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HALLESCHE SCHULE

Hallesche Schule – Hallescher Dichterkreis

Die Hallesche Schule war ein Dichterkreis im Aufklärungszeitalter, welcher auch als „Anakreontiker“ bezeichnet wird. Dieser Dichterkreis bestand aus den Mitgliedern

  • Johann Wilhelm Ludwig GLEIM
  • Johann Peter Uz
  • Jacob Immanuel PYRA
  • Samuel Gotthold LANGE
  • Ewald Christian von KLEIST
  • Salomon Geßner.

Zu ihnen gesellte sich als „großartiger Abschluß“ Friedrich Gottlieb KLOPSTOCK. Sie erkannten das „Ziel in der Herausbildung des Menschen“.

Die Aufklärung begann in ENGLAND und FRANKREICH um 1600 und endete in DEUTSCHLAND um 1800.
Unter Aufklärung versteht man sowohl einen geistigen als auch einen gesellschaftlichen Entwicklungsprozess, mit dem ZIEL, daß der aufgeklärte Mensch nicht länger „den Vorgaben der Obrigkeiten“ unterliegt, sondern sein LEBEN und DENKEN selbst bestimmt. Immanuel KANT gab dazu folgende Definition: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündig ist der MENSCH, solange er sich nicht seines eigenen Verstandes zu bedienen weiß. Selbstverschuldet ist sie, wenn er aus TRÄGHEIT und EIGENNUTZ einer fixen IDEE nachläuft, die ihn daran hindert, eigene Gedanken zu entwickeln.“ Der Wahlspruch der Aufklärung lautet „Sapere aude!“ (Habe MUT, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!), ebenfalls von Kant.

Die LITERATUR der deutschen Aufklärung begann um 1700 und endete 1785.
Sie orientierte sich an NATÜRLICHKEIT, wandte sich demzufolge vom übernatürlichen Denken ab und widmete sich dem Vernunftdenken. Die Literatur dieser Zeit sollte die Menschen lehren, nicht mehr gleichgültig zu denken und zu handeln. Sie wurde nicht nur durch die Literatur geprägt, sondern auch durch das THEATER.
Gotthold Ephraim LESSING und Johann Christoph Gottsched waren wichtige Gestalter des Theaters dieser Zeit, da sie es vom HOFTHEATER zum Nationaltheater veränderten. Dabei entstand eine Auseinandersetzung zwischen ihnen. Während Gottsched an der starren aristotelischen ORDNUNG festhielt, brach Lessing diese Einheit von RAUM, ZEIT und HANDLUNG auf.

Das ZEITALTER der Empfindsamkeit existierte parallel zum Zeitalter der Aufklärung und war auch ein Bestandteil desselben. Es beginnt in DEUTSCHLAND mit Werken von Gottlieb Wilhelm RABENER, Christian Fürchtegott GELLERT und findet seinen Höhepunkt mit Johann Wolfgang von GOETHEs „Die Leiden des jungen Werther“ (1774).
Wichtige Merkmale der Empfindsamkeit sind die Betonung innerer Empfindungen, die HOFFNUNG auf Gegenseitigkeit und ein auf Natürlichkeit und gegenseitige Empfindung sich stützendes Rollenverständnis zwischen Mann und FRAU.
Der LYRIKER Anakreon lebte in Griechenland, vermutlich um 572 bis 488 v. Chr..
Er stammte der Stadt Theos in Ionien. Nachdem er dort vertrieben wurde, fand er Aufnahme am Hofe des SAMOS, wo er einen Lyriker kennen lernt und mit dem er später nach ATHEN geht, um sich der LYRIK zu widmen. Außerdem wird er in die Thronfolge aufgenommen und verkehrt mit den reichsten Bürgern der Stadt. Am Ende seines Lebens lässt er sich wahrscheinlich an einem thessalischen Hof nieder.
Anakreons Dichtungen beschäftigten sich hauptsächlich mit Lobgesängen auf den WEIN, die LIEBE und alles herrlich Idyllische. Seine Werke haben keinen tieferen SINN, was eventuell daher rührt, dass er fast ausschließlich ein sorgloses und genußvolles Leben lebte.

Die Anakreontik herrschte etwa von 1740 bis 1770 als Bestandteil der Epoche des ROKOKO (welche wiederum Bestandteil der Aufklärung war), die ca. von 1715 bis 1774 anhielt und durch Zierlichkeit, Herrlichkeit und gewissen Luxus auszeichnet. Neben Anakreon war auch HORAZ ein Vorbild der Anakreontik.
1733 übersetzt GOTTSCHED als erster antike Dichtungen von Anakreon mit dem Ziel, die Ausdrucksform der deutschen SPRACHE zu verbessern. Die Grundlagen der Anakreontik schaffte Gleim, der 1744 seinen „Versuch in scherzhaften Liedern“ veröffentlicht, denn Gottsched hatte nur einzelne, veränderte Übersetzungen Anakreons gegeben und HAGEDORNs „Anakreontische Scherze“ erschienen erst 1747. Uz und Götz, die wenig später die „Oden Anakreons in reimlosen Versen“ herausgaben, erweiterten die Basis.
Die Anakreontik beschäftigte sich hauptsächlich mit dem Gedanken des carpe diem. Sie sind idyllisch. In den Dichtungen spielen folglich die Liebe, der Wein, die NATUR und der GENUß eine ROLLE. Sie handeln oft in großartigen Landschaften, und es treten häufig Figuren aus der antiken Götterwelt auf. Die Werke der Anakreontik bestehen zum größten Teil aus Oden, Epigrammen und Liedern, welche im drei- oder vierhebigen JAMBUS, das besondere an diesem Versmaß ist, daß es sich an die jeweilige Thematik anpassen kann. Außerdem fehlt anakreontischen Dichtungen sowohl ein REIM als auch die Gliederung in Strophen. „Aus einem rein formalen Gesichtspunkte, aus dem VERLANGEN, die HERRSCHAFT des Reims zu verdrängen, war diese Anakreontik hervorgegangen.“ Diese FORM der Gedichte sollte zeigen, daß sie nicht RATIONAL, sondern sinnlich zu interpretieren sind.

Wie bereits erwähnt, war die Hallesche Schule eine Dichterschule im achtzehnten Jahrhundert, die nach ihrem Vorbild, dem Lyriker Anakreon, auch als Anakreontiker bezeichnet wird. Dieser Dichterkreis bestand aus Pyra, Gleim, Lange, Uz, E. v. Kleist und Geßner. Klopstock kam hinzu. Jacob Immanuel Pyra und Friedrich Gottleib Klopstock waren die bedeutendsten Dichter der Halleschen Schule, denn sie „haben das zu erkämpfende Ziel mit einer Tiefe und Klarheit erkannt, die für alle Folgezeit die unverlierbaren Früchte getragen hat; sie gehören dadurch zu den Begründern und Ahnherren unserer Hallischen Dichtung.“ (HETTNER) Das „zu erkämpfende Ziel“ ist das Ziel in der Herausbildung des Menschen. Sie wollten eine Dichtung, die stilvoll und volkstümlich zugleich ist, also eine Versöhnung zwischen dem Künstlerischen und Volkstümlichen.
Sie hatten den WILLEn ihr Vorhaben umzusetzen, jedoch nicht die Fähigkeiten dazu.

Pyra wurde am 25. Juli 1715 in Cottbus geboren und stirbt am 17. Juli 1744 in Berlin im Alter von nur 29 Jahren. 1735 kommt er an die Friedrichs-UNIVERSITÄT Halle, um dort zu studieren und beginnt sich intensiv mit dem Schriftstellerdasein zu beschäftigen. In diese Studienzeit fällt sein STREBEN und Wirken.
1741 schreibt Pyra kurzzeitig für die Schweizer PARTEI die Wochenschrift „Gedanken der unsichtbaren GESELLSCHAFT.„ Populär wird er durch seine Werke, „Erweis, daß die Gottschedianische SEKTE den Geschmack verderbe“ (1743) und die „Fortsetzung des Erweises, daß die Gottschedianische Sekte den GESCHMACK verderbe“ (1744), in denen er Gottsched kritisiert. Er arbeitete außerdem bis zu seinem TOD als LEHRER am Kölnischen Gymnasium Berlin. Ein Vorbild Pyras war John MILTON, der erstaunliche Kenntnisse über griechische KLASSIKER hatte.
(Viele deutschsprachige Dichter und SCHRIFTSTELLER, wie zum Beispiel Friedrich von Hagedorn oder Johann Jakob BODMER erwähnten und wiesen auf englische Schriftsteller oder Dichter, wobei also „der DEUTSCHE seine innere VERWANDTSCHAFT mit dem ursprünglich germanischen Volksnaturell der ENGLÄNDER“ empfindet.
Milton weckte das Interesse Pyras mit einer Ode an Johann Joachim Lange, dessen Gedankenleben sehr am „Halleschen PIETISMUS“ orientiert war.
Von John Miltons Gedichten merkte sich Jacob Immanuel Pyra den so genannten „christlichen Reimton“, welcher durch die dichterische Form und den dichterischen Inhalt gekennzeichnet ist. Nach diesem Reimton dürfe der Inhalt von Dichtungen nur aus Christlichem und Biblischem bestehen. Die Form solle keine Reime mehr enthalten. Diese Reimlosigkeit findet sich auch in den Dichtungen der Anakreontik wieder.
Verfasser: Jacob Immanuel Pyra 1737 „Der Tempel der Dichtkunst“. In diesem Werk liegt sein „tiefstes Wesen“, da Pyra der erste in Deutschland war, der damit die „Verwerfung des Reims erfolgreich durchführte“. Gleim zufolge gehörte Pyra „zu den unbedingtesten Lobredenern dieser poetischen Kleinigkeiten“.
„Der Tempel der Dichtkunst“ ist in reimlosen Alexandrinern geschrieben und somit hat Pyra dem christlichen Reimton zumindest in seiner dichterischen Form umsetzt. Sein Vorbild dafür war James Thomsons „Castle of Indolence“ (1748). Andere Dichtungen, welche in „Thirsis und Damons freundschaftlichen Liedern“ gesammelt sind, wurden in Jamben und Trochäen verfaßt. Er schrieb aber auch trotz seiner „Verwerfung des Reims“ Dichtungen in reinen und klangvollen Reimen. Pyra hatte seine dichterische ZUKUNFT genau geplant, denn er wollte eine Nachbildung des „Der Lockenraub“ (1712) von Alexander Pope schreiben. Die tat er jedoch nicht, weil er durch Miltons „christlichen Reimton“ geprägt war. Deshalb schrieb er eine Ode über die SINTFLUT. Zusätzlich hatte Pyra vor, biblische TRAUERSPIELe zu verfassen und den antiken CHOR beizubehalten. Jacob Immanuel Pyra wird als INSPIRATION beziehungsweise Vorbild zweier Schriftsteller genannt. Er habe Klopstock zum christliche EPOS und der „Verwerfung des Reims“ bestimmt und Bodmer als VORLAGE zu „Grundriß eines epischen Gedichts von dem geretteten Noah“ gedient. Pyra setze eine BEWEGUNG in Gang, welche sich mit der „Verwerfung des Reims“ beschäftigte, dieses war das MYSTERIUM der „künstlerischen Idealität“.
„Dies vornehmlich ist der geschichtliche URSPRUNG der ersten Horazischen Odendichter und der sogenannten Anakreontiker.“ Er schuf folglich die BASIS des Grundgedanken der Halleschen Schule, welche sich nach der Anakreontik richtete.

Samuel Gotthold Lange wurde am 22. März 1711 in Halle als SOHN vom Halleschen Pietisten Johann Joachim Lange geboren. Lange war Pastor zu Laublingen seit 1737. Er starb am 15. Juni 1781 in Beesenlaubingen. Er war ein sehr guter FREUND Jacob Immanuel Pyras.
Nachdem dieser die Grundlagen des „geschichlichen Ursprung[s] […] der sogenannten Anakreontiker“ gab, machte Lange den „hauptsächlichen Anstoß zu jener reimlosen Odendichtung“.
Lange teilte mit Pyra die Abneigung gegen Gottsched und war von der „Verwerfung des Reims“ überzeugt. Deshalb war er besonders Horaz verfallen, welcher auch für seine reimlosen Dichtungen bekannt war. Aber im GEGENSATZ zu seinem Freund Pyra war er nicht sonderlich von den Engländern angetan. Deshalb sind seine ersten Dichtungen größten Teils der Horazischen Ode nachempfunden.
1747 wurde „Samuel Gotthold Langes Horazische Oden nebst Georg Friedrich Meiers Vorrede über den WERT des Reimes“ veröffentlicht. Der Inhalt dieses Werkes ist „entsetzlich nüchtern und dürftig“, aber er behandelt unter anderem die FREUNDSCHAFT und die Herrlichkeit der Liebe, was ein Teil des Grundgedanken des carpe diem entspricht. In diesem Werk verhöhnt er zusätzlich fortlaufend den Reim. Selbst Lessing war wegen diesem Werk bis1753 noch ein Bewunderer Langes, er sagte er habe ihn als einen der „wichtigsten Dichter“ betrachtet, obwohl er später mit „Vademecum“ Position gegen Lange bezog.
Samuel Gotthold Lange war in seiner Jugendzeit von großem Einfluß, da ihm viele in seiner MEINUNG über die Bedeutung des Reimes zustimmten und weil er bis dato der einzige war, der Horazische Dichtungen ohne Zusätze und Reime übersetzte.
Wie schon erwähnt machte Lange den Anstoß zur reimlosen Odendichtung. „Ganz denselben äußerlichen Ursprung hat die sogenannte anakreontische Dichtung“.

Johann Wilhelm Ludwig Gleim wurde am 2. April 1719 in Ermsleben als viertes KIND des preußischen Obersteuereinnehmers Laurentius Gleim (1678-1735) und dessen Ehefrau Anna Gertraud (1681-1735) geboren und studierte zwischen 1738 und 1741 JURA und PHILOSOPHIE an der Friedrichs-Universität in Halle. 1743 wurde Gleim Privatlehrer, ein JAHR später Sekretär des Prinzen Wilhelm von Brandenburg-Schwedt, in dessen Gefolge er am 2. Schlesischen Krieg teilnahm. In dieser Eigenschaft ging er 1745 an den Hof von FÜRST Leopold I. von Anhalt-Dessau. 1747 wurde er Domsekretär in Halberstadt und schließlich Chorherr des Stiftes WALDECK. Danach wirkte Gleim ausschließlich als Förderer junger Literaten und als Schriftsteller. Er tat sich zum Beispiel durch Nachdichtungen von Walther von der Vogelweide hervor. Sein laufender Briefwechsel mit Dichterkollegen ist auch von literaturgeschichtlichem INTERESSE. Gleim starb am 18. Februar 1803 in Halberstadt. Sein als „Hüttchen” bezeichnetes Wohnhaus wurde später in ein Museum und ARCHIV (Gleimhaus) umgewandelt.
Pyra hatte einen großen Einfluß auf Gleims dichterische Entwicklung. Er lernte ihn 1743 in Halle kennen, wie auch Johann Peter Uz, Götz und Rudnick, mit denen er einen lockeren Zusammenschluss gründete, Pyra gehörte jedoch nicht dazu, welcher die „Wiege der Deutschen Anakreontik“ sein würde. Wie schon erwähnt schuf sein „Versuch in scherzhaften Liedern“ die Grundlagen der Anakreontik. Gleim dazu: „Eines Tages waren diese vier Freunde zusammen. Ein alter STUDENT, namens Jacob Pyra, hatte die ABSICHT reimlose Verse bei seiner NATION näher zu bringen. Eine Ode, das WORT des Allerhöchsten, war sein erster Versuch. Gleim war der Meinung, am besten könne man durch Gedichte scherzhaften Inhalts diesen ZWECK erreichen. Seine Freunde gaben ihm Beifall, und dieser Beifall war der GRUND für seinen Versuch in scherzhaften Liedern, welche 1744 erschienen.“ 1756 brachte Gleim eine Sammlung von Romanzen heraus. Damit war es Gleim, der den Namen und die GATTUNG der Romanze in Deutschland einführte. Im gleichen Jahr erschienen erstmals die zweibändigen FABELn von Gleim. Gleims patriotische Haltung kam in „Preußischen Kriegslieder in den Feldzügen 1756 und 1757 von einem Grenadier“ (1758) zum Ausdruck. Er schildert darin die Ereignisse des Krieges aus der PERSPEKTIVE eines Fußsoldaten. Damit verdeutlichte er das Volkstümliche in diesem Werk und versuchte so das Künstlerische und Volkstümliche zu versöhnen, was ein großes Ziel der Halleschen Schule war. Die „Preußischen Kriegslieder“ waren keine Beschwichtigung des Krieges, denn er kannte selbst das Leid, das der Krieg mit sich brachte, denn 1757 erreichte der Krieg seine HEIMAT Halberstadt. Gleims Werk sollte eine Lobpreisung der Taten des preußischen Königs Friedrichs II sein. Er sah den Preußenkönig wie dieser sich selbst gern sah, als Vater der Soldaten und aufgeklärten Fürsten. „Und streit ein tapfrer Grenadier, Von Friedrichs Mut erfüllt!“ - „Preußische Kriegslieder“ war sein größtes Werk, da er mit seinen übrigen keine so großen Erfolge feiern konnte. 1774 veröffentlichte Gleim „Halladat oder Das rothe Buch“. Er hoffte, daß dieser TEXT vor allem ein Erfolg als SCHULBUCH werde. Doch dies geschah nicht. Diese RELIGIÖS-philosophische Dichtung, die Vorschläge zur Verbesserung der MENSCHHEIT beinhaltete, erfüllte weder inhaltlich noch formal die nötigen Anforderungen der damaligen Zeit.

Mit Christian Ewald von Kleist, welcher bekanntlich ebenfalls ein Mitglied der Halleschen Schule war brachte Gleim „Die Landlust“ mit dem Titel „Der Frühling“ heraus. Zu Gleims überragenden literarischen Leistungen gehören seine anakreontischen Gedichte, die er in seinem „Versuch in scherzhaften Liedern“ veröffentlichte. Sie hatten den Wein, die Liebe und die GESELLIGKEIT zum THEMA. Auch hier wurde die „Verwerfung des Reims“ deutlich. Johann Wilhelm Ludwig Gleim schrieb und veröffentlichte hunderte von Werken, unter Anderem Lustspiele, wie zum Beispiel „Der blöde Schäfer“ (1745) oder Romanzen (1756), Fabeln (1756), Briefsammlungen („Briefe von den Herren Gleim und Jacobi“ 1768) und Viele mehr.
„In aller Händen [und] in aller GEDÄCHTNIS“ waren auch Gleims Lieder, die Lieder der anakreontischen Dichtung. „Bodmer meinte in diesen Liedern das Reden, Denken und Empfinden des griechischen Anakreon selbst zu HÖREN“.

Johann Peter Uz wurde am 3. Oktober 1720 in Ansbach als Sohn des Goldschmieds Friedrich August Uz und Elisabeth Reisenleiter geboren. Er besuchte ein Ansbacher Gymnasium, um dann in den Jahren 1739 bis 1743 in Halle Jura zu studieren. Er lernte Johann Wilhelm Ludwig Gleim während seiner Studienzeit kennen. 1763 wurde er zum Assessor am GERICHT Nürnberg ernannt. Doch das Leben Ansbach und Nürnberg war ihm bald zu langweilig. Er erkannte bald, dass dieses Leben nicht mit dem Gedanken des carpe diem übereinstimmte, also folglich auch nicht der Anakreontik. Er wendete sich aber von der Anakreontik ab und beschäftigte sich mit Alexander Pope. Er schrieb jedoch Oden im anakreontischen STIL, aber es gelang ihm diesen Oden eine „so liebenswürdige FRÖMMIGKEIT des Herzens, […] eine so tiefe und sinnige Naturempfindung, so lebhaften Freiheitssinn und so warme Vaterlandsliebe“ zu verleihen, dass er eine „äußerst wohltuende ERSCHEINUNG“ im Rahmen der Anakreontik, nach Meinung ihrer KRITIKER, darstellte. Ein Beispiel dafür ist der „Lobgesang des Frühlings“ (1742). Er stirbt am 12. Mai 17969 in Ansbach.

Ewald Christian von Kleist wurde am 7. März 1715 als Sohn eines adligen Gutsbesitzers auf dessen Gut Zeblin in Pommern geboren. Kleist starb am 24. August 1759 in Frankfurt an der Oder nach der Schlacht bei Kunersdorf im Siebenjährigen Krieg an den Folgen schwerer Kriegsverwundungen. Ab 1725 besuchte er eine JESUITenschule in Polen, danach ein Gymnasium in Danzig und begann 1731 mit dem Jurastudium in Königsberg. 1736 schlug er die Offizierslaufbahn ein, zunächst in dänischen Diensten, ab 1740 im HEER FRIEDRICHs II; der berufsbedingte oftmalige Ortswechsel verhalf Kleist zu Begegnungen mit Dichterfreunden: In der Kompanie Potsdam machte er die Bekanntschaft mit Johann Wilhelm Ludwig Gleim. „Gleim pflegte sich gern zu rühmen, dass seine Anakreontik es gewesen sei, welche zuerst Kleists schlummerndes Dichtvermögen geweckt habe.“
Allerdings sei Kleists schweres GEMÜT und seine innere UNZUFRIEDENHEIT über sein Leben der Auslöser für seinen Weg in die Dichtung gewesen sein. So schrieb er dann 1744 unter Gleims Einfluß „Sehnsucht nach Ruhe“. Daraufhin verfaßte er preußisch-patriotische Gedichte wie „Die Ode an die preußische Armee“ (1757) und Erzählgedichte, darunter „Cißides und Paches“ (1759). Wegweisend für das neue subjektive Naturgefühl der Empfindsamkeit wurde sein in mehrere Sprachen übersetztes Hauptwerk „Der Frühling“ (1749). Es erschien zunächst, herausgegeben von Gleim, ohne Titel und Namen des Dichters. Es sollte das Vergnügen schildern, „was der DICHTER auf dem Lande empfunden“ und es war herrlich idyllisch, eine bekannte Eigenschaft der Anakreontik.
„Der Frühling“ entstand unter Einfluß der Dichtung Friedrich Gottlieb Klopstocks und James Thomsons „The Seasons“ (1726-30). Kleist war, wie auch sein Kollege Pyra, ein großer Bewunderer englischer Schriftsteller und Dichter. Lessing setzte Kleist in der FIGUR des Tellheim in „Minna von Barnhelm“ (1767) ein literarisches Denkmal. (Hier lässt sich erkennen, dass Lessing nicht immer eine Abneigung gegen die Anakreontiker hegte.) Allerdings war Ewald Christian von Kleists IDYLLE in der „heitere[n] Unbefangenheit des Genusses“ gestört, weil ihm oft „mehr darum zu tun ist, dem reichen Ertrag seiner Bilderjagt einzuheimsen, als die Motive NOTWENDIG aus der SITUATION selbst einspringen zu lassen.“
Salomon Geßner wurde am 1. April 1730 als Sohn aus alten Drucker- und Buchhändlerfamilie in Zürich geboren. 1749 begann er eine Lehre in der Spenerschen Buchhandlung in Berlin, er wendete sich jedoch bald mehr der Landschaftsmalerei und dem Verfertigen von Kupferstichen zu. Die Bekanntschaft mit Ewald von Kleist förderte seine literarischen Neigungen. 1750 kehrte Geßner nach Zürich zurück und schuf innerhalb des folgenden Jahrzehnts den Großteil seines dichterischen Werks. Der sonst humorvolle REALIST lag mit seinen Dichtungen weit ab „von dieser werktätigen Hingebung an packender WIRKLICHKEIT“. Vorbilde für Geßner waren die Engländer, wie Daniel Defoe mit „Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe“ (1719), aber auch Deutsche, wie Barthold Hinrich BROCKES mit „Irdisches Vergnügen in Gott“ (1721-1748). Ab 1749 machte er mit der Anakreontik Bekanntschaft. So verfiel Geßner mit seinen Dichtungen in Träumereien und „weltmüdes Sehnen“ und er zog sich in eine „ankreontische Schäferwelt voll Unschuld und TUGEND“ zurück.
1753 erschien „Die NACHT“, 1754 „Daphnis“ und „Die bukolischen Idyllen“ (1756), letzteres wurde in viele Sprachen übersetzt fand viel Nachahmer und Bewunderer in ganz Europa. Diese Bewunderung war „nur ein neuer, und zwar ein sehr schlagender Beweis für die Tatsache, daß der RUHM des Tages oft gerade solchen Erscheinungen am bereitwilligsten zufällt, welche nicht die GESUNDHEIT, sondern die Krankhaftigkeit des Zeitalters spiegeln.“ Er starb am 2. März 1788 in Zürich.

Friedrich Gottlieb Klopstock wurde am 2. Juli 1724 in QUEDLINBURG geboren. Er studierte THEOLOGIE in Jena und Leipzig. Nach einer Anstellung als Hauslehrer in Langensalza hielt er sich 1750 auf Einladung Johann Jakob Bodmers einige Zeit in Zürich auf. Ab 1751 war er Gebotener des Graf von Bernstorff in Kopenhagen, wo er vom König eine Lebensrente erhielt und das ZENTRUM eines deutsch-dänischen Kreises von Dichtern und Aufklärungsphilosophen bildete. 1754 heiratete Klopstock Meta Moller, die in seiner Odendichtung als „Cidli“ auftaucht. Zwischen 1759 und 1763 lebte er in Halberstadt, Braunschweig und Quedlinburg. 1764 übersiedelte er erneut nach Dänemark, wo er vier Jahre lang blieb. Klopstock starb am 14. März 1803 in HAMBURG.
Klopstocks dichterisches Hauptwerk ist „Der Messias“, ein aus zwanzig Gesängen bestehendes biblisches Epos in klassischen HEXAMETERn, mit dessen Abfassung er bereits als Schüler begann und das zwischen 1748 und 1773 in vier Bänden erschien. Auf diesem Werk gründet Klopstocks Ruf als Dichtergenie; es wurde nicht nur in viele Sprachen übersetzt, sondern diente auch vielen nachfolgenden Dichtern als Vorbild. Klopstocks bedeutendste lyrische Werke erschienen in den Oden (1771), einer Sammlung erhabener Dichtungen in drei Büchern aus den Jahren 1747 bis 1770, zu den Themen RELIGION, Liebe, Freundschaft, VATERLAND und dem Erleben der Natur, alles Themen der Anakreontik“ darunter „Der Zürchersee” und „Die Frühlingsfeier”. Wie schon erwähnt strebte Kloppstock Die Versöhnung zwischen Volkstümlichen und Künstlerischen in der Dichtung an. Leider erreichte er sein Ziel nicht, denn es war Lessing der es verwirklichte, denn es fehlte Klopstock an Fähigkeiten. Seine Dichtungen waren von Pyra beeinflußt und Klopstock setzte sich mit ihm gegen die „Verwerfung des Reims“ ein.
Da Anakreontiker beim Volk so beliebt, fand die anakreontische Dichtung daraufhin so viele Nachahmer und stieß auf eine solche BEGEISTERUNG in der ÖFFENTLICHKEIT, dass es bald zur MODE wurde die „Erlogene anakreontische Heiterkeit“ auf das wahre Leben zu übertragen, denn es zu dem „Wesen eines anakreontischen Gedichts [gehörte], daß es ohne Reim und scherzhaft und verliebt sei“. Dieses WESEN schien also eine außergewöhnliche WIRKUNG auf das VOLK, was nur für die Anakreontiker spricht.
Der Grund warum die Anakreontik nur sehr kurze Zeit existierte ist dieser: die Anakreontiker wollten nicht, dass das Volk ihre Dichtungen für so ernst hinnahmen und zogen sich daraufhin weitestgehend zurück. Außerdem reagierten andere Schriftsteller, wie zum Beispiel Lessing herablassend auf die anakreontische Dichtung. „Es sind freie Nachahmungen des Anakreon […] Und man muß mich wenig kennen, wenn man glaubt, daß meine Empfindungen damit im geringsten harmonieren.“ Ähnliches läßt sich auch in seinem ironischen GEDICHT „Was Henker soll ich machen, Daß ich ein Dichter werde?“ gegen die Anakreontiker feststellen. (Was bei Lessing verwunderlich ist, da er zuvor teils ein Bewunderer der anakreontischen Dichtungen war.) Überhaupt stießen die anakreontischen Dichtungen nicht mehr beliebt: einige sagten, sie seinen langweilig geworden und seien „gemeiniglich sehr nahe beim Läppischen“. (Nadine Schulz)

hallesche_schule.txt · Zuletzt geändert: 2019/09/24 08:30 von Robert-Christian Knorr