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PLATON

Plato

Leben

Plato auf einer griechischen Briefmarke von 1998427-347 v.Chr.
- entstammt einem vornehmen athenischen Geschlecht, den Kodros
- eigentlicher Name: Aristokles, sein Vater hieß Ariston, doch wurde er wegen seiner breiten Stirn Platon genannt
- zwischen 408 und Sokrates' Tod genoß er dessen Umgang und widmete seine Philosophie dem einstigen Lehrer
- nach 399 ging er wandern, zuerst nach Megara zu Euklid (nicht der Mathematiker aus dem 3. Jhd. v.Chr.), dann nach Kyrene, Ägypten, Kleinasien, Großgriechenland, Babylon
- in Großgriechenland nahm er regen Anteil an den öffentlichen Dingen, Pythagoräer
- lernte den Tyrannen Dionysios den Älteren kennen und aufgrund dessen Sympathetie für Platos Ideen schätzen, bis dieser ihn dem spartanischen Gesandten Pollis übergab, der ihn auf dem Sklavenmarkt von Ägina an einen Friseur verkaufen ließ
- der Philosoph Annikeris kaufte ihn 389 v.Chr. aus der Gefangenschaft frei, so daß Platon nach Athen zurückkehren konnte
- gründete in Athen in der Nähe eines dem Heros Akademos geweihten Gymnasiums eine Genossenschaft mit fester Disziplin, die sich bis 525 hielt
- zweimal noch verließ er Athen, weil er auf Sizilien mit dem jüngeren Dionysios sein Ideal verwirklichen wollte, doch der Plan scheiterte
- er starb sanft an seinem 80. Geburtstag

Bibliographie

TitelInhalt, Bezugswörter
HippiasWissenschaft und Tugend
LysisFreundschaft
CharmidesSelbstbeherrschung
LachesTapferkeit
ProtagorasDer Weisheitslehrer
EutyphronGottesfurcht
MenonLehrbarkeit der Tugend
KritonBürgerpflicht
PhädrosDas Schöne
GorgiasBeredsamkeit
EuthydemWissenstrug
TheaitetDas Wissen
KratylosDas Benennen
SophistesDas Nichtseiende
ParmenidesDie Ideen
PolitikosStaatskunst
SymposionDie Liebe
PhädonDie Seele
Staat (Politeia)Die Gerechtigkeit
TimäusEntstehung und Gestaltung der Welt
KritiasIdealstaat
PhilebosDie Lust und das Gute
Nomö - GesetzeDer Herrscher

Lehre

- Schüler des Sokrates 470-399 v.Chr., doch im Gegensatz zu seinem Lehrer mit dessen engem subjektivem Gesichtskreis des An- und Fürsichseienden → d.i. subjektiver Idealismus untersucht Platon Wesen und Zweck des selbständigen Willens im Universum/des Universums → d.i. der objektive Idealismus
- Platon hatte erkannt, daß die Sinneserkenntnisse nicht zu festen Regeln beziehungsweise zur Wahrheit führen
- im Gegensatz zu den Sophisten stellt er einen Sinnzusammenhang zwischen Tüchtigkeit und Sittlichkeit her → will der Würde des Begriffs der Sittlichkeit wieder Ansehen verschaffen
- Sokrates besitzt eine Aversion gegen den dialektischen Scharfsinn, der den greifbaren äußeren Vorteil gegen die innere Verwerflichkeit ausspielen will, die Heuchelei in der Gesellschaft
- Sokrates will den festen Inhalt der Wahrheit, um zum richtigen Denken zu gelangen → das Schöne wechselt nicht, der Vorteil, es „richtig“ zu stellen, pervertiert den Gedanken des Schönen und macht ihn letztlich häßlich

Teile seiner Lehre

- schuf hieratische Sprache durch die Verwendung von Tinte auf Papyros und wirkte so auf die hermetische Literatur
- man hat drei Phasen von Platos Schaffen ausgemacht

  • elementarischer Teil: Phädrus, Protagoras, Parmenides
  • kritischer Teil: Gorgias, Gastmahl, Phädon, Philebos
  • konstruktiver Teil: Republik, Timäos, Kritias

Ethik

Grundsatz: Wir müssen über Gutes für uns sprechen, nicht über Gutes im abstrakten/absoluten Sinne.

- Platon will über den Allgemeinbegriff des Guten auf alles andere einwirken, ABER ein Allgemeinbegriff wird von Aristoteles als praktisch untauglich abgelehnt → Über das Gute muß die Politik handeln! (Aristoteles)
- untersucht erstmalig theoretisch das Wesen des Guten, des Gerechten, der Tugend
- unternimmt den Versuch, Natur und Sinn moralischer Forderungen aus Einsichten in Natur und Ordnung der Dinge zu verstehen und zu begründen → Platon verbindet Ästhetik und Ethik

Erziehungslehre

- durch den Tod des Sokrates glaubt Platon nicht an die Demokratie und sucht nach neuen Maßstäben, die von der Tyrannei der Meinungsherrschaft befreien
- der Idealstaat kann nur unter der Leitung der Philosophen stehen → erzogen werden die Menschen zum Gehorsam und zum Wissensdurst

Gorgias

- formuliert den kategorischen Imperativ, die Trinität logischer Ordnung, die Wissenschaftlichkeit durchzieht, v.a. Logik
- formuliert Akzente gegen das mythische Denken und versucht, eine Ordnung zu statuieren, die sich in der Dreiheit von Vernunft, Logos; Gesetz, Nomos und Ordnung, Taxis widerspiegelt, d.s. die Grundprinzipien sowohl der moralischen als auch der physischen Welt
- diese Dreiheit konstituiert Schönheit, Wahrheit und Moralität, insofern ist Platon der erste Kantianer → diese Dreiheit erscheint in allen Artikulationen des Lebens, in Kunst, Wissenschaft und Philosophie (Cassirer)

Ideenlehre

- unser Wissen enthält allgemeingültige Elemente, die zeitlos und Bedingung aller Wissenschaft sind → deshalb ist ein allgemeingültiges Wissen möglich, das in

  • allgemeinen Wertbegriffen, die Idee des Guten und Schönen;
  • mathematischen Begriffen
  • Relationsbegriffen - Gleichheit, Verschiedenheit, Anteil… - gefunden werden kann

→ dazu bedarf es neben der sokratischen Methode, die auf Hypothesen zurückgreift und diese empirisch und induktiv erweist, der analytischen Methode, die durch Ideen repräsentiert wird, die nicht induktiv erwiesen, sondern deduktiv gesetzt werden
- den Dingen wohne die Idee bei als Anteilnahme, Parusie, in umgekehrter Richtung nehmen die Ideen an den Dingen teil, Metexis, sind gleichzeitig Musterbilder, Paradigma, für die Entwicklung der Dinge zu etwas hin, wobei manche das Stadium der Nachahmung, Mimesis, oder als Abbild, Eidola, nicht überschritten haben → Werden und Vergehen der Dinge
- wahres und unveränderliches Sein haben nicht die sichtbaren Dinge, sondern allein die nur dem Denken zugänglichen Urbilder: Erfassung durch Anamnesis
- es gibt allgemeingültige Elemente → für jede Wissenschaft sind Begriffe nötig, die allgemeingültiges Wissen vorstellen

  • stetige Begriffe

- verläßlich und ewig, d.s. Wertbegriffe, Noeton: durchs Denken zu gewinnen; hypothesierte Gattungsbegriffe, in denen ein immaterielles Sein erfaßt wird

  • unstetige Begriffe

- ästhetische Relationsbegriffe, d.i. das durch Wahrnehmung zu Gewinnende; bloße Begriffe der menschlichen Vernunft
- die denkende Vernunft liefert die Begriffe als logische Entsprechungen der Ideen → Wahrnehmung und Begriff sind somit in verschiedenen Welten
- das Wesen des Seins wird nicht in der Sinnenwelt gesucht; es ist von dieser gesondert
- das Sein ist transzendent, denn die Idee ist das eigentlich Seiende, das nur im Begriff erfaßt wird und unveränderlich ist
- es gibt viele Ideen und viele Begriffe → die Ideen stehen auch in einem Sinnzusammenhang mit Über- und Unterordnungen; es gibt eine Grundidee, das Gute

Menon

- entstand in Konkurrenz zu Isokrates, der gegen die Tugendlehrer zu Felde zog, die kein Geld dafür nehmen, daß sie lehren
- Isokrates warf Sokrates vor, daß er Zukunftswissen haben wolle, wissen vom Glück und der unsterblichen Seele → d.i. der Vorwurf der Verstiegenheit wegen des angemaßten Wissens durch die Anamnese

I. Definitionsversuch der Tugend 70a-74a

70a - 71d Was ist Tugend?
- Menon fragt, ob Tugend durch Übung zu erlangen und somit lehrbar sei oder ob sie nur schicksalshaft vergeben würde
- Sokrates gibt die Fragestellung zurück und erklärt sein Nichtwissen
71e - 74a Tugendarten

  • Mannestugend: Geschäfte des Staates führen
  • Frauentugend: Haus führen und Mann gehorchen

- Sokrates will nicht einen Schwarm von Tugenden, sondern das Wesen der Tugend: „Wird es für das Wesen der Tugend einen Unterschied machen, ob sie sich bei… findet?“
- Tugend liegt im Menschen und entäußert sich durch gute Taten
- Herrschertugenden: Tapferkeit, Besonnenheit, Weisheit → Besitzen Sklaven demnach keine Tugend?

II. Definitionsversuch der Tugend 74a-77

Sokrates gibt eine Definition von Farbe, um dafür eine von Menon über Tugend zu erhalten 74a, doch Menon ist mit der Definition unzufrieden, so führt Sokrates Empedokles an: Gorgias' Lehrer und Schöpfer der 4-Elementen-Lehre, der Liebe und Streit als die bewegenden Kräfte lehrte → von den Gegensätzen fließen Atome aus, die wir wahrnehmen können bei Aufnahmebereitschaft beziehungsweise –fähigkeit entwickelt schließlich eine zweite Definition über die Farbe

III. Definitionsversuch der Tugend 77a-79e

- Tugend als das Vermögen, sich das Schöne zu verschaffen, „man hat, was man will“ (Menon)
- Sokrates fragt, ob der, der das Schöne auch das Gute will → ja, er meint das für ihn Gute begehren zu müssen, denn keiner vermischt Gutes und Schlechtes freiwillig: Mittel-Zweck-Harmonie
- Problem mit dem Prinzip der Gerechtigkeit beim Erwerb der Tugend, denn die Gerechtigkeit als Teil der Tugend zerreißt die Tugend wieder in Bestandteile und so kann Sokrates mit Menons Definition III wieder nicht einverstanden sein

→ so bleibt am Ende des ersten Teils der Begriffsbestimmung der Tugend eine Unzufriedenheit und Unwissenheit zurück

IV. Formen der Anamnesis 79e - 86c

Menon leugnet die Erkenntnismöglichkeit des Unbekannten
- Sokrates versucht eine Lösung im Unbekannten, um dem Begriff der Tugend doch noch auf die Spur zu kommen
- Skepsis bei Menon mittels des Satzes der Eristiker, wonach es dem Menschen nicht möglich sei zu forschen, weder nach dem, was er weiß, noch nach dem, was er nicht weiß → tertium non datur
- Forschen wird nun aber betrieben als Trennung von Begriffen, dem Aufheben ihrer natürlichen Beziehungen, als Verbindung von Wissen und Nichtwissen, verborgenes Wissen, meint Sokrates, und führt die Pythagoräer - Fragment eines Threnos; 137 Turyn - als Beweis an 81a: Suchenlernen durch Wiedererinnerung → die unsterbliche Seele kehrt nach neun Jahren wieder, sofern man tätig bleibt und sich bemüht: Puer autodidactus
- Sokrates' Beispiel aus 81a überzeugt Menon nicht → Sokrates bietet ein Exempel vom Sklaven, der ein Problem lösen kann, obwohl ihm von sich aus die Mittel dazu fehlen
- erst rechnet der Sklave ganz artig, dann erstarrt er - bewußte Aporie -, weil die Methode nicht mehr ausreicht, das Rechenproblem zu lösen
- durch gezielte Fragen weiß Sokrates den Sklaven der Lösung nahezubringen → der Sklave gibt selbst alle Antworten und löst das mathematische Problem quasi selbständig 84c
- Sokrates Feststellung: der Sklave war immer ein Wissender 85d → der Sklave besitzt Meinungen, die er irgendwann erlernt haben muß, die, durch Fragen erweckt, zu Wissen werden → man muß auf dem Gebiet des Nochnicht forschen

V. Tugend ist Wissen 86c - 89b

Sokrates setzt Prämissen:

  • A Wissen allein ist lehrbar
  • B Tugend ist ein Gut → was gut ist, ist nützlich → Tugend ist nützlich 86-87e

- es gibt kein Gut ohne Wissen darum, aber die Tugend ist auch, ohne das wir darum wissen, aber da Tugend Wissen ist, ist sie auch lehrbar, d.i. keine eineindeutige Relation
- Tugend ist keine Gabe, denn sonst würde man die Tugendhaften einsperren müssen, damit sie nicht verderbt werden

VI. Gibt es Lehrer der Tugend? 89b - 96b

  • lehrbar ist, wovon es Lehrer gibt → wo sind die Lehrer der Tugend? 89b-90e

es gibt aber keine Tugendlehrer, also ist Tugend doch nicht lehrbar!?

  • Die Sophisten sind keine Lehrer der Tugend! 91-92e
  • die Staatsleute Athens sind es nicht 92e-95a, denn die Erziehung ihrer Söhne überlassen sie anderen, die sie für Lehrer der Tugend halten; die Staatsleute können also selbst nicht tugendhaft sein
  • Wie kommt die Tugend zustande? - als Prozeß?

Theognis: ein Dichter mit geteilter Meinung sagt: Tugend heißt, von den Besten zu lernen
- die Besten können die Schlechten nicht belehren → Tugend ist also doch nicht lehrbar

Wissen und richtige Meinung 96e-100c

Tugend wird auch durch göttliche Fügung zuteil
- richtige Meinung und Wissen leisten dasselbe, aber die richtige Meinung hat im Gegensatz zum Wissen keine Dauer: „Der Wissende trifft immer die richtige Sache, der bloß Meinende zuweilen.“
- Differenzierung Wissen-Meinen am Beispiel des Dädalos
→ das Festbinden der richtigen Meinung in der Anamnesis befestigt das Meinen, das zum Wissen ward - Postulat Platons
- der tugendhafte Mann ist nützlich
Wissen als Notwendigkeit der politischen Tätigkeit scheidet aus 99b, denn die Politiker waren keine Weisen
- die Bedeutung der Politiker beruht nicht auf Wissen, sie treffen Entscheidungen durch wahre Meinungen → Politiker sind Wahrsager und Seher, keine Philosophen beziehungsweise Tugendlehrer, sind Sprecher aus göttlicher Begeisterung ohne Einsicht in die Wahrheiten

Nomö

- die tief enttäuschte Altersschrift, die den Idealstaat als ohne Aristokratie der Bildung beschreibt
- Beibehaltung von Ehe und Privateigentum

Phädon

- beschreibt den Wert der Erfahrung → alle unsere Erkenntnis hebt mit der Erfahrung an, aber nicht alle entspringt aus der Erfahrung
- Begriffe werden durch die Sinnenwelt geweckt, jedoch nicht aus der Sinnenwelt, denn es gibt nicht zwei identische Dinge, nur ähnliche
- das Buch beruft sich auf die symbolische Wahrheit der Vorstellung der älteren Mysteriendichter und stellt sie systematisch zusammentragend vor
- in 85e erfolgt die bahnbrechende Differenzierung zu Pythagoras' Definition der Seele

Ergebnis

- Tugend ist kein Naturgeschenk oder lehrbar, sondern eine göttliche Schickung
- der Tugendhafte steht unter den Lebenden hinsichtlich der Tugend ebenso da wie ein wirklicher Gegensatz neben einem Schattenbild
- der Tugendbegriff mußte in Athen mehr und mehr der Erkenntnis von der Eigenmächtigkeit und Selbstherrlichkeit des menschlichen Geistes weichen → Gegenstoß gegen die demokratischen Sophisten, die die alten Werte relativierten und Nützlichkeit lehrten, die sie als Weisheit und Tugend verkauften
- nachdem man lange annahm, daß Platon nur vage Vorstellungen vom Begriff der Logik besaß, hat er in Menon mit seiner Differenzierung von Begriff und Definition alles Wesentliche in bezug auf die Logik gesagt
- die angesprochenen Themen finden eine Erweiterung im Phädros, dem an den eleusinischen Mysterien geschauten Wissen Vermittlung gebend

Staat, Politeia

Schaubild zum Verhältnis von Seele und Staat bei Platon - bessere Übersetzung als „Staat“ ist „Gemeinschaftsbeziehungen“
- es erscheint die unerreichbare Ordnung: die Träumerei wird gebietend nach dem ähnlichen Vorbild Spartas
- leitet aus der Natur kein libertinistisches Naturrecht ab, sondern ein unmittelbar hierarchisches: das Prinzip des suum cuique steckt aber in der Physis selbst: die Philosophen haben Gold in der Seele, die Krieger Silber, die Bauern Kupfer und Eisen
- entsteht durch die rechte Erziehung des Menschen → der einzelne wird schön durch die Teilhabe am Ganzen, Metexis
- im Falle, daß die Philosophen nicht herrschen, ist für Platon kein Ende der Leiden abzusehen
- am besten ist eine Mischung aus Monarchie und Demokratie, doch wird der Mensch nur den zweitbesten Staat möglich machen

Stände

  1. Herrscher
  2. Wächter
  3. Arbeitsstand

- die Teile der Seele und die Stände des Staates vollenden sich in denselben Tugenden, die Vernunft und die Regierenden in der Weisheit, der Mut und die Krieger in der Tapferkeit, die Begierden und Erwerbenden in der Mäßigung und alles durch das Ganze in der Gerechtigkeit

Rezeption

- durchdacht und reaktionär (Bloch)
- Darstellung und Verleiblichung der höchsten Tugendidee → die Politik wird von Platon als der Schlüssel zur Psychologie erklärt (Cassirer)

Theätet

- bemüht sich darum, den Begriff des Wissens, epistêmê, zu bestimmen. Versuchsweise wird Wissen mit Wahrnehmung, mit wahrer Meinung oder mit wahrer Meinung und Rechtfertigung gleichgesetzt, doch alle diese Anläufe erweisen sich als unzulänglich. - Durch diese Fragestellung wird der Text zu einem der Grundtexte für die philosophische Erkenntnislehre beziehungsweise Epistemologie.

siehe auch Wissen vs. Meinung

Timäos

auch Timäus oder Timaios
Zentralthema: die sorgsame Beachtung der Weltordnung mittels Wahrsage- und Heilkunst, die dem Betrachter der Welt erschlossen werden müssen → Aufgabe der Philosophie
- stellt die These auf, daß es nur einen Schöpfer geben kann, dennoch führt Platon die Konzeption des Demiurgen ein, d.i. die zwiespältige Schöpfung der Welt in einer Person
- die Weltordnung wird ästhetisch aufgefaßt über die Harmonie in Verhältnissen 31a
- die Verbindung der Welt erfolgt in Gegensätzen, die zusammengeführt durch das Prinzip der Verhältnismäßigkeit sich aufs Schönste vollenden 31b

Rezeption

- die Idee ist ohne Entwicklung und ohne Resultat, sondern aufgenommene Voraussetzung
- die Beziehung zwischen Idee und Erscheinung findet bei Platon keine Vermittlung, sie bleibt transzendent, bei Aristoteles dagegen immanent (Hegel)
- seine Allegorien sind nicht nur bloße Ziererei, sondern feinere Entwicklungen der alten Dichternaturen (Herder)
- schickte Europa in den sanften Schlaf des Mittelalters
- verleugnete die Perspektive des Lebens und pervertier­te somit jenes (Nietzsche)
- begreift die Ideenlehre als eine Vermittlung der eleatischen und heraklitischen Metaphysik vor dem Hintergrund des Gegensatzes zwischen sokratischer und protagoräischer Erkenntnislehre
- Platons Metaphysik ist ein immaterieller Eleatismus, der in den Ideen das Sein erkennt und der Erkenntnis des Werdens einer niederen Art von Wissen überläßt (Windelband)

Literatur

Adami, F.: Zu Platons Menon. In: Philologus 91 (1936) S. 473-77.
Apelt, O.: Zu Platons Menon 98c. In: Jbb. für classische Philologie. 147 1893, S. 850.
Beyer, Th.: Erklärung von Platons Menon cap. 22b 87a. In: Zs. f.d. Gymn.wesen 13 1859, S. 886-88.
Buchmann, K.: Die Stellung… In: Philologus Suppl. Bd. 29.3 1936, S. 1- 102.
Cauer, P.: Platons Menon und sein Verhältnis zu Protagoras und Gorgias. In: Rh Museum 72 1918, S. 184-306.
Gaiser, K.: Platons Menon und die Akademie. In: Archiv für Geschichte der Phil. 46 1964, S. 241-92, mit Nachtrag 1968.
Huber, C.E.: Anamnesis bei Platon München 1964
Koop, H.: Über die Lehrbarkeit der Tugend. Diss. H WÜ 1940.
Kube, J.: Techne und Arete. Berlin 1969.
Natorp, P.: Platons Ideenlehre. Leipzig 1921, S. 29-42.
Wolf. Wieland: Platon und die Form des Wissens. 1976

Plato von Athen

um 420 v.Chr.
athenischer Dichter

 
plato.txt (9651 views) · Zuletzt geändert: 2017/06/03 10:54 von aerolith
 
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