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GOLDSTANDARD

Mit dem Goldstandard legt jedes beteiligte LAND den WERT seiner Währung zum GOLD fest. Innerhalb des klassischen Goldstandards des 19. Jahrhunderts betrug der PREIS einer Unze Gold in New York um 1914 zum Beispiel 20 Dollar und in Großbritannien 5 Pfund. Dadurch ergab sich ein fester Wechselkurs zwischen dem US-Dollar und dem Pfund von 4 Dollar für ein Pfund.

- Die IDEE, daß Gold zu unserem Standard gewählt worden ist, weil es nach seinem Wert stabil sei, ist ein MYTHOS. (Irvin Fisher)

Ein Goldstandard bedeutet

  • der Wert des Geldes ist an den Wert des Goldes gebunden;
  • Konvertibilität: das Papiergeld kann vollständig bei der nationalen NOTENBANK in Gold getauscht werden;
  • freier Kapitalverkehr: internationale Gold- und Kapitaltransaktionen werden nicht vom STAAT beschränkt.

Es werden vier verschiedene Formen der Goldstandards unterschieden

  1. Goldumlaufwährung mit Goldmünzen als Zahlungsmittel: In diesem SYSTEM gibt es noch keine Banknoten. Einziges Zahlungsmittel ist Gold. Vollwertige Goldmünzen fungieren als GELD;
  2. entwickelte Goldumlaufwährung: Neben den Goldmünzen sind in diesem System auch Banknoten im Umlauf. Die Zentralbank hat die Verpflichtung diese Banknoten gegen Gold umzutauschen, da sie eine Forderung auf die eigentliche Währung sind;
  3. Goldkernwährung: Dieses System dominierte vor dem Ersten Weltkrieg. Hierbei ist Gold nicht mehr das eigentliche Zahlungsmittel, Goldmünzen sind kaum noch im Umlauf. Die Wirtschaftssubjekte können mit Banknoten jederzeit bei der Zentralbank Gold ankaufen. Die umlaufende Geldmenge ist nicht mehr vollständig durch Gold gedeckt;
  4. Golddevisenwährung: Neben Gold hält die Zentralbank als Reserve in diesem System auch Devisen eines Landes mit einem Goldstandard, also in Gold einlösbare Devisen. Ein Beispiel hierfür ist der Golddollarstandard der Zwischenkriegszeit.

Im GEGENSATZ zu dem Goldstandard in ENGLAND bestand in vielen anderen Ländern ein sogenannter Bimetallismus: sowohl Goldmünzen als auch Silbermünzen wurden geprägt und zirkulierten. FRANKREICH gehörte zu den Ländern mit einem Bimetallstandard. Skandinavien, die deutschen Staaten und RUßLAND gehörten zu den Staaten, die Silberwährungen hatten.

1848 lösten Goldfunde in Kalifornien und 1851 in Australien eine Verzehnfachung der weltweiten Goldfördermenge aus, die zu einem Verfall des Marktpreises führte. Folglich wurde Gold von Frankreich importiert, SILBER exportiert. Die Probleme in Frankreich nahmen nach der Währungsreform Italiens 1862 weiter zu. ITALIEN hatte kleine Silbermünzen mit einem Feingehalt von 836 eingeführt, während der Feingehalt der Silbermünzen in Frankreich 900 betrug. Folglich begann die französische Bevölkerung für den Zahlungsverkehr italienische Münzen zu nutzen, während sie die französischen Münzen horteten. Als Antwort auf diese Entwicklung senkte Frankreich den Feingehalt seiner Silbermünzen auf 835. Diese Senkung löste das PROBLEM der Verdrängung französischer Silbermünzen vom MARKT jedoch nicht: So hatte die SCHWEIZ ihren Feingehalt auf 800 gesenkt, was wiederum zu einer Verdrängung der französischen, belgischen und italienischen Münzen führte. Nachdem man die gegenseitige Abhängigkeit erkannt hatte, wurde bei einer internationalen Konferenz 1865 die Lateinische Münzkonvention beschlossen, in der sich die betroffenen Länder einigten, ihre Münzen mit einem Feingehalt von 835 zu prägen, so daß der Verdrängungseffekt einzelner nationaler Münzen verhindert wird.
Aufgrund des deutsch-französischen Krieges und dem Aussetzen der Konvertibilität der französischen, russischen, italienischen und österreich-ungarischen Währung, als auch durch die Rolle Englands in der Weltwirtschaft und die Stabilität seiner Währung, wurde die WAHL des Silberstandards immer weniger attraktiv. Aufgrund seiner frühen industriellen REVOLUTION stieg England im 19. JAHRhundert zur führenden Finanz- und Handelsmacht auf. Dementsprechend wurden die britische Geld- und Währungspolitik und der Goldstandard für die mit England wirtschaftlich eng verbundenen Länder immer wichtiger. Portugal, das enge Handelsverflechtungen mit England unterhielt, hatte sich bereits 1854 dem Goldstandard angeschlossen. Anfang der 1870er Jahre, nachdem große Silberfunde Gold vollständig aus der Zirkulation zu drängen gefährdeten, beschlossen die Länder der Lateinischen Münzkonvention, die freie Prägung von Silber aufzuheben.
Frankreich hatte von 1878 bis 1914 einen sogenannten hinkenden Goldstandard („limping gold standard“). Das heißt, daß die Konvertierbarkeit von Banknoten in Gold nicht gesetzlich garantiert war, sondern der Kontrolle der Bank von Frankreich unterlag. Wie in der Schweiz, BELGIEN und den Niederlanden unterlag in Frankreich die Konvertibilität von Banknoten und Silbermünzen in Gold dem Ermessen der Behörden. Diese konnten entscheiden, ob sie die Banknoten in Gold oder Silber eintauschen. Somit konnte die Bank von Frankreich ihre Goldreserven schützen und große Goldabflüsse verhindern. Silber blieb also weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel, auch wenn es nicht frei ausgeprägt wurde. Ein weiteres Instrument zur Verhinderung von Goldabflüssen, beziehungsweise zur Förderung von Goldimporten, waren die sogenannten „Gold Devices“. Das heißt, daß die Notenbanken Anreize für den Goldimport durch zinsfreie Kredite für Goldimporte schaffen konnten. Dies schadete jedoch der Glaubwürdigkeit der französischen Zentralbank und verhinderte, daß das französische Finanzsystem eine prominentere Rolle in den internationalen Finanzbeziehungen einnahm. Der französische Franc war weder als internationales Zahlungsmittel noch als Wertaufbewahrungsmittel sonderlich attraktiv.
Daß Frankreich keinen vollständigen Goldstandard übernahm wie England lag sicherlich an den innenpolitischen und sozialen Rahmenbedingungen. Im Gegensatz zu England bildete sich in Frankreich keine Koalition der Landbesitzer, der Finanzklasse und der Gläubiger. Zum einen gab es in Frankreich kein Äquivalent zu der Klasse der Landbesitzer Englands. Während in England große Landbesitze in den Händen der Aristokratie lagen, war der Besitz von Land in Frankreich relativ weit verbreitet. Es gab eine Vielzahl von Bauern, die kleine Pazellen Land bewirtschafteten. Demzufolge gab es nicht wie in England die ARISTOKRATIE, die sich für stabile oder sinkende Preise einsetzten, um die Erträge aus den Verpachtungen stabil zu halten, beziehungsweise die Kaufkraft ihres Einkommens zu erhöhen. In Frankreich setzte sich dahingegen eine Vielzahl von Kleinbauern für einen Silberstandard und eine inflationäre Geldpolitik ein. Sie forderten, daß Frankreich von den deflationären Implikationen des Goldstandards isoliert werden solle. Auch die französische INDUSTRIE befürwortete den Goldstandard weniger stark als die in England, da die INDUSTRIALISIERUNG in Frankreich sehr viel weniger fortgeschritten war. Die Produktion und der Export von Massenprodukten war in Frankreich noch nicht verbreitet. Da Exporte von Massenprodukten weniger wichtig waren, gab es folglich auch keine Lobby, die sich für stabile Wechselkurse einsetzte. Auch der französische Finanzsektor stand weniger stark hinter dem Goldstandard als der britische. Ein Grund hierfür war, wie im Bereich Handel, die fehlende internationale Ausrichtung.
DEUTSCHLAND übernahm den Goldstandard offiziell 1873. Wie im Fall von Frankreich war Deutschlands Befürwortung des Goldstandards sehr viel geringer ausgeprägt als die in England. Anfang der 1870er war eine Währungsreform in Deutschland dringend NOTWENDIG. Deutschland brauchte eine neue gemeinsame Währung. Da sich die Handelsverflechtungen von Osteuropa nach England verschoben hatten, war der Silberstandard, der in den Ländern Osteuropas dominiert hatte, aus deutscher Sicht nicht mehr vorteilhaft. Auch hatten viele Länder Osteuropas ihren Silberstandard bereits gegen unkonvertierbares Papiergeld eingetauscht. Dies erübrigte den Silberstandard für Deutschland. Des weiteren wurden die meisten wirtschaftlichen Beziehungen Deutschlands mit außereuropäischen Ländern über London finanziert. Folglich nahm Deutschland einen Goldstandard an, der offiziell einem vollen Goldstandard entsprach. Deutschland verkaufte seine Silberbestände und kaufte Gold auf den internationalen Märkten an. 1872 wurde der Silbertaler durch die Deutsche Mark ersetzt. In der Umsetzung entsprach der deutsche Goldstandard jedoch auch nicht dem vollen Goldstandard Englands und wurde oftmals manipuliert. Folglich benutzte die Reichsbank eine Reihe von Instrumenten, um die Goldflüsse zu beeinflussen: Wenn sie den Goldimport fördern wollte, vergab sie Prämien oder zinsfreie Kredite an Goldimporteure. Sie manipulierte also die sogenannten Goldimport- und exportpunkte. Indem sie zeitweise Banknoten in Gold nur in ihrer Zentrale in Berlin umtauschte und nicht in den Filialen an den Grenzen, wurden die Exportkosten von Gold erheblich erhöht und Goldexporte wurden weniger attraktiv. Letztlich ließ die Reichsbank die Finanzakteure auf subtile Weise wissen, daß sie dem Goldexport sehr negativ gegenüber stand, um den Goldabfluß einzudämmen und die Goldreserven zu sichern. Da die Banker Konflikte mit der Reichsbank vermeiden wollten, folgten sie oftmals den Wünschen der Reichsbank. Aufgrund dieser Politikmaßnahmen konnten auch die Reichsbank und der deutsche Finanzmarkt wie die Bank von Frankreich und der französische Finanzmarkt international nicht den gleichen Status erreichen wie London.
Die Abweichungen von einem vollkommenen Goldstandard lassen sich in Deutschland wie in Frankreich anhand der sozialen und politischen Struktur erklären. Ausschlaggebend für die Fokussierung der Geldpolitik auf binnenwirtschaftliche Ziele und die MANIPULATION der Goldflüsse waren die Junker. Die Junker waren wie die britische Aristokratie POLITISCH sehr einflußreich. Ihre geldpolitischen Ziele stimmten als selbständige Landwirte jedoch eher mit denen der kleinen Landbesitzer Frankreichs und der Bauern Englands überein: sie hatten also ein INTERESSE an steigenden Preisen.
Auch die Banken standen nicht in dem gleichen Maße hinter einem vollkommenen Goldstandard wie die Banken in England. Anders als in England waren die deutschen wie die französischen Banken binnenwirtschaftlich orientiert. Die deutschen Banken finanzierten vielmehr die Entwicklung der nationalen Industrie. Die Unterstützung der jungen, sich entwickelnden INDUSTRIE („infant industry“) spielte eine zentrale Rolle in der gesamten WIRTSCHAFTSPOLITIK der beiden Länder. Folglich waren die Interessen der Banken eng mit den Interessen der sich entwickelnden Industrie verbunden. Da diese weniger im internationalen GESCHÄFT involviert waren - sie mußten erst wettbewerbsfähig werden und wurden oftmals durch hohe Zölle geschützt - war für sie das VERTRAUEN der internationalen Investoren und eine stabile Währung weniger wichtig.
Nach Deutschland übernahmen Norwegen, Schweden und Dänemark den Goldstandard. Die Länder der Lateinischen Münzkonvention (Frankreich, Schweiz, Belgien) folgten Ende der 1870er. 1878 hatten demnach England, Deutschland, Belgien, HOLLAND, Frankreich, die Schweiz und die Skandinavischen Länder den Goldstandard. 1892 schloß sich Österreich an, Rußland folgte 1897, JAPAN 1879. In den USA gab es seit 1879 einen de facto Goldstandard. Nach 1900 folgten noch Länder wie Siam, Ceylon, Argentinien, Mexiko, Peru und Uruguay. Zu dieser Entwicklung trug insbesondere bei, daß England die führende Finanz- und HANDELsmacht war und einen vollkommenen Goldstandard hatte. Folglich wurde das britische Währungssystem für die mit England handelnden Länder immer wichtiger. So erleichtert ein gemeinsames Währungssystem die finanziellen Transaktionen und den internationalen Handel: Je mehr Länder den Goldstandard übernahmen, umso mehr lohnte es sich für andere Länder ihrem Beispiel zu folgen.
Die führende Rolle Englands in der Weltwirtschaft führte nicht nur zu einer internationalen Verbreitung des Goldstandards. Auch wurde deswegen in den internationalen Finanz- und Handelsbeziehungen der Sterling zur Leitwährung des Systems. Da er durch seine Stabilität als „so gut“ wie Gold angesehen wurde, lief der internationale Zahlungsverkehr hauptsächlich in Pfund Sterling ab. Sterling war das weitverbreitetste Finanzierungsinstrument. Auch zum Begleichen oder in Rechnungstellen des internationalen Handels wurde hauptsächlich das Pfund Sterling genutzt. Das Pfund Sterling wurde weiter um 1900 die wichtigste Reservewährung. Vor dem Beginn des Ersten Weltkrieges wurden ca. 40% aller Devisenreserven in Pfund Sterling gehalten. Währungsreserven in französischen Franc und Deutschen Mark machten zusammen weitere 40% aus. Weitere Reservewährungen (zusammen 20%) waren belgische Francs, Schweizer Franken, holländische Gulden und US-amerikanische Dollars. Die Zahlungen in Gold spielten eine eher untergeordnete Rolle. Nur für intrastaatliches Begleichen von großen SCHULDen oder bei Bereitstellung von Liquidität in Krisenzeiten spielte Gold weiterhin die dominierende ROLLE.

Ob der Goldstandard weiter bestanden hätte, wenn es durch den Ersten Weltkrieg nicht zu dessen AUFHEBUNG gekommen wäre, bleibt fraglich. Eichengreen zufolge wäre der Goldstandard auch ohne den ersten Weltkrieg zusammengebrochen.
Die Instabilität des Systems wäre weiter auch ohne Weltkrieg durch die neue Rolle der USA in der Weltwirtschaft erhöht worden. Um die Jahrhundertwende waren die USA bereits die stärkste MACHT in der Weltwirtschaft. Ihr bedeutender landwirtschaftlicher Sektor bewirkte, daß die Nachfrage nach Liquidität und folglich das Zinsniveau jahreszeitenbedingt reagierten, also im Frühjahr in die Höhe schnellten, im HERBST nach untern. Die Schwierigkeiten der US-amerikanischen Banken waren somit jahreszeitenabhängig.
Auch die sich wandelnden innenpolitischen Rahmenbedingungen, das Wachstum der politischen und sozialen BEWEGUNG sowie die Einsicht, Kompromisse zwischen außen- und binnenwirtschaftliche Zielen machen zu müssen, hat das System geschwächt, wie sich auch später im Goldstandard der Zwischenkriegszeit verstärkt zeigen sollte. Neben den zunehmenden internationalen und militärischen Spannungen nahmen somit auch die innenpolitischen Spannungen zu. Letztlich muß betont werden, daß das System in der Peripherie nie so reibungslos funktioniert hat und akzeptiert wurde wie im ZENTRUM.

Literatur

  • Eichengreen, Barry: Vom Goldstandard zum Euro: Die Geschichte des internationalen Währungssystems, Berlin 2000.
  • Dam, K.: The Rules of the Game, Chicago 1982.
  • Kenwood, A.G. und Lougheed, A.L.: The Growth of the International Economy 1820-1980, LONDON 1983.
  • Walter, A.: World Power and World Money, New York 1993.
goldstandard.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:11 (Externe Bearbeitung)