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machtfestigung

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 Ich möchte das bezweifeln. Hitler war einfach dran; demokratische Spielregeln konnten Hindenburg nicht länger daran hindern, Hitler zum Kanzler zu ernennen. Er hatte es jahrelang mit Kanzlern versucht, die im Reichstag keine Mehrheit besaßen und ihnen über den Notverordnungsartikel 48 geholfen; das war kein [[Zustand]] von [[Dauer]]. Mit Hitler war eine solche dauerhaftere Lösung (1933) dann [[möglich]], wenn es gelänge, ihn zu zähmen. Die wenigen Nationalsozialisten schienen tatsächlich von Repräsentanten der alten Machtgruppen eingerahmt zu sein: Neben dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler saßen lediglich Wilhelm Frick als Reichsinnenminister und Hermann [[Göring]] als Minister ohne Geschäftsbereich und kommissarischer preußischer Innenminister im Kabinett. Hinzu kam, daß keines der Kabinettsmitglieder der NSDAP über eine größere Regierungs- und Verwaltungserfahrung oder über eine längere parlamentarische [[Erfahrung]] verfügte, wenn man von der kurzen Amtszeit Görings als Reichstagspräsident (seit den Juliwahlen 1932) einmal absah. Hitler hatte zuvor den Reichstag nie betreten, und seine Unterführer hatten die Parlamente in [[Reich]] und Ländern nur als Bühne für ihr agitatorisches Auftreten benutzt. Ich möchte das bezweifeln. Hitler war einfach dran; demokratische Spielregeln konnten Hindenburg nicht länger daran hindern, Hitler zum Kanzler zu ernennen. Er hatte es jahrelang mit Kanzlern versucht, die im Reichstag keine Mehrheit besaßen und ihnen über den Notverordnungsartikel 48 geholfen; das war kein [[Zustand]] von [[Dauer]]. Mit Hitler war eine solche dauerhaftere Lösung (1933) dann [[möglich]], wenn es gelänge, ihn zu zähmen. Die wenigen Nationalsozialisten schienen tatsächlich von Repräsentanten der alten Machtgruppen eingerahmt zu sein: Neben dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler saßen lediglich Wilhelm Frick als Reichsinnenminister und Hermann [[Göring]] als Minister ohne Geschäftsbereich und kommissarischer preußischer Innenminister im Kabinett. Hinzu kam, daß keines der Kabinettsmitglieder der NSDAP über eine größere Regierungs- und Verwaltungserfahrung oder über eine längere parlamentarische [[Erfahrung]] verfügte, wenn man von der kurzen Amtszeit Görings als Reichstagspräsident (seit den Juliwahlen 1932) einmal absah. Hitler hatte zuvor den Reichstag nie betreten, und seine Unterführer hatten die Parlamente in [[Reich]] und Ländern nur als Bühne für ihr agitatorisches Auftreten benutzt.
  
-Doch ließ sich Hitler zähmen? Hitler war in seiner [[Partei]] damit beschäftigt, sie machtfähig zu organisieren. Dazu mußte er den linken Flügel (SA) neu aufstellen. In dieser Gruppierung gab es nämlich starke Stimmen, die sich an dem bis 1928 geltenden Grundsatzpapier [[Wirtschaftspolitik#nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik]] orientierten und eine wirkliche [[Revolution]] planten, die bis an die Grundfesten der kapitalistischen [[Wert]]- und Wirtschaftsordnung gehen sollte.\\+Doch ließ sich Hitler [[zähmen]]? Hitler war in seiner [[Partei]] damit beschäftigt, sie machtfähig zu organisieren. Dazu mußte er den linken Flügel (SA) neu aufstellen. In dieser Gruppierung gab es nämlich starke Stimmen, die sich an dem bis 1928 geltenden Grundsatzpapier [[Wirtschaftspolitik#nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik]] orientierten und eine wirkliche [[Revolution]] planten, die bis an die Grundfesten der kapitalistischen [[Wert]]- und Wirtschaftsordnung gehen sollte.\\
  
 [[Wirtschaftsprogramm#nationalsozialistisches Wirtschaftsprogramm]] 1928: [[Wirtschaftsprogramm#nationalsozialistisches Wirtschaftsprogramm]] 1928:
-  - Bodenreform → neues [[Recht]] für Bodenbesitz und Vererbung; Förderung wertvoller Bodenstämme; Stetigkeit des Grundbesitzes +  - Bodenreform → neues [[Recht]] für Bodenbesitz und Vererbung; Förderung wertvoller Bodenstämme; Stetigkeit des Grundbesitzes; 
-  - Ablehnung der Überindustrialisierung +  - Ablehnung der Überindustrialisierung; 
-  - Entschuldung des Bauernstandes → Einführung des Landarbeiterrechts +  - Entschuldung des Bauernstandes → Einführung des Landarbeiterrechts; 
-  - Kampf gegen Kapitalismus und Trustbildung +  - Kampf gegen [[Kapitalismus]] und Trustbildung; 
-  - Zurückdrängung der Gewerkschaften +  - Zurückdrängung der Gewerkschaften; 
-  - Verstaatlichung der Großbanken +  - Verstaatlichung der Großbanken (kleine und solide wirtschaftende Privatbanken bleiben bestehen, denn die Nationalsozialisten waren keine Gegner des Privateigentums, sofern es nicht auf dem Zins beruhte); 
-  - Beseitigung der Zinsknechtschaft +  - Beseitigung der Zinsknechtschaft; 
-  - bergeldloser Zahlungsverkehr +  - bargeldloser Zahlungsverkehr; 
-  - Lockerung des Privateigentums gegenüber der Überspannung dieses [[Begriff#Begriffs]] im römischen Privatrecht +  - Lockerung des Privateigentums gegenüber der Überspannung dieses [[Begriff#Begriffs]] im römischen Privatrecht; 
-  - Ausbau des Ständegedankens +  - Ausbau des Ständegedankens; 
-  - Mittelstandspolitik +  - Mittelstandspolitik; 
-  - Kampf gegen Frauenarbeit und Frauenbewegung +  - Kampf gegen Frauenarbeit und [[Frauenbewegung]]: die [[Frau]] ist zuerst Mutter und Hausfrau → das Fräulein allerdings steht, sofern es das will, im Wettbewerb mit den arbeitenden Männern (!); 
-  - Beseitigung der Wohnungsnot +  - Beseitigung der Wohnungsnot; 
-  - Abschaffung der Warenhäuser und Konsumvereine +  - Abschaffung der Warenhäuser und Konsumvereine; 
-  - Altersversorgung; Arbeitsdienstpflicht +  - Altersversorgung; Arbeitsdienstpflicht; 
-  - [[Autarkie]] der [[Wirtschaft]] +  - [[Autarkie]] der [[Wirtschaft]]; 
-  - Lösung der Währung vom [[Gold]] +  - Lösung der Währung vom [[Gold]]; 
-  - Aufhebung der [[Steuern]]+  - [[Aufhebung]] der [[Steuern]];
   - Abschaffung des Zinses.   - Abschaffung des Zinses.
  
 Und dazu war ihnen jedes [[Mittel]] recht. Zudem bot sich durch eine solche Mobilisierungskampagne die Chance, von den parteiinternen Konflikten mit einzelnen SA-Abteilungen abzulenken und den ungeduldigen Aktivisten der nationalsozialistischen Bewegung eine politische Betätigung zu bieten. Darum setzten die Nationalsozialisten bald nach der Machtübertragung an die Regierung Hitler nicht nur alle staatlichen Mittel für ihre Wahlpropaganda ein, sondern auch SA-Stürme, die überall im Lande mit ihren nun staatlich geduldeten [[Rache]]- und Einschüchterungsfeldzügen vor allem gegen die politischen [[Gegner]] von links begannen. Parteibüros und Zeitungsredaktionen von [[KPD]] und [[SPD]] wurden gestürmt und vernichtet, sozialdemokratische und kommunistische [[Politiker]] niedergeschrien, gejagt, mißhandelt und schließlich in Keller und Lagerhallen, sogenannte wilde „Konzentrationslager“ verschleppt. Und dazu war ihnen jedes [[Mittel]] recht. Zudem bot sich durch eine solche Mobilisierungskampagne die Chance, von den parteiinternen Konflikten mit einzelnen SA-Abteilungen abzulenken und den ungeduldigen Aktivisten der nationalsozialistischen Bewegung eine politische Betätigung zu bieten. Darum setzten die Nationalsozialisten bald nach der Machtübertragung an die Regierung Hitler nicht nur alle staatlichen Mittel für ihre Wahlpropaganda ein, sondern auch SA-Stürme, die überall im Lande mit ihren nun staatlich geduldeten [[Rache]]- und Einschüchterungsfeldzügen vor allem gegen die politischen [[Gegner]] von links begannen. Parteibüros und Zeitungsredaktionen von [[KPD]] und [[SPD]] wurden gestürmt und vernichtet, sozialdemokratische und kommunistische [[Politiker]] niedergeschrien, gejagt, mißhandelt und schließlich in Keller und Lagerhallen, sogenannte wilde „Konzentrationslager“ verschleppt.
  
-Diese paradoxe Mischung von scheinbarer Legalität und gleichzeitigem Terror, von ungezügelter Massenmobilisierung und der Fortsetzung autoritärer Regierung, diese Verbindung von [[Tradition]] und Revolution, von [[Rhetorik]] und [[Gewalt]], bei denen man sich wohltönender Volksgemeinschaftsparolen bediente und zugleich die politischen Gegner unbarmherzig verfolgte, gehört zu den wesentlichen Bestandteilen der Machteroberung einer modernen [[Diktatur]]. Dadurch ist seither unser Bild von totalitären Herrschaftstechniken entscheidend geprägt.+Diese paradoxe Mischung von scheinbarer Legalität und gleichzeitigem [[Terror]], von ungezügelter Massenmobilisierung und der Fortsetzung autoritärer Regierung, diese Verbindung von [[Tradition]] und Revolution, von [[Rhetorik]] und [[Gewalt]], bei denen man sich wohltönender Volksgemeinschaftsparolen bediente und zugleich die politischen Gegner unbarmherzig verfolgte, gehört zu den wesentlichen Bestandteilen der Machteroberung einer modernen [[Diktatur]]. Dadurch ist seither unser Bild von totalitären Herrschaftstechniken entscheidend geprägt.
  
-Waren sich die Mehrheit der politischen Verbündeten und auch der [[Gegner]] darum einig, daß die Nationalsozialisten im für sie ungewohnten Regierungsgeschäft bald [[politisch]] abwirtschaften würden, so sollte sich bald das [[Gegenteil]] herausstellen. Im April 1933 berichtete der französische Botschafter André François-Ponçet nach [[Paris]]: //„Als am 30. Januar das Kabinett Hitler/Papen an die Macht kam, versicherte man, daß in der Regierung die Deutschnationalen [...] Hitler und seinen Mitkämpfern Paroli bieten würden, daß die Nationalsozialisten mit der Feindschaft der Arbeiterklasse zu rechnen haben und daß schließlich die Katholiken der [[Zentrum#Zentrumspartei]] die Legalität verteidigen würden. Sechs Wochen später muß man feststellen, daß all diese Dämme, die die Flut der Hitler-Bewegung [[zurückhalten]] sollten, von der ersten [[Welle]] hinweggespült wurden.“//\\+Waren sich die Mehrheit der politischen Verbündeten und auch der [[Gegner]] darum einig, daß die Nationalsozialisten im für sie ungewohnten Regierungsgeschäft bald [[politisch]] abwirtschaften würden, so sollte sich bald das [[Gegenteil]] herausstellen. Im [[April]] 1933 berichtete der französische Botschafter André François-Ponçet nach [[Paris]]: //„Als am 30. Januar das Kabinett Hitler/Papen an die Macht kam, versicherte man, daß in der Regierung die Deutschnationalen [...] Hitler und seinen Mitkämpfern Paroli bieten würden, daß die Nationalsozialisten mit der Feindschaft der Arbeiterklasse zu rechnen haben und daß schließlich die Katholiken der [[Zentrum#Zentrumspartei]] die Legalität verteidigen würden. Sechs Wochen später muß man feststellen, daß all diese Dämme, die die Flut der Hitler-Bewegung [[zurückhalten]] sollten, von der ersten [[Welle]] hinweggespült wurden.“//\\
 Daß die Dämme nicht hielten, hatte viele Gründe: Sicherlich war einer davon die Dynamik der nationalsozialistischen Bewegung, die nun endlich ihre Chance zur Abrechnung mit dem politischen Gegner, zu Aufstieg und Macht gekommen sah. Auch die propagandistischen Verführungskünste der Nationalsozialisten zusammen mit den nationalen Erlösungs- und Veränderungserwartungen des Publikums spielten eine [[Rolle]]. Ebenso entscheidend war auch die [[Schwäche]] der Dämme in [[Politik]], [[Verwaltung]] und [[Gesellschaft]] selbst, die äußerlich zwar nach wie vor mächtig wirkten, innerlich schon längst unterminiert waren und an [[Selbstvertrauen]] verloren hatten.\\ Daß die Dämme nicht hielten, hatte viele Gründe: Sicherlich war einer davon die Dynamik der nationalsozialistischen Bewegung, die nun endlich ihre Chance zur Abrechnung mit dem politischen Gegner, zu Aufstieg und Macht gekommen sah. Auch die propagandistischen Verführungskünste der Nationalsozialisten zusammen mit den nationalen Erlösungs- und Veränderungserwartungen des Publikums spielten eine [[Rolle]]. Ebenso entscheidend war auch die [[Schwäche]] der Dämme in [[Politik]], [[Verwaltung]] und [[Gesellschaft]] selbst, die äußerlich zwar nach wie vor mächtig wirkten, innerlich schon längst unterminiert waren und an [[Selbstvertrauen]] verloren hatten.\\
 Zu welchen Zielen Hitler die Macht in einem autoritären Führerstaat nutzen wollte, das offenbarte er in einer vertraulichen Rede vor Truppen- und Wehrkreisbefehlshabern am 3.Februar 1933. Um die „Wiederwehrhaftmachung“ des deutschen Volkes zu erreichen, sollten [[Parlamentarismus]] und Demokratie abgeschafft werden. In dem überlieferten Stichwortprotokoll eines Beteiligten heißt es dazu: //„Völlige Umkehrung der gegenwärtigen Zustände in Deutschland. Keine Duldung der Betätigung irgendeiner [[Gesinnung]], die dem [[Ziel]] entgegensteht ([[Pazifismus]]!). Wer sich nicht bekehren läßt, muß gebeugt werden. Ausrottung des Marxismus mit Stumpf und Stiel. [...] Todesstrafe für Landes- und Volksverrat. Straffste autoritäre Staatsführung. Beseitigung des Krebsschadens der Demokratie.“//\\ Zu welchen Zielen Hitler die Macht in einem autoritären Führerstaat nutzen wollte, das offenbarte er in einer vertraulichen Rede vor Truppen- und Wehrkreisbefehlshabern am 3.Februar 1933. Um die „Wiederwehrhaftmachung“ des deutschen Volkes zu erreichen, sollten [[Parlamentarismus]] und Demokratie abgeschafft werden. In dem überlieferten Stichwortprotokoll eines Beteiligten heißt es dazu: //„Völlige Umkehrung der gegenwärtigen Zustände in Deutschland. Keine Duldung der Betätigung irgendeiner [[Gesinnung]], die dem [[Ziel]] entgegensteht ([[Pazifismus]]!). Wer sich nicht bekehren läßt, muß gebeugt werden. Ausrottung des Marxismus mit Stumpf und Stiel. [...] Todesstrafe für Landes- und Volksverrat. Straffste autoritäre Staatsführung. Beseitigung des Krebsschadens der Demokratie.“//\\
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 Die Kommunisten erwiesen in dieser Zeit den Nazis eine unvorstellbare Hilfe. In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 brannte der Reichstag. Gegen 21 Uhr war der Brand bemerkt worden, eine knappe halbe Stunde später wurde der verwirrte holländische Anarchokommunist Marinus van der Lubbe im brennenden Gebäude festgenommen. In seiner Hosentasche befand sich das Parteibuch der Kommunisten. Bei seiner Verhaftung stieß er das Wort „Protest“ aus und gestand diese und drei vorausgehende, kleinere Brandstiftungen. \\ Die Kommunisten erwiesen in dieser Zeit den Nazis eine unvorstellbare Hilfe. In der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933 brannte der Reichstag. Gegen 21 Uhr war der Brand bemerkt worden, eine knappe halbe Stunde später wurde der verwirrte holländische Anarchokommunist Marinus van der Lubbe im brennenden Gebäude festgenommen. In seiner Hosentasche befand sich das Parteibuch der Kommunisten. Bei seiner Verhaftung stieß er das Wort „Protest“ aus und gestand diese und drei vorausgehende, kleinere Brandstiftungen. \\
 Die deutschen Kommunisten, und nicht nur die, schrien [[Verrat]] und warfen den Nazis vor, den Brand selbst gelegt zu haben. Zu gut konnte das den Nazis nur passen. Seither gehört die Frage nach der Täterschaft zu den immer wieder diskutierten Fragen der Kriminalistik und politischen Strafprozeßgeschichte. Für die Nationalsozialisten stand noch in der Brandnacht fest, daß es sich um eine kommunistische Verschwörung handelte. Ein SPIEGEL-Artikel aus dem Jahre 2003 belegte nun aber endgültig die [[Schuld]] van der Lubbes, konnte aber nicht nachweisen, daß er im Auftrag handelte. \\ Die deutschen Kommunisten, und nicht nur die, schrien [[Verrat]] und warfen den Nazis vor, den Brand selbst gelegt zu haben. Zu gut konnte das den Nazis nur passen. Seither gehört die Frage nach der Täterschaft zu den immer wieder diskutierten Fragen der Kriminalistik und politischen Strafprozeßgeschichte. Für die Nationalsozialisten stand noch in der Brandnacht fest, daß es sich um eine kommunistische Verschwörung handelte. Ein SPIEGEL-Artikel aus dem Jahre 2003 belegte nun aber endgültig die [[Schuld]] van der Lubbes, konnte aber nicht nachweisen, daß er im Auftrag handelte. \\
-Die nationalsozialistische Führung wurde vom Reichstagsbrand offensichtlich überrascht und reagierte zunächst hysterisch. Nach den ersten Informationen über den Täter und von einem Augenzeugen, der kurz vor dem Brand noch kommunistische Abgeordnete im Reichstag gesehen haben wollte, stand für Göring fest: //„Das ist der Beginn des kommunistischen Aufstandsversuches, sie werden jetzt losschlagen. Es darf keine Minute versäumt werden.“// Hitler überbot ihn in der Androhung radikaler Verfolgungsmaßnahmen. //„Es gibt kein Erbarmen; wer sich uns in den Weg stellt, wird niedergemacht. Das deutsche Volk wird für Milde kein [[Verständnis]] haben. Jeder kommunistische Funktionär wird erschossen, wo er angetroffen wird. Die kommunistischen Abgeordneten müssen noch in dieser Nacht aufgehängt werden. Alles ist festzusetzen, was mit den Kommunisten im Bunde steht. Auch gegen Sozialdemokraten und Reichsbanner gibt es jetzt keine Schonung mehr.“// +Die nationalsozialistische Führung wurde vom [[Reichstagsbrand]] offensichtlich überrascht und reagierte zunächst hysterisch. Nach den ersten Informationen über den Täter und von einem Augenzeugen, der kurz vor dem Brand noch kommunistische Abgeordnete im Reichstag gesehen haben wollte, stand für Göring fest: //„Das ist der Beginn des kommunistischen Aufstandsversuches, sie werden jetzt losschlagen. Es darf keine Minute versäumt werden.“// Hitler überbot ihn in der Androhung radikaler Verfolgungsmaßnahmen. //„Es gibt kein Erbarmen; wer sich uns in den Weg stellt, wird niedergemacht. Das deutsche Volk wird für Milde kein [[Verständnis]] haben. Jeder kommunistische Funktionär wird erschossen, wo er angetroffen wird. Die kommunistischen Abgeordneten müssen noch in dieser Nacht aufgehängt werden. Alles ist festzusetzen, was mit den Kommunisten im Bunde steht. Auch gegen Sozialdemokraten und Reichsbanner gibt es jetzt keine Schonung mehr.“// 
  
  
 ==== Etappe III: Nach dem Reichstagsbrand ==== ==== Etappe III: Nach dem Reichstagsbrand ====
  
-Auf diesen Ausbruch einer wilden [[Bürgerkrieg]]smentalität überstürzten sich die Anordnungen an die Polizeibehörden: Alle kommunistischen Abgeordneten und Funktionäre sollten verhaftet werden, auch die SPD und ihre Presse wurden in die Verfolgung einbezogen. Zur Legalisierung der Aktionen schlug der Staatssekretär im preußischen Innenministerium Ludwig Grauert noch in der Nacht eine „Notverordnung gegen Brandstiftung und Terrorakte“ vor. Am nächsten Morgen wurde dann unter Verwendung entsprechender Pläne der [[Regierung]] Papen für den militärischen Ausnahmezustand der Entwurf einer „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ (Reichstagsbrandverordnung) vorgelegt, dessen Inhalt weit über die nächtlichen Vorschläge hinausging und im Laufe des Tages noch verschärft wurde. Nun enthielt der [[Text]] einen ganzen Katalog von zum Teil vorhandenen Straftatbeständen, die jetzt nachträglich mit der [[Todesstrafe]] bedroht wurden (so insbesondere [[Hochverrat]] und Brandstiftung). Hinzu kam die Sanktionierung des zivilen Ausnahmezustandes.+Auf diesen Ausbruch einer wilden [[Bürgerkrieg]]smentalität überstürzten sich die Anordnungen an die Polizeibehörden: Alle kommunistischen Abgeordneten und Funktionäre sollten verhaftet werden, auch die SPD und ihre Presse wurden in die Verfolgung einbezogen. Zur Legalisierung der Aktionen schlug der Staatssekretär im preußischen Innenministerium Ludwig Grauert noch in der Nacht eine „Notverordnung gegen Brandstiftung und Terrorakte“ vor. Am nächsten Morgen wurde dann unter Verwendung entsprechender Pläne der [[Regierung]] Papen für den militärischen [[Ausnahmezustand]] der Entwurf einer „Verordnung zum Schutz von Volk und Staat“ (Reichstagsbrandverordnung) vorgelegt, dessen Inhalt weit über die nächtlichen Vorschläge hinausging und im Laufe des Tages noch verschärft wurde. Nun enthielt der [[Text]] einen ganzen Katalog von zum Teil vorhandenen Straftatbeständen, die jetzt nachträglich mit der [[Todesstrafe]] bedroht wurden (so insbesondere [[Hochverrat]] und Brandstiftung). Hinzu kam die Sanktionierung des zivilen Ausnahmezustandes.
  
  
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 Die Gleichschaltung der Länder vollzog sich zwischen dem 5. und 9. März 1933 in der bereits bewährten Taktik nationalsozialistischer Machteroberung durch das Ineinandergreifen zweier Strategien: durch revolutionäre Aktionen auf der Straße von unten und durch scheinlegale, administrative Maßnahmen der Reichsregierung von oben. Begründet wurden die Aktionen mit dem Wahlsieg der NSDAP, den man nun in Ländern und Kommunen nachvollziehen müsse. Das entsprach weder den Wahlergebnissen noch den Verfassungsgrundsätzen des [[Föderalismus]], aber das zählte nicht mehr. Überall forderten die Nationalsozialisten die Einsetzung von Reichskommissaren oder die Beteiligung an der Landesregierung bzw. die Posten von Bürgermeistern und Polizeipräsidenten. Die Gleichschaltung der Länder vollzog sich zwischen dem 5. und 9. März 1933 in der bereits bewährten Taktik nationalsozialistischer Machteroberung durch das Ineinandergreifen zweier Strategien: durch revolutionäre Aktionen auf der Straße von unten und durch scheinlegale, administrative Maßnahmen der Reichsregierung von oben. Begründet wurden die Aktionen mit dem Wahlsieg der NSDAP, den man nun in Ländern und Kommunen nachvollziehen müsse. Das entsprach weder den Wahlergebnissen noch den Verfassungsgrundsätzen des [[Föderalismus]], aber das zählte nicht mehr. Überall forderten die Nationalsozialisten die Einsetzung von Reichskommissaren oder die Beteiligung an der Landesregierung bzw. die Posten von Bürgermeistern und Polizeipräsidenten.
  
-Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, kam es zusätzlich zu organisierten Kundgebungen des „Volkszornes“. Nationalsozialistische Demonstranten, meistens SA-Männer oder Parteiaktivisten rückten vor die Rathäuser und Regierungsgebäude, verlangten das Hissen einer Hakenkreuzfahne und drohten mit der Erstürmung der Gebäude. Dies wiederum nutzte der Reichsinnenminister dann als Vorwand, um unter Berufung auf Artikel 2 der „Reichstagsbrandverordnung“ einzugreifen. Er setzte die Landesregierung ab und setzte einen Kommissar, meist den zuständigen Gauleiter der NSDAP oder einen anderen führenden Nationalsozialisten, ein und ernannte auch kommissarische Polizeipräsidenten. Die politischen Gegner der Nazis waren nicht in der Lage, dem Einhalt zu gebieten; sie hatten den Kampf verloren und fügten sich. Hunderttausende Kommunisten gingen in die Reihen der SA über! Die Länderregierungen waren so gut wie funktionsunfähig, weil sie, wie in Bayern, Württemberg, Hessen, [[Sachsen]] und Hamburg, keine parlamentarischen Mehrheiten besaßen und nur noch geschäftsführend im Amt waren. Dieses [[Vakuum]] der politischen Macht nutzten die SA-Horden aus und besetzten in Akten anarchistischen Revoluzzertums die Rathäuser und Gemeinden im Reich. Nach und nach.  \\+Um diesen Forderungen Nachdruck zu verleihen, kam es zusätzlich zu organisierten Kundgebungen des „Volkszornes“. Nationalsozialistische Demonstranten, meistens SA-Männer oder Parteiaktivisten rückten vor die Rathäuser und Regierungsgebäude, verlangten das Hissen einer Hakenkreuzfahne und drohten mit der Erstürmung der Gebäude. Dies wiederum nutzte der Reichsinnenminister dann als Vorwand, um unter Berufung auf Artikel 2 der „Reichstagsbrandverordnung“ einzugreifen. Er setzte die Landesregierung ab und setzte einen Kommissar, meist den zuständigen Gauleiter der NSDAP oder einen anderen führenden Nationalsozialisten, ein und ernannte auch kommissarische Polizeipräsidenten. Die politischen Gegner der Nazis waren nicht in der Lage, dem Einhalt zu gebieten; sie hatten den Kampf verloren und fügten sich. Hunderttausende Kommunisten gingen in die Reihen der SA über! Die Länderregierungen waren so gut wie funktionsunfähig, weil sie, wie in Bayern, Württemberg, Hessen, [[Sachsen]] und [[Hamburg]], keine parlamentarischen Mehrheiten besaßen und nur noch geschäftsführend im Amt waren. Dieses [[Vakuum]] der politischen Macht nutzten die SA-Horden aus und besetzten in Akten anarchistischen Revoluzzertums die Rathäuser und Gemeinden im Reich. Nach und nach.  \\
 Politische Widerständler wanderten in erste KZs. //Am Mittwoch wird in der Nähe von Dachau das erste [[Konzentrationslager]] mit einem Fassungsvermögen für 5000 Menschen errichtet werden. Hier werden die gesamten kommunistischen und, soweit dies [[notwendig]] ist, Reichsbanner- und sozialdemokratischen Funktionäre, die die Sicherheit des Staates gefährden, zusammengezogen, da es auf die Dauer nicht möglich ist und den Staatsapparat zu sehr belastet, diese Funktionäre in den Gerichtsgefängnissen unterzubringen. Es hat sich gezeigt, daß es nicht angängig ist, diese Leute in die Freiheit zu lassen, da sie weiter hetzen und Unruhe stiften. Im [[Interesse]] der Sicherheit des Staates müssen wir diese Maßnahmen treffen ohne Rücksicht auf kleinliche Bedenken. [[Polizei]] und Innenministerium sind überzeugt, daß sie damit zur Beruhigung der gesamten nationalen Bevölkerung und in ihrem Sinne handeln.// („Völkischer Beobachter“ vom 21.März 1933) Politische Widerständler wanderten in erste KZs. //Am Mittwoch wird in der Nähe von Dachau das erste [[Konzentrationslager]] mit einem Fassungsvermögen für 5000 Menschen errichtet werden. Hier werden die gesamten kommunistischen und, soweit dies [[notwendig]] ist, Reichsbanner- und sozialdemokratischen Funktionäre, die die Sicherheit des Staates gefährden, zusammengezogen, da es auf die Dauer nicht möglich ist und den Staatsapparat zu sehr belastet, diese Funktionäre in den Gerichtsgefängnissen unterzubringen. Es hat sich gezeigt, daß es nicht angängig ist, diese Leute in die Freiheit zu lassen, da sie weiter hetzen und Unruhe stiften. Im [[Interesse]] der Sicherheit des Staates müssen wir diese Maßnahmen treffen ohne Rücksicht auf kleinliche Bedenken. [[Polizei]] und Innenministerium sind überzeugt, daß sie damit zur Beruhigung der gesamten nationalen Bevölkerung und in ihrem Sinne handeln.// („Völkischer Beobachter“ vom 21.März 1933)
  
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 Am 24.März 1933 marschierten vor der Kroll-Oper, wo der Reichstag nun in Zukunft tagen sollte, SA-Verbände auf. Hitler kam in Parteiuniform. Nach Artikel 76 der Weimarer [[Reichsverfassung]] benötigten „Beschlüsse des Reichstages auf Abänderung der Verfassung“ eine Zweidrittelmehrheit, sofern mindestens auch „zwei Drittel der gesetzlichen Mitgliederzahl anwesend sind.“ Die 81 KPD-Abgeordneten waren rechtswidrig erst gar nicht eingeladen worden und 26 SPD-Abgeordnete waren bereits verhaftet oder geflohen, weil sie in einen Gegensatz zu den von den Nazis bereits erlassenen Gesetzen gebracht werden konnten7. Für die Zweidrittelmehrheit fehlten nur einige Stimmen, die vom ZENTRUM oder der BVP kommen mußten. In mehrtägigen Gesprächen mit den Vertretern des politischen [[Katholizismus]] waren Zusagen gemacht worden, auf die Hitler in seiner Rede werbend einging, indem er vor allem die Rechte der Kirchen einzuhalten versprach.\\ Am 24.März 1933 marschierten vor der Kroll-Oper, wo der Reichstag nun in Zukunft tagen sollte, SA-Verbände auf. Hitler kam in Parteiuniform. Nach Artikel 76 der Weimarer [[Reichsverfassung]] benötigten „Beschlüsse des Reichstages auf Abänderung der Verfassung“ eine Zweidrittelmehrheit, sofern mindestens auch „zwei Drittel der gesetzlichen Mitgliederzahl anwesend sind.“ Die 81 KPD-Abgeordneten waren rechtswidrig erst gar nicht eingeladen worden und 26 SPD-Abgeordnete waren bereits verhaftet oder geflohen, weil sie in einen Gegensatz zu den von den Nazis bereits erlassenen Gesetzen gebracht werden konnten7. Für die Zweidrittelmehrheit fehlten nur einige Stimmen, die vom ZENTRUM oder der BVP kommen mußten. In mehrtägigen Gesprächen mit den Vertretern des politischen [[Katholizismus]] waren Zusagen gemacht worden, auf die Hitler in seiner Rede werbend einging, indem er vor allem die Rechte der Kirchen einzuhalten versprach.\\
-Die Verhandlungen mit den Nationalsozialisten im Vorfeld der Reichstagssitzung hatten die Zentrumsfraktion vor eine schwere innere Zerreißprobe gestellt. Gegen den Willen einer Minderheit um Heinrich Brüning und Adam Stegerwald setzte sich der Parteivorsitzende Prälat Ludwig Kaas, ohnehin ein Verfechter einer autoritären nationalen Sammlungspolitik, schließlich durch. Seine [[Argument#Argumente]] waren durchaus einleuchtend, aber gleichwohl verhängnisvoll. Das Ermächtigungsgesetz ändere in der politischen [[Wirklichkeit]] nichts an der Herrschaft Hitlers. Viele Zentrumsangehörige wechselten in die NSDAP und verbanden das mit dem [[Wunsch]] nach mehr direkter Demokratie. Schließlich belastete das Zentrum das [[Trauma]] des Kulturkampfes unter Bismarck, der mit der Einführung der Alleingültigkeit der Zivil[[ehe]]n und der staatlichen [[Schulaufsicht]] zu wesentlichen Einbußen der kirchlichen Disziplinargewalt im öffentlichen Leben beigetragen hatte. Man wollte nicht noch einmal in die Rolle eines Reichsfeindes geraten. Die Zentrumsführung verließ sich auf die Zusagen Hitlers, daß man die bestehenden Länderkonkordate zwischen dem Vatikan und Baden, Bayern und Preußen anerkenne, den christlichen Einfluß auf die Schule respektiere und zusammen mit dem Zentrum ein Gremium zur fortlaufenden Information über die Maßnahmen der Reichsregierung bilden werde.\\+Die Verhandlungen mit den Nationalsozialisten im Vorfeld der Reichstagssitzung hatten die Zentrumsfraktion vor eine schwere innere Zerreißprobe gestellt. Gegen den Willen einer Minderheit um [[Brüning#Heinrich Brüning]] und Adam Stegerwald setzte sich der Parteivorsitzende Prälat Ludwig Kaas, ohnehin ein Verfechter einer autoritären nationalen Sammlungspolitik, schließlich durch. Seine [[Argument#Argumente]] waren durchaus einleuchtend, aber gleichwohl verhängnisvoll. Das Ermächtigungsgesetz ändere in der politischen [[Wirklichkeit]] nichts an der [[Herrschaft]] Hitlers. Viele Zentrumsangehörige wechselten in die NSDAP und verbanden das mit dem [[Wunsch]] nach mehr direkter Demokratie. Schließlich belastete das Zentrum das [[Trauma]] des Kulturkampfes unter Bismarck, der mit der Einführung der Alleingültigkeit der Zivilehen und der staatlichen [[Schulaufsicht]] zu wesentlichen Einbußen der kirchlichen Disziplinargewalt im öffentlichen Leben beigetragen hatte. Man wollte nicht noch einmal in die Rolle eines Reichsfeindes geraten. Die Zentrumsführung verließ sich auf die Zusagen Hitlers, daß man die bestehenden Länderkonkordate zwischen dem Vatikan und Baden, Bayern und Preußen anerkenne, den christlichen Einfluß auf die Schule respektiere und zusammen mit dem Zentrum ein Gremium zur fortlaufenden Information über die Maßnahmen der Reichsregierung bilden werde.\\
 Daß sie bei ihrem Bemühen, „Schlimmeres“ zu verhindern, die Wortbrüchigkeit der Nationalsozialisten unterschätzten, wurde erst später erkennbar. All das aber belegte noch einmal, wie entscheidend für die Erfolge Hitlers neben dem skrupellosen nationalsozialistischen Machtwillen die innere Schwäche bzw. Zerstrittenheit der politischen Gegner war. \\ Daß sie bei ihrem Bemühen, „Schlimmeres“ zu verhindern, die Wortbrüchigkeit der Nationalsozialisten unterschätzten, wurde erst später erkennbar. All das aber belegte noch einmal, wie entscheidend für die Erfolge Hitlers neben dem skrupellosen nationalsozialistischen Machtwillen die innere Schwäche bzw. Zerstrittenheit der politischen Gegner war. \\
 Es darf andererseits hier nicht behauptet werden, daß das Ermächtigungsgesetz Hitler mehr Möglichkeiten gegeben hätte, als es der Notverordnungsparagraph dem Reichspräsidenten gab. Hitler sollte für vier Jahre ermächtigt werden, die Geschicke des Reiches ohne Rückfragen an den Reichstag zu führen. Da er jeder Zeit vom Präsidenten abgesetzt werden könnte, kann mit der Einbringung des Ermächtigungsgesetzes noch nicht von der Installation einer Diktatur gesprochen werden: 444 Ja-Stimmen gegen 94 Nein-Stimmen brachten das Gesetz durch. Es war, im nachhinein, verbunden mit der durch seine Demutshaltung erzeugten emotionalen Ausschaltung des senilen Reichspräsidenten Hindenburg Hitlers klügster politischer Schachzug zur Festigung seiner Macht. \\ Es darf andererseits hier nicht behauptet werden, daß das Ermächtigungsgesetz Hitler mehr Möglichkeiten gegeben hätte, als es der Notverordnungsparagraph dem Reichspräsidenten gab. Hitler sollte für vier Jahre ermächtigt werden, die Geschicke des Reiches ohne Rückfragen an den Reichstag zu führen. Da er jeder Zeit vom Präsidenten abgesetzt werden könnte, kann mit der Einbringung des Ermächtigungsgesetzes noch nicht von der Installation einer Diktatur gesprochen werden: 444 Ja-Stimmen gegen 94 Nein-Stimmen brachten das Gesetz durch. Es war, im nachhinein, verbunden mit der durch seine Demutshaltung erzeugten emotionalen Ausschaltung des senilen Reichspräsidenten Hindenburg Hitlers klügster politischer Schachzug zur Festigung seiner Macht. \\
-Die Regierung, so Hitler, biete den Parteien die „Möglichkeit einer ruhigen Entwicklung und einer sich daraus in Zukunft anbahnenden [[Verständigung]]“ an. Auch die Rechte des Reichstages, des Reichsrates oder des Reichspräsidenten werde man nicht antasten. Zugleich aber drohte Hitler, er sei „ebenso entschlossen und bereit, die Bekundung der Ablehnung und damit die Ansage des Widerstandes entgegenzunehmen.“ Die Entscheidung über „Frieden und Krieg“ läge bei den Abgeordneten selbst. Aber was sollten alle Beschwichtigungen, wenn mit jedem Artikel des „Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich“ ([[Ermächtigungsgesetz]]) ein Eckstein aus der Verfassung herausgebrochen wurde. Reichsgesetze konnten hinfort auch von der Reichsregierung beschlossen werden; diese Gesetze durften von der Verfassung abweichen; der Reichskanzler konnte anstelle des Reichspräsidenten die Gesetze ausfertigen und verkünden. Artikel 4 des Ermächtigungsgesetzes übertrug auch das Recht zum Abschluß von Verträgen mit fremden Staaten allein auf die Reichsregierung. Der fünfte und letzte Artikel war dazu angetan, trügerische Hoffnungen zu nähren. Die Gültigkeit des Gesetzes war auf vier Jahre beschränkt und an die Existenz der gegenwärtigen Regierung gebunden. Doch es sollte noch zweimal verlängert werden und blieb wie die Reichstagsbrandverordnung bis zum Ende des „Dritten Reiches“ in Kraft.\\+Die Regierung, so Hitler, biete den Parteien die „Möglichkeit einer ruhigen Entwicklung und einer sich daraus in Zukunft anbahnenden [[Verständigung]]“ an. Auch die Rechte des Reichstages, des Reichsrates oder des Reichspräsidenten werde man nicht antasten. Zugleich aber drohte Hitler, er sei „ebenso entschlossen und bereit, die Bekundung der Ablehnung und damit die Ansage des Widerstandes entgegenzunehmen.“ Die [[Entscheidung]] über „Frieden und Krieg“ läge bei den Abgeordneten selbst. Aber was sollten alle Beschwichtigungen, wenn mit jedem Artikel des „Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich“ ([[Ermächtigungsgesetz]]) ein Eckstein aus der Verfassung herausgebrochen wurde. Reichsgesetze konnten hinfort auch von der Reichsregierung beschlossen werden; diese Gesetze durften von der Verfassung abweichen; der Reichskanzler konnte anstelle des Reichspräsidenten die Gesetze ausfertigen und verkünden. Artikel 4 des Ermächtigungsgesetzes übertrug auch das Recht zum Abschluß von Verträgen mit fremden Staaten allein auf die Reichsregierung. Der fünfte und letzte Artikel war dazu angetan, trügerische Hoffnungen zu nähren. Die Gültigkeit des Gesetzes war auf vier Jahre beschränkt und an die Existenz der gegenwärtigen Regierung gebunden. Doch es sollte noch zweimal verlängert werden und blieb wie die Reichstagsbrandverordnung bis zum Ende des „Dritten Reiches“ in Kraft.\\
 Nur ein Abgeordneter, der sozialdemokratische Parteivorsitzende [[Wels#Otto Wels]], wagte es, die Ablehnung seiner Partei zu erläutern. Wels begründete die Ablehnung mit den Verfolgungen, die die SPD in der letzten Zeit erfahren habe und mahnte, daß auf Gewalt und [[Unrecht]] keine Volksgemeinschaft begründet werden könne. „Ihre erste [[Voraussetzung]] ist gleiches Recht.“ Eine Regierung könne nur Strenge walten lassen, „wenn es nach allen Seiten gleichmäßig und unparteiisch geschieht und wenn man es unterläßt, besiegte Gegner zu behandeln, als seien sie vogelfrei. [[Freiheit]] und [[Leben]] kann man uns nehmen, die [[Ehre]] nicht.“ \\ Nur ein Abgeordneter, der sozialdemokratische Parteivorsitzende [[Wels#Otto Wels]], wagte es, die Ablehnung seiner Partei zu erläutern. Wels begründete die Ablehnung mit den Verfolgungen, die die SPD in der letzten Zeit erfahren habe und mahnte, daß auf Gewalt und [[Unrecht]] keine Volksgemeinschaft begründet werden könne. „Ihre erste [[Voraussetzung]] ist gleiches Recht.“ Eine Regierung könne nur Strenge walten lassen, „wenn es nach allen Seiten gleichmäßig und unparteiisch geschieht und wenn man es unterläßt, besiegte Gegner zu behandeln, als seien sie vogelfrei. [[Freiheit]] und [[Leben]] kann man uns nehmen, die [[Ehre]] nicht.“ \\
 Hitler stürzte darauf mit äußerster Erregung an das Rednerpult: //„Die schönen Theorien, die Sie, [[Herr]] Abgeordneter, soeben hier verkündeten, sind der [[Weltgeschichte]] etwas zu spät mitgeteilt worden. Vielleicht hätten diese [[Erkenntnis#Erkenntnisse]], [[praktisch]] angewendet vor [[Jahr#Jahren]], die heutigen [[Klage#Klagen]] von Ihnen erspart. - Auch Ihre Stunde hat geschlagen, und nur weil wir Deutschland [[sehen]] und seine Not und die [[Notwendigkeit]] des nationalen Lebens, appellieren wir in dieser Stunde an den Deutschen Reichstag, uns zu genehmigen, was wir ohnedem hätten nehmen können. Des Rechts wegen tun wir es - nicht weil wir die Macht überschätzen, sondern weil wir uns am Ende mit denen, die vielleicht heute von uns getrennt sind, aber doch an Deutschland glauben, einst vielleicht leichter finden können. Denn ich möchte nicht in den [[Fehler]] verfallen, Gegner bloß zu reizen, statt sie entweder zu vernichten oder zu versöhnen.“// Hitler stürzte darauf mit äußerster Erregung an das Rednerpult: //„Die schönen Theorien, die Sie, [[Herr]] Abgeordneter, soeben hier verkündeten, sind der [[Weltgeschichte]] etwas zu spät mitgeteilt worden. Vielleicht hätten diese [[Erkenntnis#Erkenntnisse]], [[praktisch]] angewendet vor [[Jahr#Jahren]], die heutigen [[Klage#Klagen]] von Ihnen erspart. - Auch Ihre Stunde hat geschlagen, und nur weil wir Deutschland [[sehen]] und seine Not und die [[Notwendigkeit]] des nationalen Lebens, appellieren wir in dieser Stunde an den Deutschen Reichstag, uns zu genehmigen, was wir ohnedem hätten nehmen können. Des Rechts wegen tun wir es - nicht weil wir die Macht überschätzen, sondern weil wir uns am Ende mit denen, die vielleicht heute von uns getrennt sind, aber doch an Deutschland glauben, einst vielleicht leichter finden können. Denn ich möchte nicht in den [[Fehler]] verfallen, Gegner bloß zu reizen, statt sie entweder zu vernichten oder zu versöhnen.“//
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 ==== Etappe VIII: Der Röhm-Putsch ==== ==== Etappe VIII: Der Röhm-Putsch ====
    
-Neben den Hakenkreuzfahnen prägten nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am 30. Januar 1933 vor allem die braunen Uniformen der Sturmabteilung (SAdas öffentliche Straßenbild. Auf rund vier Millionen Mitglieder war die ursprünglich als Saalschutz gegründete SA im Frühjahr 1934 angeschwollen. Entscheidend für den Eintritt in die SA war oft die Hoffnung auf eine Bevorzugung bei der Vergabe von Stellen. Genährt wurden diese Erwartungen durch den Stabschef der SA, den ehemaligen Offizier Ernst Röhm. Vor allem er forderte eine zweite Revolution mit einer radikalen sozialen Umgestaltung. In seiner SA sah Röhm den Kern einer neu zu gründenden Volksmiliz, der er auch die [[Reichswehr]] einverleiben wollte. Von der traditionsbewußten Reichswehr wurde diese [[Idee]] entschieden verworfen. Den schwelenden Konflikt zwischen SA und Reichswehr mußte Hitler entscheiden. Gegen [[Röhm]] und seine sozialrevolutionären Vorstellungen sprach sein unverhüllt vorgetragener [[Machtanspruch]]. Aber auch innerparteiliche Rivalen Röhms - vor allem Heinrich Himmler und Hermann Göring - bestärkten Hitler in seinem Entschluß, nicht die SA, sondern die Reichswehr zu einer modernen, möglichst schnell kriegsfähigen Armee auszubauen. \\ +Neben den Hakenkreuzfahnen prägten nach der nationalsozialistischen Machtübernahme am 30. Januar 1933 vor allem die braunen Uniformen der [[Sturmabteilung#SA]] das öffentliche Straßenbild. Auf rund vier Millionen Mitglieder war die ursprünglich als Saalschutz gegründete SA im Frühjahr 1934 angeschwollen. Entscheidend für den Eintritt in die SA war oft die Hoffnung auf eine Bevorzugung bei der Vergabe von Stellen. Genährt wurden diese Erwartungen durch den Stabschef der SA, den ehemaligen [[Offizier]] Ernst Röhm. Vor allem er forderte eine zweite Revolution mit einer radikalen sozialen Umgestaltung. In seiner SA sah Röhm den Kern einer neu zu gründenden Volksmiliz, der er auch die [[Reichswehr]] einverleiben wollte. Von der traditionsbewußten Reichswehr wurde diese [[Idee]] entschieden verworfen. Den schwelenden Konflikt zwischen SA und Reichswehr mußte Hitler entscheiden. Gegen [[Röhm]] und seine sozialrevolutionären Vorstellungen sprach sein unverhüllt vorgetragener [[Machtanspruch]]. Aber auch innerparteiliche Rivalen Röhms - vor allem Heinrich Himmler und Hermann Göring - bestärkten Hitler in seinem Entschluß, nicht die SA, sondern die Reichswehr zu einer modernen, möglichst schnell kriegsfähigen [[Armee]] auszubauen. \\ 
-Die Schutzstaffel (SS) schürte gezielt Gerüchte über einen bevorstehenden Putsch der SA und betonte die - seit langem bekannte - homosexuelle Veranlagung Röhms. Anläßlich einer Führertagung der SA ließ Adolf Hitler dann am 30. Juni 1934 die gesamte SA-Führung durch SS-Einheiten liquidieren. Gleichzeitig wurden alte Rechnungen beglichen, denen alte [[Kämpfer]] der NSDAP ebenso zum [[Opfer]] fielen wie NS-Gegner. Widerspruchslos nahm die Reichswehr es hin, daß auch General Kurt von Schleicher ermordet wurde. Die von den Nationalsozialisten als Röhm-Putsch bezeichnete Aktion der SS rechtfertigte die Reichsregierung am 2. Juli 1934 nachträglich per Gesetz als Staatsnotstand. Die in die Mordaktionen verstrickte Reichswehr hatte sich des lästigen Konkurrenzanspruches der SA entledigt. Um auch zukünftig der Gunst Hitlers sicher zu sein, ordnete Reichskriegsminister Werner von Blomberg noch am Todestag von Reichspräsident Hindenburg die Vereidigung der Reichswehr auf die [[Person]] des Führers und Reichskanzlers an. \\ +Die Schutzstaffel (SS) schürte gezielt Gerüchte über einen bevorstehenden Putsch der SA und betonte die - seit langem bekannte - homosexuelle Veranlagung Röhms. Anläßlich einer Führertagung der SA ließ Adolf Hitler dann am 30. Juni 1934 die gesamte SA-Führung durch SS-Einheiten liquidieren. Gleichzeitig wurden alte Rechnungen beglichen, denen alte [[Kämpfer]] der NSDAP ebenso zum [[Opfer]] fielen wie NS-Gegner. Widerspruchslos nahm die Reichswehr es hin, daß auch General [[Schleicher]] ermordet wurde. Die von den Nationalsozialisten als Röhm-Putsch bezeichnete Aktion der SS rechtfertigte die Reichsregierung am 2. Juli 1934 nachträglich per Gesetz als Staatsnotstand. Die in die Mordaktionen verstrickte Reichswehr hatte sich des lästigen Konkurrenzanspruches der SA entledigt. Um auch zukünftig der Gunst Hitlers sicher zu sein, ordnete Reichskriegsminister Werner von Blomberg noch am Todestag von Reichspräsident Hindenburg die Vereidigung der Reichswehr auf die [[Person]] des Führers und Reichskanzlers an. \\ 
-So sehr die Vorgänge des 30. Juni an organisiertes Bandenwesen erinnern, so sehr verdeutlichen die folgenden politischen Ereignisse, daß es sich um einen staatlich geplanten und legalisierten Mord handelte, der zur [[Vollendung]] der Machtergreifung genutzt wurde. Hitler tat alles, um diese wilde Mord- und Racheaktion hinter scheinbarer Normalität und Legalität zu verstecken. In einer Kabinettssitzung rechtfertigte er am 3. Juli die Aktion als Staatsnotwehr, die rasches [[Handeln]] erforderlich gemacht habe. Das Kabinett ließ sich dazu herbei, dem Mordfall ein Mäntelchen der Legalität umzuhängen und ein Gesetz zu verabschieden, nach dem die „zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni, 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen [...] als Staatsnotwehr rechtens (sind)“. \\+So sehr die Vorgänge des 30. Juni an organisiertes Bandenwesen erinnern, so sehr verdeutlichen die folgenden politischen Ereignisse, daß es sich um einen staatlich geplanten und legalisierten Mord handelte, der zur [[Vollendung]] der Machtergreifung genutzt wurde. Hitler tat alles, um diese wilde Mord- und Racheaktion hinter scheinbarer [[Normalität]] und Legalität zu verstecken. In einer Kabinettssitzung rechtfertigte er am 3. Juli die Aktion als Staatsnotwehr, die rasches [[Handeln]] erforderlich gemacht habe. Das Kabinett ließ sich dazu herbei, dem Mordfall ein Mäntelchen der Legalität umzuhängen und ein Gesetz zu verabschieden, nach dem die „zur Niederschlagung hoch- und landesverräterischer Angriffe am 30. Juni, 1. und 2. Juli 1934 vollzogenen Maßnahmen [...] als Staatsnotwehr rechtens (sind)“. \\
 Eine nachträgliche juristische Scheinrechtfertigung beeilte sich der prominente Staatsrechtler [[Schmitt#Carl Schmitt]] zu liefern. //„Der Führer schützt das Recht vor dem schlimmsten Mißbrauch, wenn er im Augenblick kraft seines Führertums als Oberster Gerichtsherr unmittelbar Recht schafft. [...] Der wahre Führer ist immer auch [[Richter]].“// \\ Eine nachträgliche juristische Scheinrechtfertigung beeilte sich der prominente Staatsrechtler [[Schmitt#Carl Schmitt]] zu liefern. //„Der Führer schützt das Recht vor dem schlimmsten Mißbrauch, wenn er im Augenblick kraft seines Führertums als Oberster Gerichtsherr unmittelbar Recht schafft. [...] Der wahre Führer ist immer auch [[Richter]].“// \\
 Für die Bevölkerung stellte sich der Mord am 30. Juni vordergründig als Befreiungstat dar. Das verbreitete Gefühl der Beunruhigung der vergangenen Wochen wich bei vielen einer Erleichterung darüber, daß es nun mit den revolutionären Umtrieben und der Barbarei der Braunhemden vorbei sein würde. Das verbreitete [[Verlangen]] nach Recht und [[Ordnung]] rechtfertigte auch die staatlichen Mordaktionen gegen die SA. Alle Kritik über Mißhelligkeiten des Alltages richteten sich auf die Partei, ohne daß dadurch der politische Nimbus Hitlers gefährdet wurde. Im Gegenteil, seit der Röhm-Affäre strahlte der Führer-[[Mythos]] noch leuchtender, denn der „Führer“ hatte nach verbreiteter [[Wahrnehmung]] gegen die radikalen und korrupten Elemente auch in der eigenen Partei durchgegriffen und damit tief sitzende Ordnungsbedürfnisse erfüllt. Das Bild vom entschlossenen und ordnungsstiftenden „Führer“ wurde zum stabilisierenden Element des Regimes. Für die Bevölkerung stellte sich der Mord am 30. Juni vordergründig als Befreiungstat dar. Das verbreitete Gefühl der Beunruhigung der vergangenen Wochen wich bei vielen einer Erleichterung darüber, daß es nun mit den revolutionären Umtrieben und der Barbarei der Braunhemden vorbei sein würde. Das verbreitete [[Verlangen]] nach Recht und [[Ordnung]] rechtfertigte auch die staatlichen Mordaktionen gegen die SA. Alle Kritik über Mißhelligkeiten des Alltages richteten sich auf die Partei, ohne daß dadurch der politische Nimbus Hitlers gefährdet wurde. Im Gegenteil, seit der Röhm-Affäre strahlte der Führer-[[Mythos]] noch leuchtender, denn der „Führer“ hatte nach verbreiteter [[Wahrnehmung]] gegen die radikalen und korrupten Elemente auch in der eigenen Partei durchgegriffen und damit tief sitzende Ordnungsbedürfnisse erfüllt. Das Bild vom entschlossenen und ordnungsstiftenden „Führer“ wurde zum stabilisierenden Element des Regimes.
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