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SCHILLER

Friedrich Schiller

Leben

Schillerbüste von Dannecker -Geburt an einem Sonnabend, Taufe am Sonntag
Paten:

  • der Regimentskommandeur des Regiments, in dem der Vater stand: Oberst Christoph Friedrich von der Gabelenz;
  • ein Vetter des Vaters, der akademische Schwindler Johann Friedrich Schiller

- sieben weitere Paten in Marbach, u.a. der Bürgermeister der von Vaihingen und vier wohlangesehene Jungfrauen, kümmerten sich um den Jungen
- die beiden erstgenannten wichtigsten Paten waren so gut wie nie in Marbach anwesend
- ab 1773 auf der Solitude → der Herzog und seine schöne Freundin, die Gräfin Franziska von Hohenheim, pflegen einen engen Kontakt zu ihren Schutzbefohlenen, nehmen ihre Huldigungen und Anhimmlungen entgegen und verwischen den Standesunterschied, indem sie die Zöglinge auf (feiertägliche) Kutschfahrten mitnehmen und mit ihnen herumtollen
- der Herzog befahl keineswegs die Eleven in seine Pflanzanstalt, im Gegenteil: sie kostete die Eltern Geld; der Herzog übernahm für die Armen oder besonders begabte (u.a. Schiller) Eleven die Kosten der Ausbildung, die sehr gut war und schon um 1775 gab es mehr Anträge zur Aufnahme als Plätze zur Verfügung standen
- die höchste Klasse zu Tisch sind in der Akademie diejenigen mit den meisten Auszeichnungen (man benötigte übers Jahr verteilt acht Belobigungen für einen ständig zu tragenden Orden), dann kamen in der Hackordnung erst die Söhne der Adligen, deren Eltern sich einen Sondertisch bei den Essen beim Herzog erwirkt hatten
- zwar herrschte Zucht, aber kein Drill; es gab Freiräume, u.a. besaß jeder, der wollte, ein eigenes kleines Beet, wo er Pflanzen seiner Wahl anbauen durfte: die einzelnen Betten in den Schlafsälen waren umgittert; jeder besaß seinen eigenen Nachtschrank und ein eigenes Licht, das er nicht um neun (Nachtruhe) auslöschen mußte; es bestand kein Uniformzwang in den nichtöffentlichen Zeiten, derer es jeden Tag mehrere Stunden gab
- mittags gab es Landwein für die Knaben, abends nichts Alkoholisches; Tabak war verboten; Geld mußte abgegeben werden und wurde am Schuljahresende (14.Dezember) wieder ausgehändigt
- Adlige und Bürgerliche wurden gemeinsam unterrichtet
- erste Dramenerfahrung über das Lesen und Vorführen einzelner Textpassagen aus dem Ugolino im Freundeskreis, aber Gerstenberg wurde nicht Schillers Vorbild, aber er lernte aus dem Ugolino, daß der Dichter der Herr über den Stoff ist
- Erziehung durch Bengel im Sinne des aufgeklärten Absolutismus: das Gottesgericht des Jüngsten Gerichts wird antifeudal-bürgerlich begriffen: O dann stürze der Fluch, der aus der glühenden Brust mir schwoll, in die Waag, donnernd wie fallende Him­mel…
in Rousseau fand der düstere Zorn des genialen Jünglings „die Indignation seiner verletzten Menschenwürde“ (Hettner)
- erst durch die Beschäftigung mit der Geschichte löste sich Schiller vollends von Rousseau
- Weltbild 1780: Uhrwerk der Naturen und Uhrwerk der Regierungen
- verließ Stuttgart bei einem Schuldenstand von etwa 700 Gulden (15000 €), die sein Vater (Jahresgehalt 400 Gulden) nach und nach abzahlte und dabei auch das Mitgiftgeld von Schillers Schwester angreifen mußte → Schiller verdiente mit seinen ersten drei Stücken etwa 1000 Gulden und erklärte, daß das Leben in Mannheim teuer sei, zahlte also nichts zurück
- seine Zeit in Bauerbach, 1783, wurde durch zahlreiche persönliche Bekanntschaften mit patriarchalisch-protestantischen Pfarrern aus Südthüringen geprägt: Sauerteig in Walldorf, Scharfenberg in Ritschenhausen, Rasche in Untermaßfeld, Pfranger in Meiningen und der Gelehrte Fleischmann bildeten seinen Umgang und entwickelten seine Vorstellungen von der bürgerlichen Gesellschaft, gaben seinen abstrakten und durch Rousseau gebildeten Vorstellungen ein praktisches Kontra und berichtigten sie
- fünf Frauen waberten in Schillers sexuellen Hoffnungen jener Tage, alle unglücklich: Charlotte von Wolzogen, Karoline Beck (Schauspielerin), Katharina Baumann (Schauspielerin), die Tochter des Hofrats Lamey und Charlotte von Kalb; vielelicht auch noch die Schwan (Schauspielerin)
- trug zu Weihnachten 1784 in Darmstadt am Hofe aus Don Carlos vor, was den anwesenden Herzog aus Weimar veranlaßte, Schiller den „Charakter eines Weimarischen Rates“ in seinen Diensten zu geben, womit zwar keine finanziellen Zuwendungen, wohl aber Ansehen verbunden war
- ab April 1785 Freundschaft zu Körner: Schiller gesundete zu innerer Versöhnung, zu vertrauender Lebensfreudigkeit, ein Wendepunkt seines Lebens: In den ersten Junitagen 1784 traf in Mannheim eine Sendung aus Leipzig ein, die ihm den Glauben an die Menschheit und sich selbst wiedergab. Das anonym übermittelte Paket enthielt eine gestickte, seidene Brieftasche nebst vier auf Pergament mit Silberstift kunstvoll gezeichneten Porträts sowie einer gleichen Anzahl von begeisterten Begleitschreiben und der Komposition eines seiner Gedichte.
- in Weimar 1787 angekommen versuchte sich Schiller an der Lösung seines Konfliktes zwischen Natursehnsucht und Kulturwelt und löste es durch die Hinwendung zum Bildungsideal, die geistreiche Harmonie einer völlig durchgeführten Bildung → diese Bildung will in die Gegenwart wirken → Bildungsideal: Quellpunkt der Freundschaft zu Humboldt, also entwickelt sich Schiller vom Verneiner der Gegenwart um 1790 zum Propagandisten für die menschenwürdige Umbildung jener
- geschult am plastischen Blick der Griechen wird sein Empfinden gegenständlicher → daraus erhebt sich auch sein idealer moralischer Anspruch: statt philosophischer Aufklärung ästhetisches Denken, statt politisch-kritischen Denkens die moralische Versöhnung der Gegensätze
- Schiller trennte von den Idealen der Aufklärung seine elementare Todesbegegnung, den er nicht als den Sold der Sünde sieht, sondern als großen Riß der Welt, in dem alle ihre Fragwürdigkeit offenbar wird, als Schranke und Prüfstein des Menschen
- Stoff für seine Dramen fand er in den revolutionären Vorgängen: ihn interessierte hierbei besonders das reale Menschenideal
- Büste von Schillers Schulfreund Dannecker
- Gedicke berichtet 1789 über Schiller, daß er „im Umgange recht sehr angenehm, obgleich sein Äußeres zurückschreckend scheinen kann“ sei
- Humboldt schreibt 1791 an Caroline von Dacheröden, daß Schiller „die Empfindungen andrer nicht genug respektierte“ und führte diesbezüglich mit Schiller Unterredungen, da Humboldt diesen Wesenszug Schillers kritisieren mußte: „ein solcher Mensch habe keine reine, lautere Verehrung für dies innere Leben des Herzens“ → zwischen 1789 und 1793 muß bei Schilelr eine Wesensveränderung vorgegangen sein (Krankheit?), denn 1794 war Humboldt nach Jena gezogen, um in Schillers Nähe zu sein und traf ihn zweimal täglich, „vorzüglich aber des Abends allein und meistenteils bis tief in die Nacht hinein“ und bezeichnete als Schillers wesentlichsten Charakterzug, daß der Gedanke das Element seines Lebens war
- heiratete Charlotte von Lengefeld am 22.Februar 1790 in Wenigenjena, halb sechs Uhr abends, ohne Publikum
- Ernennung zum Mitglied der Kurmainzischen Akademie am 3.Januar 1791: abends bei der Feierstunde, brach Schiller zusammen und wurde in einer Sänfte ins Hotel gebracht → Lungenentzündung, die in Jena von Dr. Starke behandelt wurde
- Carl August setzte ihm eine Pension über 200 Taler (16500 €) aus, da Schiller in diesem Jahr kaum arbeiten konnte, Schiller allerdings führte einen aktiven Hausstand mit ca. 1200 Talern p.a. (100000 €)
- 1791 kam Nachricht vom dreijährigen Stipendium des Augustenburgers aus Kopenhagen (ins. 3000 Taler, d.s. 240000 €), das Schiller gern nahm, allerdings wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nicht nach Dänemark reiste, statt dessen lange schlief, oft und gern Karten spielte (L'hombre mit Gros und seinem Arzt Göritz), viel rauchte und deswegen „immer barbouille im Gesicht und auf der Wäsche“ aussah und mit seinem unerzogenen Pferde ausritt, bis sich der Darm entleerte (Göritz)
- machte nicht auf alle einen vorteilhaften Eindruck: Friederike Brun schreibt 1795 in ihr Tagebuch, daß Schiller auf Stelzen gehe und wunderlich Kraft und Schwäche in seiner Erscheinung vereinige: Schwäche der abgenutzten Organe und hervorblitzende Kraft des Genies; Schiller besitze nichts Liebes und noch viel weniger Zutrauen Erweckendes bei lebhaftem, doch unstetem und nicht freiem Blick; seine Stimme klinge hohl
- kaufte 1797 das Gartenhaus mit erstem eigenem Landbesitz für 1150 Taler bar (ca. 92000 €) von den Erben des verstorbenen Professors Schmidt → schrieb zuvor seinem Freund Hufeland, der ebenfalls Interesse an diesem Haus hatte, daß er es mehr benötige und sie beide den Preis nicht in die Höhe treiben sollten
Ehrenbürgerurkunde für die Französische Republik - erhielt 1798 von Campe aus Braunschweig, der auch Ehrenbürger der Republik war, die Ehrenurkunde der Französischen Republik zugesandt, die Danton 1792 unterschrieben hatte - der Postweg dauerte so lange, weil man in Frankreich keine Ahnung davon hatte, wie sich Schiller schrieb oder wo er wohnte → Schiller ließ diese wunderlichen Dokumente über Goethe seinem Landesherrn vorlegen, der das Diplom als Literatur auffaßte und seiner Bibliothek zur Aufbewahrung verfügte

Alltag 1796

Schillers Student Funk (wahrscheinlich der Sohn des Magdeburger Konsistorialrates Funk) berichtet von einem ganz normalen Tag im Hause Schillers:
Schiller lebt ein sonderbares Leben. Ich fürchte, er wird dabei zugrunde gehen. Ganz abgesondert von aller Gesellschaft lebt er in seiner eigenen Welt.- Er kommt oft in mehreren Monaten nicht aus dem Zimmer. Sein niedlicher wilder Junge macht seine einzige Unterhaltung mit der Welt, und grade war auch die Vaterliebe das einzige Band, welches ihn, ohne irgendeine Art von Sinnlichkeit einzumischen, doch von der Austerität und dem menschenfeindlichen Wesen eines Einsiedlers bewahren konnte. Goethe ist der einzige, der viel mit Schillern lebt, er kömmt alle Nachmittage um 4 Uhr und bleibt bis nach dem Abendessen. Gewöhnlich tritt er schweigend herein, setzt sich nieder, stützt den Kopf auf, nimmt wohl auch ein Buch oder einen Bleistift und Tusche und zeichnet. Diese stille Szene unterbricht etwa der wilde Junge, der Goethen mit der Peitsche ins Gesicht schlägt, dann springt dieser auf, zaust und schüttelt das Kind, schwört, daß er ihn einmal wurzeln oder mit seinem Kopf Kegeln schieben müsse, und ist nun, ohne zu wissen wie, in Bewegung gekommen. Dann folgt gewöhnlich ein interessanter Diskurs, der oft bis in die Nacht fortdauert. Auf alle Fälle taut er beim Tee auf, wo er eine Zitrone und ein Glas Arrak bekömmt und sich Punsch macht. Schiller selbst wandelt, ja, man möchte sagen, rennt unaufhörlich im Zimmer herum, setzen darf er sich gar nicht. Wenn es mit seinem sichtbaren Leiden zu arg wird, geht er hinaus und braucht irgendein Palliativ. Man sieht, in welcher ununterbrochenen Spannung er lebt und wie sehr der Geist bei ihm den Körper tyrannisiert, weil jeder Moment geistiger Erschlaffung bei ihm körperliche Krankheit hervorbringt.

Schillers Ästhetik

Kern: das Überindividuelle → Schiller faßt es moralisch, nicht historisch → wir kommen nur durch den Teil (der ist bedingt) zum Ganzen (das ist unbedingt)

  • glaubenslose Religion

- philosophischen Begriff und poetisches Bild zur Kongruenz bringen - Auseinandersetzung mit Moritz
- Schiller entzeitlicht seine Weltanschauung und läßt bei den Göttern die Theorie (Potentialität) und Realität zusammenfallen

anthropologische Fundamentalsätze

  1. Fundamentalgesetz der gemischten Natur: Die Tätigkeiten des Körpers entsprechen den Tätigkeiten des Geistes. Jede Überspannung von Geistestätigkeit hat jederzeit eine Überspannung gewisser körperlicher Aktionen zur Folge, so wie das Gleichgewicht der erstern oder die harmonische Tätigkeit der Geisteskräfte mit der vollkommensten Übereinstimmung der letztern vergesellschaftet ist.
  2. Darstellung der leidenden Natur → der Held dringt auf absolute Realität, er soll alles zu Welt machen, was bloß Form ist und alle seine Anlagen zur Erscheinung bringen
  3. Darstellung der moralischen Selbständigkeit im Leiden → dringt auf absolute Formalität, der Held soll alles in sich vertilgen, was bloß Welt ist und Übereinstimmung in alle seine Veränderungen bringen, soll alles Innre veräußern und alles Äußre formen

Anmut und Würde

- Kallias-Briefe

Anlaß und Absicht

- Ideal einer Lebensführung, das nicht nur Sittlichkeit, sondern auch die sinnliche Natur des Menschen normiert, Übereinstimmung verlangt
- geschrieben gegen das moralische Übel seiner Zeit [Verwilderung einerseits und Erschlaffung andererseits]
- Schiller stellt die grundsätzliche Frage nach der Möglichkeit eines schönen Lebens
- eine ästhetische Handlung ist mora­lisch, aber nicht jede moralische Handlung ist ästhetisch → Ästhetik entsteht durch Anmut und Würde
- Schiller widerlegt die Abstrahierung des Menschen von der Kunst mit gleichzeitiger Postulierung des Menschseins

Begriffsbestimmung

- Anmut übt keine Gewalt auf Sinnlichkeit aus → die moralische Handlung muß wie Naturwirkung aussehen und ist erwerbbar, mithin Neigung zur Pflicht macht anmutig!
Doppelcharakter der Sinnlichkeit:

  • Beteiligung bei sittlicher Handlung geformte Sinnlichkeit
  • formlose Sinnlichkeit

Ziel: Herbeiführung von ästhetischer und moralischer Kultur
Fatum: solange der Mensch von seinem sinnlichen Begehren abhängig ist, kann er den Notstaat nicht entbehren ABER: in der vollständigen anthropologischen Schätzung wäre ein Verlust der Sinnlichkeit nicht Ideal, denn dann ginge alles Individuelle verloren - deshalb Ziel: Veredelung des natürlichen Menschen, d.i. das in Einklang bringen des moralischen mit dem sinnlichen Menschen → der daraus folgende moralische Staat ist der Repräsentant der reinen und objektiven Menschheit
- der Mensch müsse es lernen, edler zu begehren, damit er nicht nötig habe, erhaben zu wollen, also macht man den sinnlichen Menschen vernünftig, indem man ihn ästhetisch macht, d.h. seine sinnliche Seite Schönheit empfinden läßt - dafür benötigt man die Bildung!

Staatsidee: abgeleitet aus dem schönen Instinkt und somit sittliches Bewußtsein, mit Kant die Einheit alles Sitt­lichen in Gott → Gott als Erfahrungstatsache
- Schiller erklärt die Zusammenarbeit von autonomer Sittlichkeit und dem organischen Zusammenleben in der Gemeinschaft als höchsten Staatsgedanken

Herrschaftsverhältnisse
  1. Ochlokratie - Sinn schlägt Vernunft, d.i. die Herrschaft der Neigung
  2. Monarchie - Vernunft schlägt Sinn, d.i. die Herrschaft der Pflicht
  3. liberaler Staat - Wechselwirkung, d.i. das erstrebenswerte Ziel

- geraten Pflicht und Neigung in Streit, geht die schöne Seele in den Zustand des Erhabenen über
Person: das Beharrende
Zustand: das Wechselnde, d.i. die empirische Betrachtung des Menschen
Stofftrieb: Sachtrieb, der darauf dringt, die Person zum Zustand zu machen - Entfaltung
Formtrieb: will Zustand formen, von der Person abhängig machen, d.h. aus sinnlicher, äußerer Abhängig­keit befreien
- will Einheit und Notwendigkeit geben; diese empirische Betrachtung ist erkenntnistheoretisch jedoch wertlos, denn eine Erkenntnistheorie erfor­dert die Kritik des transzendenten Subjekts, nicht eines empi­risch betrachteten: Wenn beide Triebe harmonisch zusam­menwirken, so sind sie wie ein Trieb, der Spieltrieb genannt wird; was dieser Spieltrieb hervorbringt, die Einheit von Sinnlichkeit und Form, heißt Schönheit.
sittlich: was der Mensch selbst schafft
- der Mensch muß freiwillig die Notwendigkeit der Natur bejahen, und dadurch das, was er nicht ändern kann, zu seiner eigenen Handlung machen

Verhältnis Schönheit-Erhabenheit

Schönheit: Vernunft und Sittlichkeit stehen zusammen
erhaben: Durchgangspunkt zum Schönen „Der Mensch ist an der Arbeit, erscheinender Sinnlichkeit Form zu geben.“ (Lempp)
Verhältnis Freiheit-Trieb → die Beherrschung der Triebe durch die moralische Kraft, d.i. die Geistesfreiheit
- die Würde ist ein Ausdruck dieser Fähigkeit/Erscheinung

Die Braut von Messina

1804
- die gedachte Realität ist in keiner Weise fühlbar, sie bleibt in sich selbst geschlossen und bietet nicht die Freiräume des gefundenen Selbstverständnisses
- die Konstruktion des Stückes entbehrt der deutschen Realität → Schiller erprobt statt dessen eine Erneuerung der einfachen Tragödie nach strengstem griechischem Muster
Selbstbezweifelung: Die im Kunstwerk nicht aufhebbaren Widersprüche sollen vom Rezipienten in der Wirklichkeit gelöst werden. Schiller schafft die Traumwelt der Kunst, eine mittels Kunst erschaffene Realität, die ein freies menschliches Sein konzipieren will.

Bedeutung des Chors

- nicht die urteilende Öffentlichkeit als moralische Instanz schlechthin wie noch in den ästhetischen Schriften postuliert → „es liegt etwas dahinter, was wir alle noch nicht wissen“ (Bahr)
- die Einsetzung des Chores ist angemessen, nur, er zerfällt den Brüdern gleich, in zwei Parteien, dies ist ein Affront zum Sinn des antiken Chores: Mit den griechischen Dingen ist es eben eine mißliche Sache auf unserem Theater. → später werden diese mißlichen Dinge durch die Brille eines seltsam-unheimlichen Reizes geborsten

Schillers Brief an Goethe vom 23.August 1794

- spekulative Idee gegen Intuition
- Schiller differenziert zwischen dem eigenen Denken und dem Goethes
- Schiller geht spekulativ an die Dinge heran, durch sein Genie kann er den Gedanken auch für den einzelnen, das Einzelne erzeugen, praktisch → der Weg: Einbildungskraft und philosophische Abstraktion durch Freiheit grenzenbestimmend - Ziel: Volk erreichen
- Goethe geht an Dinge empirisch heran, durch sein Genie kann er den Gedanken auch für die Gattung erzeugen → der Weg: natürliche Entfaltung des Talents - Ziel: künstlerische Vollkommenheit
Gemeinsamkeit mit Goethe: für den Menschen und die Menschheit
Fazit: Man solle fortan zusammenarbeiten!

Abhandlung über den Chor

- der Zuschauer muß von der wirklichen Bühne in eine mögliche gesetzt werden
- der höchste Genuß liegt in der Freiheit des Gemüts, in dem lebendigen Spiel aller Kräfte des Menschen

Chor

- zieht eine Mauer um das Geschehen, um sich vor der wirklichen Welt rein abzuschließen
- kann den Zuschauer erkalten
- ist Ausdruck der Freiheit der Tragödie, sich von der Welt abzuschließen
- ist Ursprungsort der Tragödie
- wurde abgeschafft und in Vertrautem wiedergeboren als ein unvollständiger Reflex → in der Antike bestand der vollständige Reflex durch das Organon der Öffentlichkeit, in der Moderne muß er erschaffen werden und wirkt als Fremdkörper
- reinigt das tragische Gedicht, indem er die Reflexion von der Handlung sondert

Demetrius

1804/05
- Rekonstruktion des Gesamttextes anhand Schillerscher Aufzeichnungen durch Kettner und Mielke
- Schiller wußte, daß er nicht mehr lange zu leben hatte und entwarf eine Pro/Kontra-Liste:

gegen das Stück läßt sich anführen:für das Stück spricht:
daß es eine Staatsaktion istdie Größe des Vorwurfs und des Ziels
daß es abenteuerlich und unglaublich istdas Interesse der Hauptperson
daß es fremd und ausländisch istviele glänzende Situationen
die Menge und Zerstreuung der Personen schadet dem InteresseBeziehung auf Rußland
die Größe und der Umfang, daß es kaum zu übersehender neue Boden, auf dem, es spielt
die Schwierigkeit es zu exekutieren auf dem Theaterdaß das meiste daran schon erfunden ist
die Unregelmäßigkeit in Absicht auf Zeit und Ortdaß es ganz Handlung ist
die Größe der Arbeitdaß es viel für die Augen hat

Entscheidung am 10.3.1804: mich zum Demetrius entschlossen

Grundfragen

  1. Was wird aus dem Individuum, das außer der tradierten Legitimation alle Voraussetzungen mitbringt, Herrscher zu sein, wenn der Wirkung des herrschenden Eingreifens eigennützige, konservativ beharrende Kräfte entgegenstehen?
  2. Was wird aus der historischen Persönlichkeit, wenn die Legitimation ihres Tuns aus tradiertem Moralempfinden die Gültigkeit verliert?

Konflikte

  1. zwischen Usurpation und Legalität im staatlich-gesellschaftlichen Bereich → Demetrius und Boris
  2. zwischen einem sich absolut setzenden Willen und der Gesetzgeberschaft der Natur im humanen Bereich → Demetrius und Marfa

- beide Konflikte laufen zu einem Hauptkonflikt zusammen: Gerechtigkeit und Milde können Legalität nicht ersetzen; Legalität läßt sich nicht durch Gewalt bewirken
- das Drama ist KEIN Legitimitätsdrama, denn das wäre ein Drama um Boris Godunow geworden, sondern ist die Tragödie von der unbedingt sich durchsetzenden sittlichen Macht der Wahrheit, die im Menschen die Kraft wecken will, die ihn frei macht

- es geht um die Möglichkeit des Helden, in einer Gesellschaft, in der er mehr funktioniert als herrscht, als Individuum zu wirken
- Demetrius gerät im Kampf um seinen vermeintlichen Rechtsanspruch in Widerspruch zur nationalen Tradition und Spezifik Rußlands, er steht als Relator von feudal-aufklärerischer Reform - als Bild zur bürgerlichen Aufklärung zu sehen - und nationaler Spezifik → Er glaubt an sich selbst, in diesem Glauben handelt er und daraus entspringt das Tragische. Gerade diese Sicherheit, womit er an sich selbst glaubt, ist das furchtbare und indem es ihn interessant macht, erweckt es Rührung.
- die Tragödie eines selbst betrogenen Betrügers und die Tragödie einer historischen Krisenzeit
- Bildertheater; jede Szene hat die Tendenz, zum selbständigen Vorgang zu werden → Panoramatechnik
- Schiller benutzt die Technik der Externalisation (innere Konflikte werden nach außen getragen und dargestellt), vermengt zudem Weite und Enge in einem Wirkgefüge, so daß der Eindruck opernhafter Episierung entsteht
- der Text ist KEINE moralisch begründete Tragödie (Martini)
- als er sich auf der Höhe seines Glückes glaubt, trifft ihn die erschütternde Tragik, daß er ein Betrüger ist und das Totgeglaubte lebt, denn es kommt aus tiefsten Tiefen empor
- das Drama wird durch den Grundgedanken getragen, wie ein Mensch durch fremde Leidenschaften auf seine Höhe und in seinen Untergang getrieben wird (Mielke)

Figuren

der Anonyme: Verursacher des Betrugs, auch fabricator doli genannt: Schiller frug sich, wann er ihn auftreten lassen sollte; kommt aus dem Dunkel und fällt namenlos in es zurück, gesichtslos, wie ein blinder Zufall → ergötzt der sich an dem Volkswahn und an dem des Demetrios? die Geschichte als Spiel blinder Mächte? → vielleicht ein rachsüchtiger Geistlicher namens Wanowitz, der sich an Godunow rächen wollte?
Demetrius: kein Schillerscher Protagonist ist so einsam wie Demetrius, denn er ist sich selbst auch Gegenspieler → Fichte und das Nicht-Ich
- nach Erkenntnis seines betrügerischen Daseins bleibt ihm bloß noch der Wille, als Nicht-Demetrius Demetrius zu sein
- liebt dreimal: 1. zu Sambor Marina; 2. zu Moskau Axinia; 3. zu Moskau Lodoiska
Gradation der Beweise für die Echtheit des falschen Demetrios:

  • das Kleinod
  • die Lebensumstände
  • sein Anblick im allgemeinen, der der Idee zusagt
  • der eine Arm ist kürzer
  • die Antworten, die er gibt
  • die Aussage in dem Psalter, welche es bestimmt ausspricht, daß er der Prinz Demetrios ist

Romanow: Repräsentant einer konkreten, keineswegs idealistischen Entwicklung
- es fehlt ihm an Kraft zur Größe trotz aller Legitimität zur Macht
Sapieha: Was ist Mehrheit? Mehrheit ist Unsinn; Verstand ist stets bei wenigen nur gewesen… Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen; der Staat muß untergehen früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet.
Marina: ist Demetrios die Hauptsache; seine erste Bewegung als sich fühlender Zar ist auf Marina; sie verweist ihn aufs Politische: Demetrios soll sich sein Reich erobern
- wird ganz von politischem Ehrgeiz beherrscht, der jedes menschliche Gefühl erstickt → sie will vor allem ihre Schwestern überstrahlen, stolz, herrschsüchtig und berechnend
- ihr ungemein scharfer Verstand besitzt zudem eine große Spannkraft
- zweifelt keinen Augenblick an Demetrios als betrogenem Betrüger → er wird von ihr benutzt
- eine kalte Furie, darin liegt ihre tragische Größe → sie spielt mit der Liebe, mit anderer Leidenschaften, ewig auf der Jagd

Aufbau

(Plan, also nicht definitiv)

- Schiller wollte seit März 1805 die Lodoiska-Szenen streichen

  1. Grischka ermordet den Palatinus und gibt sich verloren
  2. Grischka entdeckt seine Geburt
  3. Vertrag mit dem Woiwoden und Verspruch mit Marina
  4. Abschied von Lodoiska
  5. Polnischer Reichstag
  6. Marfa im Kloster
  7. Demetrius an der Grenze seines Reiches
  8. Demetrius fechtend
  9. Boris nimmt Gift
  10. Romanow und Axinia
  11. Demetrius zu Tula, empfängt die Huldigung der Städte
  12. Demetrius erfährt den Betrug und tötet den Verkünder
  13. Zarin Marfa und Demetrius
  14. Demetrius und die moskowitischen Abgesandten
  15. Axinia wird gefangengenommen
  16. Einzug Demetrius’ in Moskau
  17. Demetrius sieht Axinia und verliebt sich
  18. ?
  19. Unzufriedenheit der Russen. Schuski und Romanow
  20. Ankunft Marinas
  21. Axinia wird getötet
  22. Romanow hat eine Erscheinung
  23. Demetrius und Marina vermählen sich
  24. Demetrius und Lodoiskas Bruder
  25. Ausbruch der Verschwörung
  26. Demetrius und Marfa
  27. Demetrius wird getötet
  28. Schluß.

Prinzip der Behandlung des Stoffes

Es kam Schiller auf die Art an, wie der Stoff zu nehmen ist, nicht, wie er wirklich ist. → Wandlung vom historischen Dramatiker zum Dramatiker historique

Über naive und sentimentalische Dichtung

- entstand nach einem Streitgespräch mit Goethe, nachdem beide aus Schonung und Delikatesse miteinander aufhörten zu streiten, doch Schiller behielt die Angelegenheit im Herzen und schrieb diesen Aufsatz
- beide Dichtungsweisen sollten sich bequemen, einander gegenüberstehend sich wechselweise gleichen Rang zu vergönnen (Goethe)

Methodik Schillers

- ein idealistisches Transzendieren der Problematik im Begriff des Ideals

naivsentimental
Überwiegen des Gedanklichen über das Empfindliche; Vorziehen des Alten: Shakespeare, Goethe, Mozart, Ratio­nalismus; antikÜberwiegen des Empfindlichen über das Gedankliche; Vorziehen des Neuen: Schiller, Beethoven, die Neuen, Irrationalismus; modern

Der naive Dichter schöpft aus dem Leben, das er selbst ist, er hat die sinnliche Realität voraus. Die naive Dichtung steht für eine Aufgabe, die nie erfüllt werden kann. Die Karikatur ist der Empiriker oder auch der Philister. Der sentimentale Dichter kann lebendigen Trieb erwecken - keine wirkliche Existenz im Leben -, dafür kann er dem Trieb einen größeren Gegenstand geben, Phan­tasie.
Die sentimentale Dichtung ist die Geburt der Abgezogenheit und Stille. Die Karikatur ist der Phantast.

Empfindungsweisen als Ausdrücke des Widerspruchs zwischen Ideal und Wirklichkeit

  1. satirisch - Widerspruch von Ideal und Wirklichkeit wird zum Gegenstand gemacht
  2. elegisch - in der Darstellung von Natur und Ideal überwiegen Stimmungen der verlorenen Wirklichkeit
  3. idyllisch - Harmonie von Ideal und Wirklichkeit ist vorstellbar und der Gipfel der Ästhetik

In der tiefliegenden Wahrheit liegt das wahrhaft Poetische, aber das Poetische kann mit der Wahrheit niemals wirklich konkurrieren.

Don Carlos

- das liebende Umfassen der ganzen Menschheit, der Ruf nach Menschlichkeit auf Königsthronen: Ich will es mir zur Pflicht machen, in der Darstellung der Inquisition, die Prostituierte Menschheit zu rächen, und ihre Schandflecke fürchterlich an den Pranger zu stellen.
- das Stück ist ein utopisches Modell, erst im Wallenstein gelingt Schiller die Analyse des historischen Augenblicks und die Befragung der entsprechenden Protagonisten ihrer moralischen Reife nach, so bleibt es das Familiengemälde aus einem königlichen Hause

politisch-moralisches und ästhetisches Programm

Gedankenfreiheit als Grundlage politischer und rechtlicher Freiheit; freie Entfaltung aller Lebenskräfte, III/10
- Posa steht für die Wahrheit, die auf die Freiheit des Menschen geht → er handelt aus sich selbst heraus und setzt sich keine Grenzen
- der König, in dem er das als Mensch spürt, fühlt sich in Freiheit gesetzt, veredelt, kann aber Posas Idee zur Befreiung der Menschheit nur als Korrektiv seiner Politik begreifen, nicht als Konstitutiv, denn im Gegensatz zu Posa ist er Realist und kennt das Menschliche als Zwiespältiges
- die bestehende Ordnung 1568 ist beschrieben als die Freiheit nicht zulassend, fremde Schöpfer nicht duldend
- Posa setzt menschliche Prätentionen a' la Rousseau der Bürger sey der Krone Zweck
- die geforderte Gedankenfreiheit ist nicht in der ausschließlichen Wortbedeutung zu verstehen, sondern auch im weiterführenden Sinne des Gebrauchens von Gedanken in praktischer Hinsicht
- Posa spielt auch eine Rolle im staatlichen Mächtespiel → genau das lastet Posa dem Monarchen eigentlich an
- der historische Auftrag für den König lautet: zuerst das eigene Volk zum glücklichsten machen, dann sei es die Pflicht des Königs, die Welt zu unterwerfen, sie also diesem Staate zuführen

Aufbau

- Parallelität der Akte I und III
- die Kehre im Drama ist der Moment, wenn die Privatheit und Mächtigkeit neue Verbindungen eingeht, die Helden in ihrer Verletzlichkeit gezeigt werden und daraus handeln
- Schillers Hauptproblem war das Entzünden der Katharsis, es geschieht durch selten unumgängliche Notwendigkeiten

Sprache

- synthetische Kunstsprache, die Etikette gelegentlich durchbricht

Figuren

Domingo: repräsentiert intrigante Kirche
Eboli: eigentliche Intrigantin; sie liebt Don Carlos und will die höfisch-motivierte Eheabsicht mit ihm durch den Bund der Herzen naturrechtlich legitimieren, dennoch ist sie en detail eine Gegenspielerin Don Carlos’
- Schiller stellt sie als in edlen Absichten Handelnde dar, die nur die weibliche Schwäche der Eifersucht nicht überwinden kann → so entwickelt sich Ebolis Liebe zu Haß, der sie Interesse an der Hofpartei nehmen läßt, obwohl sich dies eigentlich nicht so verhält
- sie gewährt dem König eine Liebesnacht
Posa: en gros Gegenspieler des Großinquisitors
- Verkünder eines aufklärerisch-politischen Programms: die Poesie des politischen Idealismus
- manipuliert Don Carlos für seine Ziele, die aber beider sind und predigt Ideale, ohne die Realität zu sehen, ist somit ein abstrakter Humanitätsidealist → ihre Freundschaft ist keine schwärmerische; sie soll der Menschheit dienen und diese sein
- verwickelt Ideal und Freundschaft und ist letztlich weder dem einen noch dem anderen gewachsen
- kann man letztlich jedoch für einen Abenteurer, Möchtegern und eitlen Fatzke halten
- inszeniert seine eigene Opferung - Brief der falschen Selbstbezichtigungen
- weiß um seine Wirkung beim König und spielt auch mit dem
- schwankt zwischen dem aufgeklärten Staatsideal - poli­tische Gesetzgebung ist Vernunft übertragen; der Mensch ist Selbstzweck; wahre Freiheit ist zur Grundlage des Staatsgebäudes gemacht - und der zweifelhaften Durchsetzung dieser Ideale
- fordert die Freiheit der Gesellschaft und setzt selbst Menschenleben aufs Spiel
- dünkt sich reifer als das ganze Jahrhundert, wenn er seine Zeit als noch nicht gekommen sieht
- spielt innerlich den Gedanken der Revolution durch und antizipiert vortrefflich, wenn er dem Volk die Reife, die zur Macht erst befähigt, vor jeder Erfahrung abspricht
- bezeichnet sich selbst als nicht Rebell
Don Carlos: der historische Don Carlos war dickbäuchig, hysterisch, schwachsinnig und wurde deswegen von Staatsgeschäften ferngehalten
- extreme Reaktionen
- scheitert im Widerstreit von persönlichem Interesse und ideellem Auftrag, im Zwielicht von Mythos und Geschichte
Elisabeth: Tochter der Medici → durch ihre Heirat Frieden zwischen Frankreich und Spanien
- deutlich problematisiert als ehemalige Braut des Königssohnes
- stellt eine entscheidende Frage: Kann der Zweck die Mittel heiligen? - Schiller antwortet mit: noch nicht!
- sie muß den Ball ins Rollen bringen
Philipp: der Repräsentant des Ganzen - Wirklichkeit statt Ideal, Zwang statt Freiheit und der Verzicht aufs Menschsein
- in der Darstellung Philipps zeigt sich Schiller Kunst der differenzierten Zeichnung großer und widersprüchlicher Charaktere politischer Protagonisten
- Schiller mildert den Vorkämpfer der Gegenreformation, der von Natur aus mißtrauisch, in allem feindliche Absichten vermutet
- sieht in Don Carlos seinen Erbfolger, der ihm den Thron streitig machen könnte
- läßt väterliche Regungen nicht zu
- sucht Bedienung seines wachsenden Mißtrauens
- sein Ehebruch mit Eboli ist ihm ein Ergebnis eines Vergriffs seines Sohnes
- in ihm streiten sich der Vater und der Mensch, der König und der Mann, doch läßt er den Menschen nicht zu, obwohl der in jeder seiner Handlungen beziehungsweise -absichten mitschwingt

dramatische Verwicklungen

- Schiller läßt die Frage offen, ob Posa seinen politischen Zielen nicht hätte näher kommen können, falls er beim König geblieben wäre
- durch Posas Verrat gegenüber dem menschlichen Gefühl beim König spitzt er die latente Konfrontation zu
- Posas Verhalten findet keine Entschuldigung, nicht einmal, wenn man seine hehren Ziele in Betracht zieht
- der König weiß keinen anderen Ausweg, als über den Großinquisitor die Antithese zu Posas Freiheitsbegriff zu bemühen - mußte Posa wissen

Wertung

- setzt im 1. Akt andere Erwartungen, als er dann erfüllt → Schiller weiß das (Bahr)
- Freundschaft wird dem Ziel untergeordnet
- Liebestragödie ist Gerüst
- Fürst soll Ideale verwirklichen
- kein Erziehungsstück
- dennoch vollzieht sich mit diesem Stück eine Wendung zur humanistischen Geschichtskonzeption, denn die sittlichen Kräfte stehen im Vordergrund und siegen, nicht die zur Gewalt neigenden

Über das Erhabene

1793
- man darf der physischen Gewalt keine solche Entgegnung geben; die Freiheit liegt in der Brust des Menschen
- der Mensch ist ein physisch Beherrschter; sein Sieg liegt im Bereich des Intelligiblen
- der Mensch bewahrt Würde, indem er Freiheit erringt, auf seiner Freiheitsintention besteht
- die berechnende Lebensstrategie ist Wahn
- das Schicksal trägt man nur in sich, weil der äußere Affront gemeistert werden kann über das gute Gefühl in der Brust
- Schillers Interesse galt von jeher dem Praktischerhabenen, der Macht beziehungsweise dem Verhältnis des einzelnen zur Macht
- Konfrontation des Menschen mit den über die Grenzen des physischen Widerstehens hinausgehenden Phänomenen, aber Vermögen, das als Ganzes zu denken - mathe­mathisch erhaben -, als Person sich unabhängig zu denken - dynamisch erhaben -, weil dieses hinausgehen nur die sinnliche Existenz bedroht und nicht die Vernunft berührt: der Gegenstand muß zwar furchtbar seyn, darf aber nicht diesselbe ausüben

Die Verschwörung des Fiesco zu Genua

- dieses Stück wollte er vor seiner Flucht aus Stuttgart fertigschreiben, was aber nicht ganz gelang
- kurz nach seiner Ankunft in Mannheim las Schiller die ersten zwei Akte den Schauspielern vor, was er so schlecht machte, daß die Schauspieler es gräßlich fanden und erst annahmen, als sie es in eigener Diktion einander vortrugen

Entstehungsgrund

- die antityrannische Politik ist Schiller zur Herzenssache geworden → er zeigt jedoch keine realen Gestalten, sondern Figuren, die aus dem Bauch reden
- die Grundstimmung des Dramas ist der Protest gegen die Verbildung und die ver­ächtliche Kultur seiner Zeit → Fiesco ist die Verherrlichung republikanischer Größe und Freiheit

Inhalt

- die Verlegung der dramatischen Handlung in das Innere der Helden läßt drei Enden der eigentlichen dramatischen Handlung zu
- Schiller läßt seinen Figuren eine lange Leine; die dramaturgische Straffheit steht außen vor, er spielt ihre Vielschichtigkeit aus und fragt nicht nach der moaralischen Lauterkeit ihrer Handlungen, nam id facinus ego memorabile existimo, sceleris atque periculi novitate (denn ich mache die außergewöhnliche Tat erinnerungswürdig, sofern sie durch Mord Neuigkeit geworden) → so wird der widerspruchsvolle Charakter Fiescos zur Keimzelle des Stücks
- der tragische Konflikt besteht zwischen dem Helden und dem Staat: die Republik kann den Helden Fiesco nicht entbehren, der Held läßt sich gegen seinen Willen zur Macht verführen und überhört sein Gewissen - War er noch nicht reif zur sittlich schönen Handlung?
- eine andere Frage ist es, ob Schiller vielleicht nur ein Possenspiel schreiben wollte → dafür opernhafte Requisiten: Dolch, Schwert, Gewänder…
- bevorzugt werden Emotionen dargestellt
- es stehen Fragen im Raum zur Konzeption, z.B., warum Schiller seinem Helden einen handelnden Gegenhelden gegenüberstellt
- die Handlung ist absurd und unwahrscheinlich, doch handeln sie motiviert durch Ruhmessucht, Ehrsucht und Pflichtereiferung, die sich mit der Suche nach Liebe paaren und Gegensätze aufbauen, die mit Gewalt gelöst werden
- Ergebnis ist ein Widerspruch im Werk: die barocke Staatsaktion besiegt das sittliche Wollen

Antinomien im Stück

  1. Heldentum und Staatsidee
  2. Machttrieb und Gewissensanspruch
  3. Größe und Berechnung
  4. Politik und Menschlichkeit

Figuren

Gianettino: Bösewicht; will die tugendhafte Tochter Verrinas gewinnen
Verrina: sieht in Fiesco den Spieler um die Macht bar jeder Tugend und betrachtet Fürstenhuld als Zufall und Gnade
Fiesko: widerspruchsvoller Charakter; er tritt würdevoll auf und –los ab; effektgeladen → die Verschränkung von Erhabenheit und verbrecherischer Verstrickung; ist ein Sieger, der sittliche Sieg über das Herz, denn Fiesco will Bürger werden, statt die Krone zu erwerben, ABER die politische Wirklichkeit will Kabale, nicht Größe

Aufnahme des Stückes

- Den Fiesko verstand das Publikum nicht. Republikanische Freiheit ist hier zu Lande ein Schall ohne Bedeutung, ein leerer Name - in den Adern der Pfälzer fließt kein römisches Blut. (Schiller am 5.5.1784 an Reinwald)

Die Geisterseher

- Tendenzroman gegen die Jesuiten
- bleibt Fragment, weil Schiller in Weimar damit beginnt, seinen durch Spitzfindigkeit, Künstelei und Witz von der wahren Einfalt abgeirrten Geschmack zu läutern → die Beendigung eines pathetischen Romans hätten die Schä­den eines pathetischen Motivs nur immer deutlicher hervortreten lassen: statt dessen wandte sich Schiller der griechischen Klassik zu

Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen

1791
- die moralische Würde der Kunst ist die entscheidende Instanz
Digression: Der Verbrecher aus verlorener Ehre
- danach gibt es keine politische Instanz, die nur Gerechtigkeit übt
- der Leidende einer Tragödie wird vom Zuschauer mitleidig aufgenommen - der Bösewicht soll selbst leiden, nicht der Leidende
- der Mensch soll seine heiligsten Überzeugungen in den Dienst der Affekte stellen
- ein allmähliches Entfalten von Bildern, um den Zuschauer nicht zu überrollen - keinen Explosivstil pflegen

Horen

1795/97
- mannigfaltigste publizistisch-editorische Unternehmung
Credo: die Poesie muß aus dem Wirklichen, aus der Zeit und dem Raum, aus dem Leben kommen, damit EINS ausmachen und dahin zurückfließen

Jungfrau von Orleans

- Schiller hatte das Problem, jenes über die servile Naturnach­ahmung hinausgehende Wunderbare mit künstlerischem Bewußtsein zum Ideal zu erheben. Der religiöse Ursprung der Tat soll tragisch aufgelöst werden. Bei der Bearbeitung des Stoffes trat die in der Dichtung unüberspringbare Kluft zwischen dem fatalistischen Präde­stinationsglauben und dem modernen Freiheitsbewußtsein zu Tage. Das Stück balanciert zwischen revolutionärem und klassischem Pathos. Das Stück ist nicht als klassische Tragödie zu verstehen, auch nicht als progressiv-revolutionäres; es steht zwischen beidem.

Thema

- die politische Macht wird als natürliche und zudem als durch Tradition geheiligte Repräsentanz interpretiert → Schiller grenzt sich deutlich von den Stürmern ab, die eine heilige Tradition nicht anerkennen wollten
Im Zentrum steht die moralische Bestrafung der Eindringlinge. Dabei ist als wesentlicher Unterscheidungszug zu den Stürmern das Festhalten der moralischen Rechtfertigung durch Heiligsprechung des bestehenden Politischen, die durch Tradition geheiligte Repräsentanz, grundsätzliches Thema und Aussage des Werkes. Für Schiller handelt einzig das Volk politisch konsequent, aber das ist nicht das Thema des Stückes. Der Adel gibt formal Legitimation für Volk und Gesellschaft.

Grundmotiv

- das äußerliche willkürliche Göttergebot → äußere Herbeiführung der Schuld

Idealität der Jungfrau

- sie setzt sich entsprechend ihrer Mission über Konventionen hinweg, sondern auch über ihre Natur - sie ist ein Weib
- Schiller wählt eine Epoche aus dem Hundertjährigen Krieg, um ein Gleichnis für die eigene zu liefern, verflechtet soziale und Naturaspekte als neue Wirkungsmöglichkeiten des Dramas – Ist Vergeltung geschichtliche Wirkungs­möchlichkeit?
- das eigentliche Wunder: jenseits aller sozialen Problematik vollzieht sich die Identifikation von Volk und Königtum (Dunois)
- das Königtum erhält einen neuen sozial-nationalären Charakter

Tragödie Johannas

- sie macht sich Vorwürfe → Schiller stellt sie dar als Zusammenstoß ihres Idealismus mit der Realität, der realen Natur der Dinge
- Johannas politisches Programm ist die große national-soziale Harmonie, die Einheit des Volkes mit der restaurierten Hierarchie. Eine Kernstelle des Stückes ist Johannas Zusammentreffen mit Talbot, der für das materialistische Prinzip steht. Talbot stirbt ehrlos, denn wo das Erhabene mit dem wünschenswerten Erfolg des ideallos nach Sieg und Macht messenden Militärhandwerkers gleichgesetzt wird, bleibt letztlich nur das Nichts. Lionel, eine idealisierte Gestalt, wird als Gegenfigur konstruiert und soll das natürliche Leben, die Natur, darstellen. In diesem Sinne ist er unsterblich, das Gefühl dafür dringt jedoch erst in die Jungfrau, als ihre Mission selbst Zerstörung der Natur und des Lebens ist. Das Treffen mit Lionel ist Ausgangspunkt der Identitätskrise Johannas. Johanna wird Subjekt, sie empfindet die Werkzeugaufgabe als nicht bewußtseinstragend und bildet sich an diesem Empfinden zum eigenen Subjekt aus. Somit steht sie sich selbst bei der Erfüllung ihrer Mission im Weg, aber sie findet den Weg zum Volk zurück. Fragwürdig bleibt das Motiv des Aberglaubens.

Kabale und Liebe

Schiller empfand die Dichtungsart Trauerspiel als eine ihm nicht gemäße; dennoch stand ihm der Versuch im Sinn → Die Rechtfertigung des Stückes als Tragödie resultiert aus der Verletzung des gesellschaftlichen Kodex: ein Adliger darf ein Bürgermädchen nicht heiraten! und dem vergeblichen Kampf der Liebenden gegen die die Gralshüter gesellschaftlicher Richtlinien um 1780: Miller, Walther. Der Feudalabsolutismus als Gesellschaftsform entlarvt sich in dem Maße, als daß er die Liebe dieser beiden Menschen zerstört.
Luise Millerin, so der Arbeitstitel des Werkes, sollte eine Synthese aus Shakespeares „Othello“ und „Romeo und Julia“ werden. Den Wettkampf der Uraufführung gewann die Frankfurter Intendanz am 13. April 1784. In Mannheim wurde das Stück am 15. April 1784 mit großem Erfolg gegeben.
Es gibt kaum eine Figur, die von Schiller nicht mit einem gesellschaftskritischen Aspekt ausgestattet wurde. Der Impetus der Anprangerung zieht sich durch das ganze Stück und gipfelt in der Kammerdienerszene.
Luise denkt realistischer als der trunkene Ferdinand. Der Konflikt Luises ist nicht der Ferdinands. Luise steht für die christlich-theologische Sicht, die mit dem Gefühl der paradiesischen Liebe kollidiert und so irdische Begrenzt­heit nur durch den Tod zu überwinden glaubt. Ferdinand ist nichts mehr als ein Liebesbaron.
Lady Milford läßt Luise in Ferdinand nicht mehr alles sehen, II/5.
Die große Leistung des Stückes ist das Geltendmachen von dem Anspruch eines irdischen Glückes. Schillers erste [[Wohnung]] in der Jenergasse 26; 1945 im Krieg von Aushämischen zerstört

Inhalt

1. Akt: der Vater will den Sohn mit der Favoritin des Arbeitgebers verheiraten, um dem einen Gefallen zu tun und die eigene Stellung und die seines Sohnes zu sichern
- der Sohn, Ferdinand, will dagegen eine bürgerliche Ehe führen, keine Konvenienzehe → der Held – Selbstbezeichnung deutscher Jüngling - kann und will nicht zwischen Ehefrau und Geliebter unterscheiden
2. Akt: in II/3 das Gespräch zwischen Ferdinand und der Lady, die er heiraten soll → das Gesprächsthema ist u.a. der Fürst, der hier als Libertin, d.i. ein Befreier von religiösen und moralischen Bindungen, beschrieben wird - Euphemismus für Wüstling
- ironischerweise fühlt sich Mylady in ihrer Ehre gekränkt, als ob sie niemals in ihrem Leben über diese Begriffe hätte nachdenken müssen → die Verbindung scheint zu platzen
- Ferdinands Vater, der Präsident, will daraufhin den Ruf Luises verschlechtern durch Vorwürfe der Kuppelei u.ä., II/6
3. Akt: in III/1 spinnen der Präsident und seine Kreatur Wurm in Steigerung des Geschehens eine neue Brief-Intrige: Luise soll einen anderen Liebhaber besitzen, von Kalb
- Schiller thematisiert die Macht und ihren Mißbrauch - die Intriganten sind Regierungskriminelle
- Luise kritisiert in III/4 Ferdinand, weil dieser eine Art von Liebesabsolutismus hinsichtlich reiner Liebe, ständischer Herkunft, Ehrbarkeit, Pflichtbewußtsein predigt
- die Peripetie wird in III/6 vollendet, als Luise den befohlenen Brief schreibt und die Intrige ihren Lauf nimmt
4. Akt: Hoffnung auf Rettung in IV/5, als der Präsident Luises Tugend hochbewertet und sich scheinbar einverstanden mit einer Ehe seines Sohnes und Luises erklärt
- Lady kommt aus der Rolle der Mätresse nicht heraus und flieht aus Ehrgefühl, statt zu kämpfen
5. Akt: lange Reden täuschen nicht darüber hinweg, daß die Dinge entschieden sind → Luise und Ferdinand liegen bald tot auf der Bühne

Die Künstler

- Schiller unterscheidet sittliches Leben als das Leben der freien Gesetzmäßigkeit des Geistigen von dem sinnlichen, unfreien Leben → Reich der Freiheit von dem der Sinnlichkeit

Die Vermittlung beider liegt in der Schönheit. In einem erkenntnistheoretischen Sinne verliert das Sitt­liche jenen Charakter durch eben jenen Gegensatz zur sinnlichen Welt.

Das Lied von der Glocke

- hier spricht das antirevolutionäre Bewußtsein

Maria Stuart

Intentionen

- moralische Bewährung der Helden als Voraus­setzung zum politischen Handeln
- das historische Sujet spielt eine akzidentielle Rolle
- Schiller sucht in dem Stück nach der Entscheidung für den einen oder den anderen Trieb, der idealistischen Behauptung des freien Willens. In der Szene der persönlichen Auseinandersetzung gewinnt Maria ihre moralische Freiheit. Die ästhetische Freiheit, die Maria erlingt, erreicht sie durch den Schillerschen Kunstgriff der ästhetischen Autonomie, welchen er über die Phantasie realisiert. Maria entsagt Mortimer und seinen abstrusen Ideen und besteht moralisch neben der Altjüngferlichkeit Elisabeths. So geläutert kann sie in den letzten Akt gehen und unbeschwert ihr Todesurteil aufnehmen.
- der realpolitische Kampf zwischen Protestanten und Katholiken bleibt im Drama aus
- der Konflikt spielt sich vielmehr rivalisierend zwischen den beiden Frauen ab
- Schiller vermeidet jede Parteinahme

Figuren

Lester: macht aus dem politischen einen persönlichen Konflikt
- die Genialität des Dramas entsteht durch die Zwiespältig­keit Lesters, der Maria helfen will und schließlich doch ihr Grab schaufelt
Mortimer: sein Katholizismus repräsentiert nicht das politische Gegengewicht
- Schiller veredelt Mortimer zu einem ideellen Helden, der um abstrakte Begriffe mehr, als um das reale Ziel streitet
- steht für Schillers Auseinandersetzung mit den Frühromantikern Tieck oder Wackenroder
Elisabeth: moralische, altjüngferliche Protestantin
- perfekt funktionierende Königin: kalt den Vorteil berechnend, aber Sehnsucht nach Menschlichkeit
- bleibt dennoch Politikerin; sie geht ihren Weg bis zum bitteren persönlichen Ende
- ihr Mißbrauch der Macht schafft ihr die Einsamkeit
Maria: Kontrast zwischen sensualistischem Katholizismus und der gelebten Überwindung alles Irdischen
- eigentlich eine sinnliche, am Leben hängende und dieses ausleben wollende schöne Frau
- Marias heldenhafte Opposition gegen Elisabeth stellt sich weit weniger als Versuch dar, das Verlorene wiederzugewinnen, vielmehr als Auseinandersetzung mit einem abstrakten Begriff von Recht
- Maria steigt aus dem Kreislauf von Gewalt und Gegengewalt aus, sie entsagt den weltlichen Dingen und nimmt das Todesurteil für ihren früheren lasterhaften Lebenswandel

Die Räuber

- gesellschaftliches und ästhetisches Selbstverständnis Schillers 1781 → Schiller setzt sich mit dem Tenor der beherrschenden Gesellschaftskritik auseinander und verarbeitet Schubart, Shakespeare und Cervantes
- Die Wirkung basiert auf diesem Zurückset­zen der religiös-moralischen Rückversicherung; sie setzt Erwartungen bei dem deutschen Zuschauer frei, weg vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zu einer demokratischen Republik.
- bei der Premiere am Mannheimer Nationaltheater feierte Schiller einen Erfolg - die Menschen schrien, trampelten; Frauen fielen in Ohnmacht, man weinte, lachte und rief nach dem Dichter ↔ Ovationen
- er erhielt von der Intendanz vier Karolinen Reisegeld (etwa 950 € oder 55% seines Monatsgehalts in Stuttgart)

Figuren

- die Charaktere sind schwülstig und roh oder schmachtend empfindelnd, zuweilen verwerflich und bis zur Unnatur verzerrt - Vorwurf von 1782
- Schiller erweist sich jedoch als echter Dramatiker, da die Einheit von Person und Handeln nie gewährleistet ist und als Schüler Abels, indem er die Leidenschaften zum bestimmenden Kriterium der Handlungen der Menschen macht
- Einfluß auf die Gestaltung der Charaktere hatte auch Ferguson - setzte eine Beziehung zwischen Denken und Handeln, zwischen Vernunft und Sittlichkeit -, der die naturnotwendige Gebundenheit moralischer Haltung an das frei gewählte Ideensystem des Einzelwesens lehrte

Karl: sein Selbstmord ist makaberweise ein Sieg der religiös motivierten Moralität - als Kritik an der pervertierten Gesellschaft zu verste­hen
- sein Aufbegehren ist eines gegen das Ordnungssystem, welches mit der Familie anfängt, die ihn scheinbar verstieß - letztlich gibt er jedoch seinem Vater den Todesstoß
- Schiller exemplifiziert an Karl das Motiv des Selbsthelfers, der die bestehenden Verhältnisse als nicht korrigierbar ablehnt und dagegen opponiert → das 18.Jahrhundert ist ein Kastratenjahrhundert (siehe hier Bezug zu Lenz)
- Amalias Tod zerreißt die Fesseln zwischen ihm und den Räubern
- er restituiert die Ordnung, indem er sich dem Gesetz übergibt
Franz: ein Triebmensch und so leichte Beute übersteigerter Erregungen - sein eigentlicher Gegenspieler ist das Gewissen
- erkennt auch die sittliche Notwendigkeit seines Untergangs, so nimmt er ihn selbst in die Hand und stürzt von Verbrechen zu Verbrechen, schließlich in den Abgrund der Verzweiflung, so daß das moralische Gesetz durch einen christlichen Schluß wiederhergestellt ist
- sein Untergang ist ihm eine Tat der sittlichen Freiheit; er ist Sieger über das Schicksal

Problematik

Grundproblem Fügung: Es ist doch solch' göttliche Fügung in der Natur, warum sollte sie nicht auch im Menschen sein?
- der Mensch wird konstruiert als ein Mit- und Gegenspieler der Gottheit
- im theodizistischen Rahmen ist die Zuspitzung allen Geschehens Zweck, um diesem Gedanken Rechnung zu tragen, denn beide haben gefehlt, da sie an die Berechtigung einer sittlichen Ordnung nicht geglaubt haben
- Probleme mit der Motivation, denn ein Brief allein macht noch keinen Räuber; der pathetische Grundakkord des Dramas jedoch setzt auf die Zurkenntnisnahme außerordentlicher Menschen a la Plutarch, die alles tun, weil es ihnen ihr schwieriger Charakter befiehlt
- Schiller stellt deshalb v.a. Fragen nach Gewissensverantwortung, Willensentscheidungen und der Selbstbestimmung des Menschen → diese Fragen entstanden durch die Entartung der Begriffe des Rechts und der Sitte, denen der Verlust der Religion folgen würde
- ist das menschliche Leben lenkbar über die Irrationalität des Gewissens - Wieviel Kraft verträgt die Selbstbehauptung in einer entarteten Gesellschaft?
- Schiller fragt nach der Moral der Rebellen: Brutus oder Catilina? → die Räuber kämpfen gegen alles
- Schiller ersetzt abstrakt-philo­sophisch, was sozial aufgelöst sicherlich Schwierigkeiten bereitet hätte
Indiz: Karl erkennt, daß man nicht auf den Schultern der Schande zu den Sternen des Ruhms klimmen darf, doch die Schande nimmt ab mit der wachsenden Sünde eines großen verbrecherischen Menschen

literaturgeschichtliche Einordnung

- Kritik an der Formlosigkeit des Sturm - dahinter verbirgt sich auch Kritik an der gottschedischen Naivität analytischer Fragestellungen
- Kritik am Subjektivismus des Sturm → eine bis ins Theologische gehende Auseinandersetzung zwischen dem durch sein Genie angetriebenen Menschen und der sozialen Ordnung, die durch Gottgewolltheit ihre Berechtigung erhält und den Helden ins Verhältnis zu setzen zwingt
- rebellisch-oppositioneller Geist gegen Karl Eugens Militärakademie
- Schiller tritt als Immoralist auf, als Rebell und Verschwörer, denn der Wille trägt des Menschen Schicksal
→ später wird dieser Grundgestus Goethe am jungen Schopenhauer faszinieren, auch Nietzsche findet deshalb Schiller nicht moralin! → das Böse kann auch reizvoll sein, weil den Menschen nicht die sittliche Existenz trägt

Resignation

- schmerzliche Entsagung fordert die Tugend im Leben, und der entbehrte Genuß wird nicht im Jenseits nachgeholt
- Gott und die Natur sind auseinandergetreten, mithin die Pflicht und der Genuß

Der Spaziergang

- der gemilderte Zaubermantel Fausts
- der Wanderer betritt in scheinbar zufälliger Reihe Orte, die auch geschichtlich aufeinanderfolgen
- das Subjekt wird gleichsam austapeziert mit den Elementen der Wiese, des Waldes, des blauen Gebirges, der Äcker und Dörfer, der gewerbereichen Stadt, des Stromes und der fernen Schätze, die er herträgt
- Wechsel zwischen dem Almanach der Weisen und dem reinen Altar der Natur

Theosophie des Julius

Theosophie der Jugend und Liebe
Wo ich einen Körper entdecke, da ahne ich einen Geist.
- die Liebe hat keinen Ursprung im Egoismus, sie ist Aufopferung ohne Erwartung von Belohnung: Wenn jeder Mensch alle Menschen liebte, so besäße jeder einzelne die Welt.

Wallenstein

1798/1799

Arbeit in Etappen

  • Ausarbeitung des Geschichtswesens Wallenstein seit 1786

- Schwächen, Stärke, Widersprüche der Titelfigur
- Dominikus beschafft Quellenmaterial → objektives Verfahren: mühevolles Quellenstudium voraussetzend → man muß die Handlung des Stückes aus ihrer Zeit, ihrem Lokal und dem ganzen Zusammenhang der Begebenheiten schöpfen
- das geschichtlich Gegebene ist eine Begrenzung, durch die Schiller zu einer genaueren Bestimmung seiner Ideen und damit zu deren Verwirklichung gelangen wird
- die Handlung soll nur belebt werden durch das genauere Eingehen auf das Historische; darüber Hinausgehendes verbleibt der Feder des Dichters: Die fehlende Wahrheit muß nicht durch Idealität ersetzt werden, sondern durch die vollständige Darstellung der bloßen Wahrheit.

  • Kant-Grundsätze der Ästhetik verarbeitet, denn alles muß durch eine glückliche Form bewerkstelligt werden

- Probe aufs Exempel der Schillerschen Unterscheidung von Realismus und Idealismus

  • Durchspielen der Antithetik Menschheit-Mode im Hinblick auf die praktischen politischen Fol­gen revolutionärer Praxis

- Relativierung darauf - deshalb ist die Wallenstein-Tragödie keine Prinzipien-, sondern eine Charaktertragödie, weil sie sonst ungeschichtlich als Streit zwischen Natur- und historischem Recht angelegt sein würde

  • Zuschickung der Fabel an Goethe → diese Genesis der Gesamtform wird kategorial gefaßt:
  1. die Stoffprüfung unter dem Gesichtspunkt der Gattung;
  2. der Aufbau der Fabel von den festen Punkten aus;
  3. die Verselbständigung der Handlungssphäre;
  4. die Entgegensetzung der Charaktere gegen das Schicksal;
  5. die Erhöhung des historischen Charaktere zu tragischer Dignität;
  6. die Erhöhung der historischen Kämpfe zu tragischen Konflikten, die die Weltanschauung Schillers ausdrücken und
  7. der Abschluß der komponierten Fabel in der Erzählform.

historische Hintergründe

Das Stück spielt im Februar 1634 in Pilsen und Eger. Im Reich existieren drei Machtgruppen, die sich argwöhnisch beäugen:

  1. Kaiser - der Wählbarkeit der Churfürsten ausgesetzt
  2. katholische Liga
  3. protestantische Union

→ historische Hintergründe: Dreißigjähriger Krieg

Intrige im Wallenstein

- in den Räubern entsprang die Intrige der Verbindung von Situation und Charakter, im Wallenstein übernimmt die Intrige die Funktion der Situation
- die Intrige wird zur Trägerin der Nemesis

Sprache und Handlung

Der Friedländer glaubt an eine Verschiedenheit von Wort und Tat.

Problematik Wallensteins

Gleichnis zu Prometheus: der leidende Gott, der scheitert, weil er in seiner berechtigten und anerkannten Rebellion gegen das Bestehende noch für gültig genommene Gesetze annimmt und keine neuen Aspekte zu setzen vermag
- der tragische Held als Opfer der Ereignisse und Verhältnisse zwischen realpolitischem Kalkül und idealistischem Anspruch
- Wallensteins Konflikt ist der mit der etablierten Traditionsmacht, denn Wallenstein negiert Tradition als Legitimationsprinzip → Sein Verhältnis zum Kaiser ist das dessen, der sich erfolgreich gegen eine Macht empören will, die ruhig sicher thront, festgegründet in ihr untergebenen Völkern.
punctum saliens ist die Meldung der Gefangennahme Sesinas; statt einer raschen Handlung erstarrt Wallenstein. Diese blinde Unterwürfigkeit unter das Schicksal ist demütigend, der unaufgelöste Knoten müßte bleiben. Aber das Altertum kommt nicht wieder, der Wallenstein ist keine griechische Tragödie: Wallenstein fiel, nicht, weil er Rebell war, sondern er rebellierte, weil er fiel! Wallenstein erscheint zwar als Hasardeur, ist objektiv aber Auswegfigur.
Seine Unternehmung ist moralisch schlecht und sie verungleicht physisch; er berechnet alles auf die Wirkung und diese mißlingt; er kann nicht wie ein Idealist sich über die Materie erheben, er will sie unterwerfen und es gelingt ihm nicht. Er ist kein großer, edler Charakter, denn es ist nur notwendig, dem Hauptcharakter genug moralischen Gehalt zu geben, um im Zuschauer Furcht und Mitleid zu erregen. Die Hauptfigur darf nicht von anderen moralisch überragt werden. Wallenstein erniedrigt alle anderen Figuren zu Figuren in seinem Spiel, ist aber auch der nationale Held, dessen verräterisch anmutende Manipulation mit dem schwedischen Gegner nur Mittel zum Zweck der nationalen Einigungspolitik sind. Wenn Wallenstein von Deutschland spricht, glaubt man, ihn selbst zu hören, denn Deutschland ist ihm ein Synonym für die Rechtfertigung seines Handelns. Er selbst handelt jedoch sprunghaft und unausgeglichen, nicht zweckgemäß.
Wallenstein hält sich für frei, mit den Schweden zu paktieren, muß sich jedoch nach der kaiserlichen Acht sagen, daß er diese Freiheit nun nicht mehr besitzt. So wird klar, daß sich Wallenstein nur in der Rolle des Rebellen gefällt; Wirklichkeit und Phantasie verwischt. Wallenstein meint das Gesagte für den Augenblick, nimmt sich jedoch ständig zurück. Er kann Macht und Besitz nicht verdauen.
Er zeigt sich als ein Exzentriker der Macht: In seiner machtgegründeten Selbstisolierung wird er zum Objekt der Wünsche und Handlungen anderer: Max möchte ihn als Friedensfürsten; Terzky sieht in ihm den machtorientier­ten Realpolitiker.
Wallenstein trägt Schillers Nemesis-Vorstellungen: Des Menschen Taten und Gedanken, wißt! sind nicht wie Meeres blind bewegte Wellen, die innere Welt, sein Mikrokosmos, ist der tiefe Schacht, aus dem sie ewig quellen. Sie sind notwendig, wie des Baumes Frucht, sie kann der Zufall gaukelnd nicht verwandeln. Hab ich des Menschen Kern erst untersucht, so weiß ich um sein Tun und um sein Handeln.
- Wallenstein will mathematische Sicherheit für sein Handeln; er glaubt diese Sicherheit durch Astrologie berechnen lassen zu können → Schiller fragt, ob die ungefährdete Handlungsweise ohne Substanz ihre Handlungsfähigkeit durch einen Schicksalsschlag ver­liert ↔ Wallenstein hat aber auch ein echtes Lebensprinzip in sich und benötigt den Hokuspokus der Astrologie eigentlich nicht
- die Zeichnung des Generalissimus entspricht dem antiken Muster der Dramenkonstellation → Friedlands Untergang ist ein Triumph der Nemesis; aber die Gerechtigkeit seines Falles schafft die Schändlich­keit des Verfahrens nicht aus der Welt. Darum trifft die Nemesis auch Octavio. - Was übrigens für seinen Rang spricht. Sie nimmt ihm den Sohn und verhöhnt ihn mit dem Judaslohn eines Fürstentitels.

Wallensteins Lager

dramaturgische Funktion: Wallenstein dem Herzen des Zuschauers näherbringen
- menschliche Exposition des Dramas → an dem Gesindel erkennt man den Herrn
Wachtmeister - potentieller Butler
Holkische Jäger - seine Haut dem Kaiser verhandelt
Kürassier – wer’s nicht edel und nobel treibt
Kroaten – Isolani
Jäger – Illo
Dragoner - Terzky, Butler
Arkebusiere - Tiefenbach und kaisertreu
Pappenheim – Piccolomini

Kapuzinerpredigt: eine Anti-Wallenstein-Tirade → es spricht die Gegenreformation

Piccolomini

- politische Exposition des Dramas

  1. Ebene: Vater - Sohn → psychologische Auseinan­dersetzung
  2. Ebene: Octavio - Wallenstein → politische Auseinandersetzung
  3. Ebene: Max - Wallenstein → übergreifend vom Politischen ins Menschliche

- am Beginn der Piccolomini steht für Wallenstein die Frage: Rebellieren oder Machtverlust einsehen?
Octavio: tradierte politische Normenfigur
- Gegenspieler Wallensteins → indem Octavio der alten Ordnung dient, hütet er das Eigentum, den Privatbereich, das Menschliche, Humane gegen brutale Willkür (Wittkowski)
- der Generalissimus zwischen eigener Hybris, d.i. die sub­jektiv-moralische Schuld, und dem Verrat der anderen, d.i. das objektive politische Gegenspiel
Max: Sprachröhre Schillers: keine Figur zitiert so direkt gesellschaftliche Ideale des Dichters, aber im Unterschied zu Schiller hat Max keine Schicksalsgelassenheit
- ist der positive, ideale Wallenstein; hat Wallenstein das Wirkliche zum Traum gemacht
- nicht der idealistische Menschenformer wie Posa, bei dem der idealistische Anstrich von Menschlichkeit mit den Trieben der Leidenschaft sich verhängnisvoll mischt
- will Einheit des Herzens und der begriffenen Tat
Butler: genauer sozialpsychologischer Realismus
- der ruchbare, egoistische Wallenstein
- in diesem plebejischen Emporkömmling offenbart sich Schillers Erschrecken über die Jakobinerdiktatur, sein Mißtrauen in die moralische Legitimität der nur moralischen und nicht sozialen Revolutionäre

Alle Figuren bestimmen sich aus ihrem Verhältnis zu Wallenstein, hermetischer Held.

Wallensteins Tod

- eine für Schiller typische Ironie: die Sterne lügen nicht, als sie Wallensteins Untergang mit der Verdunklung des Jupiter anzeigen.
Wallenstein schiebt die Himmelserscheinung auf den Tod von Max: der Neid des Schicksals ist gesättigt → er glaubt nunmehr an eine neue, glücklichere Zukunft, aber das Menetekel ist Ausgangspunkt für den genialen Schluß, der den Zuschauer „oben“ läßt

Zusammenfassung

Das Wallenstein-Drama handelt von der verzweifelten Kühnheit des provozierten einzelnen, zugleich von der objektiven Determiniertheit dieses einzelnen und der Schwierigkeit, solche Determiniertheit zu überwinden. Wallenstein selbst ist keine moralische Größe im Sinne von erfüllter Pflicht; es geht Schiller um die Darstellung der moralisch-freien Handlung. In diesem Zusammenhang ist die Wallenstein-Trilogie ein Gegenstück zum Don Carlos, eben kein utopisches Modell, sondern die Analyse des historischen Augenblicks und die Befragung seiner Helden. Schillers optimistisches Menschenbild, das sich an der Selbstbestimmung des Menschen orientiert und an die Veränderbarkeit politischer Verhältnisse durch den einzelnen Menschen glaubt, erfährt hier eine kantisch-kopernikanische Wende: Schiller verlegt das Reich der Freiheit in das Innere des Menschen, intelligible Freiheit.
Das Wallenstein-Drama ist ein Geschichtsdrama: Schiller beläßt die Fakten. P. Böckmann hat nachgewiesen, daß Wallenstein sich allein der der Sprache immanenten Verführungsmöglichkeiten, der listig täuschenden Worte, bedient, um sprachlich handelnd nicht in der Tat zu handeln. Das Drama will also Wahrheit vermitteln, die mit der Wirklichkeit nicht koinzidieren kann, weil sie absolut wahr ist.

Wilhelm Tell

1803/04

Thema

- Schiller beantwortet in diesem Stück die Frage nach der Relation von Historie und Poesie. Er stellt dichterisch die patriarchalisch strukturierte nationale Gemeinschaft auf die eine Seite und die politische Modellhaftigkeit einer aufgeklärten Gesellschaft auf die andere Seite und versucht so zu einer Bewertung aktueller Entscheidungen zu kommen. Schillers politischer Realitätssinn zeigt sich in der aufgeworfenen Frage, ob denn der erste politische Sieg auch schon der Sicherung der revolutionären Errungenschaft gleichkommt → Figur des Walter Fürst - prompte Erfüllung zu übernehmender Verpflichtungen.

Inhalt

- Die Schweizer sprechen dem System die Rechtmäßigkeit nicht ab; ihre Unabhängigkeit muß jedoch in einer positi­ven Relation dazu stehen. Es geht darum, die Führung des schweizerischen Staates ohne den Adel zu vollbringen. Der euphorische Jubel nach dem Bastillesturm sichert keine Ergebnisse!
- Schiller wirft die Frage des Rechtsproblems jeder Revolution auf. In Wilhelm Tell reduziert sich die Revolution auf den durch­aus diabolisch verstandenen Einzelfall, die Wiederherstellung eines zerstörten Rechtszustandes. Die Legitimität dieses Wiederherstellung ist abhängig von der idealistischen Gesinnung ihrer Vollstrecker; statt der Einheit der Handlung haben wir eine Einheit der Tat.

Figuren

Wilhelm Tell: handelt als Durchschnittsbürger, den die Umstände zum Handeln zwingen
- Opfer der Verhältnisse, kein politisch zielstrebiger Kopf; er gerät in die politische Aktivität hinein, Dilemma
- Mischung aus politischem Quietismus und moralisch motiviertem Hang zu spontaner kühner Aktion
- Spannungsverhältnis zwischen persönlichem Wunsch nach Rache und objektivem nach Veränderung: persönliche Tat als nationale
- anarchistische Untiefen → Tells Mordtat wird durch ihn allein moralisch und poetisch aufgelöst. Neben dem ruchlosen Mord aus Impietät und Ehrsucht (Parricida) steht nunmehr Tells notgedrungene Tat, sie erscheint schuldlos in der Zusammenstellung mit einem ihr so ganz unähnlichen Gegenstück, und die Hauptidee des ganzen Stücks wird eben dadurch ausgesprochen: das notwendige und rechtliche der Selbsthilfe in einem streng bestimmten Fall.
- Das eigentliche Argument Tells für seine Tat: die Übereinstimmung der bürgerlichen Emanzipation um 1291! mit dem Naturgesetz, gegen welches Geßner verstoßen hat.
- Letzlich bleibt Tell ein schnöder Meuchelmörder.
Rütliszene: Schwur der Schweizer: Uri, Schwyz, Unterwalden
- Walter Fürst plädiert für die sofortige Erfüllung aller übernommenen sozialen Abhängigkeiten. Aber der Zusammenhang zwischen Rütlischwur und Tellsage ist eigentlich lose, historisch nicht belegt.
Melchthal: konsequent antifeudal - Volksbefreiungsbewegung
Stauffacher: feudal, aber sein Ziel ist es, den einheimischen Adel in Affront zu Habsburg zu bringen
- Selbständigkeitsglaube
Attinghausen: der alte schweizer Adel repräsentiert die Spitze eines patriarchalisch-harmonischen Gesellschaftsgefüges
- seine Stellung als Vertreter des Adels ist im Sinne politischer Verantwortung irrelevant → das Volk führt sich selbst
von Rudenz: exemplifizierte Darstellung der nicht mehr individuellen Möglichkeit des Adels → entweder Habsburg oder konservative Partizipation an Volksmacht

Xenien

Gemeinschaftswerk mit Goethe von 1795/6
- meist begann der eine, und der andere ergänzte in einer zweiten Zeile den Grundgedanken: Xenien sind bissige, scherzhafte Zweizeiler, Distichen, die dato gegenwärtige Ereignisse bzw. Personen aufs Korn nehmen
- diebische Freude bei Goethe und Schiller über gelungene Apercus: Heute sind die Philister wieder tüchtig geärgert worden!

Schiller als Historiker

- großer Einfluß von Schlözer aus Göttingen, durch dessen entwicklungsgeschichtlichen Blick

Betrachtung der Geschichte

  1. tragisch-pessimistisch → Geschichte ist Räderwerk von Intrigen
  2. übertragisch-optimistisch → das Tragische weckt den Sinn fürs Erhabene, d.i. das über den Sinnen befindliche Menschsein, die absolute Independenz

- fragte sich, wie sich das Universale zum Nationalen verhält → das Nationelle, als Teilganzheiten verstanden, ist geschichtliche Wirklichkeit im Individuellen, das sich im Gedicht weitet und die Welt ergreift
- Schiller, d.i. monumentalische Geschichtsschreibung - von monere = in sich gehen
- die Rede des Dichters kann sich nur an den einzelnen richten, nicht an die Gesamtheit
- Schiller setzt das Subjekt der Menschheit nicht mit der Weltgeschichte gleich
- das Nationelle muß in den Kontext des Universalen gestellt werden, sonst verabsolutiert sich das Nationelle zum Nationalen, zum Nationalismus
- unbefangene Würdigung des Mittelalters
- Schiller arbeitete quellenkundlich weniger am 30jährigen als beim Abfall
Besorgungsproblem: Quellen → Schiller wußte von der Unvollkommenheit seiner Quellen, war aber dennoch darüber unverdrossen
- es gelang ihm, eine Gesamtcharakteristik der holländischen Revolution und ihrer Triebkräfte zu erarbeiten (Streisand)

Was heißt und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?

Griesbachs Haus am Löbdergraben Antrittsrede zur Professur an der Uni Jena am 26.Mai 1789
- Schiller entwickelt den Charakter und die Aufgaben des philosophischen Kopfes im Gegensatz zu den Eigenschaften des bloßen Brotgelehrten
- er zeichnet ein Bild von der Entwicklungsgeschichte der Menschheit und fordert vom Historiker, die wesentlichen Wendepunkte der Geschichte und das Verhältnis von Ursache und Wirkung zu erkennen
- es gehe nicht um eine Anhäufung von Wissen: dieses Ziel dürfe der Historiker nicht zu erreichen suchen, sondern Wissen ist hier bloß das Material, das es zu bearbeiten gelte, zu prüfen gelte
- Schillers Methode ist teleologisch: der Historiker muß das Vergangene mit dem Gegenwärtigen verknüpfen und so Ordnung in den Stoff bringen → Interpolation
- Erkenntnis diene der Zertrümmerung alter Systeme: die Wahrheit ist entscheidend, nicht das System

Das Griesbachsche Haus, links daneben der Hörsaal, der im Krieg von Aushämischen zerstört wurde, rechts das Universitätshauptgebäude, das 1789 noch nicht existierte. Die Aufnahme stammt aus den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Schillers Vortragsweise

- er sagte viel Gutes und Schönes, aber seine Deklamation wirkte überspannt und verfehlte dadurch oft ihren Zweck
- hatte seinen schwäbischen Dialekt 1789/90 noch nicht abgelegt und konnte sich in Thüringen damit nicht behaupten, auch war die Modulation seiner Stimme wenig angepaßt: falsche Betonungen, übertriebene Gesten…: Doch ist es weit besser, ihn zu lesen als zu hören. Ein feiner, wohlgebildeter Mann. Was er liest, ist vortrefflich; doch wie er liest - ein unausstehlicher Dialekt, eine oft überaus falsche Deklamation, eine unangenehme Ausrede… Er wird wohl hier nicht lange bleiben. Zu seinen Vorlesungen haben sich nur 29 unterschrieben, und neulich hat man ihm sogar die Lichtschere entwandt. (Rechlin)

Wirkung des Vortrags

- doch recht groß, was allerdings nicht am Vortrag selbst lag, sondern einerseits daran, daß Schiller seinerzeit berühmt war und das Volk daher zu ihm strömte und andererseits daran, daß zur Vortragsstunde keine anderen Collegs stattfanden und Schillers Vortrag nicht von den Studenten bezahlt werden mußte
- Schiller ließ den Vortrag drucken und verkaufen
- Schiller bezeichnete sich nach dieser Antrittsvorlesung als Professor der Geschichte, was die Fakultät erzürnte und er auch durch Dekan Hennings gemaßregelt wurde, der in einem Missiv sein Unbillen ausdrückte
- der mit Schiller gut bekannte Jenaer Professor Griesbach, in dessen Haus deie Antrittsvorlesung stattgefunden hatte, erklärte, daß Schiller sich künftig Professor der Philosophie nennen müsse

Schiller als Kantianer

- kam über Fichte zu Kant
- versuchte, Kants sittlichen Rigorismus mit seinem ästhetischen Sinn der Freiheit zu verbinden
Selbstverständnis: Eigentlich ist es doch nur die Kunst, wo ich meine Kräfte fühle, in der Theorie muß ich mich immer mit Theorien schlagen; dabei bin ich bloß Dilettant. Aber um der Ausführung selbst willen philosophiere ich gern über die Theorie.
- nach Kant gibt es allgemeingültige, notwendige Begriffe, durch die Erfahrung möglich ist; durch diese Begriffe kann die Objektivität der Dinge gedacht werden → der Verstand ist Quell der Gesetze der Natur
- für Kant beruht das Schöne auf eigenen Gesetzen, die in keiner Beziehung zum sittlichen Soll-Gesetz stehen → Schönheit läßt sich nur fühlen: man könne dieses Gefühl zwar mitteilen, beweisen läßt es sich aber nicht
- Schiller sieht dies anders: er sucht die objektiv präexistie­rende Grundlage des Schönen und sieht es in den Objekten selbst. Kant kann zwar das Logische von dem Ästhetischen scheiden, verfehlt jedoch den Begriff der Schönheit. Schönheit ist Freiheit in der Erscheinung.
→ Schiller will den Gegensatz zwischen Natur und Vernunft, der für Kant zwingend ist, überwinden:

  • der Mensch als sinnlich-sittliches Wesen solle sich die Pflicht zur Neigung machen und nicht in Tugenden ersticken

Weg: bei Schiller über die Ästhetik, bei Kant über die Religion → Kunst ist für Schiller Form und gehört somit zur praktischen Vernunft: Die Idee der Selbstbestimmung, die der Kernpunkt der Moral ist, strahlet aus gewissen Erscheinungen der Natur zurück, und diese nennen wir Schönheit.

  • Schiller anerkennt eine Gottesidee → die teleologische Ordnung besteht schon, unabhängig vom sittlichen Willen hat die Gottesidee spekulative Bedeutung, sie ist nicht vom sittlichen Willen aus gewonnen

Schiller als Philosoph

- Schiller bezog aus den Widersprüchen seines philosophischen Ringens Kraft und Ansporn für sein dichterisches Schaffen
- der sozialphilosophische Ausgangspunkt seiner Betrachtun­gen ist die durch die Vereinzelung der Geisteskräfte gekennzeichnete Situation
- Zwiespalt zwischen der Totalität des Individuums vs. Forderung nach natürlicher Ge­meinschaft → Schiller versucht die getrennten Wirksamkeiten durch den salto mortale einer idealisierten Gesellschaft zu überwinden und überträgt die Verantwortung der Zusammenführung der getrennten Teile - zwischen dem großen Haufen und der gebildeten Schicht - dem Dichter
- Mittelpunkt seines philosophischen Denkens war die ästhetische Theorie des Spiels, was Schiller zum Vorläufer der Dialektik Hegels macht
- Schiller will in die geheimen Triebkräfte der Seele schauen
- die Welt soll im Drama anhand eines geschichtlichen Gegenstandes subsumiert werden
- sein Ordnungsprinzip ist die gradatio statt der evolutio, denn am Anfang war die Einsheit, die auch wieder am Tage der Welt sein wird
- die Welt wird bestimmt durch Anziehung und Abstoßung, Anziehung in der Körperwelt, Liebe in der Geisteswelt → das glückselige Denken soll als Motiv für sittliches Handeln ausgeschaltet werden, denn Moralität kann nur innerhalb der Seele gedacht werden

Philosophie der Physiologie

1779
Doktorarbeit an der Solitude, die vor dem Herzog verteidigt werden mußte
Prämisse: das geistige Leben bestimmt den Menschen zur Gottgleichheit: Unendlich zwar ist dies sein Ideal, aber der Geist ist ewig. Ewigkeit ist das Maß der Unendlichkeit, das heißt, er wird ewig wachsen, aber es niemals erreichen. - was den Menschen ergötzt, wird ihn dem Ideal näherbringen, darum strebt er nach dem Schönen und Vergnügungen

Schiller als Politiker

- hielt politische Veränderungen in Deutschland für nicht wünschenswert, aber ein entsprechender politischer Zustand der Nation sei Voraussetzung für den klassischen Nationalautoren
- lehnt Revolution ab, denn bei der bestünde die Gefahr, daß die Ideale, die eine Revolution benötigte, in der Realität verlorengingen - statt dessen spricht Schiller vom Vernunftsstaat, nicht vom ästhetischen, der aber soll erreicht werden
- fordert Wärme statt Licht, d.i. eine ästhetische Kultur und das Programm der Klassik: der politischen Aufklärung folgt die ästhetische; sie zielt auf den Selbstzweck der Kunst
- bereits 1790, nachdem Salis-Seewis vom Sturm auf die Bastille in Jena berichtet hatte, ließ er verlauten, daß die Franzosen kein Volk seien, dem echt republikanische Gesinnungen eigen werden könnten

Schiller als Theosoph

- Schiller hat keine Lehre von der Theodizee, weil er eine Psychologie der Ästhetik, eine psychologische Untersuchung der Elemente betrieb
- die Anwendung des Übels in der Tragödie ist von Schiller nur als zweckmäßiges Mittel betrachtet worden, weil es die moralische Persönlichkeit weckt und Überlegenheit über Schicksal zum Bewußtsein bringt, dem die Sinnlichkeit unterliegt → Thema der Erhabenheit
- das metaphysische Übel ist eine Schiller fremde Idee, allerdings entsteht das Übel, wenn Form- und Stofftrieb nicht harmonisch zusammenwirken, wenn beide Triebe harmonisch zusammenwirken, so sind sie wie ein Trieb, der Spieltrieb genannt wird; was dieser Spieltrieb hervorbringt, die Einheit von Sinnlichkeit und Form, heißt Schönheit;
- nur einmal ließ er etwas von einer geheimen Gesellschaft fallen, bei welcher das Depot unserer Kultur sein sollte (Woltmann)
- die heilige Gestalt des Erlösers verehrte er, sie kam ihm immer mehr ans Herz und trat aus allem Menschenwahn leuchtend hervor, in Geist und Liebe; Schiller erkannte Christus in dem Glauben der Weltgeschichte als die versöhnende Stimme aus dem ewigen Leben und daß diese eben in der wilden Grausamkeit der römischen Welt ertönen mußte (Wolzogen)

Wertung

- der Vorwurf des philosophischen Zirkelschlusses und der Vermengung von Metapher und Begriff zielt ins Leere, da Schiller die Philosophie, als Vehikel benutzte, um der Wahrheit des Menschseins näher zu kommen, nicht, um als abstrakter Systematiker Renommee zu erzielen

Schiller als Übersetzer

- Schiller hatte für eine unmittelbare Einung mit der Sprache keine Möglichkeit des Begreifens
- er bleibt beim Übersetzen fast allein von Inhalt und Aufbau bestimmt und versucht das Originalwerk durch Änderungen im Inhalt und in der Verknüpfung der Handlung oder im Aufbau verbessern zu können, ohne eine innige Einung mit der sprachlichen Gegebenheit auch nur angestrebt zu haben
- empfand nicht den Trieb, Sprachgebilde von der Sprache her zu ergreifen → Dichtwerk ist ihm hierbei keine Sprachformung (Fahrner)

Literatur

  1. Biener, Maria: Die kritische Reaktion auf Schillers Dramen zu Lebzeiten des Autors. Dissertation, München 1974.
  2. Henn, Marianne: Schicksal und Nemesis in Schillers Dramen. Ottawa 1982.
  3. Löhde, Walter: Schiller - ein deutscher Revolutionär. München 1935. Freiheitsbegriff
  4. Kraft, Herbert: Das Schicksalsdrama. Tübingen 1974.
  5. Schillers Geistesart gespiegelt in seinen philosophischen Schriften und Gedichten. Abhandlung der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Philosophisch-historische Klasse 13, Berlin 1941.
  6. Schröder, Hans: Schiller als dramatischer Dichter. Bonn 1974.
  7. Teutschmann, Heinrich: Schillers verborgene Schöpfung. Dornach 1977.
  8. Thalheim, Günther: Zum Problem des geschichtlich handeln­den Menschen bei Schiller. In: Weimarer Beiträge Jahrgang 25, Heft 1, S. 5-21, Weimar 1979.
  9. Wertheim, Ursula: Schiller-Studien. Jena 1984

Rezeption

- kannte keine religiöse Libido

- Schiller wird in Wien 1880 ungestrichen gespielt, jeder Buchstabe ist heilig → d.i. töricht, weil theaterunwirksam
- er vergewaltigte Kunst des Schauspielers, da ihm andere Künste näher waren (Bahr)

Schillers Dramen

- der Mensch als Träger der Eigenschaft einer Freiheit zum Erhabenen gerät in den Kampf mit irdischen Mächten und muß sich opfern um einer sittlichen Freiheit willen, d.i. ein Zeichen der transzendenten Kraft des Menschen in einer bösen Welt
- zeigen den Menschen in seiner Bedrohtheit durch die Geschichte und das Schicksal, verstrickt in die Bedingtheit dieser Welt, aber trotzdem aufgerufen zu dem alles Endliche transzendierenden Akt der Freiheit, durch den das irdische Gefängnis entsiegelt wird
- sein Pathos dient dabei der Initiierung der Phantasie und setzt diese gleichzeitig, denn die Phantasie schenkt da Freiheit, wo die Wirklichkeit einengt
- die Antinomien dienen dabei einer Prämisse, die durchschritten werden muß, um sich Freiheit zu erringen
- diese Erhabenheit durchbricht die Immanenz der Geschichte und erweist den Menschen als einen freiwillig Handelnden, der über den Tod hinaus wirkt, in diesem Sinne zerreißt Schiller auch die Teleologie

Schillers Jugenddramen

- die dämonische Individualität spielt keine Rolle, wie bei den sogenannten Stürmern
- Schiller geht von der Ordnung aus, nicht vom Individuum → das Ich soll die Ordnung verwirklichen
- im Gegensatz zu Lessing will Schiller nicht nur durch Mitleid reinigen, sondern v.a. anschauen, d.h. bilden- angeschaut werden → sind nichts anderes als Seelenvorgänge, -erschütterungen und –gefährdungen, die als eine Art von Rettung aus dem Barockzeitalter über Intrigen in die bürgerliche Welt gerettet werden
- Schiller will keine sittlichen Entscheidungsdramen wie Lessing, denn bei Schiller siegt mitunter auch das Böse
- tragische Zustände beginnen bereits mit der Apostrophe der Willensfreiheit, so daß die Entscheidung für die Tat, die auch bei Schiller dem Charakter folgt, nicht jedoch prägt, auch der Charakter der Tat folgt - Auseinandersetzung mit der Mittel-Zweck-Kasuistik zwingend

Spätwerke

Schiller mußte den Mittelweg zwischen den hohen absoluten Kunstforderungen und den Bedingungen seiner Bühne und seines Publikums suchen. Deshalb sind alle späten Tragödien Formexperimente. Schiller legte die Axt an die Wurzel und beseitigte in sich die letzten Reste der Charaktertragödie, die die innerliche notwendige Schuld thematisiert. Er sucht die Darstellung eines notwendigen Werdens, nicht die Darstellung der Katastrophe allein. Seine Geschichtsdramen sind gewachsen auf dem römisch-französischen Stoizismus und deshalb Beschäftigung mit Corneille und Racine, dem christlichen Barockdrama und Shakespeares Weltbegebenheit.
Nach dem Studium der Kantschen Philosophie entwickelte Schiller das neue Drama als Erhabenheit des Willens und der Macht des Gewissens. Der Mensch muß sich in jeder historischen Situation Gott erringen.

Schillers Kunsttheorie

- Darstellung des Übersinnlichen, da die Freiheit nur dort möglich

- Schiller hat etwas Gewaltsames, handelt nach vorgefaßter Idee und besitzt keine hinlängliche Achtung vor dem zu behandelnden Gegenstand. (Goethe)
- sein philosophischen Begriffe sind ins ästhetische Bild zu bringen (Hölderlin)
- arbeitet an der Überwindung des Kantschen Mangels, der die inhaltlichen Aspekte des Kunstwerkes leugnete → die Aktivität des Individuums/Subjekts wird historisch analysiert (Lukacs)
- Schillers Geist ist tapfer; er wird sich durch den Staub hindurchkämpfen. (Nietzsche)

 
schiller.txt (4694 views) · Zuletzt geändert: 2017/09/10 11:37 von aerolith
 
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