Verhältnissen arrangiert
- um 1600 verändert sich sein Weltbild, seine Zukunftshoffnungen werden erschüttert: die Wertschätzung der gesellschaftlichen Stabilität und seine Ablehnung des feudal-ritterlichen Heldenideals bleiben bestehen, aber er verliert sein Vertrauen zum machiavellischen Fürstentum und zur rücksichtslosen akquisitiven Wirtschaft: Wendung zum Pessimismus, was angesichts des zunehmend mehr zuum Polizeistaat werdenden England, des zunehmenden Puritanismus und auch seiner persönlichen erlittenen Verfolgung als Theatermann durch die Purtitaner geschuldet sein dürfte
- am Ende seines Lebens begleitet er die im öffentlichen Leben erfolglos Gebliebenen mit Sympathie, die Erfolgreichen werden bespöttelt und kritisiert

psychologischer Naturalismus

- Mangel an Einheitlichkeit und Konsequenz in der Charakterzeichnung
- unmotivierte Wendungen bei widersprüchlicher Charakterentwicklung in der Selbstbeschreibung und Selbsterklärung der Gestalten im Monolog oder Beiseitereden
- Texte, die wie Kai aus der Kiste springen und keine Perspektive im Text besitzen, auf bloßen Effekt gehen (stimmungs- oder klangmäßige Funktion) und wörtlich zu nehmen sind; irrelevantes Gerede ohne Bezug zum bisher gezeichneten Charakter → manche nennen das gerade eine Stärke der Figuren, weil wirkliche Menschen auch so sind: trotzdem oder gerade deswegen haben Shakespeares Figuren eine unverwüstliche Substantialität, sie leben
- Unaufmerksamkeit des Dichters, der zuweilen zu vergessen scheint, wer gerade redet, ob es Gloster ist oder Lear, ob Timon Lear ist (Hauser)

Coriolan

- politisches Drama, das sich mit dem Handlungsbogen der römischen Politik am gründlichsten auseinandersetzt → das Gemeinwesen liefert den Beweggrund für jede einzelne Handlung
- die Motive der Figuren wurzeln in der Autorität des Gemeinwesens
- der politische Wettbewerb beruht auf dem Dünkel der aristokratischen Elite, die miteinander darüber streiten, wer am besten die Republik führen könne
- Coriolanus weigert sich, Zugeständnisse an „sein“ Volk zu machen, das weder regieren kann, noch regiert werden will
- die Meisterschaft Shakespeares besteht in diesem Stück darin, daß er Coriolanus zwittrig darstellt: einerseits begehrt der Titelheld Ehrungen des Volkes (Plebejer), andererseits demütigt er es, um dann doch von ihm zum Führer bestimmt zu werden (Manent)

Cymbeline

Komödie
- der prahlsüchtige Iachimao wettet, daß er Imogen, die Gemahlin von Leonatus Posthumus, verführen könne, versteckt sich in ihrem Schlafgemach und raubt ihr, während sie schläft, ein Armband zur Bezeugung ihrer Untreue
- die Lüge kommt heraus, Iachimao gesteht und bereut

Hamlet

- ein rohes Stück, das selbst von dem geringsten Pöbel in Frankreich und Italien nicht würde ertragen werden; die Frucht der Einbildungskraft eines Wilden
- Hamlet wird im zweiten Akt ein Narr und seine Geliebte im dritten eine Närrin; der Prinz tötet den Vater seiner Geliebten, indem er sich stellt, als töte er eine Ratte, und die Heldin stürzt sich ins Wasser. Man macht ihr Grab auf dem Theater; die Totengräber sprechen Quodlibets, die ihrer würdig sind, indem sie Totenköpfe in der Hand halten; der Prinz antwortet auf ihre widerwärtigen Torheiten mit Roheiten, die nicht weniger widerlich sind. Währenddem macht einer der Schauspieler die Eroberung von Polen. Hamlet, seine Mutter, sein Stiefvater trinken zusammen auf dem Theater, man singt bei Tisch, man zankt, schlägt und ermordet sich. (Voltaire)

siehe auch Hamlet

König Lear

King Lear
- Cordelia repräsentiert am reinsten die bürgerlichen Tugenden inmitten einer feudalen Umwelt;
- die Boshaftigkeit der Lear-Töchter Regan und Goneril kam daher, daß dieser scheußliche alte Vater immerfort so viel umschmeichelt werden wollte; wenn man dauernd danke sagen muß und 'wie freundlich' und so weiter, dann fühlt man sich nach einer Weile ganz flau und elend und möchte sich zur Abwechslung einmal niederträchtig benehmen (Agatha Christie)

Macbeth

- die Wahrsagung der Hexen ist der poetischen Wirkung wegen da, gleichsam ein präludierender Akkord aus verbundenen Schicksals- und Seelentönen (Huch)

Romeo und Julia

- streift die Liebe als tödliche Leidenschaft (Bahr)

Sonette

- entstanden im dunklen Jahrzehnt zwischen 1582 und 92: 154 Sonette
- dem Adressaten wird eine Unsterblichkeit durch die Verse verheißen, die sich erhalten sollen, solange Menschen atmen und Augen sehen
- als Adressat kommen zwei Adlige in Frage, zwei männliche Adlige (!), und vielleicht die dunkelhaarige Hofdame Mary Fitton, die einem Pembroke ein Kind gebar, was diesen den Aufenthalt beim englischen Hofe kostete, vielleicht eine Lucy Morgan, die erst einst Hofdame war, dann Hure wurde

  1. Earl of Southampton (geb. 1573)
  2. William Lord Herbert, Earl of Pembroke (geb. 1580?)

- Shakespeare fordert die Zeit heraus, ihr Äußerstes zu tun; trotz ihrer zerstörenden Gewalt soll sein Geliebter in ewiger Jugend in seiner Dichtung leben (Gervinus)

Timon

- einer, der am Schlagen selbst die Wut, statt sie zu sättigen, nur immer noch reizt
- ein furchtbarer letzter Schrei → hier ist die Welt zu Ende, dahinter lauern nur noch Finsternis und Blut (Bahr)

Rezeption

- es ist die Gesundheit seines Geistes, die auf die Gesundung der Köpfe wirkt; es gibt keinen Dichter, der so den Sinn für das wirkliche und wirkende Leben in seinem breitesten Umfange stählt und schärft (Gervinus)
- sieht die Welt mit den Augen eines wohlsituierten, im großen und ganzen liberal denkenden, skeptischen und in mancher Hinsicht desillusionierten Bürgers
- äußert politische Anschauungen, die in der Idee der Menschenrechte wurzeln, verurteilt die Übergriffe der Macht und die Unterdrückung des Volkes, verurteilt auch die Anmaßung und Präpotenz des Pöbels und stellt in seiner bürgerlichen Ängstlichkeit das Prinzip der Ordnung über alle humanitären Rücksichten
- sein Naturalismus besitzt augenfällige Grenzen: die individuellen Züge seiner Figuren sind mit konventionellen, die differenzierten mit einfachen und naiven, die raffiniertesten mit primitiven und kruden gemischt, meist ganz zufällig und kaum durchdacht (Hauser)
- Leidenschaften ziehen einen Menschen in die Tiefen, so daß er in die lauen Regionen unleidenschaftlicher Menschen nicht mehr zurückfinden kann
- germanische Art und Kunst
- Man muß messen können! Man vergleiche nicht die Griechen mit Schäkspeare, denn jede Kultur hat ihre Größen. (Herder)
- aus seinen Darstellungen könne selbst ein Einsiedler die Weltbegebenheiten schätzenlernen (Samuel Johnson)
- Teil des germanischen Kunstwerks, das nach Vereinigung aller Künste dringt → er fand das Geheimnis eines tätigen Lebens innerhalb eines zum Christentum bekehrten Europas
- paßt Rollen Schauspielern an
- Shakespeare zerreißt zuweilen die Literatur, wirkt verloren, es springt ein schreiender Mensch hervor, der plötzlich verstummt → d.i. das Ende der Literatur
- seine Wirkung beruht zum großen Teil darauf, daß er es wagen konnte, den Wechsel zwischen Hochstil und Mimus in einem Werke spielen zu lassen (Kolbenheyer)
- sein Werk ist dem einzigen Theater unseres Geistes so wohl angebildet, so sehr Prototyp im übrigen, daß es mit der heutigen Inszenierung zurecht kommt oder auch gleichgültig enträt (Mallarme)
- erschuf sich seinen eigenen mythologischen Kreis
- wirkt nicht allein aus dem historischen Stoff seiner Nationalgeschichte, sondern auch aus den Sitten seiner Zeit und seines Volkes (Schelling)
- ein trunkener Wilder und gotischer Koloß
- die Natur hat in ihm das Größte und Erhabenste mit allem, was Roheit ohne Geist noch so Niedriges in sich trage, verschmolzen (Voltaire)
- aus seiner Individualität heraus verkörperter Kosmos, der den Umkreis einschließt (Wiese)
- Shakespeares Personen sprechen, wenn die letzte Dunkelheit sich über sie herabgesenkt hat, aus einer Ekstase heraus, die zur Hälfte Hingabe an die Trauer und zur Hälfte das letzte Geplänkel und Scheingefecht des siegreichen Schwertes vor der geschlagenen Welt ist. (Yeats)

Shakespeare-Theater

- wirkte von 1558 bis 1642, bis durch einen Parlamentsbeschluß die puritanische Mehrheit diese Form des Theaters beendete
- diese Theaterform entsteht aus dem Grunderlebnis der Erfahrung, daß sich die reine, unverfälschte, zugeständnislose Idee politisch nicht verwirklichen lasse, woraus Pessimismus entsteht, der aber auch den Schalk hervorbringt, der sich über die Faxen des hoffenden Individuums damit hinwegzuhelfen sucht
- im Shakespearetheater galt die Ständeklausel → in den Tragödien geschieht den höheren Ständen etwas, in den Komödien den niederen;
- machte sich die Neuerungen des Humanistendramas zu eigen, bewahrt aber die mittelalterliche Ungeschiedenheit der Bühne vom Zuschauerraum als auch die epische Breite des geistlichen Dramas und den Bewegungscharakter der Handlung
- bleibt auch bei der lockeren Struktur der Handlung und dem geringen szenischen Illusionismus der Mittelalter-Schauspiele

 
shakespeare.txt (1667 views) · Zuletzt geändert: 2018/01/28 07:33 von aerolith
 
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