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naturalismus

NATURALISMUS

- hob die Rücknahme der AFFEKTe der KLASSIK wieder auf durch z.B. psycholektische SPRACHE
- um 1900 kamen alle sonst miteinander konkurrierenden Literaturströmungen dahingehend überein, daß der Naturalismus als Wahrnehmungsform der deutlichen WIRKLICHKEIT ausgespielt habe → die TENDENZ verschob sich ins Mystische, Dunkle
- KUNST, die bemüht ist, die reale WELT widerzuspiegeln und auf Menschen einzuwirken;

- gesteht der räumlichen NATUR Superiorität zu und betrachtet alles geistige nur vom STANDPUNKT des Naturforschers aus
- hat im Sittlichen die Folge, menschliche HANDLUNGen einzig dem SELBSTERHALTUNGSTRIEB zuzuschreiben
- hat im Künstlerischen die Folge, daß Kunst nicht der SCHÖNHEIT, sondern der WAHRHEIT dienen soll → unanschauliche Prozesse anschaulich darstellen
- wirtschaftliche Konzentrationsprozesse in der GESELLSCHAFT im Miteinander darstellen
- Besinnung des IDEALISMUS auf die verlorenen Mittel
- hohe SCHULE der Nerven → Vorbereitung des Neuen; ein Zwischenakt (BAHR)
- Region der Wachsfigurenkabinette (NIETZSCHE)
- hat uns von alten, matt gewordenen Traditionen befreit und, wie so oft, sich als Übergang zu einem neuen IDEALISMUS erwiesen, der nur freilich bei uns, wie überall, in der Unruhe des modernen Lebens schwer zu dauernden Formen und Gehalten kommt (TROELTSCH)

Naturalismus-Dekadenz

Naturalisten: öffnen eine zweite Natur
Dekadenz: verliert sich in Leere, denn die SEELE wird von der Natur, dem Leben genährt (Bahr)

Naturalismus-Moderne

- die Naturalisten begnügen sich mit der Diagnose der SITUATION und halten sie für hoffnungslos
- wir Modernen haben kein anderes GESETZ als die WAHRHEIT, wie jeder sie empfindet
- die Wahrheit in die Seele bringen, d.i. die neue Kunst (Bahr)

formale Aspekte

TAINE sah als BASIS für positivistische Experimente die Einheit aus RASSE, Milieu und MOMENT. Er formulierte diese Aspekte in seiner MILIEUTHEORIE. Arno Holz fand 1891 in seinem WERK Die KUNST. Ihr WESEN und ihre Gesetze. eine Gesetzmäßigkeit in allen EREIGNISsen. Von ihm stammt die mathematische Formel „Kunst = Natur - x“. Das „x“, die Differenz aus Natur und Kunst, müsse dabei so klein wie möglich sein, damit die LITERATUR die Realität möglichst exakt abbilde. Behandelt wurden die Themen „SOZIALE FRAGE“ und „Großstadt“ - GROßSTADT meist als Ort des ELENDs und Schmutzes wahrgenommen, ein Ort, an dem alle Aspekte der NATUR verloren gegangen sind. Die LYRIK verlor an Bedeutung, wichtiger waren epische Kleinformen, wie Skizze, Studie, NOVELLE, Kurzerzählung. THEMA der Prosaformen waren u.a. Auseinandersetzungen mit der Beziehung zwischen DICHTER und PROLETARIAT, Großstadt und INDUSTRIALISIERUNG.
Eine vollkommen neue ERZÄHLTECHNIK, die erstmals von den Naturalisten verwendet wurde, ist der Sekundenstil. Mit Hilfe dieser Technik wurde SEKUNDE für Sekunde RAUM und ZEIT geschildert. Die Technik des Sekundenstils fand z.B. bei Bahnwärter Thiel von HAUPTMANN, oder Papa Hamlet von Holz/Schlaf Anwendung. Eine weitere TECHNIK, die man häufig in naturalistischer PROSA antrifft, ist der innere MONOLOG, der häufig mit den Gestaltungsmitteln des Sekundenstils übereinstimmt.

französischer Naturalismus

- Schilderung der Wirkungen, die bestimmte Voraussetzungen, nämlich Lebensverhältnisse, auf die an sie ausgelieferten Menschen haben (FLAKE)

naturalismus.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:18 (Externe Bearbeitung)