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HORAZ

vollständiger NAME: Quintus Horatius Flaccus von Venusius
65-8 v.Chr.
römischer POET aus dem Kreise des MAECENAS
- der Sohn eines Freigelassenen erhielt eine gute Ausbildung, bevorzugte einen gemäßigten Epikureismus und liebte die FREIHEIT - schlug deshalb eine Stelle als Sekretär des OCTAVIAN aus -, was ihn in späteren Jahren mehr auf die Seite der STOIKER brachte
- kämpfte an der Seite BRUTUS' in PHILIPPI, 42 v.Chr., war jedoch feige
- schrieb vorzugsweise SATIREn, denen Kummer oder Entrüstung fehlen
- thematisiert Geiz, Einbildung, Geldgier, Erbschaftsheuchelei
- verherrlicht Octavian, dem er WEISHEIT konzediert
- sich selbst sagte er weis, daß ihm EHRE gebühre, solange ROM bestehe, denn er habe aeolium carmen ad italos deduxisse modos - das aiolische LIED ins italische Maß gebeugt

Horaz heute

Die GEBURT eines Menschen kann sich, abgesehen von den neun Monaten der Entwicklung, bis zu 24 Stunden hinauszögern. Der TOD kommt plötzlich, innerhalb weniger Sekunden- abgesehen von der eventuellen Leidenszeit. Geht UNS während unseres Lebens immer mehr Zeit verloren? „Zeit zum Leben und Zeit zum STERBEN.“ - Im Speziellen kann man den Blick der ZEIT auf den Tag legen. Unsere Tage scheinen immer schneller zu vergehn. TEMPUS FUGIT! Die Zeit flieht. Sie läuft uns davon.Wir bestellen „Coffe to go“ und hasten damit zur ARBEIT.
Manche Menschen sind so gehetzt, arbeiten so viel, daß sie das Zeitgefühl verlieren und jeder kennt es: Die Zeit flieht, wenn sie schleichen soll und schleicht, wenn sie doch fliehen sollte.
TSCHAIKOWSKI komponierte einst den „Tanz der Stunden“. Und so bewegen wir uns im Takt der Zeit und manchmal tanzen die Stunden nur so dahin. Das THEMA dieser Komposition ist Werbejingle der Firma „Coppenrath&Wiese“. Sie stellt kleine Kuchen und Torten her. Kleinigkeiten, mit denen man sich den Tag, die Zeit versüßen kann. Um mal auszuspannen, die Beine hochzulegen, was für die SEELE zu tun, auf daß die Zeit stehen bliebe. Oder um den „MOMENT zu genießen“, wie auch der Werbeslogan des Tee-Herstellers „Messmer“ lautet. Es gibt tausende Möglichkeiten, wie wir uns den Tag versüßen können.
Die Zeit und unser LEBEN sind miteinander verbunden. Folglich sind wir gezwungen, den für uns richtigen Umgang mit ihr zu finden. Und wenn wir zur Ruhe kommen und über unser Leben nachdenken, fällt uns meistens auf, wie viel Zeit vergangen ist, entflohen ist. Dann ist der Blick auf den Tag unwichtig. Der Gesamtblick auf das Leben wichtiger. Wie wir die Zeit für unser gesamtes Leben verbrauchen.
So möchte ich mich in dieser Arbeit mit dem Thema Zeit und ihrem Umgang auseinandersetzen.
Ich werde im ersten Punkt genauer darauf eingehen, was Zeit sein mag. Dann werde ich die beiden Oden und den Textauszug der BIBEL im Hinblick auf die Zeit interpretieren. Anschließend komme ich zum Umgang mit der Zeit. Doch gewiß reichen zehn Seiten nicht aus, um dem Thema Zeit GERECHT zu werden. So soll dies hier nur ein vorsichtiger Denkanstoß sein.
Die Zeit ist knapp. Keine Frage. Schon SENECA schrieb von der Lebenskürze, der „brevitate vitae“. Sie ist eins der GÜTER, das der Mensch nicht besitzt, das ihm nur zur Verfügung steht. Zwar in sehr hohem Maß, aber doch begrenzt. Genauso wie das GUT der FREIHEIT. Die Zeit als eine BEWEGUNG, ein „Ablauf von Geschehnissen“ oder als eine „gegebene ORDNUNG“. Nur, war die Zeit schon immer da oder mußte sie erst erschaffen werden? Oder waren es gar die Menschen, die sie erschufen? Denn erst durch unsere Taten und Entscheidungen, allein durch unser „SEIN“ vergeht doch Zeit, wird sie also in den Raum gestellt.
Nur, für die Aufgaben, die uns das Leben stellt, scheint die Zeit immer zu knapp zu sein, so daß wir auswählen müssen, was wichtiger ist, Zeitmanagment betreiben müssen. „Dazu bin ich leider nicht gekommen“, beinhaltet so doch bloß, daß andere Dinge wichtiger waren, die Zeit für Wesentlicheres, Dringenderes oder Angenehmeres genutzt hat. Aber so oft wir uns auch nach der Zeit richten müssen, so oft sie uns auch „gefangen hält“, können wir uns auch mal „Zeit nehmen“.
Dann nehmen wir uns Zeit, um zur Ruhe zu kommen, aber wohl am wichtigsten: Zeit, um wichtige Entscheidungen zu überdenken und dann die richtige zu treffen.
Oder wir brauchen Zeit, um im wahrsten Sinne des Wortes Gras über die Sache wachsen zu lassen. Den SCHMERZ zu VERGESSEN und sich zurückzuziehen. So nimmt uns die Zeit nicht immer nur Stunden unseres Lebens, sondern sie hilft auch auf wunderbare Weise zu vergessen und mit Schicksalsschlägen fertig zu werden.
Der Sänger Gerhard Gundermann sang, daß das „GRAS immer wieder wächst“, das Leben also immer weitergeht, die Zeit niemals still steht.
Ein altes, afrikanisches SPRICHWORT lautet auch: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Und das stimmt auch. Es ist immer der gleich kurze oder lange Takt des Lebens. Wenn die Zeit also flieht, dann nicht, weil die Zeit schneller läuft oder weil sie uns bösartig das Leben stehlen will, sondern, weil wir trotz „Yoga-Meditation-Postkarten-Wellnes-Sprüchen-WAHN“ unserer Zeit immer noch nicht gelernt haben, den DINGen den WERT zuzuorndnen, den sie verdienen. Was natürlich SUBJEKTIV ist. Aber schon Rosa LUXEMBURG sagte: Die Freiheit ist die des Andersdenkenden.
Das GEFÜHL für die Freiheit ist auch subjektiv, wie das der Zeit. Wir können die Zeit eben nicht fassen, und sollten es auch nicht versuchen. So stark sie auch erscheint, ist sie doch auch zerbrechlich und verflieht im Raum von SEKUNDE zu Sekunde. „Nur wenn wir uns der KÜRZE des Lebens bewusst werden, können wir vielleicht seine Knappheit bewältigen.“

Den maßvollen Umgang mit der Zeit, die Mahnung an ihre Vergänglichkeit, die Werte der JUGEND und den GENUß des so kurzen Lebens hat Horaz in seinen Oden zu einem wichtigen Thema gemacht. Er wurde vermutlich am 8. Dezember 63 v. Chr. in Venosa/ Venusia geboren und verstarb am 27. November 8 v. Chr.. Horaz ist einer der berühmtesten DICHTER der ANTIKE, stammte aber keineswegs aus der gehobenen Schicht, war er doch der Sohn eines Freigelassenen. Dennoch genoß er eine hervorragende Ausbildung, die mit dem Studium in ATHEN endete. Der militärische Aufstieg blieb ihm verwehrt und so mußte er sich mit dem literarischen ERFOLG zufrieden geben. Und dieser stellte sich schon ab den ersten veröffentlichten Dichtungen im Jahre 30 v. Chr. ein und hob ihn damit auch aus der materiellen NOT.
Zu seinen engsten Freunde zählte er MAECENAS und Augustus, der spätere OCTAVIAN, der ihm auch ein Landgut in den Sabiner Bergen schenkte. Dieses Landgut zählte Horaz zu seiner zweiten HEIMAT. Als er 8 v. Chr. als 57jähriger starb, benannte er Augustus zu seinem Erben.
Philosophisch betrachtet war Horaz Anhänger des EPIKURismus. Einige Gedanken aus der stoischen SCHULE sind auch in seine Dichtungen eingeflossen.
Die Oden - lateinisch als die Carmina bezeichnet - veröffentlichte er 23 v. Chr. mit insgesamt 88 lyrischen Gedichten. Gewiß stand er unter dem Einfluß der hellenischten Schule und übernahm aus dieser metrische Formen und Modelle, er distanzierte sich aber von der hellenischten KUNST der POESIE mit ihren Verkünstelungen und ihrer „Zartheit“ und schuf so ein BILD der klassischen Dichtung.

Die Oden neun und elf aus dem ersten BUCH und der Auszug aus der Septuaginta sind gebaut auf dem Gerüst der Zeit und ihrer Vergänglichkeit.
In der neunten Oder verbindet Horaz die Vergänglichkeit der Zeit mit der der Natur. Sie besteht aus neun Strophen zu je vier Zeilen. Horaz verwendet drei Naturbilder. Er beginnt im Winter, nennt die stürmischen Winde und endet im Frühling, dem FRÜHLING der Liebe. Er wendet sich in einer rhetorischen Frage an den Leser. Ob der denn den hohen SCHNEE – „alta nive“ - und die LAST des Schnees auf den Bäumen erkenne? So auch den Gipfel des SOKRATES, den „candidum Socrate“ und das Eis der Flüsse?
Horaz erschafft also ein Bild der GEWALT. Er versucht die Kraft des Winters, des Sterbens also, zu verbildlichen. Und so heißt es in der zweiten Strophe auch: “Dissolve frigus. - Banne die KÄLTE!“
Er verlangt, die Gedanken an den Tod abzulegen und sich dem Genuß des Lebens zu widmen, was für ihn, als RÖMER und Genießer, mit dem Genuß des Weins verbunden ist. Noch dazu, wenn er „aus dem sabinischen Kruge“ fließt, dem WEIN seines Guts also.
In der dritten Strophe schreibt er von Stürmen, keinesfalls typisch für den Winter, sondern für den herannahenden Frühling, so daß er eine gewisse Dynamik in diese Ode bringt, das Beständige der Zeit in den Vordergrund hebt. Nach jedem Winter folgt ein Frühling, auf gute Zeiten folgen schlechte, und umgekehrt. - Er schreibt von der Zypresse, dem typisch römischen „Baum des Lebens“, einem zarten und sich dem Wind anpassenden Baum und setzt die alte ESCHE dagegen. Sehr hartes HOLZ, das sich kaum regt im Sturm. Man soll sich also dem Lauf der Zeit anpassen, sich dem Wind beugen. Andererseits auch nicht zulassen, daß der Gedanke an den Winter, den Tod, überhand nimmt und unser Leben zu sehr beeinflußt.
So kündigt der Sturm, hier von den Göttern gesendet, den Frühling der Liebe an. Dass der Sturm von den Göttern gesendet wird, betont wieder, dass sie unser Schicksal bestimmen.
Erst ab der vierten Strophe rückt das Thema der Zeit in den Vordergrund. Horaz nennt die süßen Seiten des Lebens, die „Wonnen der Liebe und das Tanzen.“ „Quid sit futurum cras, fuge quaerere, et quem Fors dierum cumque dabit, lucro aspone“ - den AUGENBLICK genießen und unbeschwert durch das Leben gehen. Ein typisch epikureischer Gedanke. Und dieser Gedanke ist in dieser Ode wohl der Schlüsselvers.
Auf ihn bauen sich auch die nächsten Strophen auf. Sie handeln davon, wie man die Zeit verbringen soll und zwar solange wie man noch jung ist und uns nicht das Alter plagt, das „grämliche“ Alter, wie Horaz schreibt. Doch muß der Mensch freilich auch arbeiten, er kann nicht immer nur „faulenzen“. So soll er tagsüber auf FELD und MARKT arbeiten, um dann abends - erst die Arbeit, dann das Vergnügen - nach Hause zu seiner Liebsten zu eilen.
Die letzte Strophe hat keine besonderes Gewicht mehr, sie läßt die Ode nur noch stilvoll ausklingen und erschafft ein Bild zweier LIEBENDER, die GLÜCKLICH sind. Doch beginnt er diese Strophe mit dem Wörtchen „nunc“, was auch schon in der vorhergehenden vorkommt. Dieses kleine Wörtchen macht deutlich, dass es Horaz um das „Hier und Jetzt“ geht. „So, als GEGENSATZ zu einem grämlichen Versenken in die VERGANGENHEIT und einem bangen Blicken in die ZUKUNFT, gebraucht es Horaz oft in ähnlichen Aufforderungen zur Freude.“
So hat Horaz es geschafft, den Lauf der Jahreszeiten und die Natur, die unser Leben unmittelbar beeinflussen, auf das Leben des Menschen und seine Zeit auf Erden zu übertragen.
In der elften Ode geht er genauer auf das Leben des Menschen ein. Dort spricht er sogar von SÜNDE, wenn man nach dem SINN des Lebens fragt. „Tu ne quaereris, scire nefas“. Es ist für ihn Zeitverschwendung. Dadurch wird man nur griesgrämig und im Herzen alt.
„Ob der Winter noch mehr Juppiter schenkt, ob es der letzte sei“ - es ist ihm keineswegs egal, aber er zählt viel angenehmere Dinge auf, wie man sein Leben versüßen kann. So spricht er hier zwar nicht von der Liebe, doch wieder vom Wein. Ganz nach dem Motto: in vino veritas.
Der „HOFFNUNG Flug“ - eine sehr schöne METAPHER - soll gebremst werden. So ist ein Flug immer ein Weiterkommen, ein Entfernen. In der ROMANTIK hätte man von SEHNSUCHT gesprochen. Doch dieser Flug, der Blick auf das nahende Ende, auf die noch verbleibende Zeit, soll auf den Tag beschränkt werden. Man muss sich seinem Schicksal beugen, seinem „pati“, wie er weiter oben sagt. Das setzt er gleich mit KLUGHEIT und fordet zur sapientia auf. „sapias“.
Die Zeit wird durch das Nachdenken nur vergeudet und Horaz personifiziert sie, indem er sie als neidisch darstellt. „invida“ In diesen Zeilen steckt ein scheinbarer WIDERSPRUCH. Horaz weiß, dass wir uns der Zeit beugen müssen, gleichzeitig stellt er dieses Gut jedoch auf eine Stufe mit dem Menschen, was auf den ersten Blick widersprüchlich erscheint. Doch wenn uns die Zeit beneidet, dann doch nur, weil wir leben können, das Leben genießen können und entscheiden können, wie wir sie nutzen. So erstellt Horaz ein Bild der ewig hastenden Zeit und dem Menschen, der sich ihr widerstreben kann, indem er den Moment genießt, die „Macht“ Zeit hat uns dennoch trotz ihres Neides fest im Griff.
Der Aufbau der elften unterscheidet sich von dem der neunten. So schreibt er seinen Schlüsselvers dieses Mal als letztes: carpe diem quam minimum credula postero. Auch besteht die elfte Ode nur aus einer Strophe, mit acht Zeilen.
Doch in beiden Oden benutzt Horaz viele Aufforderungen, wie tu ne quaereris, sapias, carpe diem, dissolve frigus und lucro adpone.
Der Bibelauszug dagegen ist frei von Aufforderungen, er bildet eher eine objektive Sicht auf die Zeit und vorallem auf die Pflichten, die ein Mensch im Leben hat. So spart er an Ausschmückungen, sondern stellt in Thesen und Antithesen dar, wie die Zeit zu nutzen ist. Was gewiß auch helfen kann, den richtigen Umgang mit der Zeit zu finden. Der Auszug beginnt mit einer These: Omnia tempus habent et suis spatiis transeunt universa sub caelo. Im Diesseits - das JENSEITS ist EWIG - hat der Mensch also die Aufgabe, für folgende Tätigkeiten, den richtigen Zeitpunkt zu finden: Er soll pflanzen, er wird WEINEN, tanzen, schweigen, suchen, hassen und in FRIEDEN leben. Da der Mensch aber „zwei Seelen in seiner Brust hat“, wird er auch ausreißen, LACHEN, klagen, reden, finden, LIEBEN und Krieg führen.

Der TEXT hat eine ungeheure Gewalt. Es werden - scheinbar nur gefühlslos - die Tätigkeiten aufgezählt. Dennoch wird dadurch eine sehr mächtige STIMMUNG erzeugt. Allein schon durch das über sieben Verse andauernde Aufzählen. Doch es ist auch ein Bibeltext, also soll die Macht Gottes, der über diese Zeit verfügt und allem die Zeit gibt, verdeutlicht werden. Aber auch ein Nicht-Gläubiger könnte beim Durchlesen Gänsehaut bekommen, da ihm plötzlich der Gedanke kommt, daß er selbst über die Zeit verfügt und die Zeit offenbar nur Teil der Tätigkeiten oder Pflichten ist. Und da man selbst entscheiden kann, wann man etwas macht, hat man auch die MACHT über die Zeit.
Dieser Gedanke widerspricht Horaz, der zwar fordert, der Zeit nicht zu viel zu gedenken, doch aber vorraussetzt, daß der Mensch sich dem Lauf der Zeit, und damit auch in gewisser Weise den Göttern, unterwirft. Die Frage, die sich Horaz stellt, ist nur, in welchem Maße.

Horaz ist, geprägt durch die PHILOSOPHIE des EPIKURISMUS, der Ansicht, daß das Leben viel zu kurz und kostbar sei, um es mit dem Gedanken an den Tod zu vergeuden. Im Textauszug der Bibel steht, alles habe seine Zeit. Nur wann der Mensch liebt, haßt, pflanzt, sucht und andere Dinge macht, ist ihm überlassen, im GLAUBEN daran, daß irgendwann die Zeit für etwas anderes gekommen ist, dass die Zeit nicht still steht. Nur, wie wird die Zeit richtig genutzt? Das ist eine unmögliche ENTSCHEIDUNG. Es gibt kein „falsches“ und kein „richtiges“ Nutzen. Man kann sich nicht, wie der Mensch im ALTERTUM, der Vergangenheit erinnnern und somit ständig an die „verschwendete“ und „verbrauchte“ LEBENSZEIT denken. Und man sollte sich auch nicht, wie der moderne Mensch, der Zukunft ständig gewahr werden und daran denken, wieviel Zeit man noch hat und wieviele Wege noch vor einem liegen.
Insofern hat Horaz ganz recht, indem er dazu ermahnt, nur in der Gegenwart zu leben. Aber ganz so einfach will ich es mir auch nicht machen.
Ich denke, man sollte nicht daran denken, wieviel Zeit man „lebt“, sondern „wie“ man sie lebt. „Edel sei der Mensch. Hülfreich und gut“ (GOETHE). Vielleicht sollte man also nicht, nur darauf achten, dass man seine Taten immer mit seinem GEWISSEN, seiner MORAL vereinbaren kann, sich sozusagen selbst treu bleibt und dabei die Menschen, die man liebt, nicht verletzt und ihnen nicht unnötig die Zeit stiehlt. Daß man, wenn ich an die Kinder berufstätiger Menschen denke, die Zeit vor allem mit diesen Menschen verbringt oder sich um die FAMILIE kümmert. Denn dazu ruft ja auch der Bibelauszug auf. Bei aller Philosophie über das richtige „Nutzen“ sollte man nicht vergessen, dass nun auch mal das „amandi“ „dran“ ist. Daß auch eine Zeit kommt, in der man sich mit ganz alltäglichen Dingen beschäftigt, um sich dann später wieder mit der höheren Kunst der Philosophie auseinanderzusetzen. Ein ewiges Kommen und Gehen, ein ständiges Auf und Ab, Leben und Sterben, wie Horaz mit dem Winter und dem herannahenden Frühling wohl verdeutlichen wollte.
So ist das „richtige“ Nutzen der Zeit für mich, wenn ich die richtige Balance zwischen Egoismus und Fürsorge schaffe. Wann ich also nur die Zeit für mich nutze - ob das jetzt die KARRIERE oder die Freizeit ist - und wann ich sie mit meinen Verwandten, Freunden oder hilfesuchenden Menschen verbringe.
Man sollte sich am Ende seines Lebens nicht fragen, wieviel man geschafft hat, sondern, wie intensiv man gelebt hat und ob man das Leben voll ausgekostet hat.
Der Hektik des Lebens sollte man abundzu für einen Augenblick entfliehen, bis die Zeit gekommen ist, um sich wieder in die Hektik des Alltags zu „stürzen“ . Denn omnia tempus habent. (Charlotte Knorr)

horaz.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:13 (Externe Bearbeitung)