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epikratie

EPIKRATIE

- Bezeichnung der Karthager für ihre Besitzungen außerhalb Karthagos, insbesondere auf Sizilien
- die Karthager errichteten zuerst Handelsstützpunkte, die sie befestigten und kauften sich in die Geschäfte des Hinterlandes ein
- sie errichteten dort auch ihr politisches SYSTEM, deshalb EPI- (nach) -KRATIE (Herrschaft), eine auf der HERRSCHAFT der reichsten Kaufleute basierende DEMOKRATIE für alle innerhalb der Grenzen des Stützpunktes lebenden Menschen
- der Schutz wurde durch Söldner übernommen, meist nach Verträgen mit den Umwohnern

historischer Kontext

karthagische Schönheit Den Höhepunkt seiner Macht erreichte Karthago im 3. Jahrhundert v.Chr., als sie Pyrrhons nachgelassene Flotte erwarben und das westliche Mittelmeer beherrschten. Das führte dazu, daß die Karthager fremde Schiffe aufbrachten und die Mannschaft ins Meer warfen. Sie wollten das Monopol. 348 v.Chr. noch gaben sie in einem Vertrag römischen Händlern spanische, sardinische und libysche Häfen frei, seit 306 v.Chr. (Philinos-Vertrag) dagegen durften die RÖMER nur noch Karthago anfahren, um dort Handel zu treiben. Das ist ein ZEICHEN für ihre gewachsene Macht, daß sie ROM dies vorschreiben konnten. Dennoch ist ihr Staatswesen nicht eigentlich auf MACHT aus, wie das Roms, sondern auf das Geschäfte machen orientiert. Ihre Faktoreien an den Küsten des Mittelmeeres waren keine Stützpunkte, von denen aus allmählich eine Kolonisierung des umliegenden Landes vor sich gehen sollte, sondern Warensammelpunkte.
Sie gaben sich eine DEMOKRATIE mit oligarchischen Elementen, das paßte am besten zu ihren imperialen und monopolistischen Zielen. Die Leitung der Geschäfte lag beim Rat der Alten, ganz ähnlich wie bei den Spartanern. 28 Alte und zwei Könige, die jährlich neu von der Bürgerschaft bestimmt wurden. Nebenher sorgten einige wenige Familien dafür, daß ihre Sprößlinge als Steuerbeamte oder Vögte in Faktoreien entsendet wurden, die ihnen reiche Einnahmen sicherten. Auf Gelderwerb war alles gemünzt. Einen Mittelstand gab es nicht; die Struktur war hierarchisch. Es gab über Jahrhunderte keine nennenswerten politischen Änderungen. Karthager war, wer kein SKLAVE war und seinen Wohnsitz in KARTHAGO hatte, zudem Steuern zahlte. Seine Stimme wurde regelmäßig gekauft, auch verkaufte er sie gern, denn der Erlöß bezahlte seinen MÜßIGGANG. Das funktionierte lange, lange, lange!
Ein wesentlicher Wirtschaftszweig neben dem HANDEL war die Landwirtschaft. Der Karthager MAGO schrieb ein Buch über die LANDWIRTSCHAFT, das für das Altertum maßgeblich war. Also doch noch eine Leistung von Wert! Einige Aufzeichnungen des Admirals HANNO von der Beschiffung Westafrikas sind auch noch von bleibendem Wert.
Es ist von Interesse, Karthagos finanzielle Gepflogenheiten genau zu kennen, denn wenn Karthago eines vermochte, dann GELD machen. Ihre Geldwirtschaft war abstrahiert; so sollen sie bereits mit Zeichengeld gearbeitet haben, also einer FORM virtueller Abschreibungstechnik, bargeldlosem Geldverkehr! Das war im ALTERTUM einzig.
Karthagos ARMEE war eine Söldnerarmee, kein Bürgerheer. Die Offiziere taten beim Militär das, was sie sonst als Kaufleute taten: sie füllten ihre Zeughäuser und Elefantenställe mit Waffen und anderen militärischen Vorräten, erarbeiteten Belagerungstechniken, hielten ihre Flotte auf hohem Niveau.

epikratie.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:09 (Externe Bearbeitung)