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REICH

als Adverb resp. Adjektiv

- nur derjenige, wer von seinem Jahreseinkommen den Unterhalt einer Legion bestreiten könne (Crassus)
- wer im klassischen Athen zur Liturgie verpflichtet wurde (Lotze)

als Substantiv

Reichsfahne um 1630bestand von 800-1805
- Kaiser und Reichsstände → Wechselspiel auf Reichstagen, wobei sich der Kaiser zumeist durchsetzte
- deutsche Variante des imperialen Gedankens, im Unterschied zu diesem auf Kultur und Sicherheit sich gründende Gemeinschaftsform ohne nationale oder zivilisatorische Grundierung;
- die Grundlagen des frühmittelalterlichen Reiches:

  • Königsgut
  • Grafschaftsverfassung
  • Schutzherrschaft über die Reichskirchen;

- der Begriff fällt zusammen mit einem gewissen, freien und nackten Leben, das wir wiederfinden müssen, um endlich neugeboren zu werden; wir befinden uns im Exil und werden zum Reich nur zurückfinden, wenn wir auf dem Wege dahin sowohl Knechtschaft als auch Besitzergreifung abzulehnen vermögen (Camus)
- politisches Gebilde, in dem eine gültige Form hohen Daseins gefunden ist (Freyer)
- Abglanz einer göttlich geordneten Welt, der, aus religiöser Tiefe stammend, einen Höchstgrad irdischer Ordnung verkörpert
- eine Völkergesellschaft, die unter deutscher Führung sich den höchsten Schlichter und Richter zur Wahrung ihrer Universalität selbst gesetzt hatte
- Tiefenbegriff und von einer Beweglichkeit in rechtlicher Beziehung, die sich unser formalrechtliches Zeitalter nicht träumen läßt (Edgar Jung)
- systematische Verbindung verschiedener, vernünftiger Wesen durch gemeinschaftliche Gesetze (Kant)
- das mit politischer Organisation durchdrungene Land → Gegenstand der Staatswissenschaft (Kjellen)
- vorstaatlicher politischer Verbund (Schilling)

E. Reich

- die Entdeckung der Arbeiterklasse für die bürgerliche Kunst - Naturalismus
Die bürgerliche Kunst und die besitzlosen Volksklassen 1892

frühneuzeitliche Phase

zwischen 1500 und 1804

→ tatsächlich verzichetetn die frühneuzeitlichen Kaiser auf den Romzug und nannten sich erwählte römische Kaiser, sie zogen auch nicht nach Aachen zur Krönung, sondern vollzogen die meist auch in Frankfurt/Main

II. Reich

- dauerte von 1871 bis 1918

- zunächst nur eine äußere Form, die als solche, als Peripherie, als offiziell proklamierte Instanz, naturgemäß vorzugsweise die Äußerungen der Durchschnittskreaturen, die in früheren, individualistischeren Jahrzehnten von ihrer inneren Armut nolens volens (wohl oder übel) zu einer bescheidenen, verschwiegenen Winkelexistenz gezwungen wurden, auslöst
- ist der Ausdruck einer großen sozialen Mobilmachung, die einem jeden, indem sie ihn zum Reichsbürger macht, damit gleichsam eine freimaurerische Erkennungs- und Anerkennungszeichen in die Hand drückt, das in den Reichszirkeln allenthalben verstanden, allenthalben in irgendeiner Form berücksichtigt wird
- ist ein allgemeines, sozial ebbendes, nivellierendes Stichwort geworden, ein Freibillett für gewisse Theater- und Konzertsäle des Lebens - ein Freibillett, das seinem Besitzer erlaubt, sich auch als irgendetwas zu fühlen, nun auch mitzusprechen, nachdem alle ein großes Thema erhalten haben (Conradi)
- war keine nationalstaatliche Gründung, sondern ein Staatenbund, dem auf demokratischer Basis ein Heerkönigtum vorstand und das der Bürger über seine Repräsentation im Parlament (Reichstag) bezahlte
- schillerte im Auge der Ausländer zwischen strenger Friedfertigkeit und betontem Appell an die Machtfrage (Flake)

Wirtschaftsentwicklung

- die konservative Wende in den 1880er Jahren vollzog sich vom Freihandelsdenken zur Schutzzollpolitik für die deutsche Agrarwirtschaft;
- beruht auf dem Dualismus der nationalen Motive (Bismarck)
- erste Ansätze einer staatsähnlichen Verdichtung erfuhr das Reich erst ganz am Ende des Mittelalters (Schmidt)

Drittes Reich

- Bezeichnung auch als lux nova bei Joachim von Fiore, als Reich in der Nachfolger des Vaters (Altes Testament) und des Sohnes (Neues Testament) betrachtet;
- im Sinne des Begriffs „Drittes Reich des Geistes“ ein postulierter Mythos mit Utopie, den Thomas Mann an den Jenaer Frühromantikern orientiert → wirkt aus der Zukunft und der Vergangenheit gleichermaßen: einst
- ist kein Wiederbeleben der heiligen Vergangenheit, sondern Bewußtwerden des Prinzips der Aufklärung, der Ideenwelt, Humanismus, der Zivilisiertheit
- geht über ins Reich der Kunst, d.i. die Wendung vom Religiösen zum Poetologischen → Leiblichkeit (Natur) wird zu Menschlichkeit (Geist);

- die Deutschen sollen einen Konsens finden zwischen der westlichen Doktrin der Gleichheit und der östlichen der Diktatur und dieses dritte Reich des nationalen demokratischen Sozialismus entwickeln und umsetzen, damit sie den Makel von 1789 tilgen (Mann)
- wird ein Reich der Zusammenfassung sein, die in den europäischen Erschütterungen uns politisch gelingen muß (Möller)
- das Reich der Humanität

  • Erstes Reich: Der Mensch in seinem physischen Zustand – Erleidender
  • Zweites Reich: Der Mensch in seinem moralischen Zustand beschränkt – und soll
  • Drittes Reich: Der Mensch in seinem ästhetischen Zustand erreicht Freiheit reiner Geister (Schiller)

- vorausgeht ein Streit von polarer Metaphysik, der Seele-Geist-Gegensatz: im dritten Reich der Neuzeit wird ein Abschluß gefunden, die Erfüllung (Spengler)

Begriffsgeschichte

  1. Joachim von Fiore
  2. die deutschen Pietisten rücken ihn in die Nähe des Goldenen Zeitalters, verbinden diese antike Idee mit christlich-chiliastischen Erwartungen
  3. Wiederaufnahme im 19./20. Jahrhundert durch Bachofen, Mereschkowski, Mann, Moeller van den Bruck
  4. Pervertierung durch Nazis (Berger)
 
reich.txt (1246 views) · Zuletzt geändert: 2018/05/10 12:15 von aerolith
 
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