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parmenides

PARMENIDES

Parmenides 540-440 v. Chr.
Schüler XENOPHANES' und Lehrer Zenons von Elea
- glaubte sich göttlich inspiriert und schrieb seine Texte in poetischen Hexametern
- Begründer der eleatischen ONTOLOGIE, einem Zersetzungsprodukt, der nach der Selbstzersetzung der Urstofflehre übrigbleibende Rückstand oder Niederschlag derselben, denn je mehr sich diese gegenseitig widersprechen - Frage, was denn nun der Urstoff sei -, um so mehr stellt sich die Frage nach dem Bleibenden
- seine Darstellung will zuerst die begriffliche WAHRHEIT erfassen und sich dann den vielerlei Meinungen über das Viele widmen
- deutete APOLLO als Gleichnis für die Sonne, HERA für die Luft, ZEUS als das Warme und HADES als die Erde (Wehrli)

Lehre

- stellt sich dar in der Diametralität von WISSEN, DENKEN und Wahrheit auf der einen und von Meinung und Wahrnehmung auf der anderen Seite
- im Denken dürfen Widersprüche nicht zugelassen werden, ergo wurde das SEIN im Sinne eines ausgeschlossenen Widerspruchs Grundmerkmal; dies wurde formallogisch begründet und führte letztendlich zu den berühmten Paradoxa
- vertiefte Xenophonsche Gedanken - Sein und Nichtsein sind bestimmter als beim Lehrer Xenophanes - und war neben HERAKLIT der erste, der eine klare Unterscheidung zwischen WAHRNEHMUNG und Denken machte, aber er erspähte auch den schwachen Punkt in Heraklits Lehre, den Mangel einer Begründung, warum denn das Allfeuer in andere Daseinsformen übergehe
- seine Hinwendung zum Orphischen basiert auf der ERKENNTNIS, daß Totes selbst SEIENDES sei und somit erkenntnisfähig

Erkenntnistheorie

das Urwesen schied zwei Urstoffe aus:

  1. das Dünne, Lichte, Leichte;
  2. das Dichte, Dunkle, Schwere. Das Zusammenwirken beider Faktoren bewirkt das Entstehen des Weltalls → ähnelt der Vorstellung des apeiron bei ANAXIMANDER

- Das Sein ist eine Kugel, nach allen Seiten gleich ausgedehnt, völlig ebenmäßig gebaut, rund und in sich geschlossen; nur dies verbürgt ihm die EWIGKEIT. → daher faßt er die Erde auch als runde auf und erkennt Abend- und Morgenstern als wesensgleich, schließt auf die Mondlaufbahn, indem er das Licht des Mondes als geborgtes erkennt
- Das absolute Sein läßt sich im reinen Denken erfassen, denn Denken und der Gegenstand des Denkens sind identisch. → d.i. ein methodologischer Grundsatz
- das Objekt der Erkenntnis soll autonom erkannt werden, nicht irgendwie empirisch, ein Nichtsein ist ausgeschlossen: Kohärenz und Konsistenz eines Systems, keine Sonderung und damit mögliche Erweiterung → Lösung des Empirischen vom Sein, das unentstanden, ewig und somit unvergänglich ist, ein ens logicum, kein ens metaphysicum

Teile der Erkenntnis

  • die auf das reine Denken begründete Wahrheit, die sich in den Seienden ausspricht und deshalb nichts anderes als jenes ist, und
  • die sich auf die trügerische Erfahrung stützende Meinung
  • Element, Meinung und Name gehören (kosmologisch gedacht) zusammen; sie entsprechen Seiendem, Erkenntnis und Aussage

ERFAHRUNG durch Wahrnehmung dient nur insofern der Wahrheit, als das Wahrgenommene denkbar ist, d.h. vor dem nach dem Grundsatz des Widerspruchs prüfenden Denken besteht. Das NICHTS verkehrt sich in etwas, wenn es gesagt oder gedacht wird, aber welche FORM das Negative auch annehmen mag, es ist nicht…
- die menschliche VORSTELLUNG ist einem ständigen WIDERSPRUCH ausgesetzt
- die Sinnenwelt hat einen Namen, der wechselt, währenddessen die Geisteswelt REALITÄT besitzt: Dieser Qualitätsunterschied macht den Gedanken aus, den menschliche Wahngedanken in zwei Formen erkennen können, als ätherisches Flammenfeuer und als lichtlose FINSTERNIS, wobei alles zugleich beides ist: Es ist undenkbar, wie das Sein nicht existieren solle. Welche Verpflichtung hätte es denn auch antreiben sollen, früher oder später mit dem Nichts zu wachsen? So muß es also entweder auf alle Fälle oder überhaupt nicht existieren. Auch teilbar ist es nicht, weil es ganz gleichartig ist. Und es gibt nirgends etwa ein höheres Sein, das seinen ZUSAMMENHANG hindern könnte, noch gibt es ein geringeres; es ist vielmehr ganz von Seiendem erfüllt. darum ist es auch ganz unteilbar; denn ein SEIENDES stößt dicht an ein anderes. Aber unbeweglich liegt es in den Schranken gewaltiger Bande ohne Anfang und Ende; denn Entstehen und Vergehen ist weit in die Ferne verschlagen; als Selbiges im Selbigen verharrend, ruht es in sich selbst.- Darum ist alles leerer Schall, was die Sterblichen in ihrer Sprache festgelegt haben…
- erklärt Unterschiede dialektisch als ein Verhältnis von Massen → quantitative Unterschiede führen zu qualitativen: was Veränderlichem unterworfen ist, kann keine Wahrheit sein, denn die Wahrheit wechselt nicht: Denken und Sein sind identisch. Das REICH der Wahrheit will EWIG sein.

Folge:
- allein das Sein existiert, das Nichts dagegen existiert nicht: Die Wahrheit ist das Ist. Es ist undenkbar, daß das Ist nicht ist. Entstehen ist verschwinden. → Nicht bloß EWIGKEIT, auch Unwandelbarkeit eignet dem raumerfüllenden Weltwesen des Parmenides! Das Sein ist, weil ungeboren, unvergänglich. Es ist EINS und unteilbar.
- Die menschliche SPRACHE ist eine Festlegung von Veränderlichem, der LOGOS ist das WESENTLICHE, das logische Denken, er ist unveränderlich. Die Urform des Satzes vom Widerspruch. Dasselbe kann nicht zugleich sein und nicht sein wurde von seinem Schüler Zenon aufgenommen und in den berühmten Paradoxa angewendet.

Wertung

- Die logische Verwerfung der SINNENWELT durch Parmenides ist das Seitenstück zur ethischen Verwerfung der SINNLICHKEIT in orphisch-pythagoräischen Kreisen → siehe auch: PYTHAGORAS. Deshalb klaffen für Parmenides zwischen den Welten des Begriffs und der ANSCHAUUNG unüberbrückbare Klüfte. → andererseits könnte die erklärende Göttin, die Parmenides bemüht, auch so verstanden werden, daß sie erst Aufklärung über Zusammenhänge gibt, was es den Menschen die vollständige Erklärung der empirischen Welt ermöglicht
- Mit Parmenides hat das eigentliche PHILOSOPHIEREN dadurch angefangen, daß er die Freimachung von Meinungen forderte, die als Wahrheit gelten. Der MENSCH ist einem ewigen Grundirrtum unterworfen, dem LICHT-SCHATTEN-GEGENSATZ. Dieser geht auf die Entstehung der WELT zurück.
- wirft Fragen der rationalen Verstehbarkeit der Welt auf und setzt den Gedankengang Xenophanes' fort
- sein Gedanke, daß die Dinge der Erfahrung aus elementaren Teilen (Element, Meinung und Name) aufgebaut sind, wurde von EMPEDOKLES, ANAXAGORAS und den Atomisten übernommen (Primavesi)

parmenides.txt · Zuletzt geändert: 2022/02/13 12:39 von Robert-Christian Knorr