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strauss [2020/03/18 08:44]
Robert-Christian Knorr
strauss [2020/03/23 12:35] (aktuell)
Robert-Christian Knorr
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 Der ichbesessene und neurotisch angstbestimmte moderne [[Mensch]], um den es in „Die Hypochonder“ geht, erstmalig seit geraumer Zeit in deutscher Literatur wieder eingeführt,​ war für das Publikum und die Kritik gleichermaßen gewöhnungsbedürftig. Mit diesem Stück führte Strauß sein Thema ein: Innenwelt und Entfremdung. Beide Inszenierungen kamen zusammen auf 49 Vorstellungen mit 14.000 Zuschauern.\\ Der ichbesessene und neurotisch angstbestimmte moderne [[Mensch]], um den es in „Die Hypochonder“ geht, erstmalig seit geraumer Zeit in deutscher Literatur wieder eingeführt,​ war für das Publikum und die Kritik gleichermaßen gewöhnungsbedürftig. Mit diesem Stück führte Strauß sein Thema ein: Innenwelt und Entfremdung. Beide Inszenierungen kamen zusammen auf 49 Vorstellungen mit 14.000 Zuschauern.\\
 In //Die Zeit// wird Strauß schon im ersten Satz gelobt: „Wo er hinlangt, wächst [[Gras]].“ Diese zwei Erzählungen Strauß',​ „vibrierend vor einer aus Erkenntnissen der [[Psychoanalyse]],​ den Traumerzählungen der Schwarzen Romantik, den Erfindungen des Surrealismus [] stammen aus dem literarischen Umfeld der Hypochonder.“ Erstmalig wird auf das verwiesen, was erst später als „Neue Subjektivität“ in die Terminologie der Literaturwissenschaft Eingang finden sollte: „Zu entdecken ist [] ein Erzähler, der für Empfindungen der Liebe Bilder einer Eindringlichkeit findet, wie sie in zeitgenössischer Literatur ungewöhnlich sind [].“\\ In //Die Zeit// wird Strauß schon im ersten Satz gelobt: „Wo er hinlangt, wächst [[Gras]].“ Diese zwei Erzählungen Strauß',​ „vibrierend vor einer aus Erkenntnissen der [[Psychoanalyse]],​ den Traumerzählungen der Schwarzen Romantik, den Erfindungen des Surrealismus [] stammen aus dem literarischen Umfeld der Hypochonder.“ Erstmalig wird auf das verwiesen, was erst später als „Neue Subjektivität“ in die Terminologie der Literaturwissenschaft Eingang finden sollte: „Zu entdecken ist [] ein Erzähler, der für Empfindungen der Liebe Bilder einer Eindringlichkeit findet, wie sie in zeitgenössischer Literatur ungewöhnlich sind [].“\\
-Im Juli 1975 wird Strauß im //Merkur//, der Kulturzeitschrift des renommierten Klettverlags,​ „als Erzähler“ vorgestellt. Dort gibt es für seine bisherigen zwei Theaterstücke mäßigen Tadel: „Er (verschlüsselt) die gesellschaftliche Realität so rigoros, daß es schon eines beträchtlichen Wohlwollens bedarf, um sie darin [in seinen Stücken, Anm. d. Verf.] überhaupt noch als solche wahrzunehmen.“ Blöcker geht auch auf seine Essays „ANSCHAUUNG“ und „Versuch“ ein (ohne sie explizit zu nennen), und wirft Strauß vor, das von ihm „polemisierte“ „erträgliche Gleichgewicht“ von politischer Aufklärung und ästhetischer Wirklichkeit,​ das Strauß in seinen Essays von der Bühne fordert, nun selbst „in Gefahr“ zu bringen- von der ästhetischen Seite her. Strauß'​ bisheriges Hauptthema wird an dieser Stelle in der Literatur erstmalig benannt: „Es heißt: Krise der Identität“. Eine politische Position für Strauß wird in diesem Aufsatz auch gefunden: Strauß reproduziert mit „Marlenes Schwester“ „ein Stück [[Tristan]]-Romantik,​ das nur schwer mit dem in Einklang zu bringen ist, was man aus den Experimentiertstuben engagierter Linker gemeinhin zu [[hören]] bekommt.“ Für den [[Stil]] seiner zwei Erzählungen gibt es viel Lob, es wird ihm eine „pointillistische“ und „aperçuhafte“ [[Erzählweise]] attestiert.+Im Juli 1975 wird Strauß im //Merkur//, der Kulturzeitschrift des renommierten Klettverlags,​ „als Erzähler“ vorgestellt. Dort gibt es für seine bisherigen zwei Theaterstücke mäßigen ​[[Tadel]]: „Er (verschlüsselt) die gesellschaftliche Realität so rigoros, daß es schon eines beträchtlichen Wohlwollens bedarf, um sie darin [in seinen Stücken, Anm. d. Verf.] überhaupt noch als solche wahrzunehmen.“ Blöcker geht auch auf seine Essays „ANSCHAUUNG“ und „Versuch“ ein (ohne sie explizit zu nennen), und wirft Strauß vor, das von ihm „polemisierte“ „erträgliche Gleichgewicht“ von politischer Aufklärung und ästhetischer Wirklichkeit,​ das Strauß in seinen Essays von der Bühne fordert, nun selbst „in Gefahr“ zu bringen- von der ästhetischen Seite her. Strauß'​ bisheriges Hauptthema wird an dieser Stelle in der Literatur erstmalig benannt: „Es heißt: Krise der Identität“. Eine politische Position für Strauß wird in diesem Aufsatz auch gefunden: Strauß reproduziert mit „Marlenes Schwester“ „ein Stück [[Tristan]]-Romantik,​ das nur schwer mit dem in Einklang zu bringen ist, was man aus den Experimentiertstuben engagierter Linker gemeinhin zu [[hören]] bekommt.“ Für den [[Stil]] seiner zwei Erzählungen gibt es viel Lob, es wird ihm eine „pointillistische“ und „aperçuhafte“ [[Erzählweise]] attestiert.
  
 //Theater heute// druckte im Jahressonderheft 1974 vorab das Stück ab und verlieh ihm zusammen mit dem Hannoverschen Künstlerverein den Hannoverschen Dramatikerpreis. Uraufführung des als [[Komödie]] bezeichneten Stückes war am 02.09.1975 in Stuttgart. Auch hier überwiegen Verrisse für Stück und Autor. Es gab, so Georg Hensel in der FAZ, „Gelächter und gelangweilte Gesichter, Beifall und Buh“. Desgleichen wird Strauß'​ bisherige Arbeit vorgestellt und er selbst gelobt: „Daß Botho Strauß ein unendlich feinfühliger Mensch ist, haben die //Theater heute//​-Leser von 1967 bis 1970 seinen Kritiken entnehmen können. [] Ohne Strauß wäre die Schaubühne nicht das, was sie ist.“ Strauß wird von Hensel als „neuer [[Romantiker]],​ wenn auch ein schwarzer“,​ dessen „Mythologie tief im Privaten (steckt) und nach verwandten Seelen (ruft)“ bezeichnet. //Theater heute// druckte im Jahressonderheft 1974 vorab das Stück ab und verlieh ihm zusammen mit dem Hannoverschen Künstlerverein den Hannoverschen Dramatikerpreis. Uraufführung des als [[Komödie]] bezeichneten Stückes war am 02.09.1975 in Stuttgart. Auch hier überwiegen Verrisse für Stück und Autor. Es gab, so Georg Hensel in der FAZ, „Gelächter und gelangweilte Gesichter, Beifall und Buh“. Desgleichen wird Strauß'​ bisherige Arbeit vorgestellt und er selbst gelobt: „Daß Botho Strauß ein unendlich feinfühliger Mensch ist, haben die //Theater heute//​-Leser von 1967 bis 1970 seinen Kritiken entnehmen können. [] Ohne Strauß wäre die Schaubühne nicht das, was sie ist.“ Strauß wird von Hensel als „neuer [[Romantiker]],​ wenn auch ein schwarzer“,​ dessen „Mythologie tief im Privaten (steckt) und nach verwandten Seelen (ruft)“ bezeichnet.
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