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BÖHME

Jakob Böhme

1575-1624
- DICHTER, Schuster, „Verkündiger der MORGENRÖTE“ (TIECK) → Textauszug unter http://12koerbe.de/lapsitexillis/aur-2.htm
- seit 1599 verheiratet mit Katharina Kuntzschmann aus Görlitz/SCHLESIEN
- wurde vom Görlitzer Pfarrer RICHTER gefemt und als KETZER bezeichnet → Böhme hielt sich von 1612 bis 1619 an das verhängte Schreibverbot und verkaufte Garn im Umland
- großer Einfluß auf Romantiker: Tieck, SCHELLING, die Schlegels, RITTER, STEFFEN

Lehre

- die Lehre vom Offenbarwerden des dunklen Urgrundes durch QUAL, Quallen, QUALITÄT hin zum Lichtreich
- die ERKENNTNIS ist EWIG zu erringen, DIALEKTIK ist nicht zu harmonisieren oder zu überwinden, sondern auszuhalten/zu ertragen, denn in Ja, göttlich, und Nein, teuflisch, bestehen alle DINGe, seien sie göttlich oder teuflisch oder irdisch
- betrachtet das WESEN der NATUR antithetisch: Die Natur hat zwei Qualitäten in sich, eine liebliche, himmlische, heilige und eine grimmige, höllische und durstige… Alle Kreaturen sind aus dieser Zweiheit gemacht, und alles, was aus der Erde wächst, das lebt und gedeiht aus der Kraft dieser zwei Qualitäten, denn dadurch hat alles seine große Beweglichkeit, Laufen, Rennen, Quellen, Treiben und Wachsen.

Ethik

- fragt nach den drei Prinzipien des Menschseins:

  1. Was ist der Mensch?
  2. Woraus ist der Mensch und von wem?
  3. Wozu ist er erschaffen worden?

→ ergänzt durch die Frage: Was ist des Menschen Amt?
- lehrt, daß sich der Mensch Gottes Stimme erringen muß durch Nach- und Besinnen
- begrenzt diese ERKENNTNISFÄHIGKEIT durch das Maßhalten der VERNUNFT, denn die könne nur einen Fehlweg beschreiten, wenn sie GOTT erreichen will, die Vernunft reicht nur zum äußeren Gott
- formuliert die Bedeutung der FORSCHUNG, insofern einem Hunger der SEELE entspringt, daraus erst die Vernunft urständet → darin ist er ein Schüler Weigels, der die UNIO, d.i. z.T. das Sichüberlassen in Gottes Hände in DEMUT und Einergebenheit, aber auch die Erkenntnissuche, die nicht aufgegeben wird

Die Beschreibung der drei Prinzipien göttlichen Wesens, de tribus principiis, 1619

Die Morgenröte im Aufgang, Aurora

1612
- schrieb dieses BUCH sich SELBST zum Memorial, nicht zur Veröffentlichung
- beschrieb Erleuchtungen, die ihm geschenkt wurden → was Gott sei, so muß man fleißig erwägen die Kräfte der NATUR, dazu die ganze SCHÖPFUNG, HIMMEL und Erden
- weil die Dinge zu erkunden und auszuhalten seien, erschrickt Böhme vor der sich auftuenden Tiefe des Leidens → Böhme wird des Leids HERR durch geistige Schau
- zieht eine Verbindung zwischen der Tiefe in der Natur und der Tiefe, an der der Mensch teilhat → großer Eindruck auf C.G. JUNG (Böhme)

Wertung

- …der MANN, dessen Schriften alles das gediegen und in einer festen MASSE enthalten, was UNS seine albernen Nachfolger mit einer bloß scheinbaren VERSTÄNDLICHKEIT verdünnt und verdorben übergeben, ist und bleibt einer der ersten SCHRIFTSTELLER unserer NATION. Für das, was die Rezensenten heutzutage das Weben des Genies hoch in den Wolken oder das Brausen desselben am Boden des Ozeans nennen, für die halbausgedachten großen Losungsideen denkender Adepten, in denen sich ihre Seelen KÜSSEN, in einem Goldregen von Wörtern und Ausdrücken der lechzenden Seele versinnlicht, ist nie jemand ihm gleich gewesen. Denn unsere beiden PREUßEN und unser Schweizer sind bloße Originalköpfe, Leute, die bloß das subtilere Babel schreiben (LICHTENBERG)
- durch ihn regte sich nach Luthers Schullehre des Religiösen das GEFÜHL des Numinosen wieder (OTTO)
- urdeutsch, denn alles Leben wächst bei Böhme über des Grimmes ABGRUND, ist somit dynamisch (Rothacker)
- eine theogonische Natur (Schelling)

Literatur

W. Elert: Die voluntarische MYSTIK J.B.s
E.H. Lemper: J.Böhme - Leben und WERK
G. Wehr: Alle WEISHEIT ist von Gott.

boehme.txt · Zuletzt geändert: 2019/08/18 16:53 von Robert-Christian Knorr