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zenon

ZENON

Zenon von Elea

490-430 v. Chr.
- Freund und Adoptivsohn des PARMENIDES
- starb qualvoll nach einem Aufstand
- Vater der DIALEKTIK, logisch verstanden, nicht erkenntnistheoretisch

Erkenntnislehre

- bewies, trotz ungenügender Vorstellungen vom Unendlichkeitsbegriff, an dem später Platon arbeitete, mit beweglichem GEIST die Unmöglichkeit Begriffe zu fassen → wurde angetrieben, weil sich Griechenland über die Lehre des Parmenides von der Unbeweglichkeit des Seienden schier totlachen wollte
- die Sinnenwelt kann vor dem DENKEN nicht bestehen
- der RAUM als Anschauungsobjekt ist dem Raum als Verstandesbegriff nicht an die Seite zu stellen - vergleiche Paradoxa

Dialektik

→ die eine BEWEGUNG wird von einer anderen unterschieden

  • innere Dialektik

→ nicht nur eine Bewegung unserer Einsicht (MEINUNG), sondern eine aus dem WESEN der Sache selbst, d.h. dem reinen Begriffe des Inhalts innewohnende Bewegung, denn Im Rechten ist auch Falsches und im Falschen auch Wahres.

Paradoxa

  • Dichotomie - unendliche Teilung

Es wird angenommen, der KÖRPER a bewege sich von Punkt b zu punkt c. Es leuchtet ohne weiteres ein, daß der Körper a, um den Punkt c zu erreichen, zuerst die Hälfte der Strecke bc durchlaufen muß… Da nun unendliche Teilbarkeit der Strecke unterstellt ist, folgt daraus nicht nur, daß a den Punkt überhaupt nicht zu verlassen vermag, ergo muß das Denken Bewegung aus dem wahren SEIN ausschließen.
ARISTOTELES geriet über diesen Gedankengang Zenons in Aufregung. Die Unwirklichkeit der Bewegung könne doch nicht logisch beweisbar sein. Er argumentierte gegen Zenon:
Zenon übersieht den Unterschied zwischen MÖGLICHKEIT und WIRKLICHKEIT. In der Möglichkeit mögen Raum und Zeit unendlich teilbar sein, in der Wirklichkeit sind sie es nicht. Die Bewegung ist das Wesen von Raum und ZEIT.

  • Der fliegende Pfeil

Zenon geht auch hier von der Annahme der Gegner des Parmenides aus, daß Bewegung wirklich ist, und weist durch kritische ANALYSE nach, daß diese Annahme zu Widersprüchen führt.
Die Bewegung des Pfeils erfolgt durch die Summe der Raumeinnahmen des Pfeiles, ist also die Summe der Ruhezustände des Pfeils. Das ist ein Widerspruch, denn wie kann die Summe von Ruhezuständen Bewegung sein?
→ Aristoteles meint, der IRRTUM des Zenon ruhe daher, daß er die Zeit nicht als ein Fließendes, sondern als ein Jetzt auffaßt. Bewegen heißt aber: zur gleichen Zeit an einem Ort sein und nicht an einem Ort sein (HEGEL). Das mag der abstrakten IDENTITÄT widersprechen, aber ohne diesen Widerspruch gibt es keine Bewegung.

  • Achilles und die Schildkröte

Es wird ein Wettrennen zwischen dem schnellfüßigen ACHILLES und einer Schildkröte veranstaltet. Die Ausgangspositionen sind so, daß die Schildkröte einen knappen Vorsprung bekommt. Wird Achilles die Schildkröte einholen?
Selbstverständlich, meinen alle, nur Zenon nicht, denn dieser argumentiert: Mag auch Achilles schneller laufen als die Schildkröte, trotzdem legt die Schildkröte im Laufe eines Zeitpunktes eine Strecke zurück, die niemals gleich null ist. Folglich kann die Distanz, die Achilles von der Schildkröte trennt, niemals in diesem Laufe null werden. Folglich kann Achilles die Schildkröte nie einholen. Argumentationsweise aus der Dichotomie.
→ Aristoteles entgegnet dem Zenon, daß Achilles die Schildkröte durchaus einholt, wenn man es ihm gestattet, die Grenze zu überschreiten - determinatio est negatio, sagt Hegel.
- heute weiß man, daß unendlich konvergierende Reihen (hier der ABSTAND zwischen Achilles und Schildkröte) einen endlichen Grenzwert haben können → Zenons Prämisse ist somit hinfällig: Die Differenz kann null betragen und darüber hinausgehen, mithin überholt Achilles die Schildkröte

  • Das Stadion

Im STADION befinden sich drei Gruppen zu je vier Athleten. Die erste Gruppe befindet sich im Ruhezustand. Von links läuft die zweite Gruppe und von rechts die dritte Gruppe an der ersten, ruhenden Gruppe vorbei. Was folgt hieraus, wenn unterstellt wird, daß die Läufer der zweiten und dritten Gruppe sich in gleicher Geschwindigkeit bewegt haben? In ein und derselben Zeit durchläuft z.B. der Läufer b1 die Punkte c1,c2,c3,c4, hinsichtlich der ersten Reihe jedoch nur die Punkte a3 und a4. Das unterschiedliche Resultat hängt natürlich davon ab, von welchem Standort wir die Bewegung beobachten. Aber im Resultat kommen wir zu dem Widerspruch, daß zwei gleich vier.

Wertung

- das reine Denken der Eleatischen Schule ist ein Denken als Bewegung im BEGRIFF → dieser wird in sich zur reinen SEELE der WISSENSCHAFT
- Zenon faßte Momente und Gegensätze begrifflicher als XENOPHANES und Parmenides: GOTT ruht weder, noch ist es bewegt; denn es ist dem Nichtseienden und dem Vielen nicht gleich. Gott ist weder bewegt, dem Vielen gleich, noch unbewegt.
- kam zuerst zur Bewegung, um Zusammenhänge zu erklären

Hauptsatz der Eleatischen Schule

Es gibt nur ein einiges unveränderliches, von Zeit und Raum unabhängiges Sein und keine Vielheit von Dingen.
- ein leerer Raum ist nicht, denn worin ist er?
- Zenon ist der erste Verfechter des Prinzips der Identität: Das NICHTS ist gleich nichts, geht nicht ins Sein über noch umgekehrt; aus gleichem kann daher nichts entstehen.
- leugnete die Bewegung, weil sie inneren Widerspruch habe
→ Es waren wahrscheinlich pythagoräische Kreise, die behaupteten, die Teilbarkeit der Dinge sei endlich: Sonnenstäubchentheorie; nach Zenon besitzen jene Kerne entweder Größe und Ausdehnung, dann unterliegen sie auch dem Banne der Teilbarkeit; oder sie besitzen diese nicht, dann sind sie auch nicht die Bausteine, aus denen die Gebäude der Stoffwelt aufgeführt sein können

Problem: Das Eine ist irreal und das Viele wird irreal, zerfällt.

Zenon von Kition

363-264 v.Chr.
- Schüler des Kynikers Krates in Athen, dann Stilpons in Megara und zuletzt des Akademikers POLEMON
- begründete die STOA in einer Säulenhalle in ATHEN, die nach den Malereien des Polygnotos die bunte, poikilh hieß

Logik

- Ideen sind bloße Abstraktionen; nur das Sinnliche ist wirklich vorhanden → Allgemeinbegriffe sind nur Namen
- die Vorstellungen, fantasia stammen aus der sinnlichen WAHRNEHMUNG, deren ERINNERUNG der VERSTAND zu Begriffen verknüpft
- was WAHR SEIN sein soll, muß in zwingender Evidenz von der SEELE ergriffen werden
- von den aristotelischen Kategorien bleiben vier übrig: SUBSTANZ, Eigenschaft, Beschaffenheit, Verhältnis

Erkenntnislehre

- wirklich ist das Wirkende oder auf sich wirken Lassende, Körper → auch die Seelenzustände sind Erkenntnisgegenstände, da in ihnen KRAFT und LEBEN wirkt
- das PRINZIP aller Wandlungen ist das PNEUMA - VERNUNFT und bildende Kraft, zugleich Träger der Samenkeime für die wechselnden Gestaltungen der Dinge
- was geschieht, geschieht aus NOTWENDIGKEIT, wobei göttliche und natürliche Gesetzlichkeit zusammenfallen
- auch das BÖSE steht in einem Ganzheitszusammenhang, THEODICEE
- die WELT vergeht und kehrt in das Urfeuer zurück, woraus eine neue Welt entsteht, die der alten ganz gleich ist
- die menschliche Seele wohnt im Herzen, denn die Worte kommen aus der Brust und besitzt acht Vermögen: fünf Sinne, dazu Sprachvermögen, Bildungskraft, Denkkraft

Ethik

Der MENSCH strebe nach Gottähnlichkeit!
- WISSEN und TUGEND sind Eigenschaften der Gottähnlichkeit → zielt auf das Erreichen von WEISHEIT, d.i. Einsicht in göttliche und menschliche Dinge, richtiges Urteilen und auf Tugend, d.i. eine sittliche ENERGIE, die Beherrschung von Leidenschaften und eine Koordinationsinstanz zwischen subjektivem Wollen und objektivem Weltganzen
- Tugend ist außerdem selbstgenügsam, d.h. hinreichend, um zur Glückseligkeit zu gelangen: stoische Apathie gegenüber der LUST
- alles SCHICKSAL ist vorgezeichnet und zu ertragen
- es gibt keine Grade des Guten, auch nicht des Schlechten
- Pflichten zerfallen in Selbstpflichten zur SELBSTERHALTUNG und Sozialpflichten zwecks Nächstenliebe

zenon.txt · Zuletzt geändert: 2019/07/28 16:27 (Externe Bearbeitung)