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templer

TEMPELRITTER

auch Templer oder Templerorden
Mönchsritterorden
- ca. 1100 in FRANKREICH als administrative und exekutive GEWALT der Weisen von Sion geschaffen
- seit 1118 in Jerusalem gebildete Einheit aus neun RITTERn – alle mit Hugo von Champagne verwandt -, die Polizeigewalt zum Schutze der PILGER wahrnehmen wollten
- Verbindung zur ismaelitischen Geheimsekte der ASSASSINEN
- Grabungsarbeiten an den Fundamenten des Tempels in Jerusalem → Wer schickte die neun Tempelritter nach Jerusalem?
- seit 1127 – nach Schenkung von LAND an Bernhard de Fontaine bei Clairvaux durch ebenjenen Champagne - wurden die Templer von maßgeblichen Mönchen gelobt, de laude de novae militi
- bis 1188, da erfolgte ein Verrat des Großmeisters der Templer, der den Tempelberg leichtfertig oder aus VERRAT in die Hände der Osmanen gab, in klarem ZUSAMMENHANG zu den oben genannten Weisen, dann SELBSTÄNDIGKEIT
- der Orden kannte bis zur Reform durch de Molay kein Novizitiat

erhaltene Vorrechte, Exemtionsbulle OMNE DATUM OPTIMUM von 1163 durch Alexander III.

- päpstlicher Schutz → Item: Die Päpste nahmen großen Einfluß auf die staufische POLITIK, aber in bezug auf die Templer hielten sie sich merkwürdig bedeckt
- das Ordensmutterhaus steht in Jerusalem und wird somit zur Pilgerstätte
- die WAHL des Ordensmeisters erfolgt aus dem Bestand der Ordensmitglieder nur durch diese
- Ordensmeister legt die Regeln des Ordens fest
- es darf keinen Übertritt eines Templers in einen anderen Orden geben
- der Orden bestimmt sein Ordensklerikat
- auch die Hospitaliter genossen ähnliche Vorrechte - gegeben durch Anastasius IV.

Der Untergang des Templerordens

Keiner, der die die seltsame Perversität der menschlichen NATUR kennt, oder der mit dem Zustande des Mönchtums jener ZEIT vertraut ist, kann die MÖGLICHKEIT der vorgeworfenen Zustände leugnen, mochten sie nun rohe Späße oder verächtliche Äußerungen der HERRSCHAFT sein. [Ernst Sommer, Verfasser eines BUCHes namens „Die Templer“]

Da haben wir zuerst den Zeitraum dieses processus dramatiae, den wir im engeren Sinne 1291 mit dem Verlust Accons, der letzten bedeutenden Bastion des abendländischen CHRISTENTUMs in Morgenland, beginnen und 1314 mit der Verbrennung des „Ketzers“ Jakob von Molay, Großmeister des Templerordens, enden lassen müssen.

Die handelnden Personen der Tragödie und ihre Charakteristik

  • Clemens V. 1305- 1314 PAPST alias Bertrand de Got → schwach, opportunistisch, dem französischen KÖNIG verpflichtet, eigentlich auf Seiten der Templer, gab trotzdem sein Plazet gegen die Tempelritter, aber geldgierig

- Gascogner, Bischof von Bordeaux
- brachte das PAPSTTUM für 70 Jahre nach Avignon

  • Philipp IV. der Schöne - 1285- 1314 König von Frankreich, Kapetinger → stark, gewalttätig, half Clemens bei der Papstwahl und verlangte dafür Entschädigung, geldgierig, auf Templerbesitz in Frankreich aus

politisches ZIEL: Umwandlung der Lehnsverfassung in Despotismus

  • Jakob von Molay - seit 1297 Großmeister des Ordens → POLITISCH unfähig, glaubensfest, ehrlich, kämpferisch ohne klare Linie, da er seinen Gegnern nichts übermäßig SCHLECHTES zutraut

- hielt sich für nicht klug und gelehrt genug, um den Orden zu verteidigen, aber er würde sich für niedrig und erbärmlich halten, wenn er es nicht wenigstens versuchte

- riet 1303 Anklage gegen Bonifatius VIII., Papst mit Allmachtsanspruch der KIRCHE → Begründung: Bonifatius muß nicht mehr als Oberhaupt der Kirche anerkannt werden, da er die päpstliche Würde auf widerrechtliche Weise erlangte; bis 1304 Papst, und nahm den in Anagni gefangen
- Kenner des kanonischen Rechts: KRITIKER des Papalsystems → Nogaret bestritt die Allzuständigkeit und alleinige FÜHRUNG des Christentums durch den Papst, denn sowohl KANONIK als auch BIBEL unterscheiden die beiden Zwecke des menschlichen DASEINs: FRIEDEN im Zeitlichen und HEIL in der EWIGKEIT → zwei Lenkungsorgane: Kaiser und Papst
- die Exekutivgewalt in weltlichen Dingen liegt allein beim weltlichen HERRSCHER

  • Wilhelm von PARIS - Dominikaner und Großinquisitor von Frankreich, Beichtvater Philipps und päpstlicher Kaplan

Die Rechte der Templer und ihre Hybris

Großmeister der Ritter vom Tempelberg zu Jerusalem Nachdem uns die handelnden Personen nun bekannt gemacht sind, wollen wir uns näher mit dem GEGENSTAND befassen, dem Templerorden, auch als ecclesia militans - Ritter der Kirche - bezeichnet. 1128 auf dem KONZIL von Troyes erhielten Hugo von Payns und Genossen ein am Zisterzienser-Orden orientiertes strenges Regelwerk zur Bildung einer ecclesia militans auferlegt, u.a. das dreifache Gelübde GEHORSAM, ARMUT, Keuschheit. Papst Eugen III. fügte 1145 anläßlich des Kreuzzugaufrufs das rote KREUZ auf weißem GEWAND als Tracht ein, dazu die schwarz-weiße Fahne „Bauseant“ mit der INSCHRIFTEN non nobis Domine, Nicht für uns, sondern Dir, HERR!

Somit avancierten die Templer zu besonderen Lieblingen des Papstes und erhielten folgende Vergünstigungen:

  • keine STEUERN
  • Asylrecht in Templerkirchen
  • sie durften nur in ROM gerichtet werden.

Daraus entstammen NEID und Feindschaft zum Weltklerus und anderen RITTERORDEN zwangsläufig.

Nachdem das französiche Kreuzzugsheer, in dem zum Großteil Templer dienten, Jerusalem 1148 erreichte, blieb man dort und richtete sich ein. Die Templer suchten einen AUSGLEICH mit den dort existierenden Machthabern. Hierbei dürften einige „heidnische“ Gebräuche in den Orden eingedrungen sein, Bräuche, die im zunehmend orthodoxeren WESTEN von dem Orden feindlich Gesinnten zu Greuelmärchen aufgebauscht wurden und zum Untergang der Templer beigetragen haben dürften. Nach der Vertreibung der Templer aus dem Morgenland 1291 wurden diese „Gebräuche“ thematisiert, warum, werden wir noch sehen.

Im großen und ganzen werden den Templern bei den Vernehmungen nach 1305 sechs Vorwürfe gemacht, die wir nun im einzelnen prüfen wollen:

  • Der Vorwurf, sich nicht ans Keuschheitsgelübde gehalten zu haben.

Streng genommen, ist dieser Vorwurf sicherlich berechtigt. Streng genommen ist aber jeder Vorwurf berechtigt, ist alles beweis- oder widerlegbar. Genauer: Sex ist im Morgenland wohl kaum fremd. Nur besitzt er dort einen weniger verteufelten Stellenwert als im vergleichsweise prüden Christentum. Ein LEBEN im unsicheren Gefährt heißt für die eigene Sicherheit zuerst Anpassung an die UMWELT. Die Templer besaßen nicht die MACHT, als sie sich ansiedelten und ihrer MISSION nachzukommen trachteten, also mußten sie sich im formal-rituell bedachtsamen Morgenland den Gebräuchen - z.B. FRAUen als Gastgeschenke, die begattet werden mußten, wollte man den Gastgeber nicht kränken - subordinieren. Daß sie zunehmenden ERFOLG hatten, steht dennoch dem Bruch des Gelübdes nicht mit gleichem Gewicht gegenüber.- Vorwurf berechtigt!

  • Der Vorwurf, ein „heidnisches“ BAPHOMET - hölzern-metallisches SYMBOL des großen Gottes, der allein HIMMEL und ERDE geschaffen - angebetet zu haben.

Merke: Nicht jede Ausübung des KULTUS, der auf den EINEN SCHÖPFER rekurriert, wird von der katholischen Kirche gutgeheißen! Worin könnte der Vorwurf liegen? Vielleicht darin, daß der Baphomet keine Heiligsprechung durch Rom erhielt? Daß die Unterscheidung zu anderen monotheistischen Religionen durch die Herauslösung des einen Schöpfers aus der TRINITÄT von Vater, SOHN und Heiligem Geist nach gutkatholischem Muster schon ein Sakrileg bedeutet?
Das PROBLEM lag sicherlich darin - und ich gehe in diesem Falle davon aus, daß die Templer sich eines Symbols bedienten, das ihrem strikten MONOTHEISMUS Rechnung trug -, daß die Templer wieder eine Annäherung an die Sitten des Morgenlandes lebten, statt sich erst des Segens aus der weit entfernten westlichen Welt zu versichern. Was heilig ist, das bestimmt Rom, nicht eine Kirche VON UNTEN!
Der hierarchische Aufbau des Ordens verbot jedoch etwaige Kreativität hinsichtlich des Rituals. Vielleicht also ist ein Symbol des großen Gottes angebetet worden, doch niemals in einer Art von heidnischem RITUAL; das Baphomet wird immer im monotheistisch-christlichen Sinne BEDEUTUNGsträger gewesen sein.- Vorwurf unberechtigt!

  • Der Vorwurf, das achtspitzige Kreuz heidnischen URSPRUNGs als Wappensymbol gewählt zu haben.

Die Acht und die KABBALA: Die Kabbala erklärt das BÖSE dualistisch: Ein böses GRUNDWESEN steht neben dem guten und wird durch EMANATION und Entfernung aufgehoben.

Die Bedeutung des Unheilvollen, des Hexenhaften und Unglückbringenden. Wieder kann eine Beziehung zu Waldensern und KATHARERn hergestellt werden, die die Kabbala in EUROPA der geistigen Welt bekannt machten, und nicht zuletzt aus diesem Grunde der KETZERei beschuldigt wurden. Die ACHT nun steht als Verdopplung der wesenhaft vollkommenen kleinen HARMONIE der VIER, der vier Evangelisten, der vier Elemente, der vier Bestandteile des Lebens… Die Verdopplung des Vollkommenen 4+4 jedoch zieht seine Negation nach sich, also die Verteufelung, das Unheilvolle, das Hexengemäße. Wer jetzt eine Beziehung zwischen dem Verbotenen und den Templern herstellen mochte, dem waren die Tore weit aufgesperrt: die Templer geben dem ZEITALTER die Möglichkeit, sie selbst zu verdammen.
Allerdings mögen dies Zufälle sein, nur sei hier die Möglichkeit einer Interpretation beziehungsweise Verweisung auf Ketzerisches deutlich gemacht. Wir müssen bedenken, daß das MITTELALTER v.a. eine Welt der ZEICHEN war, nicht so sehr eine der intellektuellen Deutung und VERDICHTUNG des Gegebenen gegen jeden DISKURS: Eine ACHT war v.a. Zeichen!- Vorwurf vage, eher un- als berechtigt.

  • Der Vorwurf, sie glaubten nur an den einen Gott, der allmächtig ist.

Die Trinität wird zumindest angezweifelt nach diesem Vorwurf. Wie können wir ihn prüfen? Die Vernehmungsprotokolle geben berechtigtem ZWEIFEL NAHRUNG, daß dieses „Geständnis“ erpreßt wurde, zu häufig widerriefen die Templer vor dem Scheiterhaufen ihre AUSSAGEn. Einem Nominalisten wäre genau diese Frage gleichgültig gewesen: Wenn alles nur dem einen Gott, der weder fleisch- noch geistlos in dieser Welt herrscht, geschuldet ist, dann wird das FEGEFEUER SINNLOS, dann wird REINIGUNG sinnlos, als die das Scheiterhaufenfeuer, pars pro toto, angesehen wurde. Einem Templer, der die Trinität anzweifelt, ist der weltliche Profund gleichgültig; er braucht nicht zu widerrufen!
Dennoch ist die geistige Nähe zum NOMINALISMUS bei den Templern nicht zu leugnen: Waren vielleicht die Nähe zum Nominalismus der FRANZISKANER und die sich daraus ableitetenden politischen Folgerungen der tiefere Grund ihres Untergangs? Das ist schwierig zu beantworten und soll jetzt hier nicht geleistet sein. Trotzdem: Vorwurf unberechtigt.

Gleiche Beweisführung wie unter 4. Daß Jesus nicht für die Menschen starb, ist ein völlig gedankenloser Vorwurf an die Templer. Wohl kaum hätten sich die Templer, gerade die Templer, im Morgenland so hartnäckig verteidigt, wenn sie nicht an das Opfer von Gottes Sohn geglaubt hätten! Vorwurf unberechtigt!

  • Der Vorwurf, daß sie das ABENDMAHL schmähten, weil Jesus nicht Fleisch und BLUT Gottes gewesen, also auch durch Fleisch und Blut nicht präsent werden könne.

Dieser Vorwurf ist ABSURD wie die Vorwürfe 4 und 5, doch eben in dieser LOGIK stehend. Wenn nur der EINE Gott allmächtig Welt, Himmel und MENSCH schuf und dort waltet ohngewähr, so sind Sohn und Heiliger Geist überflüssig, gibt es keine Kreuzigung, also Baphomet, ist auch das Abendmahl überflüssig. Doch wie bereits in 4 und 5 angemerkt, werden die Templer wohl kaum hundertundfünfzig Jahre Christen genannt worden sein, wenn sie diese elementare Frage in bezug aufs Christsein verneint hätten. Also: Vorwurf unberechtigt!

Teilzusammenfassung: Ein Vorwurf scheint berechtigt zu sein, bei einem ist die Berechtigung eher haltlos als zutreffend zu nennen, vier scheiden vollkommen aus.

Was war diesen Befragungen hinsichtlich der Treue zur katholischen Kirche nach 1305 vorausgegangen?
Der Aufstieg der Templer verläuft parallel zur ansteigenden Macht des Papsttums, und gar mancher FÜRST versucht sich sein SEELEnheil nach einem lasterhaften Leben dadurch zu erkaufen, daß er dem Orden zumindest Teile seines Besitzes verschreibt; v.a. französische Begüterte beschenken den Orden reichlich, so daß insbesondere in Frankreich ein STAAT im Staate entstand, deutlich war dies auch in Portugal oder SPANIEN - allerdings stellten sich die Templer mit ihrer Heeresmacht in die Botmäßigkeit der jeweiligen weltlichen Herrscher, die kriegerische Auseinandersetzungen mit den sarazenischen Nachbarn führten -, schemenhaft in Deutschland - dort nahm der Deutschritterorden in etwa die Position der Templer ein, allerdings mit Schwerpunkt außerhalb der Reichsgrenzen im Osten - oder ITALIEN zu sehen.
Nach dem Fall Akkons 1291 verlor der Orden seine mutmaßliche historische Aufgabe, Verteidiger des Westens im Morgenlande zu sein. Akkon, welches sich zu einer Art von Strafkolonie für Übeltäter aus Europa entwickelt hatte, die dort weltlicher GERICHTSBARKEIT entfliehen wollten und SÜHNE durch den Kampf gegen die Heiden erhofften, fiel und die verwilderten Helfershelfer flohen nach Europa zurück, dort LOHN für ihre Dienste erheischend. Und hier sei die Frage gestattet, ob die Templer unter Jakob von Molay in Frankreich ein eigenes Reich gründen wollten? Zwar fielen 490 der 500 Templer - das waren nicht alle, doch sicherlich ein großer Teil des Ordens - bei der Verteidigung der letzten Bastion des Christentums, doch etliche Helfershelfer werden entkommen sein! - Berechnen wir nur das VERHÄLTNIS von 1:9 von Weißmantel zu Braunmantel - Bedeutung siehe weiter unten -, dann kommen wir auf knapp 4500 Helfershelfer allein in Akkon! - Das Hauptaugenmerk des Ordens konnte ab sofort nur der Politik im christlichen Abendland, vornehmlich in Frankreich, gelten, wo durch den Orden der Zweitgeborenen der Einfluß wuchs. Die Templer organisieren sich neu, nehmen Gesinde auf [bis zu 90% der Mitglieder, die Verwaltungsarbeiten u.ä realisierten], die braune Umhänge statt weißer tragen, jedoch Ordensrechte in Anspruch nehmen.
Die Bevölkerung in Frankreich, gebeutelt von der rigiden Sparpolitik des Königs, der eine mittelalterliche Spielart der Deflationspolitik betreibt, um seine Goldbestände möglichst hoch im WERT zu halten, sieht die wachsende Macht des reichen Ordens, der sich des Dünkels der Unantastbarkeit bedient und HOCHMUT lebt, sicherlich nicht mit freundlichen Augen. War der Auftrag der Templer nicht die Eroberung des Morgenlandes? Was wollten sie in Frankreich? mögen einige gemosert haben. Die Templer derweil suchen nach neuen Herausforderungen: Kongretationsversuche mit den Hospitalitern - Vorschlag Eduards von ENGLAND - SCHEITERN, ebenso ein Plan zur Wiedereroberung des Morgenlandes. - Papst Bonifatius VIII. regt den Plan zur Eroberung Jerusalems wiederholt an, u.a 1297, doch Bonifatius war mit Philipp zerstritten, wodurch keine starke Heeresmacht zusammengebracht werden kann.
Gehen wir chronologisch vor und prüfen v.a. das entscheidende Verhältnisse zwischen der weltlichen Macht in Frankreich und den Templern, die in Frankreich ihr Machtzentrum besaßen: 1299 leihen die Templer 500000 Livres - nach heutigem Geld ca. 4 Mrd. Euro Philipp für die Mitgift seiner Schwester. Philipp soll das Geld in fünf Jahren zurückzahlen! Vor Ablauf der Frist überträgt er 1303 die königlichen Einkünfte in Frankreich an den Templerorden. Daraus läßt sich ablesen, daß er das GELD nicht zurückzahlen wird; aus welchem Grunde auch immer. Wahrscheinlich wird’s die akute Finanznot des Königs gewesen sein; eine NOT, die ihn dazu zwang, den Münzfuß auf ein dem Volke unerträgliches Maß zu mindern, so daß der wütende Pövel den König beschimpfte. Der König sucht Zuflucht, bei den Templern! 1304 gewähren sie ihm Obdach und Brot, was Philipp mit der weltlichen Bestätigung all ihrer Privilegien vergilt. Vergilt? Ist im Gewähren eines Ist’s nicht schon der versteckte Anspruch enthalten, dieses Gewähren nach Gutdünken auch wieder zu entziehen? Philipp darf nach kanonischem Recht die vom Papste gewährten Rechte dem Templerorden nicht bestätigen. Spätestens 1304 also setzt eine Entwicklung ein, die eine scheinbare Einmütigkeit bekundend doch nur den Grundstein legt für die weiteren rechtlichen Auseinanderstzungen zwischen König- und Papsttum.
Nun, Philipp erholt sich wieder. Sein Berater Wilhelm von Nogaret schärft ihm ein, daß der einmal begangene und nicht vom Papst widersprochene Weg der Rechtsprechung gegenüber den Templern auch in umgekehrter Nutzanwendung - also zum Schaden der Templer- MÖGLICH wäre. Der REICHTUM lockt, die Ausschaltung eines Stolpersteins auf dem Wege zu unumschränkter Macht in Frankreich. Also handelt Philipp!

Es war die Macht im ALLGEMEINen, die er in Frankreich besaß und die im besonderen, v.a. gegenüber den französichen Bischöfen, die ihm die ENTSCHEIDUNG erleichterte, gegen die Templer vorzugehen. Die Macht über die französichen Bischöfe bot zudem einen erweiterten Zugriff - der Papst hatte auf das ihm vorbehaltene Recht, letzte Instanz zu sein, verzichtet- ; jeder Erzbischof nebst seinem Privatkonzil war eine von der Jurisdiktion des päpstlichen Untersuchungssenates verliehene INQUISITIONsberechtigung ausgestellt worden. Somit durfte jeder Erzbischof die Glaubensbefragung mißliebiger GEGNER anordnen, ohne darum von Rom zur Rechenschaft gezogen werden zu können. Clemens V. hatte sich zudem, um überhaupt Papst zu werden, der Dienste Philipps des Schönen versichert, der wiederum eine Art Freibrief als Gegenleistung verlangte und den nach seinem Gutdünken vorbringen konnte. Die Templer besaßen demnach keine Lobby mehr! Wenn der französische König nun wollte, dann mußte jeder Orden vor ihm kapitulieren und sich unterordnen.

Doch die Templer spüren nicht die Gefahr. Sie starten 1306 einen Kreuzzug in den griechischen Osten und bekämpfen rigide katholischen Glaubens seiende griechischsprachige Fürsten, statt den griechischen Patriarchen Andronikos II. energisch zu verfolgen. Der Kampf bleibt eher erfolglos. Die Templer lassen reiche Beute und Feinde zurück, die später gegen sie AUFSTEHEN werden. Im gleichen JAHR faßt Clemens V. einen neuen Plan zur Eroberung Palästinas: Wilhelm von Villaret, der Großmeister der Hospitaliter, und Molay sollen gemeinsam das Morgenland dem Christentum zurückgewinnen! Der Plan mißlingt und ausgeblutete und geschlagene Templer kommen 1307 nach Frankreich zurück!
Was war dort inzwischen geschehen? Im Frühjahr 1307 verlangt Philipp von Clemens V. die Schändung des Andenkens Bonifatius VIII., seines alten Gegners. Eine Schändung würde mit der Stärkung der königlichen Macht einhergehen, deshalb. Clemens verwehrt sich dagegen. Da zaubert Philipp, wohlweislich, den Brief hervor, der Clemens verpflichtet, ihm einen WUNSCH zu erfüllen. Wir erinnern uns dieses Blanko-Testats, das Clemens ausstellen mußte, um überhaupt mit Philipps Unterstützung Papst zu werden. Clemens muß solange stillhalten, bis Philipp den SCHATZ der Templer eingeheimst. Um an diesen zu kommen, müssen die Templer verdammt, verketzert werden. Philipp bestimmt Wilhelm von Paris 1307 mit der Aufgabe, die Befragung, inquisitio, der Templer vorzunehmen. Sofern Wilhlem, was angesichts der Befragungsmethoden unausweichlich scheint, die Templer beziehungsweise jeden einzelnen Templer der Ketzerei überführt haben wird, ist Philipp seine Schulden - 500000 in Gold - los, da bei Ketzern keine Schulden bezahlt werden mußten. Am FREITAG, dem 13. Oktober 1307 leistet Philipps treuer Berater Wilhelm von Nogaret die Verhaftung der Templer in Frankreich und führt diese der Befragung durch den Großinquisitor von Paris, Wilhelm von Paris, zu, der seines Amtes waltet und die Befragungen durchführt, die gegenüber Ketzern vorgeschrieben.
Der Vorgang der Verhaftung als solcher war rechtens, denn Philipp ließ diejenigen verhaften, die in seinem Gebiet ansässig waren und die der Ketzerei beschuldigt wurden. Soweit. Aber die Jurisdiktion verbot Befragungen der Templer von anderen als vom Papst, denn die Templer, als Orden, waren allein dem Papst Rechenschaft schuldig. Alles hing also am Papst. Die HIERARCHIE der Templer verbot Auflehnung; eine Auflehnung wäre mit dem Bruch ihres Gelübdes verbunden gewesen, so daß sie dann zurecht als Ketzer - als Meineidige vor Gottes Angesicht - beschuldigt hätten werden können. Der Papst hielt still, nach den ersten Befragungen - auf deren Inhalt wir noch zu SPRECHEN kommen werden -, die das erwartbare Ergebnis zeitigten, meldete er sich zu Wort. Das päpstliche Wort liegt nieder in der Bulle vom 22. 11. 1307, worin Clemens V. die Schuld der Templer behauptet, den Nachweis jedoch schuldig bleibt. Der Ausgleichsversuch zwischen päpstlichen Interessen und königlichen 1308 sieht vor, daß Philipp die zugesprochenen Templergelder nur für einen Krieg im Heiligen Land benutzen dürfe. Clemens V. gab seine Templer offensichtlich sehr schnell preis!
Der Leser hat erkannt, worum es ging beim STREITe: die Templer waren spätestens an diesem Punkte der Entwicklung verloren. Der Papst forderte nicht Genugtuung für die Templer, SEINEN Orden!, in FORM einer Reinwaschung von den ungeheuerlichen Vorwürfen, sondern er verhandelte um die Beute! Um diese Verhandlungsposition zu stärken, mußte er die Gegenkräfte des Königs stärken. Einen Anlaß bot die deutsche KÖNIGSWAHL 1308: Clemens setzt sich für Heinrich von Luxemburg ein, unterstützt nicht den nach der deutschen Krone schielenden französischen König. Der Einsatz lohnt sich für den Papst: Philipp wird zumindest nicht deutscher König! Gestärkt durch diesen Erfolg gegen den bislang scheinbar übermächtigen französischen König läßt er 1310 ein Konzil einberufen, um über die Geschicke des Ordens entscheiden zu lassen. Leider sind die Akten des Konzils aus dem päpstlichen ARCHIV verschwunden, so daß sich eine genaue historische Rekonstruktion nicht herstellen läßt. Fest steht, daß das Konzil von der damaligen Christenheit als die gemeinste Ungerechtigkeit angesehen wurde, aber man gehorchte den Umständen, dem Willen des Despoten. Verteidiger wurden ins GEFÄNGNIS geworfen; der Orden, ohne gehört zu werden, verurteilt. Das Konzil endete dennoch ohne klare Beschlüsse. Auch das genügte jedoch den Zuständen, wusch die Templer nicht rein, denn die allgemeine STIMMUNG war gegen die Templer, zumal Wilhelm von Nogaret in der Vorbereitung des Konzils ganze Arbeit geleistet hatte. So sammelte er Greuelmärchen über die Templer, die im Volke kursierten. Diese streute er nach Bedarf unter das eingeschüchterte Konsistorium, wohl wissend, welche WIRKUNG das GRAUEN erregt. So wurde beispielsweise die Ursprungsgeschichte der HERKUNFT des Symbolons der Templer-GESCHICHTE von den zwei Rittern auf einem Pferde - in dem Sinne umgedeutet, daß der hintere der Teufel gewesen sein soll, der den vorderen antrieb und Reichtum versprach. Abgesehen davon ist diese Deutung gleichzeitig doppelt wirksam, denn schwingt nicht die den Templern sowieso vorgeworfene Unzucht mit? So wird aus dem armen Ritter des Kreuzes ein unzüchtig-angetriebener und beutegieriger Haudrauf, der dem Teufel dient.
Von solchen Tricks begünstigt, konnte ein Jahr später, 1311, das Konzil zu Vienne die Auflösung des Ordens fordern. Sie taten’s, nachdem dem Konzil - auch Clemens V. war dort - einige Templer vorgeführt worden waren, die ihre Schuld eingestanden. Die befragten Templer gestanden:

  1. jeder Neophyte sollte dreimal hinter dem Altar aufs Kreuz spucken und den Propheten verleugnen;
  2. der entblößte Neophyte wurde dreimal geküßt - Rücken, Nabel, Mund;
  3. widernatürliche Unzucht;
  4. der Keuschheitsstrick, den jeder Templer über dem Hemde trug, wurde um das Götzenbild eines menschlichen Kopfes gewickelt, Baphomet, und in den Kapiteln angebetet und
  5. die PRIESTER weihten die HOSTIE nicht, wenn sie die MESSE zelebrierten.

Der Befragte hatte nur die Wahl zwischen Verzeihung und Feuertod. Doch beides hatte den TOD zur Folge. Verzeihung gegenüber Gott ist ohne Priester möglich, nicht jedoch gegenüber der Kirche - alte ZISTERZIENSER-Regel, die zudem von Thomas von Aquin gerechtfertigt ward -, woraus ein Ausstoß aus der Kirche folgte, als STRAFE quasi. Ein aus der Kirche Ausgestoßener konnte sein Seelenheil nur erlangen, indem er sich dem präpädeutenden Fegefeuer übergab, übergab er sich nicht, war seine Schuld erwiesen und der Feuertod wurde verkündet wie jedem Ungläubigen…
Nachdem die Befragten die oben aufgeführten Vergehen vor den versammelten Heiligkeiten gestanden hatten, wurden sie dem Scheiterhaufen zugeführt. Der traurige Ritter kehrt heim Der Scheiterhaufen bestand aus zusammengetragenem Reisig, das um einen Brennpfahl aus HOLZ gesteckt wurde. Stroh war ausdrücklich untersagt oder galt als Gnade, denn die Flammen sollten Glut bilden und fürchterliche Brandwunden erzeugen. Stroh erzeugt giftigen Rauch, der durch CO- und CO2-Emission tötet. Das sollte verhindert werden, also wurde der brennende Holzhaufen langsam zum Delinquenten geschoben.

Der REST ist schnell erzählt. Die Bulle vom 2.5.1312, ad providam, sagte zwar noch, daß der Orden gesetzlich nicht aufgehoben werden dürfe [Verfahrensgründe], aber die apostolische Provision und Verordnung befehle die Abschaffung und das dauernde Verbot für Neumitglieder, die die Exkommunikation zu erwarten hätten. Die einzelnen Mitglieder des Ordens hätten sich vor Provinzialkonzilien zu verantworten binnen Jahresfrist, die Anführer vor dem Papste selbst. Doch das waren bestenfalls Retardationen eines längst entschiedenen tragischen Prozesses; tragisch, weil eine Auflehnung durch die Templer gegen ihre bestehende Satzung gewesen wäre. Sie hatten v.a. Gehorsam zu leisten! Das Konsistorium von 1312 und die Bulle „Vox in excelsis“ nennen zwar wiederum die Verurteilung der Templer als kanonisch nicht rechtfertigbar, doch die Auflösung des Ordens wird als das beste bezeichnet. Diese Lösung wird angenommen, der Orden wird aufgelöst, ohne als schuldig befunden worden zu sein. Das nicht vom König bereits eingeheimste VERMÖGEN fällt an die Hospitaliter.

Nach dem Beschluß der Auflösung 1312 folgte der ZORN des Himmels: Feuer, die vom Himmel auf die Erde sprangen, Donner bei klarem Himmel… In PADUA warf eine Stute ein Füllen mit neun Füßen, in der Lombardei sah man Scharen von Vögeln unbekannter Art. In dem ganzen Gebiete von Padua folgte auf einen regnerischen Winter ein trockener Sommer mit Hagelschauern… In beinahe allen europäischen Ländern - Deutschland und Portugal ausgenommen - wurden die Templer verfolgt und ausgerottet. Die Gründe für die beiden Ausnahmen: In Deutschland existierten starke Widerstände gegen die Ausrottung wegen der empfundenen Ungerechtigkeit, die man den Templern angetan; in Portugal: Der Bischof von Lissabon empfand die Papstanklage als unbegründet, aus DANKBARKEIT für die geleisteten Dienste gegen die Sarazenen gründete er den „Orden Jesus Christus“ oder „Orden von Avis“ und erlangte 1318 von Papst Johann XXII. die Approbation desselben; dieser Orden war die sichere Zuflucht für die portugiesischen Templer, die Rang und Ländereien behielten. Aber das sind schon Geschichten, die nach dem Tode der personae dramatis stattfanden. Gehen wir auch am Ende systematisch vor! Wie erging es den „Helden“?
Jakob von Molay sah eine Rechtfertigung erst 1314 als berechtigt an, als die Anklage gegen ihn persönlich erhoben wurde: „Ich bin nicht schuldig, nur in dem Sinne als ich, um mein eigenes Leben zu retten, meinen Orden schmählich verraten habe. Der Orden ist rein und heilig; die Anklagen sind erdichtet, die Geständnisse falsch“, rief er aus, als sein URTEIL längst gesprochen war. Der Tod war ihm gewiß, denn ein widerrufender Ketzer wird sofort verbrannt! Clemens starb einen MONAT nach Jakob an einer ekelhaften KRANKHEIT namens lupus, Hauttuberkulose, Philipp 1314, acht Monate nach Jakob von Molay, bei einem Jagdunfall.

Fazit: Der UNTERGANG der Templer veranschaulicht deutlicher als irgend etwas anderes, wie hilflos das selbst noch so hochgestellte Opfer war, sobald die verhängnisvolle Anklage wegen Ketzerei einmal erhoben worden war und von den Agenten der Inquisition durchgeführt wurde. Es bedurfte nur gewissenloser und geschickter Männer, um erfolgreich zu sein.

templer.txt · Zuletzt geändert: 2019/08/11 08:50 von Robert-Christian Knorr